Lille

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Lille (Begriffsklärung) aufgeführt.
Lille
Wappen von Lille
Lille (Frankreich)
Lille
Region Nord-Pas-de-Calais
Département Nord (Präfektur)
Arrondissement Lille
Kanton Chef-lieu von 9 Kantonen
Koordinaten 50° 38′ N, 3° 3′ O50.6319444444443.057520Koordinaten: 50° 38′ N, 3° 3′ O
Höhe 17–45 m
Fläche 34,83 km²
Einwohner
– Unité urbaine
227.533 (1. Jan. 2011)
1.000.900
Bevölkerungsdichte 6.533 Einw./km²
Postleitzahl 59000, 59033, 59800
INSEE-Code
Website www.lille.fr

Die Alte Börse und der Belfried der Industrie- und Handelskammer vor dem Place du Général de Gaulle
.

Lille ([lil] anhören?/i, Niederländisch: Rijsel[1]) ist eine französische Großstadt an der Grenze zu Belgien. Lille ist Präfektur des Départements Nord und Hauptstadt der Region Nord-Pas-de-Calais. Sie trägt den Beinamen „Hauptstadt von Flandern“ und ist mit 227.533 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) – neben Roubaix, Tourcoing und Villeneuve-d’Ascq – eine Kernstadt des Gemeindeverbundes Lille Métropole Communauté urbaine, der sich aus 85 Gemeinden zusammensetzt und 1,1 Millionen Einwohner zählt.

Als größte Stadt bildet Lille zusammen mit den benachbarten belgischen Städten Mouscron, Kortrijk, Tournai und Menen ein großflächiges Ballungsgebiet und von Januar 2008 an den ersten Europäischen Verbund für territoriale Zusammenarbeit, die Eurométropole Lille-Kortrijk-Tournai, mit insgesamt zwei Millionen Einwohnern. Mit den Städten des ehemaligen Bergbaureviers von Nord-Pas-de-Calais gehört sie außerdem zur 3,5 Millionen Einwohner zählenden Metropolregion Lille.

Der altfranzösische Name L’Isle (frz.-westfläm. bzw. dt.: selten; veraltet: Ryssel [ri:səl], ndl.: Rijsel [reɪsəl] von „ter Yssel“) leitet sich von ihrer ursprünglichen Lage auf einer Sumpfinsel im Tal der Deûle ab, wo sie gegründet wurde. Lille und Umgebung gehörten zu der historischen Region Französisch-Flandern, dem ehemaligen Territorium der Grafschaft Flandern, das sich außerhalb des westflämischen Sprachraums befand. Vom Mittelalter bis zur Französischen Revolution erlebte Lille als Garnisonsstadt eine wechselvolle Geschichte. Bekannt als meistbelagerte Stadt Frankreichs gehörte sie nacheinander zur Grafschaft Flandern, zum Königreich Frankreich, zum Haus Burgund, zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und zu den Spanischen Niederlanden, bevor sie am Ende des spanischen Erbfolgekrieges wieder an Frankreich fiel. Sie wurde 1792 während des ersten Koalitionskrieges zwischen Frankreich und Österreich noch einmal belagert und in beiden Weltkriegen des zwanzigsten Jahrhunderts durch Besetzung jeweils schwer mitgenommen.

Seit ihrer Entstehung war Lille eine Handelsstadt und vom 16. Jahrhundert an auch gewerbebetreibend. Die Industrielle Revolution formte aus ihr eine große Industriestadt, bei der sich vor allem Textil- und Maschinenbauindustrie ansiedelten. Ihr Niedergang in den 1960er Jahren zog eine lange Krisenzeit nach sich. Erst die Umstellung der Wirtschaft auf Dienstleistungen und die Sanierung heruntergekommener Stadtviertel in den 1990er Jahren führten zu einem Wandel des Stadtbildes. Wichtige Stationen auf ihrem Weg zur Neugestaltung markieren der Bau des neuen Geschäftsviertels Euralille ab 1988, die Durchfahrt des TGV 1993 und des Eurostar 1994, die Entwicklung zu einem Universitätsstandort mit rund 100.000 Studenten (Stand: 2000) sowie die Einstufung als Stadt der Kunst und Geschichte und Kulturhauptstadt Europas als Folge des Kulturprojektes Lille 2004.

Geographie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Lage der Stadt Lille innerhalb Frankreichs und des Départements Nord

Die Stadt liegt im Norden von Frankreich, im Zentrum des Départements Nord und an der Grenze zu Belgien, zwanzig Kilometer entfernt von der Region Flandern im Norden und der Wallonie im Osten.

Lille liegt am Knotenpunkt vieler großer europäischer Fernstraßen, aber auch von Eisenbahnlinien und Wasserstraßen, die in Ost-West-Richtung zwischen Deutschland, Luxemburg, Belgien und Großbritannien, sowie in Nord-Süd-Richtung zwischen den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Spanien verlaufen.

Nächstgelegene Großstadt ist Roubaix, etwa 10 km nordöstlich. Die Entfernung zur Hafenstadt Dünkirchen an der Nordsee beträgt 80 km. Die europäischen Hauptstädte Brüssel, Paris und London liegen 110 km, 205 km bzw. 242 km entfernt.

Vor dem Ende des Weströmischen Reiches ließen sich Mitte des vierten Jahrhunderts nördlich der Strecke Boulogne-sur-Mer - Köln Germanen nieder, was zur Verschiebung der Sprachgrenze südlich von Lille führte. Als Folge wurden viele Ortsnamen mit dem Toponym hem gebildet, wie z.B. Wazemmes, Vauban Esquermes oder Hellemmes.[2] Trotzdem gehörten Lille und Umgebung im Gegensatz zu Dünkirchen oder Bailleul der historischen Region Romanisch-Flandern an, die als ehemaliges Territorium der Grafschaft Flandern nicht zum westflämischen Sprachraum gezählt hat. Während der Gründung der Stadt Lille im elften Jahrhundert verschob sich die Sprachgrenze in den Westen der Stadt.[3] Folglich war Lille, entgegen einer weitverbreiteten Auffassung, nie eine flämischsprachige, sondern immer eine romanische Stadt.

Topographie und Geologie[Bearbeiten]

Topographie der Stadt Lille

Die Stadt Lille befindet sich auf einer Höhe von circa 20 m[4] in einer Ausbuchtung des Deûle-Tals. An dieser Stelle tauchen die letzten, senonischen und turonischen Kreide-Aufschlüsse des Mélantois-Naturraums unter die Hügellandschaften der Weppes im Westen und des Barœul im Norden, die sich im landenischen Sand und ypresischen Ton gebildet haben. Die junge Sedimentdecke aus dem Pleistozän ist überall, entweder in Form von Löss auf Abhängen oder als Alluvialboden in den Talsohlen, anzutreffen.[5]

Die Wasserarme der Deûle verlaufen heute größtenteils unterirdisch durch die Stadt. Beschifft seit der gallo-römischen Epoche, durchfließt der in neuerer Zeit auf weiten Strecken als Kanal ausgebaute Fluss die Stadt im Südwesten, um sich weiter nördlich mit der Leie zu vereinen.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Lille bildet das Zentrum des Gemeindeverbundes Lille Métropole Communauté urbaine (LMCU), zu dem auch alle angrenzenden Gemeinden gehören. Bis auf die größtenteils ländlich geprägten Gemeinden Ennetières-en-Weppes, Capinghem, Prémesques, Pérenchies und Lompret im Westen, liegen alle anderen umliegenden Gemeinden im zusammenhängenden Siedlungsraum der Stadt. Die größten davon sind Villeneuve-d’Ascq im Osten mit 63.000 und Marcq-en-Barœul im Nordosten mit 39.000 Einwohnern. Weitere größere Gemeinden mit über 10.000 Einwohnern konzentrieren sich im Norden (Lambersart, La Madeleine, Saint-André-lez-Lille, Mons-en-Barœul) und im Süden (Loos-lez-Lille, Wattignies, Faches-Thumesnil, Ronchin).

Klima[Bearbeiten]

Lille
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
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Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: Météo-France; Luftfeuchtigkeit, Sonnenstunden: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Lille
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 5,7 6,7 10,1 13,1 17,5 20,0 22,7 23,1 19,4 14,7 9,3 6,6 Ø 14,1
Min. Temperatur (°C) 1,0 1,0 3,1 4,7 8,4 11,0 13,1 12,9 10,7 7,4 3,8 2,1 Ø 6,6
Niederschlag (mm) 57,0 43,6 57,5 50,4 62,5 68,1 61,2 52,8 63,6 66,8 71,5 68,1 Σ 723,1
Sonnenstunden (h/d) 1,7 2,9 3,7 5,4 6,4 6,9 6,6 6,5 5,1 3,7 2,2 1,5 Ø 4,4
Regentage (d) 12,0 9,0 11,7 10,4 10,5 10,5 9,4 8,3 10,0 10,4 12,3 11,7 Σ 126,2
Luftfeuchtigkeit (%) 88 85 82 79 78 79 78 78 83 87 89 90 Ø 83
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  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: Météo-France; Luftfeuchtigkeit, Sonnenstunden: wetterkontor.de

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die Stadt Lille zählt mit den Gemeinden Lomme und Hellemmes, die in den letzten Jahren in die Stadt eingemeindet wurden, 227.533 Einwohner (Stand 1. Januar 2011). Im Ballungsgebiet um Lille, zu dem unter anderem seine Nachbarstädte Roubaix und Tourcoing und die 1970 gegründete Trabantenstadt Villeneuve-d’Ascq gehören, leben mehr als 1,1 Millionen (1999) Einwohner. Diese Metropolregion, die Lille Métropole Communauté urbaine, ist von den Einwohnerzahlen her gesehen das viertgrößte Ballungsgebiet nach Paris, Lyon und Marseille und steht bezüglich der Einwohnerdichte in Frankreich an zweiter Stelle.

Lille ist die Stadt mit dem höchsten Bevölkerungsanteil an Studenten, je nach Zählweise sind es zwischen 90.000 und 110.000 an der Université Lille Nord de France.

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007
Einwohner 193.096 190.546 172.280 168.424 172.142 212.566 225.789

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name Lille stammt daher, dass die Stadt auf der Insel im Fluss lag (Lille = L'Île (die Insel); ndl. Rijsel = Ter ijsel (zur Insel)).

Erstmals erwähnt wurde Lille im Jahre 1054, auch wenn eine lokale Legende (um Lydéric und den Riesen Phinaert) die Gründung auf das Jahr 640 verlegt.

1214 fand bei Bouvines, unmittelbar vor den Toren Lilles, die entscheidende Schlacht zwischen den Staufern und Kapetingern auf der einen und den Welfen auf der anderen Seite statt, die der französische König Philipp II. August für sich entscheiden konnte.

Lille, Place du Général de Gaulle
Die Handelskammer („chambre de commerce“)
Der Innenhof der „Vieille Bourse“ (Alte Börse)
Karte der Stadt und Festung Lille aus dem Jahre 1708
Straße in Lille 1914 nach Kämpfen

Lille gehörte seit Beginn zum französischsprechenden Teil der Grafschaft Flandern, die durch das Tuchmachergewerbe eine der wohlhabendsten Landschaften Europas war. 1235 erließ Gräfin Johanna von Flandern eine Charta für Lille, wonach der Bürgermeister der Stadt vom Landesherrn zu bestimmen war. Auf Johanna ist auch die Gründung des heute nach ihr benannten Hospizes 1236 zurückzuführen. 1304 kam Flandern unter die direkte Verwaltung Frankreichs, fiel aber 1384 an das Haus Burgund, das die Stadt neben Brüssel und Dijon zu einer seiner drei Residenzstädte machte. 1425 hatte Lille etwa 25.000 Einwohner. Nach dem Erlöschen der burgundischen Dynastie in männlicher Linie gehörte die Stadt seit 1477 zum habsburgischen Machtbereich und war seit 1555 Teil der Spanischen Niederlande. 1542 tauchten in Lille die ersten calvinistischen Protestanten auf, gegen die die Spanier ab 1560 gewaltsam vorgingen. Während des Devolutionskrieges begannen Truppen des französischen Königs Ludwig XIV. am 28. August 1667 mit der Belagerung von Lille, bis die Garnison am 25. September desselben Jahres kapitulierte. Im Frieden von Aachen 1668 wurde die Zugehörigkeit Lilles zu Frankreich anerkannt.

In der Folgezeit wurden die Befestigungsanlagen der Stadt durch den französischen Ingenieur Sébastien Le Prestre de Vauban verbessert. Vauban ließ die pentagonale Zitadelle von Lille erbauen, die als eine der stärksten in Europa galt. Außerdem entstanden die neuen Stadtviertel (Vororte) Saint-André und La Madeleine. Im Spanischen Erbfolgekrieg zwischen Frankreich und einem Bündnis aus österreichischen Habsburgern, Großbritannien und den Vereinigten Provinzen der Niederlande war Lille erneut umkämpft. Im Jahr 1708 wurde Lille belagert und von Truppen der Allianz die Stadt eingenommen. Die Festung wurde von 15.000 französischen Soldaten unter Marschall de Boufflers gehalten, musste sich aber nach fünf Monaten ergeben. Im Frieden von Utrecht 1713 durfte Frankreich dann aber Lille behalten.

Im Verlauf der Französischen Revolution (ab 1789) erhielt Lille die erste gewählte Stadtverwaltung. Ein Angriff der Österreicher konnte zurückgeschlagen werden. 1804 wurde Lille Sitz der Verwaltung des Département Nord, 1846 bekam die Stadt einen Eisenbahnanschluss. Durch die Industrialisierung, die in dieser Region sowohl durch eine Mechanisierung des Textilgewerbes als auch durch einen zunehmenden Kohlebergbau gekennzeichnet war, wuchs die Stadt weiter an; im Jahr 1858 wurden daher die Orte Fives, Wazemmes, Moulins und Esquermes eingemeindet, sodass Lille 1872 bereits 158.000 Einwohner zählte. 1866 gab es eine Choleraepidemie (in Lille dauerte sie von Mai bis November); 6819 Menschen starben. Durch die Industrialisierung erstarkte auch die Arbeiterbewegung. Lille war die erste Stadt Frankreichs, die 1896 einen sozialistischen Bürgermeister - Gustave Delory - erhielt. Im Jahr 1900 verzeichnete man die höchste Kindersterblichkeit Frankreichs - etwa 30 % - in Lille. [6]

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Im Ersten Weltkrieg wurde der Festungsgürtel um Lille nicht genutzt. Man erklärte die Regionalhauptstadt am 1. August 1914 zur «offenen Stadt». Die französische Armee verzichtete darauf, eine Stadt mit veralteten und seit 1910 deklassierten Festungsanlagen zu verteidigen. Deutsche und französische Soldaten zogen hier nacheinander durch, ohne dass es zu irgendwelchen Kampfhandlungen kam.

Die Festung Maubeuge - 88 km südöstlich von Lille wurde von den Deutschen ab dem 28. August 1914 belagert, mit Artillerie beschossen und so zerstört, dass der Kommandant am 7. September kapitulierte. Die um 1890 aufkommenden Brisanzgranaten waren sehr viel stärker als die davor verwendete Munition. Der Fall von Maubeuge zeigte also, dass die Nicht-Verteidigung von Lille eine richtige Entscheidung war.

Am 3. Oktober 1914 entschlossen die Franzosen sich dann aber doch zur Verteidigung von Lille. Die Stadt wurde von den Deutschen daraufhin belagert und - insbesondere um das Bahnhofsviertel herum - so stark beschossen, dass sie am 13. Oktober kapitulieren musste.[7] Die noch intakten Festungen wie das Fort von Seclin dienten den Besatzern als Kasernen oder Munitionsdepots.

Im Juli 1915 nahmen die Deutschen 30 Geiseln, die in der Zitadelle inhaftiert wurden, und 131 weitere, die sie nach Deutschland deportierten. Zuvor hatten sich die Bürger von Lille geweigert, für die Besatzungsarmee zu arbeiten. Im November 1916 wurden weitere 300 Zivilisten – darunter auch der Bürgermeister Delory – in ein Lager gebracht. Damit wollten die Deutschen den Willen der Bevölkerung beugen und die Freilassung ihrer Geiseln von der französischen Regierung erzwingen.[7][8]

Am 11. Januar 1916 nachts um 3:30 Uhr wurde Lille von einer heftigen Explosion erschüttert. Die Bastion „18 Ponts“ war in die Luft geflogen, vermutlich durch Selbstentzündung von minderwertigem Sprengstoff.[7] Der Krater war 30 m tief und hatte 150 m Durchmesser. Fensterscheiben im Umkreis von Dutzenden Kilometern gingen zu Bruch.

Am 23. und 24. April 1916 brannte das Rathaus von Lille ohne erkennbaren Grund nieder.[9][7]

Lille war bis Oktober 1918 deutsch besetzt. Die Stadt wurde durch britische Truppen des Generals Birdwood befreit, der später die Ehrenbürgerwürde der Stadt erhielt.

1932 wurde ein an anderer Stelle neugebautes Rathaus eingeweiht.[7]

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Im Zweiten Weltkrieg begann die Wehrmacht am 10. Mai 1940 den Westfeldzug. Die Beneluxstaaten kapitulierten schnell (Belgien am 28. Mai); deutsche Truppen marschierten am 29. Mai 1940 in Lille ein (und auch in anderen Orten wie z.B. Ostende und Ypern).[10] Am 31. Mai kapitulierte die französische 1. Armee nach viertägiger Belagerung bei Lille.[11] Lille wurde in der Folge (wie das gesamte Département Nord) der Militärverwaltung für Belgien (nicht der für Frankreich) unterstellt.

Am 6. Juni 1944 landeten die Alliierten in der Normandie. Am 25. August 1944 kapitulierte Paris praktisch kampflos; am 3. September 1944 befreiten Truppen der Westalliierten Lille.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Mit der beginnenden Krise der Schwerindustrie (siehe auch Stahlkrise) in den 1960er Jahren wandte sich Lille zunehmend dem Dienstleistungssektor zu (Strukturwandel).

Politik[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Beschreibung: In Rot eine silberne Lilie.

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bürgermeisterin von Lille ist seit 2001 Martine Aubry (PS). Ihr Mandat endet im März 2014. Sie ist Nachfolgerin von Pierre Mauroy, der fast 30 Jahre als Bürgermeister amtierte und zeitweise auch Premierminister Frankreichs war.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Lille unterhält Städtepartnerschaften mit folgenden Städten:

Kultur[Bearbeiten]

Lille war 2004 zusammen mit Genua Kulturhauptstadt Europas. Seit 1976 besteht das Orchestre national de Lille.

Museen in Lille:

Lille, Musée de l’Hospice Comtesse
  • Musée Charles de Gaulle
  • Musée d’Arts Populaires de Lille-Sud
  • Musée de l’Hospice Comtesse
  • Musée de l’Institut Pasteur
  • Musée des Beaux-Arts
  • Musée des Cannoniers Sédentaires
  • Musée d’Histoire Naturelle et de Géologie
  • Musée Diocésan d’Art Religieux
  • Musée Industrial et d’Ethnologie
  • Palais Rihour

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Jedes erste Wochenende im September findet die Braderie von Lille statt, der größte Trödelmarkt in Europa mit circa 2 Millionen Besuchern.

Seit 2002 findet zudem jeden Sommer das Klassik-Festival Clef de Soleil statt.[12]

Metro Station + La Préfecture du Nord (Place de la Republique - photo 2011)
Musée Palais des Beaux Arts (Place de la Republique - photo 2011)

Bauwerke[Bearbeiten]

Sport[Bearbeiten]

1997 hatte sich der Großraum Lille vergeblich für die Olympischen Spiele 2004 beworben.

Der Fußballclub OSC Lille Métropole (LOSC) spielt in der ersten französischen Liga und nahm in der Saison 2005/2006 an der UEFA Champions League teil, wo er Manchester United in der Gruppenphase hinter sich ließ. Lille MHC ist ein bedeutender Hockeyclub.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaftszweige[Bearbeiten]

Das Ballungsgebiet um Lille, Roubaix und Tourcoing ist traditionell ein wichtiges Zentrum der Textilindustrie.

In Lille existieren 8.341 Betriebe (im Großraum 31.496), von denen 57 % im Dienstleistungsbereich tätig sind, 34 % im Handel und 9 % in der Industrie. Dabei dominieren mit 90 % Kleinbetriebe mit weniger als 10 Beschäftigten.

Die Region in und um Lille ist darüber hinaus für ihren Maschinenbau bekannt. So befindet sich hier eine sehr bekannte technische Universität. Rund um Lille befinden sich zahlreiche Werke der französischen Automobilindustrie und eines von Toyota.

Stadtentwicklung[Bearbeiten]

Das städtische Entwicklungsprojekt Euralille, mit dem Zentrum des neuen TGV-Bahnhofes hat eine lange Debatte unter Bürgern Lilles ausgelöst.

Verkehr[Bearbeiten]

Bekrönung des Pariser Tores, 1685/92, Lille, zur Glorifizierung der Einnahme Lilles durch Ludwig XIV., 1667
Lage von Lille im europäischen Eisenbahnnetz

Lille ist ein wichtiger Kreuzungspunkt im Hochgeschwindigkeitsnetz der europäischen Eisenbahnen. Hier halten TGV- und Eurostar-Züge in Richtung London St Pancras, Paris Nord und Bruxelles-Midi/Brussel-Zuid. Ab 2016 sollen auch ICE der Deutschen Bahn bis Köln, Frankfurt (Main) und Amsterdam fahren[13]. Die wichtigsten Bahnhöfe sind Lille-Flandres und Lille-Europe.

Lille besitzt auch eine der ersten und längsten automatischen U-Bahnen der Welt. Diese wird, wie die Straßenbahn Tramway und die Omnibusse, durch das Departements-Nahverkehrsunternehmen Transpole betrieben.

Lille liegt an fünf Autobahnen, die die Stadt mit Antwerpen (A22), Brüssel (A27), Valenciennes (A23), Paris (A1) und Calais (A25) verbinden. Südöstlich der Stadt liegt der Flughafen Lille, der ca. 900.000 Passagiere pro Jahr mit innerfranzösischen Direktverbindungen und Charterverkehr verzeichnet. Er ist zudem der drittgrößte Frachtflughafen in Frankreich mit ungefähr 55.000 Tonnen Fracht im Jahr. Der Hafen an der Deûle ist nach den Häfen Paris und Strasbourg der drittgrößte Binnenhafen Frankreichs.

Bildung[Bearbeiten]

Die Stadt verfügt über vier Universitäten, mit insgesamt etwa 110.000 Studierenden in der Université Lille Nord de France (nämlich die drei Campus-Universitäten: Universität Lille I, Universität Lille II, Universität Lille III) und die Katholische Universität Lille. In Lille ist auch die École centrale de Lille zu finden, eine berühmte französische Ingenieurschule, die 1854 gegründet wurde.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Berühmte Söhne und Töchter von Lille sind unter anderem die französische Königin Isabella von Hennegau, der General Louis Léon César Faidherbe, der Physiker und Nobelpreisträger Jean Baptiste Perrin, der Präsident Charles de Gaulle sowie der Schauspieler Philippe Noiret.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lille – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Name Rijsel ist überwiegend in Flandern und weniger in den Niederlanden gebräuchlich, siehe Taalunieversum » Taaladvies » Buitenlandse Aardrijkskundige Namen
  2.  Alain Lottin: Lille d'Isla à Lille-Métropole. In: Histoire des villes du Nord. Editions La Voix du Nord, 2003, S. 8.
  3.  Louis Trénard: Histoire des Pays-Bas français. Rivat, 1972, S. 51-58.
  4. Das Tourismusbüro von Lille spricht von 21 Metern Höhe, das Rathaus von Lille gibt eine Durchschnittshöhe von 25 Metern an.
  5. LMCU: Plan local d'urbanisme, Rapport de présentation - Titre I : présentation générale du site et caractéristiques géophysiques. Abgerufen am 18. September 2011.
  6. Jean-Marie Duhamel, Lille, Traces d'histoire, Éditions La Voix du Nord, 2004, S. 38
  7. a b c d e Lille unter deutscher Besatzung
  8. 'Zwangsarbeit, Geiseln und Deportation' - Näheres zu den Geiselnahmen
  9. www.wegedererinnerung-nordfrankreich.com
  10. Kriegstagebuch
  11. Kriegstagebuch
  12. Festival Lille Clef de Soleil. Website Festival Lille Clef de Soleil. Abgerufen am 6. August 2011.
  13. Deutsche Bahn darf künftig durch Kanaltunnel fahren . FAZ.net, 14. Juni 2013.