Henri Navarre

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Henri Eugène Navarre (* 31. Juli 1898 in Villefranche-de-Rouergue, Aveyron; † 26. September 1983 in Paris), war ein französischer General und Oberbefehlshaber in der Endphase des Indochinakriegs.

Leben[Bearbeiten]

Navarre absolvierte die Militärschule Saint-Cyr. Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs hatte er den Rang eines Hauptmanns inne. Navarre diente nach der Niederlage Frankreichs 1940 als Chef des Militärgeheimdienstes unter Maxime Weygand in Algier. Gleichzeitig war er in der Resistance aktiv. 1945 wurde Navarre zum General befördert.

Im Mai 1953 übernahm er den Oberbefehl der französischen Truppen in Indochina von General Raoul Salan. Navarre wurde von Regierungschef René Mayer ernannt um einen militärisch günstige Lage für eine Verhandlungslösung zu erreichen. Mayer wählte dabei bewußt Navarre als bisher nicht in Indochina eingesetzten Kommandeur aus. Navarre setzte mit seinem nach ihm bezeichneten Plan auf eine defensive Ausrichtung im Norden des Landes und auf eine aggressive Kampagne gegen die Viet Minh im Süden. Durch eine Verkettung der Ereignisse eskalierte er den Aufbau eines Patrouillenstützpunkts der Viet Minh entgegen des Plans in eine defensive offene Feldschlacht. Seine sich herausbildenden Absicht war die Viet Minh durch eine erfolgreiche Verteidigung des luftversorgten Stützpunkts starke Verluste beizubringen.[1]

Den Oberbefehl vor Ort übergab er dem Oberst Christian Marie Fernand Comte de La Croix de Castries. Beide schätzten die Việt Minh nicht stark genug ein, um gegen die zum größten Teil aus Elitetruppen wie Fallschirmjägern und Fremdenlegionären bestehende französische Streitmacht standzuhalten, und bauten auf ihre technisch-materielle Überlegenheit.

Schnell jedoch wendete sich das Blatt, als die Việt Minh in einer meisterhaft getarnten Aktion Geschütze, Munition, Medizin und Proviant auf die steilen Dschungelberghänge schafften und nach für die Franzosen überraschendem Artilleriebeschuss mit wiederholten Sturmangriffen die französischen Truppen zurückwarfen. Am Ende der 55-tägigen Schlacht mussten die französischen Truppen kapitulieren. Faktisch endete damit die französische Kolonialherrschaft über Indochina. Nach der Niederlage wurde Navarre seines Postens in Indochina enthoben.

Im Jahr 1956 quittierte er den Militärdienst und veröffentlichte sein Buch Agonie de l'Indochine, in dem er die Schuld für die französische Niederlage in Indochina beim politischen System der Vierten Republik, bei Politikern, Intellektuellen, Journalisten und Kommunisten suchte. Ferner kündigte das Buch schon an, dass die vierte Republik über einen Militärputsch gestürzt werden könne.

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jacques Dalloz : Dictionnaire de la Guerre d'Indochine 1945 - 1954, Paris, 2006, S. 167f