Heinzelmännchen

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Dieser Artikel behandelt die Sagenfiguren. Zum deutschen Kinderfilm aus dem Jahr 1956 siehe Die Heinzelmännchen.

Die Heinzelmännchen waren der Sage nach Kölner Hausgeister. Sie verrichteten nachts, wenn die Bürger schliefen, deren Arbeit. Da sie dabei jedoch beobachtet wurden, verschwanden sie für immer. Neben ihrer Kleinheit zeigen auch typische Attribute, wie die Zipfelmütze und ihr Fleiß, dass die Heinzelmännchen zur Gruppe der Kobolde, Wichtel und Zwerge gehören.

Die Volkskundlerin Marianne Rumpf (1921–1998) führt in einem Beitrag[1] in der Fachzeitschrift für Erzählforschung Fabula von 1976 zwei Erklärungen zur Herkunft des Namens in der Volkssage an: Zum einen war Heinzelmännlein[2] eine Bezeichnung für die Alraune[3], die als Hausgeist verwendet wurde. Zum anderen waren Heinz[4] oder Heinzenkunst Namen von Vorrichtungen im Bergbau zur Wasserabführung. Daher könnten nach Rumpf die Bediener solch hilfreicher Vorrichtungen Heinzelmänner genannt worden sein.[5]

Kölner Sage[Bearbeiten]

Die Sage erscheint 1826 erstmals schriftlich in einem Werk des Kölner Schriftstellers Ernst Weyden (1805–1869) als kurze Prosaerzählung mit dem Herkunftsvermerk „Mündlich“ und der Einleitung:

„Es mag noch nicht über fünfzig Jahre seyn, daß in Cöln die sogenannten Heinzelmännchen ihr abentheuerliches Wesen trieben. Kleine nackende Männchen waren es, die allerhand thaten, Brodbacken, waschen und dergleichen Hausarbeiten mehrere; so wurde erzählt; doch hatte sie Niemand gesehen.“

Ernst Weyden: Cöln's Vorzeit[6]
Heinzelmännchen-Diorama mit bei Münzeinwurf beweglichen Figuren (am Aufstieg zum Drachenfels (Siebengebirge))

Populär geworden ist sie in der Gedichtfassung (Ballade) von 1836 des Malers und Dichters August Kopisch (1799–1853), mit der er die ursprünglich rheinländische Sage aus dem Siebengebirge nach Köln transportierte:

„Wie war zu Cölln es doch vordem,
Mit Heinzelmännchen so bequem!
Denn, war man faul:.... man legte sich
Hin auf die Bank und pflegte sich:
Da kamen bei Nacht,
Ehe man’s gedacht,
Die Männlein und schwärmten
Und klappten und lärmten
Und rupften
Und zupften
Und hüpften und trabten
Und putzten und schabten.....
Und eh ein Faulpelz noch erwacht,...
War all sein Tagewerk..... bereits gemacht!“

August Kopisch: Gedichte[7]

Verwandte[Bearbeiten]

Verwandte Figuren sind die Brownies aus dem englischen Sprachraum sowie die Tomtar aus Lappland (vgl. Trolle), die dort die Weihnachtsgeschenke bringen. Die Heinzelmännchen zählen zu den Vorbildern der Ende des 19. Jahrhunderts erfundenen Gartenzwerge. Kommerzielle Varianten neuerer Zeit sind die Mainzelmännchen als die Maskottchen des ZDF.

In den Niederlanden nennt man sie Kabouters. In den 1960er- und 1970er-Jahren entstand dort ein regelrechter Kult um diese fiktiven Geschöpfe. Dazu trug auch ein von Wil Huygen und Rien Poortvliet herausgebrachtes, liebevoll illustriertes Werk Das große Buch der Heinzelmännchen. Die ganze Wahrheit über Herkunft, Leben und Wirken des Zwergenvolkes bei. Immer neue Erkenntnisse wurden in Vereinen und Zirkeln aufgedeckt und man fotografierte angeblich die scheuen Wesen.

Heinzelmännchenbrunnen[Bearbeiten]

Heinzelmännchenbrunnen zu Köln von Edmund und Heinrich Renard
Heinzelmännchenbrunnen: Detail

Dieser Kölner Brunnen steht nahe dem Dom und gegenüber dem ältesten Brauhaus Kölns, dem Früh, in der Straße Am Hof. (50° 56′ N, 6° 57′ O50.9399444444446.9577222222222) Er wurde in den Jahren 1897–1900 von dem Architekten Heinrich Renard (1868–1928) und seinem Vater, dem Bildhauer Edmund Renard der Ältere (1830–1905) gestaltet, auch wenn dieser eigentlich eher der religiösen Kunst verpflichtet war. Der Brunnen wurde vom Kölner Verschönerungsverein aus Anlass des 100. Geburtstags von August Kopisch (1799–1853) gestiftet. Die Original-Skulptur der Schneidersfrau ist im Zeughaus Köln ausgestellt und hier durch eine der Verwitterung besser widerstehende Kopie ersetzt.

Die Grundform des Heinzelmännchenbrunnens wird durch ein Kreissegment bestimmt, dessen Mittelpunkt die dreipassförmige Brunnenschale aus Granit bildet. Darüber erhebt sich die Doppeltreppe, auf der die hübsch dargestellte Schneidersfrau mit einer Laterne in der Hand steht. Sie leuchtet auf die zu beiden Seiten heruntergestürzten Heinzelmännchen, die zu ihr aufschauen. Unter ihr am Mittelpfeiler des Brunnens steht auf einem über einem Schneiderwappen liegenden Schriftband der Kernsatz des Gedichtes von Kopisch: „Neugierig war des Schneiders Weib“.

Die massive Brüstungsmauer schließt an den eigentlichen Brunnen in westlicher und östlicher Richtung an. Sie besteht aus Sandstein. Acht Reliefs zieren die Mauer. Sechs davon zeigen die einzelnen Arbeiten der nächtlichen Helfer. Von links nach rechts sind dargestellt der Zimmermann, der Schreiner, der Bäcker, der Metzger, der Schenk und zuletzt der Schneider. Dazwischen befinden sich noch zwei Reliefplatten mit Auszügen aus dem Gedicht in Frakturschrift.

An der Rückseite des Brunnens sitzt eine Eule auf einem Buch und hält eine Lupe in den Krallen. Sie steht für Klugheit und Weisheit, das Buch und die Lupe weisen auf das literarische Werk von August Kopisch hin.

Heinzelmännchenplastik in Berlin-Alt-Treptow[Bearbeiten]

Vier Heinzelmännchen von Werner Richter, in Berlin-Alt-Treptow

Seit 1981 schmückt den Treptower Park auf der Höhe der Bulgarischen Straße am Weg zur Abteibrücke zur Insel Treptow (ehemals „Insel der Jugend“) ein von Werner Richter in Bronze und Granit geschaffenes Kunstwerk, das vier der Kölner Heinzelmännchen zeigt, die stark bewegt eine steile Treppe herabkollern. Die erzählfreudige Gruppe gehört zu den gelungenen Plastiken im Treptower Park aus der Zeit der DDR.[8] Der 2001 mit dem Bezirk Köpenick zum neuen Bezirk Treptow-Köpenick zusammengeschlossene Bezirk Treptow gründete zur politischen Wende mit Köln am Rhein eine Städtepartnerschaft.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Weyden: Cöln's Vorzeit. Geschichten, Legenden und Sagen Cöln's, nebst einer Auswahl cölnischer Volkslieder. Schmitz, Köln 1826
  • August Kopisch: Die Heinzelmännchen zu Köln, Regionalia Verlag, Rheinbach 2014, ISBN 978-3-95540-137-5
  • August Kopisch: Gedichte. Duncker und Humblot, Berlin 1836.
  • Rien Poortvliet, Wil Huygen: Das große Buch der Heinzelmännchen. Die ganze Wahrheit über Herkunft, Leben und Wirken des Zwergenvolkes. Stalling, Oldenburg, 1978. ISBN 3-7979-1668-X
  • Die Heinzelmännchen (und andere Geschichten aus Opas altem Buch) CD Hörspiel uccello verlag, ISBN 978-3-397337-80-7 (formal falsche ISBN)
  • Handbuch von Köln Verlagsanstalt Hermann Wieger, Köln 1925
  • Yvonne Plum: Kölner Brunnen Hayit Verlag Köln 1992
  •  Birgit Schilling, Karl Heinz Thurz: Brunnen in Köln. J.P. Bachem Verlag, Köln 1988, ISBN 3-7616-0936-1.
  • Hans-Jürgen Mende und Kurt Wernicke (Hrsg.): Berliner Bezirkslexikon Treptow-Köpenick, Berlin 2009, ISBN 978-3-89542-153-2

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Heinzelmännchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Heinzelmännchen – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Marianne Rumpf: Wie war zu Cölln es doch vordem mit Heinzelmännchen so bequem. Fabula, 17/1 (1976), S. 45–74
  2. Johann Christoph Adelung: Das Heinzelmännlein
  3. Der Alraun
  4. Johann Christoph Adelung: Der Heinz
  5. Rumpf, S. 70
  6. Ernst Weyden: Cöln's Vorzeit. Cöln am Rhein, Pet. Schmitz, 1826, S. 200; Volltext einsehbar bei Wikisource.
  7. August Kopisch: Gedichte. Berlin, Duncker und Humblot, 1836, S. 98, die erste Strophe; Volltext einsehbar bei Wikisource.
  8. Hans-Jürgen Mende, Kurt Wernicke (Hrsg.): Berliner Bezirkslexikon Treptow-Köpenick, Berlin 2009, S. 295.