Hemeln

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51.5008333333339.6063888888889115Koordinaten: 51° 30′ 3″ N, 9° 36′ 23″ O

Hemeln
Wappen von Hemeln
Höhe: 115 m ü. NN
Einwohner: 992 (31. Dez. 2009)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 1973
Postleitzahl: 34346
Vorwahl: 05544

Hemeln ist ein Ortsteil der Stadt Hann. Münden. Das Dorf liegt 12 km Weser-abwärts der Kernstadt Hann. Mündens. Zu dem Dorf mit insgesamt 992 Einwohnern[1] gehören die beiden Dörfer Glashütte mit 100 und Bursfelde mit 40 Einwohnern. Bis zur Gebietsreform 1973 bildeten die drei Dörfer eine selbständige Gemeinde. Die drei Dörfer liegen entlang der Weser am Fuße des Bramwalds. Ortsbürgermeister ist Alfred Urhahn.

Hemeln an der Weser
Ortsteil Glashütte

Geschichte[Bearbeiten]

Die früheste Erwähnung des Ortes fällt in die Mitte des 9. Jahrhunderts, als Ludwig der Fromme 834 Hemeln an das Kloster Corvey überträgt. Durch einen Vergleich zwischen Herzog Erich I. von Braunschweig und dem Landgrafen Philipp von Hessen geriet der Ort am 11. März 1538 unter die Hoheit Braunschweigs. Der Ort lebt hauptsächlich vom Ackerbau. Anhand von bronzezeitlichen Artefakten wie Pfeilspitzen, Feuersteingeräten, Scherben und dem Grundriss eines Backofens, Spuren, wie sie bei der Fundstelle "am Olen Dreischeuwer" 2 km nördlich von Hemeln gefunden wurden, lässt sich jedoch belegen, dass der Raum bereits zu früheren Zeiten besiedelt war. Im frühen Mittelalter tritt der Ort unter den Namen Hemlion, Hemli, Hamelen, Hemelen und Heymeln auf, seit 1479 ist der Ortsname in seiner heutigen Form bekannt.[2] Am 1. Januar 1973 wurde Hemeln mit seinen Ortsteilen in die Stadt Münden eingegliedert.[3]

Kirche[Bearbeiten]

Marienkirche Hemeln

Die alte Kirche wurde 1681 nach dem Dreißigjährigen Krieg errichtet. Sie ersetzte eine kleinere Kirche, die während des Krieges wie das ganze Dorf beschädigt wurde. Der Turm der Kirche wurde bereits um 1200 als Wehrturm aus Bruchsteinmauerwerk errichtet. Seit Ende des Mittelalters ist der Turm auch Glockenturm. 1686 erhielt die Kirche einen neuen Holzaltar, der durch den Künstler Fabaring geschaffen wurde. Der Altar hat ein Triptychon als Aufsatz. Er zeigt die Ostergeschichte in drei Bildern:

  • Unten das letzte Abendmahl mit Jesus in der Mitte seiner Jünger,
  • in der Mitte die Kreuzigung Christi mit Maria und Johannes und den vier Evangelisten und
  • oben den auferstandenen Christus mit zum Betrachter geöffneten Armen.

Eine Empore erhielt die Kirche im 18. Jahrhundert, um weitere Plätze in der Kirche zu schaffen.

Im Jahr 1966 wurde die Kirche grundlegend renoviert und umgebaut. Die Kanzel, die bisher Teil der oberen Altarwand war, erhielt einen neuen Platz. Der Boden aus Buntsandsteinplatten wurde gegen Jura-Marmor ausgetauscht. Die eichenen Sitzbänke und andere Inneneinrichtungen wurden ausgetauscht.

Bramburg[Bearbeiten]

Oberhalb des Ortes liegt die Bramburg, die erstmals 1063 erwähnt wurde. Sie wurde zum Schutz des 1093 durch Heinrich den Fetten, Sohn des Otto von Northeim, gegründeten Klosters Bursfelde ausgebaut.

Im 13. Jahrhundert gehört die Burg - zumindest zu einem Teil - dem Kloster Corvey, das über Güter im Bramwald verfügt. 1279 gelangt die Bramburg in den Besitz von Albrecht dem Feisten. Die Herren von Stockhausen sind seit dem Anfang des 14. Jahrhunderts Burgmänner.

1452 beschweren sich erstmals Händler über Raubrittertum. Als 1458 thüringische Händler ausgeraubt wurden und die Stadt Göttingen dem Treiben kein Einhalt bot, brannte Landgraf Wilhelm III. die Burg nieder. 1494 wurde die wieder aufgebaute Burg noch einmal zerstört. Sie wurde Anfang des 16. Jahrhunderts noch einmal aufgebaut, aber bald verlassen.

Heute ist nur noch der Burgturm erhalten, von den Burgmauern sind noch die Fundamente zu erkennen.

Hünenburg Hemeln[Bearbeiten]

Einige hundert Meter südlich der Bramburg befinden sich auf dem westlichen Ausläufer des Hünenkopfs im Wald die Reste der Hünenburg Hemeln. Zeitlich wird ihr Entstehen in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten und ihr Bestehen aufgrund des Fundes einer fränkischen Reiterkriegerausrüstung bis um das Jahr 800 angenommen. Die dreiecksförmige Anlage ohne Besiedlungsspuren im Inneren ist fast 7 ha groß.

Kloster Bursfelde[Bearbeiten]

Das 1093 gegründete Kloster Bursfelde dient heute als evangelisches Tagungszentrum.

Rollfähre zwischen Veckerhagen und Hemeln, im Hintergrund Hemeln und der Bramwald
Fahnengeschmückter Fachwerk-Straßenzug, Motiv: Das alte Ortswappen.

Sonstige Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Hemeln ist wegen seiner Lage im Wesertal und der Rollfähre zum auf der anderen Seite der Weser gelegenen Veckerhagen ein beliebtes Ausflugsziel.

Im Ort selbst befinden sich zahlreiche gepflegte Fachwerkhäuser, die mitunter aufwendig gestaltete Hausinschriften tragen. Von den Häusern hebt sich besonders das Forstamt Bramwald hervor, ein prächtiger Fachwerkbau, welcher um 1700 vom Schiffbauer J. Kellner errichtet wurde.[4]

Hemelner Scheibenkreuzstein[Bearbeiten]

Ursprünglich in der Hemelner Feldmark gelegen, versetzte man anschließend den Scheibenkreuzstein an den östlichen Rand der Weserstraße, wo er sich heute, in Höhe eines Wanderparkplatzes befindet. Er trägt auf der Vorder- und Rückseite zwei gleichartige Malteserkreuze, von denen eines bereits, witterungsbedingt, verwaschen und leicht beschädigt ist. Oberhalb der Kreuze sind Wetzspuren zu sehen. Überlieferungen zu diesem Stein sind nicht bekannt.

Kultur[Bearbeiten]

Seit 1965 existiert der Theaterverein „Bühnenfreunde Hemeln“. Neben regelmäßigen Theateraufführungen leistet der Verein Beiträge in Hemelner Mundart zu den örtlichen Veranstaltungen und dient als Schnittstelle zu den weiteren kulturellen Gruppierungen wie der Volkstanz- und Schulkindergruppe.[5] Einer der ältesten Vereine des Dorfes ist der 1860 gegründete Männergesangverein „Concordia“ Hemeln.[6] Daneben findet jährlich ein Schützenfest mit Pokalschießen statt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Willi Osenbrück: Hemeln 834–1984. Beiträge zur Geschichte eines Oberweserdorfes. Eigenverlag, o.O. 1984, 443 S.
  • Heinz Potthast: Beispiele zum Werden einer Kulturlandschaft im Raum Hemeln-Bursfelde. Flurnamen, alte Wege, Wüstungen. Sydekum-Schriften zur Geschichte der Stadt Münden 9. Eigenverlag, Münden 1984
  • Walter Henckel: Am Weserradweg bei Hemeln. Auf Entdeckungstour zwischen Hannoversch Münden und Bursfelde. Hg. Kultur- und Naturförderverein Hemeln e. V., Husum Verlag, Husum 2007

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikivoyage: Hemeln – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Stadt Hann. Münden: Einwohnerbestand (Stand: 31. Dezember 2009, Abgerufen am 22. März 2011)
  2.  Erwin May: Münden und Umgebung. Erwin May, Hann. Münden 1980, S. 179f.
  3.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 213.
  4.  Eberhard Michael Iba: Auf den Spuren der Brüder Grimm von Hanau nach Bremen. Märchen, Sagen, Geschichten. Pustet, Regensburg 1978, ISBN 3-7917-0536-9, S. 143.
  5. Theaterverein Bühnenfreunde Hemeln e. V., abgerufen am 21. Januar 2014
  6. 150 Jahre Chorgeschichte des MGV Hemeln auf der Internetseite der Hessisch/Niedersächsischen Allgemeinen, abgerufen am 21. Januar 2014