Hellikon

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Hellikon
Wappen von Hellikon
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Rheinfeldenw
BFS-Nr.: 4251i1f3f4
Postleitzahl: 4316
Koordinaten: 636573 / 26224147.50997.9241423Koordinaten: 47° 30′ 36″ N, 7° 55′ 27″ O; CH1903: 636573 / 262241
Höhe: 423 m ü. M.
Fläche: 7.04 km²
Einwohner: 785 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 112 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 5,5 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.hellikon.ch
Ansicht von Hellikon

Ansicht von Hellikon

Karte
Deutschland Kanton Basel-Landschaft Kanton Solothurn Kanton Solothurn Kanton Basel-Stadt Bezirk Aarau Bezirk Laufenburg Hellikon Kaiseraugst Magden Möhlin Mumpf Obermumpf Olsberg AG Olsberg AG Rheinfelden AG Schupfart Stein AG Wallbach AG Wegenstetten Zeiningen ZuzgenKarte von Hellikon
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Hellikon (schweizerdeutsch: ˈhelːikχə)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Rheinfelden des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt im Westen der Region Fricktal, rund vier Kilometer südwestlich der Grenze zu Deutschland und grenzt an den Kanton Basel-Landschaft.

Geographie[Bearbeiten]

Das Dorf liegt im oberen Teil des Möhlintals, das von Südosten nach Nordwesten vom Möhlinbach durchflossen wird. Es besteht aus zwei Teilen: Das Unterdorf erstreckt sich über eine Länge von einem Kilometer dem Möhlinbach entlang, das Oberdorf liegt westlich davon am Talbach. Der flache Talboden dem Möhlinbach entlang ist durchschnittlich knapp 200 Meter breit und weitet sich bei der Mündung des Talbachs auf knapp 400 Meter Breite aus. Beide Täler werden von mehreren Hügeln des Tafeljuras begrenzt. Diese sind im unteren Bereich stellenweise sehr steil und gehen im oberen Bereich in ausgedehnte Hochebenen über, auf denen intensiv Landwirtschaft betrieben wird.[4]

Östlich des Dorfes erhebt sich die über ein Kilometer breite Hochebene des Wabrig, die sich über eine Länge von mehr als vier Kilometern erstreckt. Bei Zuzgen wird die Ebene Lohnberg genannt, bei Wegenstetten Hersberg. Das mehr als ein Kilometer lange, tief eingeschnittene Seitental des Talbachs erstreckt sich in Richtung Westen. Es trennt die Neulig-Hochebene im Norden von der Egg-Hochebene im Süden.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 704 Hektaren, davon sind 230 Hektaren bewaldet und 46 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt liegt auf 633 Metern am westlichen Rand der Neulig-Hochebene, der tiefste auf 397 Metern am Möhlinbach.

Nachbargemeinden im Aargau sind Zuzgen im Nordwesten, Obermumpf im Nordosten, Schupfart im Osten und Wegenstetten im Südosten. Nachbargemeinden im Kanton Basel-Landschaft sind Buus im Westen und Hemmiken im Südwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung von Hellincon erfolgte im Jahr 1209. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Hellinghofun und bedeutet «bei den Höfen der Sippe des Hello».[3] Der Name lässt auf eine Besiedlung durch die Alemannen im 6. oder 7. Jahrhundert schliessen. Im Mittelalter waren die Grafen von Homberg und Farnsburg sowie die Johanniter in Rheinfelden und die Zisterzienserinnen in Olsberg die wichtigsten Grundbesitzer. Die niedere Gerichtsbarkeit war im Besitz des Hofes Zeiningen, welches wiederum dem Damenstift Säckingen gehörte.[5] Landesherren und Inhaber der Blutgerichtsbarkeit waren seit dem späten 12. Jahrhundert die Habsburger.

Nach dem Waldshuterkrieg von 1468 verpfändeten die Habsburger das gesamte Fricktal an Burgund. Als die Burgunder von den Eidgenossen während der Burgunderkriege vernichtend geschlagen worden waren, kam Hellikon 1477 wieder unter österreichische Herrschaft. Als Folge der Reichsreform des österreichischen Kaisers Maximilian I. gehörte Hellikon ab 1491 zu Vorderösterreich und lag in der Landschaft Möhlinbach, einer untergeordneten Verwaltungseinheit der Kameralherrschaft Rheinfelden im Oberamt Breisgau. Im 17. Jahrhundert gab es kaum längere Friedenszeiten. Der Rappenkrieg, ein Bauernaufstand, dauerte von 1612 bis 1614. Der Dreissigjährige Krieg, der zwischen 1633 und 1638 auch das Fricktal erfasste, warf das Dorf in seiner wirtschaftlichen Entwicklung zurück. Auch während des Pfälzischen Erbfolgekriegs (1688–1697) zogen fremde Truppen durch die Region.

1797 wurde das Fricktal nach dem Frieden von Campo Formio ein französisches Protektorat. Während des Zweiten Koalitionskrieges verlief hier die Frontlinie zwischen den Armeen Frankreichs und Österreichs. Am 20. Februar 1802 wurde Hellikon eine Gemeinde im Distrikt Rheinfelden des Kantons Fricktal, der sich im August der Helvetischen Republik anschloss. Seit dem 19. Februar 1803 gehört die Gemeinde zum Bezirk Rheinfelden im Kanton Aargau. Ab 1865 verkehrte eine Postkutsche nach Möhlin, die 1922 durch eine Postautolinie ersetzt wurde. Von 1895 bis 1969 sorgte eine Posamentfabrik für zusätzliche Verdienstmöglichkeiten neben der dominierenden Landwirtschaft.[5]

Kirchlich war Hellikon nie eigenständig. Der rechtsufrige Teil gehörte seit jeher zu Wegenstetten, der linksufrige Teil zu Zuzgen. Letzterer wurde 1788 im Rahmen der josephinischen Reformen der Pfarrei Wegenstetten zugeteilt. Ein bedeutender Teil der Bevölkerung trat 1873 während des Kulturkampfs zur christkatholischen Konfession über (seit 1898 in der Kirchgemeinde Wegenstetten organisiert). 1947/48 errichteten die Christkatholiken eine eigene Kirche, womit die gemeinsame Nutzung der Wendelinskapelle mit den Römisch-Katholiken endete.[5]

Bei der Weihnachtsfeier 1875 ereignete sich ein tragisches Unglück, als das Treppenhaus des zehn Jahre zuvor erbauten Schulhauses von Hellikon einstürzte. Dabei kamen 76 Menschen ums Leben, die meisten davon Kinder.[6] Zwischen 1850 und 1950 ging die Bevölkerungszahl um über zwanzig Prozent zurück. Bis ins 20. Jahrhundert bildeten Getreide- und Weinbau die Erwerbsgrundlagen, wobei der Weinbau wegen Reblaus- und Mehltau-Epidemien aufgegeben werden musste. Hellikon wandelte sich von einer Bauern- zu einer Wohngemeinde, da immer mehr Menschen aus der Region Basel hierher zogen. Seit Beginn der 1980er Jahre ist die Bevölkerungszahl um mehr als einen Drittel angestiegen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

In Hellikon stehen zwei Kapellen aus dem 17. Jahrhundert, die Sebastianskapelle im Oberdorf und die Wendelinskapelle im talaufwärts gelegenen Ausserdorf.[7] Insbesondere im Zentrum des Dorfes, das im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz verzeichnet ist, befinden sich mehrere Gebäude aus dem späten 17. bis 19. Jahrhundert. Es handelt sich dabei um frühere landwirtschaftliche Vielzweckbauten in der für diese Region typischen Bauform mit Wohn- und Nutztrakt unter einem gemeinsamen Dachfirst. Besonders gut erhalten ist eine rund 250 Meter lange, fast geschlossene Häuserzeile entlang der Ostseite der Hauptstrasse.[8]

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Blau über grünem Dreiberg drei gelbe Spitzmorcheln.» Die Einführung des Wappens erfolgte 1924. Zwar war das Wappen schon früher bekannt, aber urkundlich nirgends festgelegt. 1966 erhielt das Wappen seine heutige Form mit gelben statt wie bisher braunen Morcheln.[9]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[10]

Jahr 1768 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 252 681 581 579 539 558 592 582 708 747 782

Am 31. Dezember 2013 lebten 785 Menschen in Hellikon, der Ausländeranteil betrug 5,5 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 52,1 % römisch-katholisch, 19,8 % christkatholisch, 14,7 % reformiert und 5,0 % muslimisch.[11] Hellikon ist damit die Gemeinde mit dem höchsten Anteil an Christkatholiken in der Schweiz. 95,6 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 2,4 % Albanisch.[12]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Rheinfelden zuständig. Hellikon gehört zum Friedensrichterkreis Wegenstetten.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Hellikon gibt es gemäss der eidgenössischen Betriebszählung 2008 rund 150 Arbeitsplätze. Davon sind 54 % in der Landwirtschaft, 26 % in der Industrie und 20 % im Dienstleistungssektor.[13] Kleinere Gewerbebetriebe sind in der Kunststoffverarbeitung und im Baugewerbe tätig. Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in den grösseren Gemeinden des Fricktals und in der Agglomeration der Stadt Basel.

Verkehr[Bearbeiten]

Hellikon liegt an der Ortsverbindungsstrasse, die von Möhlin durch das Möhlintal nach Wegenstetten verläuft. Eine kleinere Nebenstrasse führt nach Buus. Der nächstgelegenen Anschlüsse der Autobahn A3 befinden sich bei Rheinfelden und Eiken. Die Anbindung an das Netz des öffentlichen Verkehrs erfolgt durch die Postautolinie vom Bahnhof Möhlin nach Wegenstetten.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und eine Primarschule (siehe auch Schulhaus Hellikon). Die Realschule und die Bezirksschule wird zusammen mit dem ganzen Möhlintal in Möhlin geführt. Die Sekundarschule ist klassenweise aufgeteilt und wird in Wegenstetten und Zeiningen besucht. Aufgrund einer interkantonalen Vereinbarung können Jugendliche aus Teilen des Fricktals das Gymnasium in Muttenz (Kanton Basel-Landschaft) absolvieren.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hellikon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 190.
  4. a b Landeskarte der Schweiz, Blatt 1068, Swisstopo
  5. a b c Hunziker, Hoegger: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. S. 279.
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatTeunis Wijker: «Alles hat seine Zeit». In: Christkatholisch. Christkatholische Kirche der Schweiz, Oktober 2010, S. 9, abgerufen am 29. November 2012 (PDF).
  7. Hunziker, Hoegger: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. S. 281–285.
  8. Hunziker, Hoegger: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. S. 286–287.
  9.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 172.
  10. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  11. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  12. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  13. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.