Helmut Kolle

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Selbstbildnis im Jagdkostüm, um 1930

Helmut Kolle (* 24. Februar 1899 in Charlottenburg; † 17. November 1931 in Chantilly bei Paris) war ein deutscher Maler (Pseudonym Helmut vom Hügel). Er konnte sich als einer von wenigen deutschen Malern in den 1920er Jahren auf dem französischen Kunstmarkt durchsetzen.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Stehende Person mit Schirmmütze, um 1926

Als zweiter Sohn des Bakteriologen Wilhelm Kolle geboren, erhielt Helmut Kolle schon als Kind Malunterricht. Ab 1906 lebte die Familie in Bern, von 1917 bis 1918 in Frankfurt am Main. Dort lernte er den über 20 Jahre älteren homosexuellen[1] Wilhelm Uhde kennen, der auch sein Mentor wurde und lebte mit ihm bis zu seinem Tod zusammen.

Porträt Wilhelm Uhde, um 1930

1918 nahm er in Frankfurt kurze Zeit Malunterricht bei Erna Pinner. Von 1919 bis 1922 lebte er mit Uhde auf Burg Lauenstein im Frankenwald. 1919 bis 1920 arbeitete er an der von seinem Freund herausgegebenen Zeitschrift Die Freude[2] mit. Dort begann er auch mit der Ölmalerei und signierte zunächst mit seinem Pseudonym. 1922 wurde bei ihm Endokarditis diagnostiziert; in diesem Jahr zogen er und Uhde nach Berlin. Bereits 1924 konnte er seine erste Einzelausstellung in Dresden beim Kunstsalon Richter ausrichten.

1924 folgte er Uhde nach Frankreich, wo Uhde die Malerei seiner vormaligen Putzfrau Séraphine Louis förderte. In Paris konnte Kolle 1926 bei einer Ausstellung in der Galerie Bing fast alle seiner Bilder verkaufen. Ab diesem Zeitpunkt signierte er unter seinem bürgerlichen Namen. Durch Uhde lernte er Pablo Picasso, Georges Braque und Henri Rousseau kennen. Picasso entdeckte in seinen Gemälden „große Vitalität“. 1928 zogen Uhde und er nach Chantilly, wo er, schon schwer krank, unter anderem das Sujet der berittenen algerischen Sipahis entdeckte. 1929 stellte er in der Pariser Galerie Georges Bernheim sowie 1930 in der Londoner Wertheim Gallery aus. 1931 verstarb Kolle in seinem Wohnort. Uhde richtete ihm 1932 in der Pariser Galerie Bonjean eine Erinnerungsausstellung ein.

Großer männlicher Akt mit gekreuzten Armen, 1925

In der deutschen Öffentlichkeit hat Helmut Kolle bis zur großen Retrospektive im Lenbachhaus 1994/95, kuratiert von Hartig Garnerus eine geringe Bekanntheit, was seinem frühen Tod und der dadurch geringen Zahl von Bildern geschuldet sein könnte, aber auch dass sich nur wenige seiner Gemälde im Bestand von deutschen Museen befinden. Die Ausstellung im Lenbachhaus fand ein internationales Echo und hatte 40.000 Besucher für einen bis dahin unbekannten Künstler der Durchbruch. Der Katalog der Ausstellung war die erste grundlegende veröffentlichte Forschungsarbeit über Kolle. Der Text seines Mentors, Wilhelm Uhde Der Maler Helmut Kolle, das Bildnis eines Frühvollendete (Zürich 1935) wurde im Katalog ebenso reproduziert wie Klaus Manns Text Der Maler Helmut Kolle (1936).

1995 ehrte die Deutsche Post mit einer Sondermarke Helmut Kolle. In der Folge der Ausstellung im Lenbachhaus zeigte das Lenbachhaus zwei Dauerleihgaben von Kolle (Großer Männlicher Akt mit gekreuzten Armen (1925) und der Selbstmörder (1930)). Der Selbstmörder wurde 2003 dem Museum aus der Sammlung Hartwig Garnerus übereignet. Die Staatsgalerie moderner Kunst, München sowie in deren Folge die Pinakothek der Moderne zeigt in gelegentlichem Wechsel Dauerleihgaben aus der Sammlung Garnerus.

Selbstbildnis mit Palette, 1925

Ausstellungen[Bearbeiten]

Kolles Werk wurde bisher in vier Ausstellungen, 1952/53 in der Kestnergesellschaft Hannover, im Hamburger Kunstverein sowie im Städel Frankfurt gezeigt, 1970 im Osthaus Museum Hagen, 1994/95 im Münchener Lenbachhaus sowie 2010/11 im Museum Gunzenhauser in Chemnitz der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Ausstellung in Chemnitz trug den Titel Helmut Kolle – Ein Deutscher in Paris und zeigte 90 Exponate einschließlich zahlreicher Leihgaben. Ab Mai 2011 wurde diese Ausstellung (etwas verändert) im Ernst-Barlach-Haus Hamburg gezeigt (29. Mai bis 25. September 2011).[3]

  • 2014: Vergessene Körper: Helmut Kolle und Max Beckmann, Kabinettausstellung im Städel-Museum, Frankfurt am Main. [4]

In Frankreich hängen seine Werke etwa im Musée de Grenoble, im Musée d'Art in Senlis sowie im Burgmuseum von Vitré.[5]

Film[Bearbeiten]

In der 2008 realisierten Filmbiographie Séraphine über die naive Malerin Séraphine Louis wird Helmut Kolle von Nico Rogner dargestellt.

2010 wurde im Haus des Sammlers Hartwig Garnerus der Film Lebensgier und Bitterkeit, Der Maler Helmut Kolle mit mehr aus 30 Hauptwerken von Kolle gedreht. (zweisprachiger Text)

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilhelm Uhde: Der Maler Helmut Kolle. Das Bildnis eines Frühvollendeten., Atlantis, Berlin; Zürich 1935
  • Peter Gan: Helmut Kolle. Atlantis, Berlin 1935
  • Hartwig Garnerus: Der Maler Helmut Kolle. mit einem Vorwort von Helmut Friedel, München 1994, ISBN 3-88645-122-4
  • Ingrid Mössinger u.a. (Herausgeber): Helmut Kolle. Ein Deutscher in Paris., Edition Minerva, München 2010, ISBN 978-3-938832-73-8

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Helmut Kolle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bernd Roeck: „Von Bismarck bis Picasso“: Wilhelm Uhde und die Geburt der Avantgarde. in: Wolfgang Hartwig: Ordnungen in der Krise: Zur politischen Kulturgeschichte Deutschlands 1900–1933., Oldenbourg, München 2007, ISBN 978-3-486-58177-5, S. 481–500, hier S. 484
  2. PDF bei sdrc.lib.uiowa.edu
  3. Hinweis auf der Seite des Barlach-Hauses, abgerufen am 4. Juni 2011
  4. Androgyne und athletische Leiber in FAZ vom25. juli 2014, Seite 39
  5. Datenbank Joconde, abgerufen am 21. Juli 2011