Helmut Sinn

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Helmut Sinn

Helmut Sinn (* 3. September 1916 in Metz, Lothringen) ist ein Pilot, Instrumenten- und Kunstfluglehrer, Luftfahrtsachverständiger und Unternehmer. Er betätigte sich früher auch als Rallyefahrer und war mit einem Porsche-motorisierten VW Käfer Klassensieger der Rallye AlgierKapstadt im Jahr 1953. Schon zu dieser Zeit beschäftigte er sich mit Planung und Bau von Zeitmessinstrumenten für den Motorsport, insbesondere mit Rallye-Autoborduhren.

Sinn gründete 1961 eine Uhrenmanufaktur unter seinem Namen. Er erfand zahlreiche technische Neuheiten für seine selbstentwickelten mechanischen Armbanduhren – vor allem hochwertige Chronographen – die er im damals innovativen Direktvertrieb an Endkunden verkaufte. Sinn verkaufte das Unternehmen 1994 an einen Mitarbeiter, seit 1995 ist er Eigentümer des Schweizer Uhrenherstellers Guinand. Sinn gilt als Ausnahmepersönlichkeit in der Uhrenbranche und ist auch im hohen Alter noch unternehmerisch und erfinderisch tätig.

Leben[Bearbeiten]

Ende der 40er Jahre hat Helmut Sinn seinen eigenen Uhrenhandel in Frankfurt am Main aufgebaut. Hier begann er auch mit der Entwicklung und Herstellung von Flugzeug-Borduhren für die Bundeswehr (Bell UH-1D, Alpha Jet, F-104G, F-4E, Tornado, Eurofighter), für die sich aber auch internationale zivile Fluggesellschaften interessierten.

Sinn Spezialuhren[Bearbeiten]

1956 hat Helmut Sinn mit der Entwicklung des ersten Flieger-Chronographen (Armbanduhr mit Stoppuhr-Vorrichtung) in starker Anlehnung an die Borduhren begonnen. Für diese Uhren waren seine Design-Leitlinien: „Grösste Funktionalität und Beste Ablesbarkeit“, natürlich neben einem hohen Qualitätsanspruch, von höchster Wichtigkeit.

1961 hat Helmut Sinn seine Firma Sinn Spezialuhren in Frankfurt am Main gegründet. Erstmals in dieser Branche hat er einen reinen Direktvertrieb, also Verzicht auf den Zwischenhandel, eingeführt. Dadurch konnte er eine kundenfreundlichere Preisgestaltung durchsetzen, da die Zwischenhandelsmargen entfielen.

Bahnbrechende Erfindungen gehen auf Helmut Sinn zurück. So hat er z.B. eine Armbanduhr mit einem Doppel-Stundenzeiger (ein Stundenzeiger mit zwei Zeiger-Spitzen, die genau eine Stunde auseinanderstehen) zur gleichzeitigen Anzeige der deutschen Lokalzeit und der Greenwich Mean Time (GMT) eingeführt. Nach Einführung der Sommerzeit 1980 war dieser Doppelstundenzeiger unbrauchbar, denn von nun an war die deutsche Lokalzeit der GMT im Sommer um zwei Stunden voraus. Zur Lösung dieses Problems entwickelte er eine GMT-Uhr mit einem separat verstellbaren zweiten Stundenzeiger, so dass nun problemlos Sommer- und Winterzeit – oder auch eine beliebige andere Zeitzone auf dem zweiten Zeiger – eingestellt und abgelesen werden konnte. Uhrenmodelle mit dieser Technik gehören heute zum Standardangebot vieler Hersteller hochwertiger mechanischer Armbanduhren, wie etwa Rolex oder IWC.

1985 trug Astronaut Reinhard Furrer während der Spacelab Mission STS-61-A eine Sinn „142 S“ am Handgelenk und brachte damit den ersten automatischen Chronographen ins Weltall. Das war schon deshalb außergewöhnlich, weil man bis dahin annahm, dass automatische Armbanduhren in der Schwerelosigkeit nicht funktionieren würden. Auch bei den beiden anderen Spacelab-Missionen trugen die deutschen Astronauten Reinhold Ewald und Klaus-Dietrich Flade jeweils Sinn-Uhren.

Jubilar und Guinand[Bearbeiten]

Nach dem Verkauf der alten Firma hat Helmut Sinn 1996 die Firma Jubilar Uhren, auch in Frankfurt am Main, gegründet. Hier wurden anfangs zwei Uhrenlinien angeboten: Jubilar für Taschenuhren und Chronosport für klassische Fliegeruhren und Fliegerchronographen. Auch für die neue Firma, die ihre Uhren wieder nur ausschließlich im Direktvertrieb anbietet, gilt das typische Sinn-Motto: „So perfekt wie möglich, aber nur so teuer wie nötig“.

1995 hat Helmut Sinn das Traditionsunternehmen Guinand Watch Co. SA, ein 1865 im Jura gegründeten Schweizer Hersteller für komplizierte Uhren, hauptsächlich Chronographen mit und ohne Schleppzeiger, übernommen. Hier erfolgt auch die Montage der Guinand WZU-5, der weltweit ersten mechanischen Armbanduhr, die neben der Lokalzeit vier frei wählbare Weltzeiten auf kleinen Hilfszifferblättern anzeigen kann. Diese technisch herausragende Uhr wurde von dem deutschen Uhrenmagazin Chronos für den „Chronos Innovationspreis Technik 2005“ vorgeschlagen und stand damit neben Tourbillon-Uhren, Uhren mit Mondphasen und anderen interessanten Neu-Entwicklungen der größten deutschen und schweizerischen Uhren-Manufakturen zur Wahl.

Helmut Sinn: "Nur die Zeit ist unbestechlich!"

Nachdem Helmut Sinn im September 2006 seinen neunzigsten Geburtstag feiern konnte, gab er die Verantwortung für die kaufmännische Seite der Firma Guinand Uhren Helmut Sinn GmbH an den neuen Geschäftsführer Horst Hassler ab. Dieser hatte sich bereits seit einigen Jahren in der Firma von Helmut Sinn engagiert. Helmut Sinn steht seinen Kunden seitdem für Beratung, Betreuung und Verkauf zur Verfügung. Er möchte seine vielen Ideen zu neuen interessanten Uhren weiterentwickeln und verwirklichen. Auf seiner privaten Webseite vertreibt er Vintage-Uhren aus seiner Sammlung.

Bibliographie[Bearbeiten]

  • Jochen Hasmanis und Jan-Peter Hamann: Helmut Sinn Dokuportrait - Die Zeitmaschine. Verlag: medienatelier.tv, Frankfurt 2010, ISBN 978-3-00-032245-7
  • Hans-Heinrich Schmid: Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie 1850-1980. Verlag: Stadt Villingen-Schwenningen 2005, ISBN 3-927987-91-3
  • Gerd-Lothar Reschke: Das Zeitgefühl-Uhrenbuch. Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2005, ISBN 3-938607-61-0

Weblinks[Bearbeiten]