Henri Brisson

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Henri Brisson

Eugène Henri Brisson (* 31. Juli 1835 in Bourges; † 13. April 1912 in Paris) war französischer Politiker und zweimaliger Premierminister von Frankreich.

Frühe politische Laufbahn[Bearbeiten]

Wie bereits sein Vater studierte Brisson Rechtswissenschaften und arbeitete als Rechtsanwalt. Nach dem Sturz des Zweiten Kaiserreichs wurde er Vizebürgermeister von Paris. Am 8. Februar 1871 wurde er als Vertreter der extremen Linken zum Mitglied der Deputiertenkammer gewählt. Als Abgeordneter vertrat Brisson antiklerikale Thesen und trat für eine Grundschulerziehung ein.

Premierminister 1885–1886 und 1898[Bearbeiten]

Als Nachfolger von Léon Gambetta war er Präsident der Deputiertenkammer von 1881 bis März 1885. Anschließend folgte er dem zurückgetretenen Jules Ferry am 6. April 1885 als Premierminister und übernahm zugleich das Justizministerium. Nach den Parlamentswahlen im gleichen Jahr trat er am 7. Januar 1886 zurück, da er nicht gewünschte Mehrheit zur Kreditaufnahme für die Tongking-Expedition erhielt.

Gleichwohl blieb er ein Mann der Öffentlichkeit und nahm eine führende Rolle bei der Aufklärung des Panamaskandals. Nach dem Tod des Präsidenten Marie François Sadi Carnot im Jahr 1894 kandidierte er erfolglos als dessen Nachfolger, wurde aber im Dezember 1894 erneut zum Präsidenten der Deputiertenkammer gewählt. Dieses Amt behielt er, bis er am 28. Juni 1898 erneut als Premierminister ein Kabinett bildete.

Wie bereits während seiner ersten Amtszeit übernahm Brisson mit der Leitung des Innenministeriums ein zusätzliches Portefeuille. Zu dieser Zeit war Frankreich von der Dreyfus-Affäre betroffen. Seine Aufrichtigkeit zur Lösung der Affäre brachten ihm großen Respekt in der Bevölkerung ein. Dennoch musste er mit seinem Kabinett am 1. November 1898 zurücktreten.

Anerkannter Staatsmann[Bearbeiten]

Als ein Führer der Radikalen unterstützte Brisson die nachfolgenden Premierminister Pierre Waldeck-Rousseau und Émile Combes besonders bei Gesetzesvorlagen zur religiösen Ordnung und zur Trennung von Kirche und Staat. 1899 kandidierte Brisson erneut erfolglos für das Amt des Präsidenten der Französischen Republik. Im Mai 1906 wurde der mittlerweile 71-jährige Staatsmann mit 500 von 581 Stimmen zum dritten Mal zum Präsidenten der Deputiertenkammer gewählt.