Helaman Ferguson

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Helaman Rolfe Pratt Ferguson (* 1940 in Salt Lake City, Utah) ist ein US-amerikanischer Mathematiker und Bildhauer.

Ferguson, der früh beide Eltern verlor, wuchs in New York City auf, studierte Mathematik und bildende Kunst (Malerei, Bildhauerei) an einem Liberal Arts College (Hamilton College in Clinton) mit dem Bachelor-Abschluss 1962 und wurde 1971 an der University of Washington in Seattle in Mathematik promoviert (Some integers of Harish-Chandra). Danach lehrte er 17 Jahre als Professor für Mathematik an der Brigham Young University. 1988 bis 1999 war er am Center for Computer Science in Bowie (Maryland). Verbindungen zur Bildhauerei hatte er schon durch seinen Stiefvater, einem Naturstein-Maurer. Er lebt in Laurel, Maryland. Neben seiner bildhauerischen Tätigkeit entwirft er nach wie vor Algorithmen.

Er veröffentlichte insbesondere über Algorithmen für Betriebssysteme, Anwendungen diskreter Matrix-Gruppen und Scientific Visualization.

Gemeinsam mit Rodney Forcade publizierte er 1979 einen folgenreichen rekursiven Algorithmus zur Ermittlung ganzzahliger linearer Abhängigkeiten zwischen reellen Zahlen.[1] Das Verfahren konnte diese finden oder die Existenz einer Abhängigkeit ausschließen, bei explizit bestimmten oberen Schranken für die Beträge der Koeffizienten der Linearkombinationen. Dieser Algorithmus wurde im Jahr 2000 von den SIAM-Gasteditoren Jack Dongarra und Francis Sullivan unter die zehn besten Algorithmen des vergangenen Jahrhunderts eingeordnet.[2] Nach seiner Weiterentwicklung durch Ferguson und David H. Bailey zum nichtrekursiven PSOS-Algorithmus fand er 1989 erste bemerkenswerte Anwendungen.[3] Ferguson und Bailey verbesserten ihr Verfahren 1992 weiter zum PSLQ-Algorithmus.[4] Dieser wurde von Bailey und Peter Borwein unter anderem bei der Entdeckung von Formeln für die Berechnung von Pi eingesetzt. Im Jahr 1999 gaben schließlich Bailey, Ferguson und dessen Kollegen Steve Arno eine strenge Analyse des PSLQ-Algorithmus.[5]

Als Bildhauer wählt Ferguson mathematische Formen, die er zuvor am Computer entwarf. Er hatte mehrere Einzelausstellungen an US-amerikanischen Universitäten und zum Beispiel bei der New York Academy of Sciences und der Mathematical Association of America in Washington, D. C., sowie Gruppenausstellungen unter anderem im Computer Museum in Boston und der Smithsonian Institution. Eine seiner Skulpturen wurde vom Clay Mathematics Institute (1999 als Granitskulptur in Auftrag gegeben) als Logo gewählt.[6]

Mit Claire Ferguson erhielt er den JPBM (Joint Policy Board of Mathematics) Communication Award der SIAM.[7] 1999 war er Keynote Speaker auf der SIGGRAPH Konferenz in Los Angeles.[8]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ivars Peterson: The song in the stone, Science News, 17. Februar 1996
  • Claire Ferguson: Helaman Ferguson - Mathematics in Stone and Bronze, Meridian Creative Group 1994

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ferguson, Forcade: Generalization of the euclidean algorithm for real numbers to all dimensions higher than two. (PDF; 369 kB) Bull. Amer. Math. Soc. 1 (1979), S. 912–914
  2. Barry A. Cipra: The best of the 20th century: Editors name top 10 algorithms. (PDF; 44 kB) SIAM News 33 (2000), No. 4
  3. Bailey, Ferguson: Numerical results on relations between numerical constants using a new algorithm. (PDF; 1,0 MB) Math. Comput. 53 (1989), No. 188, S. 649–656
  4. Ferguson, Bailey: A polynomial time, numerically stable integer relation algorithm. (PDF; 113 kB) RNR Techn. Rept. RNR-91-032, Jul. 14, 1992.
  5. Ferguson, Bailey, S. Arno: Analysis of PSLQ, an integer relation finding algorithm. (PDF; 348 kB) Math. Comput. 68 (1999), No. 225, S. 351–369
  6. Figure Eight Knot Complement, Clay Mathematics Institute
  7. JPBM Award für Ferguson
  8. Siggraph 99, Ferguson als Keynote Speaker

Weblinks[Bearbeiten]