Helene Schwärzel

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Helene Schwärzel (* 16. Januar 1902 in Königsberg (Preußen); † nach 1992) war eine Buchhalterin, die 1944 den deutschen Widerstandskämpfer Carl Friedrich Goerdeler an die Nationalsozialisten verriet, als dieser sich nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 auf der Flucht vor der Staatsmacht befand. Helene Schwärzel erhielt dafür die ausgelobte Belohnung von einer Million Reichsmark. Im Jahre 1946 wurde sie als Denunziantin von einem deutschen Gericht in der ersten Instanz zu 15 Jahren, in der zweiten zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt.[1]

Außer ihr wurde kein Richter, kein Staatsanwalt, kein Gestapo-Mann, kein Soldat, kein Zivilist wegen des Justizmordes an Carl Goerdeler verurteilt. Ihre Verteidigung übernahm, mit Zustimmung von Goerdelers Frau Anneliese, dessen Freund Paul Ronge. Sie war die erste von 490 Denunzianten, welche in der Nachkriegszeit verurteilt wurden.

Unter dem Titel „Die Denunziantin“ erschienen im Mai 1993 ein Kinofilm und ein Buch. Die Bremer Historikerin Inge Marßolek und der Hamburger Filmemacher Thomas Mitscherlich erzählten gemeinsam diese Geschichte. Buch und Film machten zahlreiche Details aus dem Leben von Schwärzel bekannt, die bis dahin unbekannt waren:

Nach ihrer Freilassung aus dem Zuchthaus war Schwärzel lange auf der Flucht. Sie zog nach Schweden, Berlin und Düsseldorf. Sie putzte bei Privatleuten und glaubte sich verfolgt. Ihren Verwandten und Bekannten gab sie ein letztes Lebenszeichen in den sechziger Jahren; dann galt sie lange als tot. Im Winter 1985/86, nach zwei Jahren Suche, spürten die Historikerin Marßolek und ihr Bremer Kollege Hans-Josef Steinberg sie auf. Drei Stunden lang konnten sie mit Schwärzel reden. Ein zweites Treffen lehnte Schwärzel ab – sie hielt die Fremden auf einmal für „Abgesandte aus dem Reich des Bösen“ (Marßolek).[1]

Die letzte Nachricht erhielt das Autorenteam 1992: Schwärzel (inzwischen 90 Jahre alt) lebe in einem norddeutschen Altenheim. Einen Brief beantwortete die Denunziantin abschließend: „Auch das Stück Lebensgeschichte hat seinen Wert, bitte keinen Neid! Es ist nun mal mein wertvolles Leben, Gott sei Dank!“[1]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Belege[Bearbeiten]

  1. a b c Der Spiegel 18/1993 vom 3. Mai 1993: Das Böse war stärker. – SPIEGEL-Redakteur Clemens Höges über das Buch und den Film „Die Denunziantin“