Helium-3

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Strukturformel
3He
Allgemeines
Name Helium-3
Summenformel 3He
CAS-Nummer 14762-55-1
PubChem 6857639
Kurzbeschreibung

farb- und geruchloses Gas[1]

Eigenschaften
Molare Masse 3,0160293191(26) g·mol−1[2]
Aggregatzustand

gasförmig[1]

Siedepunkt

3,197 K[3]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
04 – Gasflasche

Achtung

H- und P-Sätze H: 280
P: 410+403 [1]
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
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Helium-3 (He-3) ist ein stabiles Isotop des Heliums mit zwei Protonen und einem Neutron. Es ist selten auf der Erde und wird für die Forschung in der Kernfusion benötigt. Eine größere Häufigkeit von Helium-3 wird auf dem Mond vermutet (über Milliarden Jahre vom Sonnenwind in der oberen Schicht des Regolith abgelagert),[4] obwohl dort immer noch eine geringe Menge vorhanden ist (28 ppm des lunaren Regolith ist Helium-4 und 1 – 50 ppb sind Helium-3),[5][6] sowie auf den Gasplaneten (Überreste der protoplanetaren Scheibe) des Sonnensystems.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Helion, der Atomkern des Helium-3-Atoms, besteht aus zwei Protonen und, im Unterschied zum verwandten Helium mit zwei Neutronen, aus nur einem Neutron. Seine hypothetische Existenz wurde 1934 von dem australischen Kernphysiker Mark Oliphant als erstem erkannt, während er an der University of Cambridge im Cavendish Laboratory arbeitete. Oliphant unternahm Experimente, in welchen er schnelle Deuteriumkerne mit Deuteronen beschoss (nebenbei die erste Demonstration einer Kernfusion).[7]

Von Helium-3 wurde erwartet, dass es ein Radionuklid sein müsse, bis es in Proben von natürlichem Helium gefunden wurde (was überwiegend aus Helium-4 besteht). Herausgefunden wurde dies von Luis W. Alvarez und Robert Cornog in Experimenten mit Zyklotronen im Lawrence Berkeley National Laboratory in Californien im Jahr 1939.[8]

Es wird vorgeschlagen, Helium-3 als Treibstoff für Kernfusion der zweiten Generation für hypothetische Fusionsreaktoren zu verwenden. Diese sind aber immer noch in einer frühen Entwicklungsphase. Helium-3 wird in Instrumenten zur Detektion freier Neutronen genutzt, beispielsweise als Produkt in Fusionsreaktoren.

Vorkommen[Bearbeiten]

Obwohl Helium-3 10.000-mal seltener in den Gasquellen gefunden wurde als Helium-4, deutet seine signifikante Präsenz im Untergrund darauf hin, dass es nicht zerfällt, oder eine sehr lange Halbwertszeit von Milliarden von Jahren hat. Protium und Helium-3 sind die einzigen stabilen Nuklide, welche mehr Protonen als Neutronen enthalten.

Helium-3 tritt als ein ursprüngliches Nuklid auf, welches über Millionen von Jahren von der Erdkruste in die Atmosphäre und von dort wiederum in den Weltraum flüchtet. Es wird auch vermutet, dass Helium-3 ein natürliches nukleogenisches und kosmogenisches Nuklid ist, da es entstehen kann, wenn Lithium mit Neutronen bombardiert wird. Diese werden bei spontaner Spaltung und bei Kernreaktionen mit kosmischer Strahlung freigesetzt. Ein Teil des Helium-3 in der Erdatmosphäre ist ein Relikt von Kernwaffentests in der Hochatmosphäre und unter Wasser, welche von den Atommächten vor 1963 durchgeführt wurden. Das meiste kommt aus dem Zerfall von Tritium (Wasserstoff-3), welches mit einer Halbwertszeit von 12,3 Jahren in Helium-3 zerfällt. Zudem entlassen einige Kernreaktoren (auf dem Land oder auf dem Wasser), besonders bei Pannen, periodisch etwas Helium-3 und Tritium in die Atmosphäre. Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl setzte eine große Menge an radioaktivem Tritium frei, während kleinere Zwischenfälle weniger freisetzen. Währenddessen wurden beträchtliche Mengen von Tritium und Helium-3 bewusst in nationalen Kernreaktoren durch die Bestrahlung von Lithium-6 erzeugt. Das Tritium wird verwendet, um Nuklearwaffen zu verstärken und etwas entweicht während der Produktion, dem Transport und der Lagerung. Daher wird durch das direkte Entweichen und durch den radioaktiven Zerfall von Tritium Helium-3 in die Atmosphäre abgegeben. Der Großteil dieser beiden Gase entwichen und wurden durch die frühere Sowjetunion, Russland, dem Vereinigten Königreich und Frankreich produziert.

Häufigkeit im solaren Nebel[Bearbeiten]

Eine frühe Schätzung des urzeitlichen Verhältnisses von Helium-3 zu Helium-4 im solaren Nebel wurde durch die Messung des Verhältnisses in der Atmosphäre im Jupiter durch das Massenspektrometer der Galileo Raumsonde ermöglicht. Das Verhältnis beträgt ca. 1:10,000,[9] oder 100 Teile Helium-3 pro Million Teile Helium-4. Das ist ungefähr dasselbe Verhältnis wie das im Regolith des Mondes. Indessen ist das Verhältnis auf der Erde um den Faktor 100 niedriger, was hauptsächlich auf die Anreicherung der Helium-4-Lager, hervorgerufen durch den Milliarden jahrelangen Alphazerfall von Uran und Thorium, zurückzuführen ist.

Gewinnung[Bearbeiten]

Der aktuelle Jahresverbrauch von Helium-3 liegt bei ungefähr 60.000 Litern (ca. 8 kg).[10] Die Kosten auf den Auktionen betrugen bis vor kurzem noch ca. 100 US-Dollar/Liter, da die Nachfrage in den letzten Jahren rapide anstieg, haben die Preise 2000 US-Dollar/Liter erreicht.[11] Obwohl Helium-3 natürlich in kleinen Mengen durch radioaktiven Zerfall entsteht, wird praktisch das gesamte Helium-3, welches in der Industrie verwendet wird, künstlich hergestellt. Helium-3 ist ein Zerfallsprodukt von Tritium, welches wiederum durch Bombardierung von Deuterium-, Lithium-, Bor- oder Stickstoff-Targets mit Neutronen hergestellt werden kann. Die Produktion von Tritium in signifikanten Mengen benötigt den starken Neutronenausstoß eines Kernreaktors. Das Erbrüten von Tritium mit Lithium-6 verbraucht das Neutron, während das Erbrüten mit Lithium-7 ein langsames Neutron, als Ersatz für das verbrauchte schnelle Neutron, erzeugt.

Physikalische Eigenschaften[Bearbeiten]

Aufgrund seiner niedrigeren atomaren Masse von 3,02 atomaren Masseneinheiten hat Helium-3 Stoffeigenschaften, welche sich von Helium-4, mit 4 atomaren Masseneinheiten, unterscheiden. Aufgrund der schwachen, induzierten Dipol-Dipol-Interaktion zwischen den Heliumatomen, werden die makroskopischen physikalischen Eigenschaften hauptsächlich von der Nullpunktenergie bestimmt. So führen die Eigenschaften von Helium-3 zu einer höheren Nullpunktenergie als die von Helium-4. Das deutet darauf hin, dass Helium-3 weniger thermische Energie als Helium-4 für seine Dipol-Dipol-Interaktionen benötigt.

Die quantenmechanischen Effekte, welche bei Helium-3 und Helium-4 wirken sind signifikant unterschiedlich, weil Helium-4 mit seinen zwei Protonen, zwei Neutronen und zwei Elektronen einen Spin von "null" hat, was es zu einem Boson macht. Helium-3 hingegen hat mit einem Neutron weniger ein Spin von „einhalb“, was es zu einem Fermion macht.

Helium-3 verdampft, verglichen mit Helium-4 mit 4,23 K, bei 3,19 K und sein kritischer Punkt ist ebenso, mit Helium-4 mit 5,3 K verglichen, mit 3,35 K niedriger. Helium-3 hat weniger als die Hälfte der Dichte, wenn es verdampft. Das sind bei normalem Atmosphärendruck 59 Gramm pro Liter, während Helium-4 dabei 125 Gramm wiegt. Auch die Energie, welche zur Verdampfung nötig ist, ist mit 0,026 Kilojoule deutlich niedriger, als Helium-4 mit 0,0829 Kilojoule.[12]

Verwendung[Bearbeiten]

Neutronendetektion[Bearbeiten]

Helium-3 ist das wichtigste Isotop für Messausrüstungen der Neutronendetektion. Es hat eine hohe durchschnittliche Absorptionsrate für thermische Neutronenstrahlung und wird als Konvertergas in Neutronendetektoren verwendet. Das Neutron wird durch die nukleare Reaktion

n + 3He → 3H + 1H + 0,764 MeV

in die geladenen Partikel Tritium (T, 3H) und Protium (p, 1H) gewandelt, welche dann registriert werden können, indem man eine geladene Wolke in dem Stopgas eines Zählrohrs erzeugt.[13]

Überdies ist der Absorptionsprozess stark Spin-abhängig, was einem spinpolarisiertem Helium-3-Atom erlaubt, Neutronen mit einem Spinteilchen zu übertragen, während das andere absorbiert wird. Dieser Effekt wird in der Analyse polarisierter Neutronen, einer Technik, welche die magnetischen Eigenschaften der Materie erforscht, genutzt.[14][15][16][17]

Das US-amerikanische Department of Homeland Security hoffte Detektoren zu installieren, um in Schiffscontainern geschmuggeltes Plutonium durch seine Neutronenemissionen zu finden, aber die, durch den Rückgang der Nuklearwaffenproduktion seit dem Kalten Krieg hervorgerufene, weltweite Verknappung des Helium-3 hat dies verhindert.[18]

Kryotechnik[Bearbeiten]

Eine Helium-3-Absorptionskältemaschine verwendet Helium-3, um Temperaturen von 0,2 bis 0,3 Kelvin zu erreichen. Eine 3He-4He-Mischungskühlung verwendet eine Mischung aus Helium-3 und Helium-4, um kryotechnische Temperaturen von weniger als einem Tausendstel Kelvin zu erreichen.[19]

Eine wichtige Eigenschaft des Helium-3 ist, was es von dem häufigerem Helium-4 unterscheidet, dass sein Atomkern ein Fermion ist. Zurückzuführen ist dies auf die eigenartige Zahl von 1/2 Spinteilchen. Helium-4-Atomkerne sind Bosonen, welche eine ausgeglichene Zahl von 1/2-Spinteilchen besitzen. Dies ist eine direkte Folge der Additionsregeln für quantisierte kantige Impulse. Bei niedrigen Temperaturen (um die 2,17 K), geht Helium-4 in den Phasenübergang über: Ein Bruchteil von ihm geht in die suprafluide Phase über, welche ungefähr als ein Typ des Bose-Einstein-Kondensats verstanden werden kann. Ein Mechanismus dieser Art ist nicht für Helium-3-Atome erhältlich, da diese Fermione sind. Jedoch wurde spekuliert, dass Helium-3 bei viel tieferen Temperaturen ein Superfluid werden kann, wenn die Atome in Paaren, analog zu den Cooper-Paaren nach der BCS-Theorie der Supraleiter angeordnet sind. Jedes Cooper-Paar, welches einen ganzzahligen Spin hat, kann als Boson gesehen werden. Während den 1970ern, entdeckten David Morris Lee, Douglas Dean Osheroff und Robert Coleman Richardson den Zwei-Phasen-Übergang entlang der Schmelzkurve, welche bald als die zwei Phasen des Helium-3 erkannt wurde.[20][21] Der Übergang zu einem Superfluid tritt bei 2,491 Millikelvin (0,002491 K) auf der Schmelzkurve auf. Für diese Entdeckung wurden sie 1996 mit den Nobelpreis in der Physik ausgezeichnet. Anthony James Leggett gewann, für das bessere Verständnis der superfluiden Phase von Helium-3 2003, den Nobelpreis in der Physik.[22]

In einem Magnetfeld-freien Raum, gibt es zwei unabhängige, superfluide Phasen von Helium-3, nämlich die A-Phase und die B-Phase. Die B-Phase ist die Niedertemperatur- und Niederdruck-Phase, welche eine isotropische Energielücke hat. Die A-Phase ist die Hochdruck- und Hochtemperatur-Phase, welche sich überdies von einem magnetischen Feld stabilisieren lässt und zwei Knotenpunkte in seiner Lücke hat.

Nutzen für die Medizin[Bearbeiten]

Helium-3-Nuklide haben einen inneren Spin von 1/2 und ein relativ hohes gyromagnetisches Verhältnis. Helium-3 kann hyperpolarisiert werden, indem man disäquilibriumistische Mittel wie den Spinaustausch verwendet.[23] Während dieses Prozesses wird ein zirkularpolarisierter Infrarot-Laser auf die ungefähre Wellenlange abgestimmt, um die Elektronen eines Alkalimetalls, wie Cäsium oder Rubidium, innerhalb eines Glasgefäßes anzuregen.

Fusionsreaktionen[Bearbeiten]

Einige Fusionsprozesse produzieren hochenergetische Neutronen, welche Teile des Reaktors durch das kontinuierliche Bombardement der emittierten Neutronen und den dadurch resultierenden Aktivierungsprodukten radioaktiv werden lassen. Aufgrund dieses Bombardements und der Bestrahlung, muss die Stromerzeugung, wie bei einem Kernreaktor, indirekt über thermische Mittel erfolgen. Die Anziehungskraft der Helium-3-Fusion stammt aus der aneutronischen Natur seiner Reaktionsprodukte. Helium-3 an sich ist nicht radioaktiv. Das einzelne energiereiche Nebenprodukt, das Proton, kann durch elektrische und magnetische Felder eingefangen werden. Die Impulsenergie dieses Protons (welche es im Fusionsprozess erhalten hat) wird direkt mit dem umgebenen elektromagnetischen Feld interagieren und so Elektrizität erzeugen.[24]

Aufgrund des höheren Coulombwalls sind die Temperaturen, welche für eine 21H + 32He-Fusion benötigt werden um einiges höher, als bei einer konventionellen 21H + 31H („Deuterium + Tritium“)-Fusion. Wenn beide Reaktanten vermischt werden, um zu fusionieren, treten Reaktion zwischen Nukleiden desselben Reaktanten auf und die D-D Reaktion (21H + 21H) produziert ein Neutron. Die Reaktionsraten variieren mit der Temperatur, die Reaktionsrate der D-3He Reaktion ist aber nie 3,56-mal größer als die D-D reaction rate. Deshalb produziert der D-3He-Treibstoff etwas weniger Neutronen, es ist aber in keiner Weise klar, ob sich das auf die eigentliche Anziehungskraft auswirkt.

Die Möglichkeit, bei der 32He mit sich selbst fusioniert, benötigt noch höhere Temperaturen (da jetzt beide Reaktanten eine +2-Ladung haben) und das ist noch schwieriger als die D-3He-Reaktion. Dies bietet jedoch eine mögliche Reaktion an, welche keine Neutronen produziert. Die Protonen, die sie produziert, sind positiv geladen und können mit elektrischen und magnetischen Feldern eingefangen werden, was sich wiederum direkt auf die Stromerzeugung auswirkt. Die 32He + 32He-Fusion wurde bereits in Laboratorien demonstriert, ist deshalb machbar und würde immense Vorteile haben. Die kommerzielle Realisierbarkeit liegt aber noch viele Jahre in der Zukunft.[25]

Die Mengen, welche benötigt werden würden, um die fossilen Treibstoffe zu ersetzen, sind beträchtlich, im Vergleich zu den Mengen, welche aktuell verfügbar sind. Die gesamte Energie, welche bis jetzt in der 21H + 32He Reaktion produziert wurde beträgt 18.4 MeV, was etwa 493 Megawattstunden (4.93×108 W·h) pro drei Gramm (ein Mol) ³He entspricht. Selbst wenn die gesamte Menge der Energie in elektrische Energie mit einer Effizienz von 100 % umgewandelt werden würde, (eine physikalische Unmöglichkeit), würde dies der 30-minütigen Leistung eines Kraftwerks, mit einer jährlichen Leistung von einem Gigawatt, entsprechen. Die jährliche Leistung desselben Kraftwerks entspricht etwa 52,5 Kilogramm Helium-3.

Die Menge an Treibstoff, welche für großangelegte Anwendungen benötigt werden würde, kann auch mit dem Begriff des totalen Verbrauchs gleichgesetzt werden: Der US Energy Information Administration zufolge, beträgt „der Stromverbrauch der 107 Millionen U.S.-Haushalte im Jahr 2001 1,140 Milliarden KWh“ (1,14 × 1015 Wh). Wenn wieder eine 100%-Umwandlung der Energie in Strom angenommen wird, würden 6,7 Tonnen Helium-3 pro Jahr für diesen Bereich des US-amerikanischen Energieverbrauchs benötigt. 15 bis 20 Tonnen pro Jahr geben einen realistischeren, tatsächlichen jährlichen Verbrauch der Vereinigten Staaten wieder.

Energiegewinnung[Bearbeiten]

Ein Ansatz der zweiten Generation, um die kontrollierte Kernfusion zu ermöglichen, sieht eine Kombination aus Helium-3 und Deuterium vor. Diese Reaktion erzeugt ein Helium-4 Ion (ähnlich wie ein Alpha-Teilchen, aber mit einem anderen Ursprung) und ein energiereiches Proton (ein positiv geladenes Wasserstoff-Ion). Der wichtigste, potenzielle Vorteil aus dieser Fusionsreaktion zur Energieproduktion wie auch anderen Anwendungen liegt in seiner Verträglichkeit mit der Verwendung von elektrostatischen Feldern, um die Ionen und die Fusionsprodukte kontrollieren zu können. Protonen, als positiv geladene Teilchen, können direkt in Elektrizität, mithilfe von Festkörper-Umwandlung wie auch anderen Techniken, umgewandelt werden. Die potentielle Effizienz der Umwandlung liegt, da kein Nutzen besteht die Energie der Protonen in Hitze, durch Turbinen getriebene Generatoren, in Strom umzuwandeln, bei ca. 70 %.

Die Fähigkeiten der Helium-3-Kraftwerke wurden bereits oft bemängelt. Den Befürwortern zufolge brauchen Kraftwerke, welche mit Deuterium und Helium-3 laufen, aufgrund der geringeren technischen Komplexität, einem höheren Wirkungsgrad, kleineren Größe, der Abwesenheit von radioaktivem Treibstoff, keiner Wasser- oder Luftverschmutzung und nur gering strahlender Abfallprodukte, geringere Bau- und Betriebskosten. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass 6 Milliarden US-Dollar nötig sind, um das erste Helium-3-Kraftwerk entwickeln und zu bauen. Die aktuelle Gewinnschwelle der heutigen Strompreise (ca. 5 US-Cent pro Kilowattstunde) würde überschritten, nachdem fünf 1-Gigawatt-Kraftwerke ans Netz gehen würden, alte, konventionelle Kraftwerke ersetzt werden würden oder eine neue Nachfrage entstehen würde.[26]

Die Realität jedoch ist nicht so eindeutig. Die fortgeschrittendsten Fusionsprogramme der Welt sind die Trägheitsfusion (wie die National Ignition Facility) und die Fusion mittels magnetischen Einschlusses (wie ITER und andere Tokamaks). Für das erste Konzept gibt es keinen festen Plan zur Energiegewinnung. Für das zweite Konzept wird keine kommerzielle Energiegewinnung bis 2050 erwartet.[27] In beiden Fällen ist der Typ der Fusionsreaktion der einfachste: die D-T Fusion. Der Grund dafür ist der, für diese Reaktion, sehr niedrige Coulombwall. Für D+3He hingegen, ist die Barriere um einiges höher und für 3He–3He nochmal höher. Die immensen Kosten für Reaktoren wie ITER und die National Ignition Facility sind größtenteils auf die enorme Größe, um höhere Plasmatemperaturen zu erreichen, zurückzuführen. Das 14,7-MeV-Proton und das 3,6-MeV-Alpha-Teilchen der D–3He Fusion, plus der höhere Wirkungsgrad bedeutet, dass mehr Strom als mit der D-T-Fusion (17,6 MeV), gewonnen werden kann. Allerdings ist dies nicht viel mehr.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Datenblatt Helium-3He, 99.9999 atom %, 99.995% (CP) bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 22. März 2014 (PDF).
  2. G. Audi, A.H. Wapstra, C. Thibault: The AME 2003 atomic mass evaluation. (II). Tables, graphs and references. In: Nuclear Physics A. Band 729, 2003, ISSN 0375-9474, S. 337–676 (PDF; 5 MB).
  3. Yonghua Huang, G.B. Chen, V. Arp, Ray Radebaugh: Equation of state and thermophysical properties of helium-3. In: Proceedings of the ICEC. Band CR06-379, 2007, S 1–6 (PDF; 5 MB).
  4. Fa WenZhe & Jin YaQiu:Global inventory of Helium-3 in lunar regoliths estimated by a multi-channel microwave radiometer on the Chang-E 1 lunar satellite, Dezember 2010
  5. E. N. Slyuta: The Estimation of Helium-3 Probable Reserves in Lunar Regolith. In: 38th Lunar and Planetary Science Conference., S. 2175.
  6. F. H. Cocks: 3He in permanently shadowed lunar polar surfaces. In: Icarus. 206, Nr. 2, 2010, S. 778–779. Bibcode: 2010Icar..206..778C. doi:10.1016/j.icarus.2009.12.032.
  7. M. L. E. Oliphant, Harteck, P.; Rutherford, E.: Transmutation Effects Observed with Heavy Hydrogen. In: Proceedings of the Royal Society A. 144, Nr. 853, 1934, S. 692–703. Bibcode: 1934RSPSA.144..692O. doi:10.1098/rspa.1934.0077.
  8. Lawrence and His Laboratory: Episode: A Productive Error. Newsmagazine Publication. 1981. Abgerufen am 1. September 2009.
  9. , Sushil K. Atreya, George R. Carignan, Thomas M. Donahue, John A. Haberman, Dan N. Harpold, Richard E. Hartle, Donald M. Hunten: The Galileo Probe Mass Spectrometer: Composition of Jupiter's Atmosphere. In: Science. 272, Nr. 5263, 1996, S. 846–9. Bibcode: 1996Sci...272..846N. doi:10.1126/science.272.5263.846. PMID 8629016.
  10. The Helium 3 Shortage: Supply, Demand, and Options for Congress. (PDF). Abgerufen am 8. November 2011
  11. Physics Projects Deflate for Lack of Helium-3. Spectrum.ieee.org. Abgerufen am 8. November 2011
  12. Teragon’s Summary of Cryogen Properties Teragon Research, 2005.
  13. A Modular Neutron Detector | Summer 2003| Los Alamos National Laboratory. Lanl.gov. Abgerufen am 8. November 2011
  14. NCNR Neutron Spin Filters. Ncnr.nist.gov (28. April 2004). Abgerufen am 8. November 2011
  15. ILL 3He spin filters. Ill.eu (22. Oktober 2010). Abgerufen am 8. November 2011
  16. : SANS polarization analysis with nuclear spin-polarized 3He. In: J. Appl. Cryst.. 33, 2000, S. 771–774. doi:10.1107/S0021889800099817.
  17. Neutron Spin Filters: Polarized 3He. NIST.gov
  18. Wald, Matthew L. Nuclear Bomb Detectors Stopped by Material Shortage. Nytimes.com, 22. November 2009. Abgerufen am 8. November 2011
  19. Dilution Refrigeration. cern.ch
  20. D. D. Osheroff, Richardson, R. C.; Lee, D. M.: Evidence for a New Phase of Solid He3. In: Physical Review Letters. 28, Nr. 14, 1972, S. 885–888. Bibcode: 1972PhRvL..28..885O. doi:10.1103/PhysRevLett.28.885.
  21. D. D. Osheroff, Gully, W. J.; Richardson, R. C.; Lee, D. M.: New Magnetic Phenomena in Liquid He3 below 3 mK. In: Physical Review Letters. 29, Nr. 14, 1972, S. 920–923. Bibcode: 1972PhRvL..29..920O. doi:10.1103/PhysRevLett.29.920.
  22. A. J. Leggett: Interpretation of Recent Results on He3 below 3 mK: A New Liquid Phase?. In: Physical Review Letters. 29, Nr. 18, 1972, S. 1227–1230. Bibcode: 1972PhRvL..29.1227L. doi:10.1103/PhysRevLett.29.1227.
  23. Jason C. Leawoods, Dmitriy A. Yablonskiy, Brian Saam, David S. Gierada, Mark S. Conradi: Hyperpolarized 3He Gas Production and MR Imaging of the Lung. In: Concepts in Magnetic Resonance. 13, 2001, S. 277–293.
  24. John Santarius: Lunar 3He and Fusion Power (PDF) 28. September 2004. Abgerufen am 9. Juni 2014.
  25. Mark Williams: Mining the Moon: Lab experiments suggest that future fusion reactors could use helium-3 gathered from the moon. In: MIT Technology Review. 23. August 2007. Abgerufen am 9. Juni 2014.
  26. Paul DiMare: Mining The Moon. Oktober 2004. Abgerufen am 6. Mai 2007. 
  27. ITER & Beyond. Abgerufen am 4. August 2009.