Helm-Knabenkraut

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Helm-Knabenkraut
Helm-Knabenkraut (Orchis militaris)

Helm-Knabenkraut (Orchis militaris)

Systematik
Familie: Orchideen (Orchidaceae)
Unterfamilie: Orchidoideae
Tribus: Orchideae
Untertribus: Orchidinae
Gattung: Knabenkräuter (Orchis)
Art: Helm-Knabenkraut
Wissenschaftlicher Name
Orchis militaris
L.

Das Helm-Knabenkraut (Orchis militaris) ist eine Pflanzen-Art aus der Gattung der Knabenkräuter (Orchis) in der Familie der Orchideengewächse.

Sie wurde im Jahr 1753 von Carl von Linné in seinem Werk "Species Plantarum" erstbeschrieben und ist die Typusart der Gattung und der gesamten Familie der Orchideengewächse.

Beschreibung[Bearbeiten]

Helm-Knabenkraut
(Orchis militaris)
Detail des Blütenstands

Das Helm-Knabenkraut ist ein sommergrüner, ausdauernder, krautiger Knollengeophyt mit zwei eirunden Knollen als Überdauerungsorgan. Die Pflanze erreicht Wuchshöhen von 20 bis 50 Zentimetern, gelegentlich werden kräftige Exemplare auch bis über 60 Zentimeter hoch. Die zwei bis sechs Laubblätter sind hellgrün mit einem leichten Glanz, ungefleckt, elliptisch bis lanzettlich und stehen aufrecht in einer Rosette am Stängelgrund. Sie sind etwa 8 bis 17 Zentimeter lang und etwa 3 bis 5 Zentimeter breit. Ein bis zwei Blätter umfassen den Stängel scheidig. Die Tragblätter liegen häutig am Fruchtknoten an und sind etwa 1/4 so lang wie der Fruchtknoten.

Der ährige Blütenstand trägt etwa 10 bis 50 Blüten. In der Aufblühphase ist er kegelförmig, während der Hochblüte zylindrisch geformt. Die 9 bis 15 mm langen Blütenhüllblätter des äußeren und die zwei 6 bis 10 mm langen, oberen Blütenhüllblätter des inneren Kreises des Perigon bilden einen Helm, wobei die beiden inneren Blütenblätter kaum zu sehen sind. An der Außenseite sind die Blütenhüllblätter des äußeren Kreises sehr hell weißlich-rosa gefärbt, an der Innenseite auch geringfügig dunkler, entlang der Nervenbahnen sind deutliche, dunklere Linien erkennbar.

Die stark dreilappige Lippe (Labellum) ist circa 10 bis 20 Millimeter lang. Die Lippenbasis ist weißlich bis hell rosa gefärbt und intensiv dunkel gefleckt. Die Seitenlappen und der gespaltene Mittellappen gehen in eine Hell- bis Dunkelrosa Färbung über. Zwischen dem gespaltenen Mittellappen befindet sich in der Regel eine kleine Spitze. Der Sporn ist zylindrisch, abwärts gerichtet und etwa 5 bis 7 mm lang.

Generell ist das Helm-Knabenkraut wenig variabel. Im Habitus sind die Pflanzen in der Regel sehr einheitlich. Die Variabilität beschränkt sich auf die Blütenform und -farbe:

  • Der „Helm“ ist durch die nahezu vollständig verwachsenen Perigonblätter des äußeren Kreises weitgehend geschlossen, sehr selten öffnet er sich.
  • Die größte Variabilität weist die Lippe auf. Die Seitenlappen und der gespaltene Mittellappen können in der Breite von schmal bis breit variieren.
  • Die Farbe kann von sehr hell bis dunkel variieren. Meist sind die Pflanzen aber einheitlich gefärbt und nur wenige Exemplare mit abweichender Färbung sind in größeren Populationen zu beobachten.
  • Weiß blühende Pflanzen (O. militaris var. alba) können zwar lokal gehäuft auftreten, sind aber sonst sehr selten. Eine Kartierung im Tauberland und einem Teil des Bauland ergab einen Anteil von unter 0,1 %.

Die Blütezeit dieser Art beginnt im Mittelmeergebiet bereits im Februar, in Mitteleuropa an wärmebegünstigten Standorten oft schon Ende April, in der Regel beginnt sie Anfang Mai. Die Blütezeit endet in höheren Lagen zum Ende des Juni hin.

Genetik und Entwicklung[Bearbeiten]

Das Helm-Knabenkraut hat einen Karyotyp von zwei Chromosomensätzen und jeweils 21 Chromosomen (Zytologie: 2n = 42).

Der Same dieser Orchidee enthält keinerlei Nährgewebe für den Keimling. Die Keimung erfolgt daher nur bei Infektion durch einen Wurzelpilz (Mykorrhiza).

Ökologie[Bearbeiten]

Das Helm-Knabenkraut ist ein Knollen-Geophyt.

Die Blüten sind „Lippenblumen vom Orchis-Typ“, ihre dunkelvioletten Papillen dienen als Tüpfelsaftmale. Bestäuber sind vor allem Hummeln, auch spontane Selbstbestäubung ist möglich.

Blütezeit ist von Mai bis Juni.

Die Früchte sind fachspaltige Kapseln, die sich im trockenen Zustand durch Längsspalten öffnen und als Wind- und Tierstreuer fungieren. Die winzigen, nur 0,5 mm langen und 0,2 mm breiten Samen sind Körnchenflieger.

Das Helm-Knabenkraut am Standort im Tauberland

Das Helm-Knabenkraut bevorzugt sonnige bis leicht beschattete Standorte auf Halbtrocken- und Trockenrasen, Magerwiesen und lichte Kiefernwälder auf trockenen bis mäßig frischen Böden. Sehr selten ist es auch an feuchteren Standorten zu finden in Begleitung der feuchtigkeitsliebenden Knabenkräuter aus der Gattung Dactylorhiza.

Es findet sich in den Pflanzengesellschaften

  • Verband Mesobromion erecti
  • Verband Molinion caeruleae
  • (Verband Cirsio-Brachypodion)

(Aufschlüsselung siehe: Pflanzensoziologische Einheiten nach Oberdorfer)

Als Kalkzeiger kommt die Art besonders in Regionen mit kalkhaltigen Böden vor. Sie meidet daher in der Regel Sandsteinböden wie Stubensandstein. Sehr große Bestände können sich auf Unterem Muschelkalk bilden, auf Oberem Muschelkalk dagegen ist sie seltener.

Verbreitung[Bearbeiten]

Im Schatten von lichtem Gebüsch sind die Bedingungen für die Keimung durch verzögertes Verdunsten von Tau meist sehr günstig.

In Europa ist das Helm-Knabenkraut in der submeridionalen und temperaten Florenzone verbreitet. Das schließt somit die nördlichsten und südlichsten Gebiete Europas weitgehend aus. Das Verbreitungsgebiet zieht sich in diesen Zonen bis Daurien und Kaukasien. Selten ist es in Spanien in der meridionalen Zone im westmediterranen Florengebiet zu finden. (siehe hierzu Florenelement)

Die obere Grenze der Höhenverbreitung liegt bei etwa 1800m.

Deutschland

In Deutschland ist das Helm-Knabenkraut am stärksten in der Südhälfte bis ins südliche Niedersachsen verbreitet, selten ist es in Sachsen und Nordrhein-Westfalen. Weiter nördlich gibt es nur noch wenige Nachweise. Etwas isoliert liegt ein weiteres Verbreitungsgebiet in Brandenburg. Als kalkliebende Art kommt es zum Beispiel im Bayerischen Wald und im zentralen Schwarzwald nicht vor.

Österreich

Das Helm-Knabenkraut tritt in Österreich in allen Bundesländern auf Magerrasen, Halbtrockenrasen und selten Feuchtwiesen der collinen bis montanen Höhenstufe auf. Es gilt als gefährdet, im Rheintal und südöstlichen Alpenvorland als stark gefährdet. Es steht in zumindest einigen Bundesländern unter vollständigem gesetzlichem Naturschutz.

Schweiz

In der Schweiz kommt es zerstreut vor und meidet vor allem die alpinen Regionen. Daher liegen die meisten Vorkommen in der Nordschweiz, dem Rheintal und im westlichen Jura.

Naturschutz und Gefährdung[Bearbeiten]

Untypischer, feuchter Standort im Schwäbisch-Fränkischen Wald, im Hintergrund Breitblättriges Knabenkraut

Wie alle in Europa vorkommenden Orchideenarten steht auch das Helm Knabenkraut unter strengem Schutz europäischer und nationaler Gesetze.

Rote Listen

In den übrigen Bundesländern wurde diese Art bislang nicht nachgewiesen.

Trotz des relativ großen Verbreitungsgebiets ist das Helm-Knabenkraut in vielen Gebieten gefährdet. Wildschweine haben die Knollen als Leckerbissen entdeckt und können große Flächen auf der Suche nach den Knollen umgraben. Verbuschung und Nutzungsänderung der Biotope führt seit geraumer Zeit zur Vernichtung vieler Lebensräume. Durch die Fähigkeit Sekundärstandorte zu besiedeln, ist diese Art noch nicht so stark gefährdet wie es bei verschiedenen anderen Orchideen (z.B. Brandknabenkraut) der Fall ist.

Orchidee des Jahres

Im Jahr 1993 wurde das Helmknabenkraut vom Arbeitskreis Heimischer Orchideen (AHO) in Deutschland zur Orchidee des Jahres erklärt, um auf die Problematik der Zerstörung der Biotope aufmerksam zu machen.

Unterart und Hybriden[Bearbeiten]

Als Unterart des Helm-Knabenkraut wird gelegentlich Stevens Knabenkraut (Orchis stevenii) als Orchis militaris subsp. stevenii angesehen.

Das Helm-Knabenkraut hybridisiert mit nahe verwandten Arten, das Ohnhorn (Aceras anthropophorum) inbegriffen. Besonders häufig sind Hybriden mit dem Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea).

  • ×Orchiaceras spurium (Reichb. f.) Cam. 1892 (Aceras anthropophorum × Orchis militaris)
Diese Hybride ist gut zu erkennen. Sie vereint typische Merkmale des Ohnhorn (Aceras anthropophorum) und Helm-Knabenkraut in sich. Sie blüht oft noch vor den Elternarten auf.
  • Orchis × beyrichii (Rchb. f.) A. Kern. 1865 (Orchis militaris × Orchis simia)
Kommen Helm-Knabenkraut und Affen-Knabenkraut (Orchis simia) gemeinsam vor, gibt es oft viele dieser Hybriden. Während der Blütezeit ist eine Zuordnung sehr schwer. Die Hybriden ähneln Orchis simia meist sehr stark. In der Aufblühphase ist eine Bestimmung dagegen nicht schwer. Pflanzen mit Merkmalen von Orchis simia, die aber im Gegensatz zu diesem von unten nach oben aufblühen, sind Hybriden.
  • Orchis × hybrida (Lindl.) Boenn. ex Rchb. 1830 (Orchis militaris × Orchis purpurea)
Diese sehr variable Hybride ist oft anzutreffen, wenn Helm-Knabenkraut und Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea) am selben Standort vorkommen. Sie sind zwar meist als Hybriden zu erkennen, durch Rückkreuzungen mit den Elternarten ist es aber dennoch oftmals schwierig, eine klare Grenze zwischen Art und Hybride zu ziehen.

In der Umgebung von Jena wurde in den 1960er Jahren von einer Hybride mit dem Brandknabenkraut (Orchis ustulata) berichtet. Es gibt davon keine Beschreibung und keine Bilder. Es blieb auch bei dieser einen Erwähnung.

Bildergalerie Unterarten und Formen
Bildergalerie Naturhybriden
Bildergalerie Diverses

Systematik[Bearbeiten]

Neben dem gültigen Namen der Erstbeschreibung Orchis militaris L. 1753 wurde diese Art im Lauf von etwas mehr als hundert Jahren mehrfach beschrieben. Die Namen dieser Beschreibungen gelten als Synonyme.

Es sind dies:

  • Strateuma militaris (L.) Salisb. 1812
  • Orchis rivinii Gouan 1773
  • Orchis cinerea Schrank 1789
  • Orchis brachiata Gilib. 1792
  • Orchis galeata Poir. 1798
  • Orchis mimusops Thuill. 1799
  • Zoophora atropurpurea Bernh. 1800
  • Zoophora rubella Bernh. 1800
  • Orchis nervata Marchand 1827
  • Orchis stevenii Rchb. f. 1849
  • Orchis raddeana Regel 1869

Literatur[Bearbeiten]

  • M.A. Fischer, K. Oswald, W. Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. Dritte Auflage, Land Oberösterreich, Biologiezentrum der OÖ Landesmuseen, Linz 2008, ISBN 978-3-85474-187-9
  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korr. u. erw. Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.
Standardliteratur über Orchideen
  • AHO (Hrsg.): Die Orchideen Deutschlands. Verlag AHO Thüringen Uhlstädt - Kirchhasel, 2005, ISBN 3-00-014853-1.
  • Karl-Peter Buttler: Orchideen, die wildwachsenden Arten und Unterarten Europas, Vorderasiens und Nordafrikas. Mosaik Verlag 1986, ISBN 3-5700-4403-3.
  • Robert L. Dressler: Die Orchideen - Biologie und Systematik der Orchidaceae. (1996) - gutes Werk zum Thema Systematik [deutsch]
  • Hans Sundermann: Europäische und mediterrane Orchideen. Brücke-Verlag, 2. Auflage: 1975, ISBN 3-871-05010-5.
  • J. G. Williams: Orchideen Europas mit Nordafrika und Kleinasien. BLV Verlag, ISBN 3-405-11901-4.
Spezielle Literatur
  • R.M. Bateman, A.M. Pridgeon, & M.W. Chase (1997): Phylogenetics of subtribe Orchidinae (Orchidoideae, Orchidaceae) based on nuclear ITS sequences. 2. Infrageneric relationships and reclassification to achieve monophyly of Orchis sensu stricto, Lindleyana 12: 113-141
  • R.M. Bateman, P.M. Hollingsworth, J. Preston, Y.-B. Luo, A.M. Pridgeon, & M.W. Chase (2003): Molecular phylogenetics and evolution of Orchidinae and selected Habenariinae (Orchidaceae), Bot. J. Linn. Soc. 142:1-40, 2003.

Weblinks[Bearbeiten]

Verbreitungskarten
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