Henri Emmanuelli

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Henri Emmanuelli

Henri Emmanuelli (* 31. Mai 1945 in Eaux-Bonnes, heute Pyrénées-Atlantiques) ist ein französischer Politiker.

Leben[Bearbeiten]

Im Jahre 1971 trat Henri Emmanuelli dem Parti Socialiste bei, nachdem er an der Kommission zur Reform der Institutionen der Republik (Convention des Institutions Républicaines) beteiligt war. Die Parteipolitik verschlug ihn in die Region Aquitaine. 1973 wurde er mit 27 Jahren erstmals für die Parlamentswahlen als Kandidat aufgestellt. Als er im Wahlbezirk Lot-et-Garonne geschlagen wurde, zog er in das Département Landes um, wo der spätere französische Staatspräsident François Mitterrand ein Landhaus besaß.

Emmanuelli arbeitete während dieser Zeit bei der Bank Rothschild in Paris, bis er 1978 mit 32 Jahren als Départementsabgeordneter in die Nationalversammlung einzog. 1981 bis 1986 war er Staatssekretär in den Regierungen von Pierre Mauroy und Laurent Fabius. Nach seiner ersten Wahl war er mehr als 13 Jahre lang Abgeordneter des Parlaments und von 1992 bis 1993 dessen Präsident. Weiterhin war er Vorsitzender des Regionalrates des Départements Landes, erstmals 1982. Von 1994 bis 1995 übernahm er innerhalb der Sozialistischen Partei den Posten des Sekretärs. Henri Emmanuelli unterhielt ein freundschaftliches Verhältnis zum Präsidenten der Elfenbeinküste, Laurent Gbagbo, und zum Präsidenten von Venezuela, Hugo Chávez.

Im Rahmen der Kampagne zum Referendum 2005 setzte er sich öffentlich für eine Ablehnung der Europäischen Verfassung ein und brach damit mit der offiziellen Linie der Partei. Der darin enthaltenen Konzeption von Europa setzt er sein Ideal einer föderalistischen Union entgegen, das er in seinem Werk Plaidoyer pour l’Europe im Detail vorstellt.

In seiner Funktion als Abgeordneter des Départements Landes löste Emmanuelli am 7. Juni 2011 einen Skandal aus, indem er in der Nationalversammlung einen Stinkefinger in Richtung von Premierminister François Fillon zeigte, während dieser eine Frage betreffend einer Steuerreform beantwortete.[1]

Laufbahn bei der Bank Rothschild[Bearbeiten]

  • 1969: Eintritt in die Bank
  • 1971: Attaché der Geschäftsleitung
  • 1972: Leiter der Tochterfirma Union Parisienne de Banques
  • 1974: Prokurist
  • 1975: Stellvertretender Geschäftsführer
  • 1976: Stellvertretender Leiter der Compagnie Financière de Banque Edmond de Rothschild
  • 1978: Ende seiner Laufbahn

Politische Ämter[Bearbeiten]

  • 1981–1983: Staatssekretär, verantwortlich für die Gebiete in Übersee, unter dem Staatsminister Gaston Defferre im Ministerium für Innere Angelegenheiten und Dezentralisierung der Regierung von Pierre Mauroy
  • 1983–1984: Staatssekretär, verantwortlich für Budgetfragen, im Ministerium für Wirtschaft, Finanzen und Budget, unter Jacques Delors, zunächst in der Regierung von Pierre Mauroy, anschließend unter Pierre Bérégovoy, in der Regierung von Laurent Fabius
  • 1984–1986: Staatssekretär, verantwortlich für Budgetfragen und Konsum, im Ministerium für Wirtschaft, Finanzen und Budget, unter Finanzminister Pierre Bérégovoy, in der Regierung von Laurent Fabius

Politische Mandate[Bearbeiten]

Auf nationaler Ebene[Bearbeiten]

  • 1978–1981 und 1986–1993: Abgeordneter für das Département Landes
  • 1992–1993: Präsident der Nationalversammlung
  • 1993–1997: erneut Abgeordneter für das Département Landes nach einer Teilwahl
  • 2000–2002: erneut Abgeordneter für das Département Landes nach einer Teilwahl
  • seit 2002: Abgeordneter für das Département Landes

Auf regionaler Ebene[Bearbeiten]

  • 1986–1988: Mitglied des Regionalrates der Aquitaine
  • 1992: Rücktritt als Regionalrat aufgrund eines neuen Gesetzes, das die parallele Bekleidung mehrerer Wahlmandate für die Zukunft verbietet

Auf Département-Ebene[Bearbeiten]

  • 1982–1997 und seit 2001: Vorsitzender des Regionalrates des Départements Landes

Parteiämter[Bearbeiten]

  • 1988: Parteisekretär auf nationaler Ebene, Schatzmeister und Verantwortlicher für Koordinationsfragen
  • März 1990: Auf dem Kongress von Rennes wurde er erneut zum Mitglied des Parteisekretariats gewählt, diesmal verantwortlich für Budgetfragen, Verwaltung und wieder Schatzmeister. Er trägt dazu bei, dass ein erster Versuch von Laurent Fabius die Führung der Partei zu übernehmen scheitert, indem er für Pierre Mauroy und Lionel Jospin Partei ergreift und zieht damit das Missfallen der Anhänger von Laurent Fabius auf sich
  • Oktober 1990: Im Gegenzug stellen sich die Anhänger von Laurent Fabius dagegen, als Henri Emmanuelli den Fraktionsvorsitz im Parlament übernehmen soll
  • Juni 1994: Parteitag von La Vilette: Mit der Unterstützung der Anhänger von Laurent Fabius wird er zum Parteisekretär gewählt, allerdings nur provisorisch und schlägt damit seinen Rivalen Dominique Strauss-Kahn
  • November 1994: Kongress von Liévin: Wiederwahl zum Parteisekretär mit über 90 % der Stimmen – Lionel Jospin wird im Oktober 1995 seine Nachfolge antreten
  • 1995: Im Hinblick auf die Präsidentschaftswahlen, bewirbt er sich um die Kandidatur, die Parteimitglieder geben allerdings Lionel Jospin den Vorzug
  • 2002: Gründung zusammen mit Jean-Luc Mélenchon, einer linken Strömung – Nouveau Monde – innerhalb der Partei

Parteiorganisation auf regionaler Ebene: 1974: Henri Emmanuelli wird Mitglied der Unterorganisation auf Ebene des Départements Landes

Gegenwärtig leitet er die Unterorganisation des Départements Landes mit eiserner Hand. In dieser Funktion ist er Chef von 25 von insgesamt 30 Mitgliedern des Regionalrates, die von Politikern des Parti Socialiste gestellt werden, sowie aller drei Abgeordneten und der beiden Senatoren.

Verurteilungen[Bearbeiten]

Geheime Finanzierung des Parti Socialiste: Am 14. September 1992 einer Untersuchung unterzogen, wird Henri Emmanuelli in seiner Funktion als Schatzmeister des Parti Socialiste der passiven Bestechung für mitschuldig befunden und zu 18 Monaten Haft auf Bewährung, sowie zwei Jahren Entzug der Bürgerrechte verurteilt. In einer weiteren Angelegenheit, die vor die Gerichte getragen wurde, kam es 1992 zu einer Untersuchung und im Juni 1997 zu einer Verurteilung.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Plaidoyer pour l’Europe, 1992 – (Plädoyer für Europa)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Henri Emmanuelli – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. www.spiegel.de: Skandal in der Nationalversammlung – Monsieur Stinkefinger empört das hohe Haus, 8. Juli 2011
Vorgänger Amt Nachfolger

Laurent Fabius
Präsidenten der französischen Nationalversammlung
22. Januar 19922. April 1993

Philippe Séguin