Henning Ottmann

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Henning Ottmann (eigentlich Horst Henning Ottmann; *1944 in Wien) ist ein deutscher Philosoph. Er ist seit 1995 Professor für Politische Theorie und Philosophie am Geschwister-Scholl-Institut für Politische Wissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Henning Ottmann legte 1963 das Abitur am Humanistischen Gymnasium in Kempten ab. Den Wehrdienst bei der Bundeswehr beendete er 1965 als Offizier der Reserve. Im Anschluss studierte Ottmann Philosophie und Politikwissenschaft an den Universitäten in München und Yale, mit Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Nach seinem Magisterabschluss mit der Arbeit „Das Scheitern einer Einleitung in Hegels Philosophie. Eine Analyse der Phänomenologie des Geistes“ im Jahre 1970 wurde er 1972 Assistent bei Nikolaus Lobkowicz. 1974 wurde er durch Lobkowicz mit der Arbeit „Individuum und Gesellschaft bei Hegel“ promoviert. Die Habilitation erfolgte im Jahr 1983 über „Philosophie und Politik bei Nietzsche“. Aufgrund dieser und späterer Veröffentlichungen gilt er unter anderem als ausgewiesener Experte für Hegel und Nietzsche.

Ottmann wurde 1986 Professor für Philosophie in Augsburg und 1987 für Politische Philosophie und Theorie in Basel. 1990 erhielt er einen Ruf auf den Lehrstuhl für Politikwissenschaft an der Universität Freiburg, den vorher Wilhelm Hennis innegehabt hatte. 1995 schließlich erhielt er einen Ruf an die Universität München. Seitdem ist er dort Professor für Politikwissenschaft unter besonderer Berücksichtigung von Philosophie und Politischer Theorie in der Nachfolge seines Lehrers Nikolaus Lobkowicz. Er lehrt außerdem an der Münchner Hochschule für Politik.

[Bearbeiten] Lehre und Forschung

Der Lehrstuhl ist der als normativ bekannten Tradition der Politikwissenschaft verpflichtet, die durch Arendt, Strauss, Voegelin, Sternberger begründet und Eric Voegelin, dem Gründer des Geschwister-Scholl-Instituts, in München angesiedelt wurde. Nikolaus Lobkowicz und in seiner Nachfolge Henning Ottmann setzen diese Tradition fort.

Ottmanns Hauptwerk ist die mehrere Bände umfassende Schrift „Geschichte des politischen Denkens“. Bisher sind fünf Teilbände erschienen, zwei weitere sind vorgesehen. Der Begriff des Politischen Denkens ist bei Ottmann weit gefasst. Er begründet dies im Anschluss an Aristoteles im Vorwort des ersten Bandes mit den Worten:

„Nachdenken über Politik kann jeder. Eine Geschichte des politischen Denkens muss offen sein für das, was von Historikern und Dichtern, Theologen und Juristen, ja von wem auch immer, zum Verständnis der Politik seiner Zeit beigetragen wird.“ (Band I/1, Vorwort)

[Bearbeiten] Philosophische Positionen

Ottmanns Perspektive auf sein Forschungsgebiet findet sich in konzentrierter Form in dem Bändchen „Platon, Aristoteles, und die neoklassische politische Philosophie der Gegenwart“. Neben der Weitergabe und Kommentierung der westlichen Tradition hat Ottmann auch Ansätze zu einer eigenen ethischen Position entwickelt.

In dem von ihm herausgegebenen Sammelband „Negative Ethik“ werden verschiedene Spielarten einer Ethik des Unterlassens und der präventiven Zurückhaltung diskutiert. Ottmann greift darin auf einen älteren eigenen Aufsatz zurück. Er stellt fünf Imperative des „Lassens“ auf:

  • „zu lassen, was schon besser getan worden ist, als man es selbst tun könnte“;
  • „zu lassen, was andere besser tun als wir“;
  • „zu lassen, was schon aus sich selber werden kann, was es sein soll“;
  • „zu lassen, was zum Überwiegen schlechter über gute Folgen führt“;
  • „zu lassen, was man sowieso nicht ändern kann“.

In der Debatte um einen ethisch angemessenen Umgang mit neuesten medizinischen Möglichkeiten hat sich Ottmann im Rahmen des von ihm mitherausgegebenen Bandes „Leben, Tod, Menschenwürde: Positionen zur gegenwärtigen Bioethik“ zu Wort gemeldet. In seinem Beitrag „Wann ist der Mensch ein Mensch?“ empfiehlt er ein hohes Maß argumentativer Sorgfalt bei der Beantwortung dieser Frage, die besser nicht aufgeworfen wäre (vgl. S. 19). Da sie sich aber unvermeidlich stelle, müsse sie beantwortet werden. Ottmanns Argumentation zielt darauf ab, den Zeitpunkt für den Beginn menschlicher Existenz in der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle zu sehen, weil von da an „der Mensch potentiell das [sei], was er von Natur aus sein wird. Von da an erfolgt eine kontinuierliche Entwicklung von ein- und demselben Ausgangspunkte aus.“ (S. 27) Man darf hinter dieser Position wohl eine religiöse Überzeugung vermuten. Weil Ottmann anerkennt, daß eine solche „in säkularisierten Gesellschaften nicht mehr allgemein konsensfähig“ (S. 22) ist, formuliert er seine Gedanken bewusst vorsichtig.

[Bearbeiten] Publikationen

  • „Das Scheitern einer Einleitung in Hegels Philosophie. Eine Analyse der Phänomenologie des Geistes“ (München, Salzburg 1972)
  • „Individuum und Gesellschaft bei Hegel“ (Berlin, New York 1977)
  • „Philosophie und Politik bei Nietzsche“ (Berlin, New York 1987,²1999)
  • Zus. mit Karl Graf Ballestrem: „Politische Philosophie des 20. Jahrhunderts“ (München 1990)
  • als Herausgeber „Nietzsche-Handbuch. Leben - Werk - Wirkung“ (Stuttgart, Weimar 2000)
  • „Gedanken zur geistigen Situation der Zeit“ (Köln 1992)
  • „Platon, Aristoteles und die neoklassische politische Philosophie der Gegenwart“ (Baden-Baden 2005)
  • „Geschichte des politischen Denkens. Von den Anfängen bei den Griechen bis auf unsere Zeit“:
* Band I/1: „Die Griechen. Von Homer bis Sokrates“ (Stuttgart, Weimar 2001)
* Band I/2: „Die Griechen. Von Platon bis zum Hellenismus.“ (Stuttgart, Weimar 2001)
* Band II/1: „Die Römer“ (Stuttgart, Weimar 2002)
* Band II/2: „Das Mittelalter“ (Stuttgart, Weimar 2004)
* Band III/1: „Die Neuzeit. Von Machiavelli bis zu den großen Revolutionen“ (Stuttgart, Weimar 2006)
* Band III/2: „Die Neuzeit. Von der Amerikanischen und Französischen Revolution bis zum Ende des 19. Jahrhunderts“ (in Vorbereitung)
* Band III/3: "Die Neuzeit. Die politischen Strömungen im 19. Jahrhundert" (in Vorbereitung)
* Band IV: „Das 20. Jahrhundert“ (in Vorbereitung)
  • als Mitherausgeber: „Leben, Tod, Menschenwürde: Positionen zur gegenwärtigen Bioethik“ (Ulm 2002)
  • als Herausgeber: „Negative Ethik“ (Berlin 2005)

Periodika:

  • Philosophisches Jahrbuch (Mitherausgeber)
  • Zeitschrift für Politik (1983–2004) (Mitherausgeber)
  • Jahrbuch Politisches Denken (Mitherausgeber)
  • Hegel-Jahrbuch (Mitherausgeber)
  • Reihe Politisches Denken (Mitherausgeber)
  • Basler Studien zur Philosophie (Mitherausgeber)

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[Bearbeiten] Weblinks

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