Helios Klinikum Wuppertal

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Helios Klinikum Wuppertal
Wuppertal Barmen - Helios Klinikum 01 ies.jpg
Rechtsform GmbH
Sitz Wuppertal, Deutschland
Mitarbeiter 2.500
Website Helios-Klinikum Wuppertal

Das Helios Klinikum Wuppertal ist ein Krankenhaus in Wuppertal mit Standorten in Barmen (vormals Städtische Krankenanstalten) und Elberfeld (vormals Ferdinand-Sauerbruch-Klinikum). Es ist das größte Klinikum im Bergischen Land. Es verfügt 967 Betten und mehr als 2.500 Mitarbeiter (einschließlich Personal des DRK) sowie 26 Fachabteilungen. An den zwei Standorten in Barmen und in Elberfeld werden etwa 2.000 Mitarbeiter beschäftigt. Es ist seit 2004 das erste Universitätskrankenhaus eines privaten Betreibers in Deutschland. Pro Jahr nimmt die Klinik rund 50.000 stationäre Patienten auf und führt gut 100.000 ambulante Behandlungen durch.[1]

Das Helios-Klinikum Wuppertal ist eines der größten Häuser der Helios Kliniken. Es ist die Universitätsklinik der Universität Witten/Herdecke.

Geschichte[Bearbeiten]

Die heutigen zwei Standorte waren bis zur Zusammenführung 1976 zwei selbständige Krankenhäuser mit eigener Geschichte, das Ferdinand-Sauerbruch-Klinikum in Wuppertal-Elberfeld und die Städtischen Krankenanstalten Barmen.

Ferdinand-Sauerbruch-Klinikum in Elberfeld[Bearbeiten]

BW

Wegen der ständigen Überbelegung der 1820 und 1825 gegründeten Krankenhäuser in Elberfeld, auch nachdem 1848 zusätzlich ein Privathaus angemietet worden war, wurde durch die Stadt Elberfeld 1856 der Bau eines neuen Krankenhauses mit 250 Betten mit zugehöriger „Irrenanstalt“ beschlossen. 1857 erwarb die Stadt für 5000 Taler ein Grundstück am Arrenberger Weg für den Krankenhausbau. 1859 wurde der Grundstein für den Krankenhausbau gelegt, am 1. Dezember 1863 erfolgte die offizielle Eröffnung und Inbetriebnahme der „Städtischen Krankenanstalten“ der Stadt Elberfeld. Der Bau hatte statt der ursprünglich bewilligten 100.000 Taler 170.000 Taler gekostet. Wegen des weiter wachsenden Raumbedarfs wurde das Krankenhaus im Laufe des 19. Jahrhunderts stetig um weitere Gebäude erweitert. 1909 ergab sich die Gelegenheit das Gelände durch den Ankauf benachbarter Liegenschaften zu erweitern. Am 21. Februar 1913 wurden nach 22 Monaten Bauzeit die Erweiterungsbauten eingeweiht. Die Bettenzahl betrug nach dieser Erweiterung 752. Nach dem Ersten Weltkrieg erfolgten Erweiterungen auf dem an die heutige Senefelder Straße angrenzenden Teil des Krankenhausgeländes. 1940 wurde das Krankenhaus anlässlich des 65. Geburtstages von Ferdinand Sauerbruch in „Ferdinand-Sauerbruch-Klinikum“ umbenannt. 1976 wurde das Klinikum mit den „Städtische Krankenanstalten Barmen“ zum „Klinikum der Stadt Wuppertal“ zusammengefasst.[2]

Städtische Krankenanstalten Barmen[Bearbeiten]

Haupteingang
Hochhaus

1907 wurde mit den Bauarbeiten für die „Städtischen Krankenanstalten Barmen“ auf dem Gelände des früheren Gutshofes in der Schönebeck, angrenzend an den Schönebecker Busch, begonnen. Für die Errichtung der Fundamente mussten 140.000 Kubikmeter Erdreich bewegt werden, bis die Bauten der Krankenanstalten großzügig im Pavillonsystem angelegt werden konnten. Am 27. Juli 1911 konnte das Krankenhaus mit damals 556 Betten eingeweiht werden. Zu Beginn der 1950er Jahre wurde die Errichtung einer zentralen Kinderklinik in Barmen beschlossen. 1956 wurde in einem der ersten Hochhäuser in Wuppertal mit 200 Kinderkrankenbetten dieses Kinderkrankenhaus eröffnet. 1976 wurden die „Städtischen Krankenanstalten Barmen“ mit dem „Ferdinand-Sauerbruch-Klinikum“ zum „Klinikum der Stadt Wuppertal“ zusammengefasst. 1998 erfolgte noch die Errichtung des Hauses 4 für Urologie und Kinderurologie sowie der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie.[3]

Privatisierung[Bearbeiten]

Träger des Hauses ist die Klinikum Wuppertal GmbH. Mehrheitseigentümer dieser Trägergesellschaft ist seit dem 1. Januar 2003 die Helios-Kliniken-Gruppe, eine große deutsche Krankenhauskette. Helios hatte von der Stadt Wuppertal 94,9 Prozent der Klinikum Wuppertal GmbH für 34 Millionen Euro übernommen, bei der Stadt verblieben 5,1 Prozent, womit sie Minderheitsgesellschafter blieb, da die Stadt ein Mitspracherecht bei kommunalpolitisch relevanten Entscheidungen haben wollte. Die Helios GmbH verpflichtete sich, einen Teil der Schulden (38 Mio. €) des Klinikums zu übernehmen und eine entsprechende Bürgschaft der Stadt abzulösen; ferner wurde eine Finanzierungszusage von 27 Millionen Euro für Investitionen in bauliche und infrastrukturelle Verbesserungen des Klinikums von der Helios GmbH abgegeben. Die Stadt musste die übrigen Schulden (etwa 66 Mio. €) übernehmen.[4] Kritiker der Privatisierung befürchten eine Einschränkung des gesundheitlichen Services und der medizinischen Ausbildung, wenn sich das Klinikum als nicht rentabel genug erweisen sollte.[5] Es ist das größte der Helios Kliniken in Deutschland.

Die ebenfalls private Universität Witten/Herdecke kooperierte bereits seit 1998 mit dem Klinikum. Seit August 2004 ist das Haus das Universitätsklinikum der Universität Witten/Herdecke. Das Helios Klinikum in Wuppertal wurde damit zum ersten Universitätskrankenhaus eines privaten Klinikunternehmens. Bereits 1994 wurden Studenten und Ärzte im Praktikum in Wuppertal ausgebildet. Im Januar 2010 wurde von beiden Einrichtungen ein Kooperationsvertrag hierzu geschlossen. Derzeit bestehen neun Lehrstühle der Universität Witten/Herdecke an der Klinik, und es ist geplant, in den nächsten Jahren die Anzahl der Lehrstühle auf zwölf zu erhöhen. An den bereits bestehenden Lehrstühlen in den Fachabteilungen für Anästhesiologie, Chirurgie, Dermatologie, Kardiologie, Neurologie, Pathologie, Urologie, Innere Medizin und Klinische Pharmakologie wird zudem geforscht.[6][7]

Die Anerkennung der Wuppertaler Helios-Kliniken als Universitätsklinikum wurde vom Dachverband Deutsche Hochschulmedizin und dem Deutschen Hochschulverband allerdings kritisiert. In einer Erklärung hieß es, „die Verbände sähen die Gefahr des Qualitätsverlusts durch die inflationäre Vergabe des Titels Universitätsklinikum“, da es seit der Föderalismusreform des Jahres 2007 an verbindlichen Kriterien für die Titelvergabe fehle. Die Verbände kritisierten in diesem Zusammenhang, dass „Helios in der medizinischen Forschung bislang nicht in Erscheinung getreten“ sei, sowie die Abwesenheit „eines vollständigen Fächerkanons inklusive vorklinischer Ausbildung durch eine medizinische Fakultät“.[8]

Am Ärztestreik in Deutschland 2006 beteiligten sich Angehörige des Klinikums aus Solidarität mit einer „aktiven“ Mittagspause. Das Krankenhaus war, da es wegen der privaten Trägerschaft nicht dem Öffentlichen Dienst zuzurechnen war, von den eigentlichen Streiks nicht betroffen. Es sollte allerdings auch ein Zeichen hinsichtlich der Verhandlungen um einen Konzerntarifvertrag gesetzt werden.[9]

Erweiterung[Bearbeiten]

Im Jahr 2012 wurde beschlossen, das Helios Klinikum Barmen um eine eigene Neurochirurgie zu erweitern. Das Ziel sei, die zeitnahe Versorgung vor allem für Schlaganfallpatienten und Patienten mit schweren Kopfverletzungen zu sichern. Langfristig sehen die Pläne zudem die Installierung und Etablierung eines überregionalen Trauma-Zentrums in Wuppertal. Millionen-Investitionen wurden bereits getätigt, ein entsprechender Genehmigungsantrag beim Land Nordrhein-Westfalen wurde eingereicht. Kritik an diesem Vorhaben kam vor allem vom Bethesda-Krankenhaus Wuppertal, das bisher der einzige Anbieter dieser Fachrichtung ist.[10]

Zwischenfall[Bearbeiten]

Am 29. August 2006 gestand ein damals 36-jähriger Anästhesist des Helios-Klinikums in Barmen, in seiner Funktion als Ausbildungsleiter für den Bereich Rettungswesen vier zum Teil minderjährige männliche Schutzbefohlene unter Vorwand eines Medikamentenversuchs mittels des Betäubungsmittels Dormicum wehrlos gemacht und dann missbraucht zu haben. Die erste der stets am Wochenende unternommenen Taten datierte auf das Jahr 2004 zurück. Während der Taten nahm er das Geschehen mit einer Videokamera auf. Die Tat flog auf, nachdem ein Brandmeisteranwärter aus Köln-Weidenpesch während des vorgetäuschten Medikamententests aufwachte und eine Woche später Anzeige erstattete. Der Arzt nahm sich am 14. September 2006 das Leben. Das Ermittlungsverfahren wurde daraufhin eingestellt.[11][12]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rahul Sengupta, Hans J. Streicher, Johannes Köbberling: 125 Jahre Ferdinand-Sauerbruch-Klinikum Wuppertal-Elberfeld. Herausgegeben vom Verein der Freunde und Förderer der Ferdinand-Sauerbruch-Klinik. Born, Wuppertal 1988, ISBN 3-87093-053-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Helios Klinikum Wuppertal-Barmen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.helios-kliniken.de/klinik/wuppertal.html
  2. Wolfgang Mondorf: Geschichte Elberfelds
  3. Wolfgang Mondorf: Geschichte Barmens
  4. Presseerklärung der Stadt Wuppertal zur Privatisierung
  5. Privatisierung von Krankenhäusern Bochumer Stadt- & Studierendenzeitung vom 15. Januar 2003 (PDF)
  6. HELIOS Klinikum Wuppertal jetzt Universitätsklinikum, Informationsdienst Wissenschaft, 10. August 2004
  7. Helios Klinikum wird offiziell zur Universitätsklinik wz-newsline.de vom 4. Februar 2010
  8. Kritik an Uni-Klinik-Status für Helios wz-newsline.de vom 10. Februar 2010
  9. Pressemitteilung von verdi vom 22. Februar 2006
  10. Neurochirurgie: Helios-Pläne sorgen für Krankenhaus-Streit wz-newsline.de vom 16. August 2012, abgerufen am 20. August 2012
  11. Missbrauch in der Klinik: Arzt gekündigt In: Westdeutsche Zeitung. General-Anzeiger, 30. August 2006
  12. Skandal-Arzt Dino E. nimmt sich das Leben In: Westdeutsche Zeitung. General-Anzeiger, 14. September 2006

51.2738888888897.1744444444444Koordinaten: 51° 16′ 26″ N, 7° 10′ 28″ O