Helmut Bracht

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Helmut „Jockel“ Bracht (* 11. September 1929 in Dortmund; † 12. Mai 2011 in Seppenrade) war ein deutscher Fußballspieler und -trainer. Mit Borussia Dortmund wurde er 1956, 1957 und 1963 dreimal Deutscher Meister und 1961 einmal Vizemeister. Er ist neben Wilhelm Burgsmüller der einzige Spieler, der bei allen drei Meisterschaften der Borussia vor Gründung der Bundesliga in der Finalmannschaft stand.

Laufbahn[Bearbeiten]

Oberliga West und Fußball-Bundesliga, 1955 bis 1964[Bearbeiten]

Bracht begann seine Laufbahn in der Jugend der Borussia, zog nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs jedoch nach Lünen und spielte dort für Preußen Horstmar, den Lüner SV und den BV Brambauer. Anfang der 1950er kehrte er zum BVB zurück, wurde jedoch zunächst an Westfalia Herne und die SpVgg Herten ausgeliehen und sammelte dort von 1949/50 bis 1954/55 Wettkampferfahrung in der 2. Liga West. In der letzten Saison in Herten, 1954/55, belegte er mit den Grün-Weißen von der Kampfbahn Katzenbusch hinter dem Wuppertaler SV, Hamborn 07 und dem VfB Bottrop den vierten Rang. Sein Debüt in der ersten Mannschaft bei Borussia Dortmund gab der zumeist als linker Außenläufer im damaligen WM-System agierende Mittelfeldspieler dann in der Oberliga West 1955/56 am fünften Spieltag, als der BVB den 1. FC Köln im Heimspiel am 18. September 1955 mit 3:0 Toren besiegen konnte. Bracht hatte es dabei überwiegend mit dem Kölner Halbrechten Hans Sturm zu tun. Trainer Helmut Schneider setzte den Nachfolger von Erich Schanko in 25 Ligabegegnungen ein und der BVB feierte mit dem legendären Innentrio Alfred Preißler, Alfred Kelbassa und Alfred Niepieklo die Meisterschaft in der Oberliga West. In der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft qualifizierte sich Dortmund über den Hamburger SV, VfB Stuttgart und Viktoria 89 Berlin für das Finale. Am 24. Juni 1956 setzte sich der Westmeister in Berlin mit 4:2 Toren gegen den Karlsruher SC durch und Bracht wurde prompt in seiner ersten Runde Oberliga mit dem BVB Deutscher Meister. Die Läuferreihe des Meisters setzte sich aus Elwin Schlebrowski, Max Michallek und "Jockel" Bracht zusammen.

In der Saison 1956/57 erreichten Bracht und seine Mannschaftskollegen zuerst die Titelverteidigung in der Oberliga West und danach der erneute Triumph in der Deutschen Meisterschaft 1957. Einmalig in der Historie des deutschen Fußballs ist, dass Dortmund mit der identischen Final-Besetzung die Titelverteidigung glückte. Im Jahr der Fußballweltmeisterschaft 1958 in Schweden kam die Elf vom Borsigpaltz zwar lediglich auf den fünften Rang, persönlich verbuchte der zwischenzeitlich durch seine berufliche Tätigkeit als "Ölprinz" bekannte Bracht durch seinen Einsatz in allen 30 Oberligaspielen mit sechs Toren, seine beste Rundenbilanz. Seine Rundenleistung wird auch durch die Aufnahme in das "Revier-Team 1957/58" gewürdigt.[1] Bracht bildet zusammen mit Karl Borutta und Willi Koll die Läuferreihe. Nach einem weiteren fünften Rang 1959 - wiederum hatte Bracht alle 30 Ligaspiele absolviert - kam in der Serie 1959/60 unter Trainer Max Merkel und mit den neuen Offensivkräften Timo Konietzka (25 Tore) und Jürgen Schütz (25 Tore) neuer Schwung in das BVB-Team. Zur Vizemeisterschaft 1961 in der Oberliga West hatte "Jockel" Bracht in 20 Ligaspielen seinen Beitrag geleistet, in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft - wie auch im mit 0:3 Toren verlorenen Finale gegen den 1. FC Nürnberg - kam er aber nicht zum Einsatz.

Im letzten Jahr des alten erstklassigen Oberligasystems, 1962/63, kam Bracht unter Trainer Hermann Eppenhoff bei dem Erreichen der Vizemeisterschaft hinter Meister 1. FC Köln zu 18 Ligaeinsätzen, war aber dann in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft in der Gruppenphase ab dem dritten Spieltag, den 1. Juni beim mit 3:2 gewonnenen Heimspiel gegen den Hamburger SV, einschließlich des Finales in der Mannschaft des Deutschen Meisters des Jahres 1963 aktiv. Der 4:0-Erfolg am letzten Gruppenspieltag, den 22. Juni, bei den vom vormaligen BVB-Trainer Merkel betreuten "Löwen" von 1860 München, brachte die Entscheidung zum Einzug in das Endspiel. Die Meisterschaftsschale holte sich Dortmund gegen die favorisierten Kölner mit einem 3:1-Sieg am 29. Juni in Stuttgart. Dieter Kurrat, Wolfgang Paul und Bracht bildeten dabei gegen den Kölner Innensturm mit Hans Schäfer, Anton Regh und Karl-Heinz Ripkens die Läuferreihe des letzten Meisters der alten Oberligaära.

Helmut Bracht hat von 1955 bis 1963 für Dortmund in der Oberliga West 201 Spiele absolviert und dabei fünf Tore erzielt. In den Endrunden um die Deutsche Meisterschaft kam er auf 15 Einsätze mit einem Tor. Seine Karriere als Aktiver beendete er 1964 nach elf Spielen in der Fußball-Bundesliga. Er gehört zu dem Spielerkreis die am 24. August 1963, dem Starttag der neuen Ligakonzentration in Deutschland, die Fußball-Bundesliga zum Laufen brachten. Dortmund verlor mit Bracht 2:3 bei Werder Bremen. Am letzten Rundentag, den 9. Mai 1964, bei der 0:2-Niederlage gegen Eintracht Braunschweig beendete er auch seine Spielerkarriere. Er wird zu den "vergessenen Nationalspielern" des BVB gezählt.

Europacup, 1956 bis 1964[Bearbeiten]

Durch die drei Meisterschaftserfolge 1956, 1957 und 1963 erlebte der kampfstarke, defensivtreue und nie aufsteckende Außenläufer des BVB auch den Reiz der Europacupspiele. Von 1956 bis 1964 kam er im Meisterwettbewerb auf 13 Einsätze mit einem Tor. Den Treffer erzielte er am 1. August 1956, beim ersten EC-Spiel von Dortmund, beim 4:3 Heimspielerfolg gegen Spora Luxemburg. Erinnerungswürdige Begegnungen waren 1956/57 die Auseinandersetzungen gegen Manchester United (2:3/0:0) wobei es die BVB-Läuferreihe mit Billy Whelan, Tommy Taylor und Duncan Edwards zu tun hatte. Das gleiche trifft auf die zwei Spiele 1957/58 gegen den italienischen Meister AC Mailand (1:1/1:4) mit deren Stars Cesare Maldini und Nils Liedholm zu. Mit 34 Jahren verabschiedete sich der Routinier 1963/64 in den Halbfinalspielen gegen Inter Mailand (2:2/0:2) von der internationalen Bühne. Nochmals hatte er sich in den Zweikämpfen gegen Jair da Costa, Sandro Mazzola, Aurelio Milani, Luis Suárez und Mario Corso mit internationalen Größen zu messen gehabt.

Nach der Karriere[Bearbeiten]

Nach dem Ende seiner Karriere war Bracht zunächst Talentscout und später Obmann bei der Borussia. Zudem übernahm er in den 1970er Jahren für mehrere Monate das Amt des Trainers beim BVB. Seit 1974 gehörte er dem Ältestenrat von Borussia Dortmund an, dessen Vorsitz er von 1995 bis 2001 innehatte.

Bracht, gelernter Kaufmann, übernahm 1957 die General-Agentur der deutschen Shell in Dortmund und gründete 1960 seinen Rohrreinigungs- und Kanaltechnikbetrieb in Dortmund. Er war damit einer der ersten Fußballer, der sich noch während seiner fußballerischen Laufbahn selbständig machte.[2]

Helmut Bracht verstarb 2011 im Alter von 81 Jahren und wurde auf dem evangelischen Friedhof von Dortmund-Brechten beigesetzt.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Dietrich Schulze-Marmeling/Werner Steffen: Borussia Dortmund. Der Ruhm, der Traum und das Geld. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 1994, ISBN 3-89533-110-4
  • Lorenz Knieriem/Hardy Grüne: Spielerlexikon 1890-1963. Agon-Sportverlag, Kassel 2006, ISBN 978-3-89784-148-2

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ralf Piorr (Hg.): Der Pott ist rund. Das Lexikon des Revier-Fußballs: Die Vereine. Klartext Verlag, Essen 2006, ISBN 3-89861-356-9, S. 57
  2. Dietrich Schulze-Marmeling/Werner Steffen: Borussia Dortmund. Der Ruhm, der Traum und das Geld. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 1994, ISBN 3-89533-110-4, S. 384
  3. knerger.de: Das Grab von Helmut Bracht