Henri Frenay

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Henri Frenay.

Henri Frenay (* 19. November 1905 in Lyon, Rhône; † 6. August 1988 in Porto-Vecchio, Corse-du-Sud) war ein französischer Politiker und führendes Mitglied der Résistance.

Als Sohn eines Berufsoffiziers studierte Frenay in Straßburg Deutsch, bevor er der französischen Armee beitrat und 1924 die Militärakademie Saint-Cyr besuchte. Im Zweiten Weltkrieg erreichte er den Rang eines Capitaine und wurde in den Vogesen während der deutschen Westoffensive von der Wehrmacht gefangengenommen.

Am 27. Juni 1940 floh er aus deutscher Kriegsgefangenschaft nach Marseille und unterstützte in den ersten Monaten Marschall Henri Philippe Pétain als Abwehrchef. Als strikter Antikommunist desillusioniert von Pétain und dessen Vichy-Regime schloss er sich im Februar 1941 der Résistance an, deren Gruppe Combat (dt. Kampf) er im November 1941 gründete. Gleichzeitig beteiligte er sich an der Herausgabe an Untergrundzeitungen wie Les Petites Ailes (dt. die kleinen Flügel) und Vérités (dt. Wahrheiten). Während seiner Mitgliedschaft in der Résistance benutzte er die Kampfnamen Nef, Charvet, Henri Mollin, Lefebvre, Jeannin.

Im Februar 1942 beteiligte er sich an den Gesprächen mit Jean Moulin, mit dem ihn eine Freundschaft verband, über die Einheit aller Résistance-Gruppen in Frankreich und wurde zum Kommissar für militärische Angelegenheiten ernannt. Frenay war gegenüber General Charles de Gaulle kritisch eingestellt. Moulin verfolgte mit Druck die Absicht, die acht wichtigsten Résistance-Gruppen im Conseil National de la Résistance (CNR) zu vereinigen. Dazu gehörte

Bei einer Konferenz des Koordinierungskomitees am 26. Januar 1943, bei der Delestraint direkte Aktionen gegen die deutschen Besatzer vorschlug, opponierte Frenay dagegen und lehnte dies als verfrüht ab.

Als Jean Moulin und Charles Delestraint im Juni 1943 durch die Gestapo verhaftet wurden, flüchtete Frenay nach Algier. Im November 1943 berief ihn General de Gaulle zum Kommissar für Gefangene, Deportierte und Flüchtlinge des Comité français de la Libération nationale (CFLN) in Algier.

1944 kehrte Frenay zusammen mit de Gaulle nach Frankreich zurück und gehörte nach der Befreiung der Gouvernement provisoire de la République Française (GPRF) bis zum 21. Oktober 1945 an. Er kniete sich in die enorme Herausforderung, 1.300.000 Gefangene und Deportierte allein vom Mai bis Juli 1945 nach Frankreich zurückzuholen.

Als Präsident der Union européenne des fédéralistes (UEF), teilte er nicht die Europakonzeption de Gaulles und verstand sich deshalb mit ihm nicht mehr. 1948 nahm er am Kongress in Den Haag teil. Nach der Ablehnung der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft EVG 1954 legte er die Präsidentschaft der UEF nieder.

Er war Mitbegründer des Comité français d’échanges avec l’Allemagne nouvelle und der Union démocratique et socialiste de la Résistance (UDSR). Als Kandidat der SFIO bei den Wahlen zur Nationalversammlung 1958 war er erfolglos, unterstützte die Präsidentschaftskandidatur von Gaston Defferre und rief bei den Präsidentschaftswahlen 1965 gegen die Wahl von de Gaulle auf.

Beruflich war er Leiter einer Verlagsgesellschaft.

Frenay war Träger des Großkreuzes der Ehrenlegion.

Er war mit Chilina Ciosi verheiratet.

Publikationen[Bearbeiten]

  • Combat (dt. Kampf) 1946, Denoël
  • La Nuit finira (dt. Die Nacht wird enden) 1973, Robert Laffont
  • Volontaires de la Nuit (Freiwillige der Nacht) 1975, Robert Laffont (auch in Engl.)
  • L'Enigme Jean Moulin (Das Rätsel Jean Moulin) 1977, Robert Laffont

Weblinks[Bearbeiten]