Henri Deterding

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Sir Henri Deterding

Sir Henri Wilhelm August Deterding, KBE (* 19. April 1866 in Amsterdam; † 4. Februar 1939 in St. Moritz) war ein niederländischer Industrieller, Gründer und Hauptaktionär des Shell-Konzerns und in seiner Zeit einer der reichsten Männer der Welt. Bis zu seiner Pensionierung Ende 1936 war er zudem als Geschäftsführer des Konzerns tätig.[1]

Leben[Bearbeiten]

Deterding wurde als viertes von fünf Kindern einer holländischen Seefahrerfamilie in Amsterdam geboren. Sein Vater war Kapitän eines holländischen Handelsschiffes und starb als Deterding sechs Jahre alt war. Durch diesen Umstand geriet die Familie in finanzielle Schwierigkeiten, so dass er nur bis zum Alter von 16 Jahren die Höhere Bürgerschule besuchen konnte. Anschließend trat er eine Ausbildung bei der Twentsche Bank an. Er entwickelte alsbald eine Begabung für den Umgang mit Zahlen. Da seine Aufstiegschancen im Bankgewerbe wenig aussichtsreich erschienen, suchte er nach einer Alternative. Er bewarb sich auf eine Stelle in Niederländisch-Indien und wurde 1888 in einer Filiale der Niederländischen Handelsgesellschaft in Medan angenommen.[2]

Am 15. Mai 1896 nahm Deterding eine Position bei einer Erdöl-Company an, deren Geschäftsführer zu diesem Zeitpunkt Jean Baptiste August Kessler war. Es war ein mineralölförderndes oder nach Petroleumquellen suchendes Unternehmen mit dem Namen „Koninklijke Maatschappij Tot Exploatatie van Petroleumbronnen in Neederländisch-Indie“. Ehe Kessler im Jahr 1900 starb, übertrug er Deterding die Leitung des Unternehmens bis zur Mündigkeit seines eigenen Sohnes August Kessler junior.[2] Zu jener Zeit wurde die Standard Oil Company auf Deterdings Geschäft aufmerksam und versuchte, dieses aufzukaufen. Deterding lehnte jedoch ab und berief sich dabei auf das Testament Kesslers.

Die Royal Dutch Shell Groupe[Bearbeiten]

Er lernte Marcus Samuel kennen, der die Shell Transport and Trading Company gegründet hatte und das Wohlwollen der Rothschilds als internationales Bankenhaus, das sich stark im russischen Erdölgeschaft engagierte, genoss. Mit ihm tat sich Deterding zusammen.[2] China war seit 20 Jahren eine Domäne Rockefellers gewesen. Deterding konnte hiermit eine logistische Überlegenheit in der Region erlangen und aufgrund dieser Tatsache die Preise der Standard Oil unterbieten. Nach langem Preiskampf teilten sich Shell und Standard Oil schließlich ab 1911 den chinesischen Markt.

Deterding kaufte nun alles an Ölquellen auf amerikanischem Boden, was er bekommen konnte. Da die Standard Oil Company bis dahin auf den Erwerb der Quellen keinen Wert legte, gab es dort viel zu erwerben.

Die Shell-Cie. förderte danach bis zu vierzig Prozent ihres Öls aus dem Boden der USA. Es war Politik Deterdings, Quellen auf anderen Kontinenten zu schonen und zuerst die der Vereinigten Staaten von Amerika zu leeren.

Privates[Bearbeiten]

Deterding war dreimal verheiratet. Seine erste Frau war eine Niederländerin mit der er zwei Söhne und eine Tochter hatte. Die zweite Frau, die er 1924 heiratete war die Weißrussin Lydia Pavlovna Koudoyaroff[3], die Tochter des späteren Generals Paul Koudoyaroff. Nachdem er im Jahr 1936 von ihr geschieden worden war, nahm er im Alter von 70 Jahren Charlotte Mina Knack, eine Deutsche zur Frau, die in seinem Unternehmen als Sekretärin gearbeitet hatte.[4]

Im Jahr 1920 wurde er von König Georg V von Großbritannien zum Ritter geschlagen.[4]

Finanzielle Unterstützung des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Deterding-Biograph Glyn Roberts schreibt in „The most powerful man in the world“, dass Deterding schon 1921 von Adolf Hitler beeindruckt gewesen sei und ihm schon in jenen frühen Tagen durch den Agenten Georg Bell vier Millionen Gulden gespendet habe. Diese Spende wurde 1923 nach dem misslungenen Putschversuch Hitlers aber beschlagnahmt. Er unterstützte finanziell die deutschen Freikorps, die im Osten kämpften, und bewaffnete Aufstände in der Sowjetunion. Schon früh finanzierte er Alfred Rosenberg, der ihn 1931 und im Mai 1933 in seinem Landhaus in Buckhorst Park in Ascot besuchte.[5]

„Hilgenfeld berichtet W.H.W. Deterding hat 40 Millionen gestiftet.[7]

Außerdem gehörten ihm zunächst 60 Prozent der kaukasischen Erdölvorkommen, von denen er im Zuge der Oktoberrevolution von 1917 enteignet wurde. Mit ungeheuren Summen entfesselte er eine Kampagne gegen den Kauf des „stolen oil“. Deterding soll (gemäß Roberts) Hitlers NSDAP bis zu 55 Millionen Pfund gespendet haben, mit dem Gedanken, dass ihm dies zu einer besseren Position auf dem deutschen Ölmarkt verhelfen würde. Dokumente sind jedoch (gemäß Sutton) unauffindbar.

Nach seinem Tod am 4. Februar 1939 in Sankt Moritz fand die Beisetzung am 10. Februar 1939 vor versammelter Naziprominenz Mecklenburgs in Dobbin statt. Hitler schickte einen Prunkkranz, die Grabrede hielt Emil Georg von Stauß, in der er ihn „als einer der ersten Vorkämpfer gegen den Weltbolschewismus“[8] lobte. Deterding wurde im Wald nahe dem 1947 abgerissenen Schloss bestattet.[9] An der Stelle steht heute ein großer Findling mit der Inschrift Henri Deterding.[6] 1968 erfolgte auf Veranlassung seiner Familie die Umbettung nach Liechtenstein.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The Times: Sir Henri Deterding Obituary: 6 February 1939 auf shellnews.net, abgerufen am 14. Mai 2014.
  2. a b c Oil Magnat dies – Career of Sir H. Deterding „Napoleon of Business“ in: The Sidney Morning Herald vom 6. Februar 1939, abgerufen am 14. Mai 2014.
  3. Lydia Pavlovna (nee Kondayoroff), Lady Deterding auf npg.org.uk, abgerufen am 14. Mai 2014.
  4. a b Sir Henry Deterding in: San Antonio Express vom 5. Februar 1939, abgerufen am 14. Mai 2014.
  5. Glyn Roberts: The most powerful man in the world auf shellnews.net, abgerufen am 14. Mai 2014. (PDF)
  6. a b Angelika Schmiegelow-Powell: Güstrow im Umbruch. Band 2 der Stadtgeschichte Güstrow im 20. Jahrhundert. 60 Zeitzeugenberichte. Edition Temmen, Bremen 2003, ISBN 3-86108-392-2.
  7. Elke Fröhlich: Die Tagebücher von Joseph Goebbels, Sämtliche Fragmente, München, New York, London, Paris 1987, Teil 1, Band 3, S. 8.
  8. Mecklenburgische Monatshefte (Schwerin), 1939, S. 196 ff. Zitiert nach: Albert Norden: Fälscher. Berlin 1959, S. 60.
  9. Hans Novacek: Ein reicher Herr entspannt sich. MM Regionalausgabe der SVZ 1993, Nr. 24 S. 9.