Heisters

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50.5136111111119.4138888888889393Koordinaten: 50° 30′ 49″ N, 9° 24′ 50″ O

Heisters
Gemeinde Grebenhain
Höhe: 393 m
Fläche: 2,74 km²
Einwohner: 76 (31. Dez. 2011)
Eingemeindung: 1. Februar 1971
Eingemeindet nach: Steigertal
Postleitzahl: 36355
Vorwahl: 06644

Heisters ist ein Ortsteil von Grebenhain im Vogelsbergkreis, Hessen.

Geografie[Bearbeiten]

Heisters liegt im östlichen Vogelsberg in einer Höhe von 274 m ü. NN. Die Gemarkung von Heisters hat eine Fläche von 274 ha und erstreckt sich zwischen dem 480 m hohen Hesseberg im Norden und dem 459 m hohen Rohberg im Süden. Von ihr sind heute noch 240 ha landwirtschaftlich genutzte Fläche, davon 106 ha Wiesen und 47 ha Ackerland. Die Waldflächen betragen 87 ha, die Ortslage und sonstige Flächen wie Wege, Gewässer und überörtliche Straßen 34 ha. Durch den Ort fließt die Lüder, die bei Bermuthshain entspringt und nach 40 km bei Lüdermünd in die Fulda mündet.

Geschichte[Bearbeiten]

Die drei Ortsteile der kurzlebigen Gemeinde Steigertal (Heisters, Wünschen-Moos, Zahmen) weisen zahlreiche geschichtliche Gemeinsamkeiten auf. Der namensgebende Berg Steiger zwischen Heisters und Zahmen wird bereits in der Grenzbeschreibung der Pfarrei Crainfeld von 1011 als Grenzpunkt unter der Bezeichnung Steigira erwähnt. Obwohl in dieser Urkunde keine der drei Ortschaften namentlich genannt wird, ist davon auszugehen, dass diese zu diesem Zeitpunkt bereits existierten.

Urkundlich wird Heisters zum ersten Mal in einem Weistum des riedeselischen Gerichts Schlechtenwegen über Fischereirechte in der Lüder von 1418 als Heistrols erwähnt. Das Gericht Schlechtenwegen, zu dem neben Heisters unter anderem auch Wünschen-Moos und Zahmen gehörten, war bis 1338 Besitz der Herren von Blankenwald, einer Seitenlinie der Herren von Schlitz, und kam dann als Lehen der Fuldaer Äbte an die Herren von Eisenbach. Mit deren Aussterben im Mannesstamm fiel das Gericht 1428 an die Riedesel. 1680 wurde der Sitz des Gerichts von Schlechtenwegen nach Altenschlirf verlegt.

Während einer Fehde zwischen den Riedeseln und der Abtei Fulda wurden im Jahr 1467 die riedeselischen Gerichte Moos und Schlechtenwegen, darunter auch das Dorf Heisters, niedergebrannt. Die Rechte der fuldischen Propsteien Blankenau und Neuenberg im Gericht Schlechtenwegen, darunter auch in Heisters, blieben bis 1525 bestehen. Nach dem Deutschen Bauernkrieg nutzten die Riedesel jedoch die zwischenzeitliche Schwäche der Fürstabtei und entzogen ihr eigenmächtig die Lehensherrschaft und einen erheblichen Teil ihrer Besitzrechte.

Während des Dreißigjährigen Krieges starben im Jahr 1629 in Heisters 60 Menschen an der Pest, nachdem diese von den durchziehenden Söldnertruppen eingeschleppt worden war.

Die Kinder aus Heisters besuchten zunächst die 1540 im Pfarrort Nieder-Moos eingerichtete Schule. Erst im 18. Jahrhundert erhielten die einzelnen Filialorte eigene Schulmeister, so 1713 auch Heisters. Der Unterricht wurde zunächst reihum in den Häusern der Schulkinder abgehalten, bevor die Gemeinde Heisters 1837 ein eigenes Schulhaus bauen konnte.

Die Kirche in Heisters

Infolge der Mediatisierung beim Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation im Jahr 1806 wurde der Ritterschaftsstaat der Freiherren Riedesel zu Eisenbach dem Großherzogtum Hessen einverleibt. Seit diesem Jahr ist Heisters hessisch und wurde zunächst als Teil des Amtes Altenschlirf verwaltet. Nach dem Inkrafttreten der neuen hessischen Gemeindeordnung und Kreisordnung 1821 gehörte Heisters zunächst zum Landratsbezirk Herbstein (ab 1825 Landratsbezirk Lauterbach). 1848 wurde das Dorf Teil des kurzlebigen Regierungsbezirks Alsfeld und kam nach dessen Auflösung 1852 zum Landkreis Lauterbach.

Wegen ihrer geringen Einwohnerzahl erhielt die Gemeinde Heisters nach Inkrafttreten der hessischen Gemeindeordnung von 1821 keinen eigenen Bürgermeister, sondern bildete mit den benachbarten Gemeinden Wünschen-Moos, Zahmen und Steinfurt eine gemeinsame Bürgermeisterei. Die offizielle Bezeichnung lautete Bürgermeisterei Steinfurt, obwohl bis 1894 stets ein Ortsbürger aus Heisters das Bürgermeisteramt bekleidete. Nachdem Steinfurt 1865 einen eigenen Bürgermeister erhalten hatte, erfolgte die Umbenennung in Bürgermeisterei Heisters. 1909 gab es Bestrebungen in Heisters zur Loslösung von der gemeinsamen Bürgermeisterei mit Zahmen und Wünschen-Moos, diese wurden jedoch mit Rücksicht auf die finanziellen Belastungen nicht umgesetzt.

Im Ersten Weltkrieg fielen acht Soldaten aus Heisters oder wurden vermisst. Im Zweiten Weltkrieg hatte Heisters sieben Gefallene und Vermisste zu beklagen, hinzu kamen noch drei Angehörige der nach 1946 in das Dorf gekommenen Heimatvertriebenen.

Nach dem Abbruch des alten Schulhauses wurde von 1897 bis 1899 an gleicher Stelle ein Neubau erstellt. 1909 erfolgte der Bau der örtlichen Wasserleitung und 1923 der Anschluss an das Stromnetz des Überlandwerks Oberhessen. 1962 erfolgte der Ausbau der Ortsdurchfahrt von Heisters, die in den Jahren 1979 und 1984 nochmals erneuert wurde. 1963 wurde die Wasserversorgung von Grund auf erneuert, wobei die Gemeinden Heisters und Zahmen eine gemeinsame Pumpstation mit Hochbehälter errichteten.

Die einklassige Volksschule im Ort musste 1969 infolge der Schulreform in Hessen zugunsten der neuen Mittelpunktschule (Oberwaldschule) in Grebenhain geschlossen werden. Das Heisterser Schulhaus wurde anschließend bis 1972 zu einem Dorfgemeinschaftshaus umgebaut.

Noch in der Anfangsphase der Gebietsreform in Hessen beschlossen die Gemeinden Heisters, Wünschen-Moos und Zahmen, sich auf freiwilliger Basis und auf Grundlage der schon lange bestehenden Bindungen zu einer gemeinsamen Gemeinde zusammenzuschließen. Somit wurde zum 1. Februar 1971 die Gemeinde Steigertal gegründet. Die Hoffnungen, auf diese Weise der Angliederung an eine der im Rahmen der Gebietsreform geplanten Großgemeinden zu entgehen, erfüllten sich jedoch nicht. Nach nur eineinhalb Jahren erfolgten am 1. August 1972 aufgrund eines Gesetzes die Eingemeindung der Gemeinde Steigertal in die Großgemeinde Grebenhain[1] und zugleich die Eingliederung in den neugebildeten Vogelsbergkreis. Geblieben ist jedoch der gemeinsame Ortsvorsteherbezirk der Ortsteile Heisters, Wünschen-Moos und Zahmen.

Nach Inkrafttreten der Gebietsreform erfolgte von 1983 bis 1985 der Neubau des Feuerwehrhauses und von 1994 bis 1996 der Bau einer Gemeinschaftskläranlage für die Ortsteile Heisters, Metzlos, Metzlos-Gehaag, Wünschenmoos und Zahmen. 1999 erfolgte die Aufnahme aller dreier früherer Ortsteile von Steigertal in das hessische Dorferneuerungsprogramm, in dessen Rahmen Heisters bis 2010 gefördert wurde. Im Jahr 2007 erfolgte die Einweihung des im Rahmen der Dorferneuerung sanierten Dorfgemeinschaftshauses.

Religionen[Bearbeiten]

Ursprünglich gehörte Heisters zu dem 1011 gegründeten Kirchspiel Crainfeld. Verhältnismäßig früh wurde in dem kleinen Dorf auch eine eigene Filialkirche errichtet, die in veränderter Form bis heute erhalten ist und genutzt wird. 1524 wurden die im Gebiet der Riedesel zu Eisenbach gelegenen Dörfer des Kirchspiels jedoch von der auf hessischem Gebiet stehenden Mutterkirche abgetrennt und zur eigenständigen Pfarrei Nieder-Moos erhoben. 1528 wurde die Reformation in dem neugegründeten Kirchspiel eingeführt. Bis 1945 blieb Heisters rein evangelisch.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinsamer Ortsvorsteher von Heisters, Wünschen-Moos und Zahmen ist Bernhard Simon (Stand 2011).

Vereine[Bearbeiten]

Das Vereinsleben von Heisters ist, bedingt durch die lange Zeit der gemeinsamen Bürgermeisterei und der Gemeinde Steigertal, eng mit dem von Wünschen-Moos und Zahmen verbunden. Ex existieren die folgenden Vereine von Bürgern der drei Ortsteile (Gründungsjahr in Klammern):

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Das ursprünglich landwirtschaftlich geprägte Dorf Heisters ist heute nahezu ein reiner Arbeitspendler-Wohnort. Zum örtlichen Gewerbe gehören noch eine Metzgerei und ein Haustechnikbetrieb.

Verkehr[Bearbeiten]

Durch Heisters führt die Kreisstraße 91 von Crainfeld bis Zahmen. Im Ort mündet außerdem die in Altenschlirf beginnende Kreisstraße 89 in die Kreisstraße 91 ein.

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Dorfgemeinschaftshaus Heisters, ursprünglich als Schule gebaut

Evangelische Filialkirche[Bearbeiten]

Die oberhalb der Lüder gelegene kleine Kirche von Heisters wurde vermutlich im 14. oder 15. Jahrhundert gebaut, worauf ein noch erhaltenes (jedoch zugemauertes) gotisches Fenster hindeutet. Erstmals wird sie 1570 als Capellen zum Heysters erwähnt. 1842-1843 wurde die Kirche um ein Drittel vergrößert und erhielt dabei auch das heutige äußere Erscheinungsbild. Der noch in Gebrauch befindliche Taufstein stammt von 1653. Die beiden in dem Dachreiter der Kirche aufgehängten Glocken wurden 1699 und 1733 gegossen. Eine Orgel befindet sich seit 1777 in der Kirche und wurde mehrfach, zuletzt 1993, renoviert.

Alte Schule (Dorfgemeinschaftshaus)[Bearbeiten]

Unmittelbar neben der Kirche befindet sich das 1897-1899 in Fachwerkbauweise anstelle eines Vorgängerbaus von 1837 errichtete ehemalige Schulhaus. Es wurde von dem Baumeister Gustav Jockel aus Lauterbach entworfen und von dem Zimmermeister Sebastian Fritz aus Crainfeld gebaut. Das Schulhaus diente bis 1969 seinem Zweck und wurde bis 1972 zum Dorfgemeinschaftshaus umgestaltet. Im Rahmen der Dorferneuerung wurde das Gebäude 2005–2007 saniert und um einen modernen Anbau ergänzt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Karlheinz Leuther: Heisters und seine Umgebung, Lauterbach 1970
  • Volkmar Seibert: Dorfchronik Steigertal. Heisters - Wünschen-Moos - Zahmen, Zahmen 2012

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 367 und 368.

Weblinks[Bearbeiten]