Helmut Remschmidt

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Helmut Remschmidt

Helmut Remschmidt (* 25. April 1938 in Czernowitz, ehemals Rumänien, jetzt Ukraine) ist ein deutscher Kinder- und Jugendpsychiater und ehemaliger Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie der Philipps-Universität Marburg. Er gehört zu den weltweit bekanntesten Vertretern seines Faches.

Leben[Bearbeiten]

Studium der Medizin, Psychologie und Philosophie an den Universitäten Erlangen, Wien und Tübingen. Nach bestandenem medizinischen Staatsexamen an der Universität Erlangen promovierte er 1964 zum Dr. med. und legte ein Jahr später die Diplomprüfung im Fach Psychologie an der Universität Tübingen ab. Es folgte 1968 die Promotion zum Dr. phil. an der Universität Tübingen mit dem Thema Das Anpassungsverhalten der Epileptiker. Eine experimentelle Untersuchung zur sog. Persönlichkeitsänderung der Epileptiker an Grand-mal-Epileptikern und Patienten mit psychomotorischer Epilepsie. Daran schloss sich eine Tätigkeit als Wissenschaftlicher Assistent und Oberarzt bei Hermann Stutte an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Philipps-Universität Marburg an. 1970 erfolgte die Habilitation, 1975 die Berufung auf die ordentliche Professur für Psychiatrie und Neurologie des Kindes- und Jugendalters an der Freien Universität Berlin. 1980 nahm Helmut Remschmidt den Ruf auf den Lehrstuhl für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Philipps-Universität Marburg an, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 2006 wirkte, nachdem er einen Ruf auf den Lehrstuhl für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Universität Zürich abgelehnt hatte. Seit seiner Emeritierung ist er weiterhin wissenschaftlich tätig, u. a. als Projektleiter, Autor, Vortragender und Gerichtssachverständiger.

Leistungen[Bearbeiten]

Zu Remschmidts Arbeitsschwerpunkten gehören Entwicklungspsychopathologie, Schizophrenie, Essstörungen, psychiatrische Genetik, Autismus sowie Therapie- und Evaluationsforschung. Neben mehreren hundert wissenschaftlichen Publikationen ist Helmut Remschmidt Autor verschiedener Lehrbücher zur Kinder- und Jugendpsychiatrie, die teilweise auch in andere Sprachen übersetzt wurden.

Parallel zu seiner wissenschaftlichen Tätigkeit, die stark durch eine Hinwendung zur biologischen Kinder- und jugendpsychiatrischen Forschung gekennzeichnet ist, baute Remschmidt ein regionales Versorgungssystem für psychisch kranke Kinder und Jugendliche auf, das für viele Länder zum Vorbild geworden ist.

Remschmidt begründete die internationalen Forschungsseminare für Nachwuchswissenschaftler, die seit 2006 nach ihm benannt sind, sowie die Tagungen für Biologische Kinder- und Jugendpsychiatrie. Als Präsident der deutschen (1982-1983), europäischen (1995–1999) und internationalen Fachgesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie (IACAPAP)(1998–2004) sowie der Section of Child and Adolescent Psychiatry der World Psychiatric Association (WPA) (1989-1999) hat er die Entwicklung der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Deutschland und international nachhaltig beeinflusst.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Für seine Tätigkeiten erhielt Remschmidt zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1990 den Hermann-Simon-Preis für hervorragende Arbeiten auf dem Gebiet der Sozialpsychiatrie, 1994 den Christina-Barz-Preis des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft, 1996 die Ernst-von-Bergmann-Plakette der deutschen Ärzteschaft, 1999 den Max-Planck-Forschungspreis für internationale Kooperation, 2003 die Ehrenplakette der hessischen Ärzteschaft, 2004 das Bundesverdienstkreuz am Bande, 2007 den Quality-of-Life-Preis, 2011 die Euricius-Cordus-Medaille der Marburger Hochschulmedizin und 2013 die Beccaria-Medaille in Gold der Kriminologischen Gesellschaft (Vereinigung der deutschen, österreichischen und schweizerischen Kriminologen). Remschmidt ist Ehrenvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP).[1] 2009 wurde er zum Ehrenpräsidenten der International Association for Child and Adolescent Psychiatry and Allied Professions (IACAPAP) ernannt.[2]

Schriften[Bearbeiten]

In Deutsch (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Psychopathologie der Familie und kinderpsychiatrische Erkrankungen. Huber, Bern 1980, ISBN 978-3-4568-0984-7
  • Kinder- und Jugendpsychiatrie in Klinik und Praxis: In drei Bänden, Bd. I: Grundprobleme, Pathogenese, Diagnostik, Therapie (mit Martin H. Schmidt). Thieme, Stuttgart 1988, ISBN 3-13-658101-6
  • Evaluation kinder- und jugendpsychiatrischer Versorgung. Analysen und Erhebungen in drei hessischen Landkreisen (mit Reinhard Walter). Enke, Stuttgart 1989 ISBN 978-3-4329-7691-4
  • Psychiatrie der Adoleszenz. Thieme, Stuttgart 1992, ISBN 978-3-1376-7801-4
  • Kinder psychotischer Eltern. Mit einer Anleitung zur Beratung von Eltern mit einer psychotischen Erkrankung (mit Fritz Mattejat). Hogrefe, Göttingen 1994, ISBN 978-3-8017-0702-6
  • Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter. Thieme, Stuttgart 1997, ISBN 978-3-1310-3431-1
  • Kontinuität und Neuanfang in der Hochschulmedizin nach 1945: Symposium zur Hochschulmedizin am 5. und 6. Juli 1996 in der Philipps-Universität Marburg (mit Gerhard Aumüller, Hans Lauer). Schueren Presseverlag Gmb, Marburg 1997, ISBN 978-3894721527
  • Schizophrene Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter: Klinik, Ätiologie, Therapie und Rehabilitation. Schattauer, Stuttgart 2004, ISBN 978-3-7945-2328-3
  • Asperger-Syndrom: Manuale psychischer Störungen bei Kindern und Jugendlichen (mit Inge Kamp-Becker). Springer, Heidelberg. 2006, ISBN 978-3-5402-0945-4
  • Autismus – Erscheinungsformen, Ursachen, Hilfen. 5. Aufl., Verlag C. H. Beck, München 2012, ISBN 978-3-4065-7680-5
  • Tötungs- und Gewaltdelikte junger Menschen. Ursachen, Begutachtung, Prognose (mit Matthias Martin, Gerhard Niebergall, Reinhard Walter und Britta Bannenberg). Springer-Verlag, Heidelberg 2012, ISBN 978-3-6422-9870-7

In Englisch[Bearbeiten]

  • Epidemiological Approaches in Child Psychiatry II. International Symposium Mannheim 1981. 24 Figures, 62 Tables (mit Martin H. Schmidt). Thieme, Stuttgart 1983, ISBN 978-313-646901-9
  • Anorexia Nervosa (Child & Youth Psychiatry: European Perspectives) (mit Martin H. Schmidt). Hogrefe & Huber, Toronto 1990, ISBN 978-3-4568-1957-0
  • Child and adolescent psychiatry in Europe: historical development, current situation, future perspectives (mit H. van Engeland). Steinkopff u. Springer, Darmstadt u. New York 1999, ISBN 978-3-6429-6005-5
  • Schizophrenia in Children and Adolescents: (Cambridge Child and Adolescent Psychiatry). Cambridge University Press, Cambridge 2001, ISBN 978-0-5217-94282
  • The Mental Health of Children and Adolescents: An area of global neglect (World Psychiatric Association). (mit Barry Nurcombe, Myron Lowell Belfer, Norman Sartorius und Ahmed Okasha). John Wiley & Sons, Chichester 2007, ISBN 978-0-4705-1245-6

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ehrenvorsitzende. DGKJP-Website, abgerufen am 16. März 2014.
  2. Internationale Auszeichnung für Helmut Remschmidt Website des Fachbereichs Medizin der Philipps-Universität Marburg, 3. September 2009. Abgerufen am 25. März 2014.