Helen’s Reef

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Dieser Artikel behandelt die Untiefe Helen’s Reef nahe Rockall. Für das Riff im Pazifik siehe Helen-Riff.
Lage von Rockall bei Helen’s Reef

Helen’s Reef (engl. für: Helens Riff) ist eine Untiefe (untermeerische Aufragung) zwei Kilometer ostnordöstlich der Felsinsel Rockall. Bei Niedrigwasser liegt das Riff üblicherweise knapp zwei Meter (6 Fuß) unter der Wasseroberfläche[1]; bei starkem Niedrigwasser und/oder starkem Wellengang ist vom Helen’s Reef in Wellentälern manchmal ein kleiner, abgerundeter Fels sichtbar. Ansonsten ist die Untiefe, die bei Hochwasser bis ca. 3,60 Meter (12 Fuß) unter dem Meeresspiegel liegt, über Wasser üblicherweise durch sich brechende Wellen zu erkennen. Je nach Wasserstand und Wetterlage können solche Wellen in einem bis zu 30 Meter breiten Bereich auftreten; nur bei ruhigem Wetter und Ostwind sind sie bloß in größeren zeitlichen Abständen zu sehen.[2]

Das Riff ist Teil des Rockall-Plateaus, eines Mikrokontinents westlich der Hebriden. Es besteht somit nicht aus Gesteinen, die für die Ozeanische Erdkruste typisch wären, sondern aus Material der kontinentalen Erdkruste. Verschiedene Gesteinsproben vom Riff belegen, dass es sich um einen olivinreichen Gabbro handelt, dessen Alter auf etwa 81 Millionen Jahre datiert wurde.[3] Dabei weist das Gestein allerdings große Ähnlichkeit mit jüngeren Gabbros aus dem Paläogen auf, wie sie beispielsweise auf der Insel Skye oder St. Kilda vorhanden sind, so dass das kreidezeitliche Alter bezweifelt wurde.[4] Eine weitere Datierung eines Basalts von der Rosemary Bank (Rockall Plateau) ergab jedoch wiederum eine Oberkreide-Alter (71 bis 69 Millionen Jahre, oder möglicherweise sogar noch etwas älter), das in diesem Fall durch zwischen gelagerte Sedimente biostratigraphisch abgesichert ist.[5]

In der Gegend der Untiefe wurde eine starke negative magnetische Anomalie festgestellt; sie wird wahrscheinlich durch lokal hohe Gehalte an ferromagnetischen Mineralen des Gesteins verursacht.[6]

Gefahr für die Schiffahrt und Namensherkunft[Bearbeiten]

Für die Seefahrt hat Helen’s Reef seit Jahrhunderten eine ernstzunehmende Gefahr gebildet. Es wurde wiederholt als „sehr gefährlich“ (1848)[7] oder auch als „wahrscheinlich die größte Gefahr“ aller Seefahrtshindernisse der Umgebung (1960)[8] beschrieben.

Der erste bekannte menschliche „Kontakt“ fand möglicherweise 1686 statt, als ein Schiff hier oder am nahen Rockall Schiffbruch erlitt; die Überlebenden konnten sich bis St. Kilda (Schottland) retten.[9]

Ihren Namen erhielt die Untiefe 1824, als die Brigantine Helen aus Dundee (nach anderen Angaben: Helen of Dundee[10]) am 19. April 1824 unter ihrem Kapitän Thomas Erskine auf dem Weg nach Montréal (Kanada) bei Dunst auf das zuvor nicht bekannte Riff fuhr und leckschlug; Besatzung und Passagiere versuchten 13 Stunden lang, die Helen durch Pumpen zu retten, bis sie sie aufgeben mussten. Nachdem ein Beiboot beim Zuwasserlassen zerstört worden war, konnten sich nur die 12 Mann Besatzung und ein Passagier in zwei weiteren Booten retten und wurden von der Bark Flora (angeblich auf dem Weg von Danzig nach Liverpool) unter Kapitän Baker geborgen. 16 Passagiere – darunter 7 Frauen und Kinder – starben.[11]

Nach manchen Angaben geriet eventuell bereits 1806 ein Schiff unter Kapitän Osborn aus Workington (Cumbria) in die Gegend des Riffs und entkam nur mit Mühe;[12] ein Bericht aus dem Jahr 1825 legt allerdings nahe, dass es sich bei jenem Schiff um Untiefen im Südosten (nicht: Nordosten) von Rockall gehandelt hat.[13]

Das Scottish Geographical Magazine vermutete Jahrzehnte später, es sei „nicht unwahrscheinlich, daß zumindest einige der rätselhaften Fälle von verschollenen gut ausgerüsteten Schiffen, wie sie jedes Jahr vom Atlantik berichtet werden, mit diesen gefährlichen, unsichtbaren Riffen [einschließlich des Helen’s Reef] in Verbindung stehen.“[14] Trotz der bekannten Gefahren waren weder das Helen’s Reef noch der nahe Felsen Rockall bis zu diesem Zeitpunkt mit Leuchtfeuern, Glocken oder Tonnen versehen worden; das Trinity House – die Leuchtfeuerverwaltung für England – teilte auf Anfrage mit, es sei nie angenommen worden, Rockall liege im rechtlichen Zuständigkeitsbereich (jurisdiction) der englischen Leuchtfeuerverwaltung.[15]

Am 28. Juni 1904 lief das dänische Passagierschiff Norge auf Helen’s Reef auf und sank innerhalb von 20 Minuten. 625 Passagiere und Besatzungsmitglieder ertranken, nur 170 überlebten. Es handelt sich um das bis dahin schwerste Schiffsunglück im Nordatlantik.

Rockall blieb bis mindestens 1955 unbeleuchtet; erst gegen 1973 wurde bei Helen’s Reef ein Leuchtfeuer errichtet.[16]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. (1907?!). Transactions of the South African Philosophical Society, Band 16 (S. 24). Royal Society of South Africa (engl.)
  2. John Alexander Harvie-Brown, Thomas E. Buckley, William Anderson Smith, R. Foster Heddle (1888). A vertebrate fauna of the outer Hebrides. Volume 2 of Vertebrate fauna of Scotland (S. c [sic!]). D. Douglas
    Nicholas Coit Flemming (Hrsg.) (1973). Science diving international: proceedings of the 3rd symposium of the Scientific Committee of the Confederation Mondiale des Activités Subaquatiques, 8th–9th October, 1973 : held in London during the 3rd World Congress of C.M.A.S. (S. 207). British Sub Aqua Club
    (1955?!). The Listener, Band 54 (S. 497). British Broadcasting Corporation
  3. D. G. Roberts, N. C. Flemming, R. K. Harrison, P. E. Binns und N. J. Snelling: Helen's Reef: a microgabbroic intrusion in the Rockall intrusive centre, Rockall Bank. Marine Geology, Band 16, 1974, S. M21–M30.
  4. J. D. Ritchie und K. Hitchen: Early Paleogene offshore igneous activity to the northwest of the UK and its relationship to the North Atlantic Igneous Province. Geological Society London Special Publication 101, 1996, S. 63–78.
  5. Andrew C. Morton, Ken Hitchen, J. Derek Ritchie, Nicolette M. Hine, Martin Whitehouse und Sam G. Carter: Late Cretaceous basalts from Rosemary Bank, Northern Rockall Trough. Journal of the Geological Society, 152(6): 947–952, London 1995 doi:10.1144/GSL.JGS.1995.152.01.11
  6. D. G. Roberts: A new Tertiary volcanic centre on the Rockall Bank, Eastern North Atlantic Ocean. Nature, Band 223, S. 819–820, 1969.
  7. William C. Redfield // oder: James Tasker [Master of the Grace Darling] (1848). Memoir of the dangers and ice of the North Atlantic Ocean (S. 1). (gesammelt von George William Blunt), E. & G.W. Blunt
  8. (1960?!). The Nautical Magazine. A Magazine for Those Interested in Ships and the Sea. Bände 183–184 (S. 156).
  9. (1950). Bird notes. Bände 24–25. Royal Society for the Protection of Birds
  10. Steven Sora (2004). The lost colony of the Templars: Verrazano’s secret mission to America (S. 134). Inner Traditions / Bear & Company
  11. isb. Namensherkunft: Nicholas Coit Flemming (Hrsg.) (1973). Science diving international: proceedings of the 3rd symposium of the Scientific Committee of the Confederation Mondiale des Activités Subaquatiques, 8th–9th October, 1973: held in London during the 3rd World Congress of C.M.A.S. (S. 207). British Sub Aqua Club
    Details: John Purdy (1825). Memoir, descriptive and explanatory. to accompany the new chart of the Atlantic ocean and comprising instructions, general and particular, for the navigation of that sea (S. 242). R.H. Laurie
  12. (1898?) Scottish geographical magazine, Band 14 (S. 399). Royal Scottish Geographical Society
  13. John Purdy (1825). Memoir, descriptive and explanatory. to accompany the new chart of the Atlantic ocean and comprising instructions, general and particular, for the navigation of that sea (S. 242). R.H. Laurie
  14. On the whole, it seems not unprobable that some, at least, of the mysterious disappearances of well-found vessels which are reported annually from the Atlantic are connected with these dangerous hidden reefs. (1898?) Scottish geographical magazine, Band 14 (S. 399). Royal Scottish Geographical Society
  15. Scottish geographical magazine, Volume 14
  16. (1955?!). The Listener, Band 54 (S. 497). British Broadcasting Corporation
    Mine and quarry, Band 2. Ashire Publishing

57.6014-13.6581Koordinaten: 57° 36′ 5″ N, 13° 39′ 29″ W