Chemisenkleid

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Kaiserin Joséphine mit Chemise (Gemälde von Gérard, 1801)
Unter der Chemise getragene fleischfarbene Trikots ließen den Eindruck von Nacktheit entstehen, hier das Tänzerpaar Viganò auf einer Zeichnung von Johann Gottfried Schadow.

Das Chemisenkleid oder einfach nur die Chemise (französisch Chemise ‚Hemd‘) war in der Mode des Directoire und Empire ein in ganz Europa verbreitetes langes Damenkleid aus dünnem, transparent Stoff (Musselin) in einfachem, tunikaartigem Schnitt (daher um 1800 französisch auch als tunique bezeichnet), das unter der Brust meist mit einem Band oder einem Gürtel zusammengefasst war und ansonsten frei ohne Taillierung fällt.

Im Deutschen wird die Chemise auch Hemdkleid genannt, wobei dann zu unterscheiden ist von dem bereits im Alten Ägypten als Oberbekleidung getragenen Hemdgewand und dem in den 1950er Jahren beliebten Hemdblusenkleid. Im modernen Gebrauch bezeichnet Chemise unterschiedliche Formen von Hängerkleidern, die typischerweise aus feinem, dünnem Stoff (zum Beispiel Seide) gefertigt und relativ freizügig geschnitten sind.

Die historische Chemise ist das typische, mit der Mode à la Grecque verbundene Kleidungsstück. Sie erschien, als im Frankreich der Revolutionszeit durch den Verzicht auf Reifrock und Mieder die Silhouette sich änderte. Vorbereitet war die Chemisenmode durch die schon bestehende Vorliebe für Musselin, etwa in den Schäferkostümen der Marie Antoinette und durch die auch in der Folge der Ausgrabungen in Pompeji schon in den 1780er Jahren in England weite Kreise erfassenden Antikenbegeisterung und dem in der Folge entstehenden Wunsch, antike Gewandung nachzuempfinden.

Da man fälschlich Weiß für die Farbe der Antike hielt, waren die Chemisenkleider aus weißem Stoff, als farbige Akzente gab es höchstens ein Brustband, gerne in Rosa oder Zartblau, etwas florale Stickerei oder ein Mäanderband am Saum. Als Stoff wurde neben Musselin auch andere Baumwollgewebe in Leinwandbindung (Batist, Kattun, Linon), Leinen, netzartige Gewebe (Gaze, Tüll, Spitzen über Taft) oder — vor allem im Frankreich Napoleon Bonapartes — auch Seide verwendet. Bis in die 1800er wies die Chemise, die bis dahin ein schon aufgrund der benötigten Stoffmenge und -qualität ein aufwändiges und daher den Damen der Oberschicht vorbehaltenes Kleidungsstück war, häufig eine Schleppe auf.

Im Anschluss an den Ägyptenfeldzug Napoleons wurde in Frankreich die Tunique à la Mameluck beliebt. Nach dem Sturz Napoleons änderte sich dann die Mode in Richtung stärkerer Verhüllung: das Zugband fiel weg und wurde durch eine am Rücken liegende Kleidknöpfung bzw. -schnürung ersetzt, der Stoff wurde leicht versteift und fiel glatt zum nun knöchellangen Saum, die zuvor teils nur angedeuteten Ärmel wurden länger und gepufft oder man trug lange Ärmel mit Oberarmpuffe à la Renaissance. Im Übergang zum Biedermeier wurde das Dekolletee deutlich sparsamer und schloss mit einer steifen Halskrause oder einem Zackenband (dent de loup „Wolfszahn“) ab. Der zuvor ganz schlichte Stoff erhielt üppigen Aufputz in Form von Borten, Rüschen, Zackenbändern und Kunstblumen. Lediglich das Ballkleid behielt den Stil des Empire, blieb schlicht mit oft schulterfreiem Dekolletee und behielt auch die Schleppe (Courschleppe).

Literatur[Bearbeiten]

  • Ingrid Loschek: Reclams Mode- und Kostümlexikon. 5. Aufl. Reclam, Stuttgart 2005, ISBN 3-15-010577-3, S. 144–146
  • Erika Thiel: Geschichte des Kostüms: Die europäische Mode von den Anfängen bis zur Gegenwart. Henschel, Berlin 2004, ISBN 3-89487-260-8, S. 136.

Weblinks[Bearbeiten]