Henri Navarre

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Henri Eugène Navarre (* 31. Juli 1898 in Villefranche-de-Rouergue, Aveyron; † 26. September 1983 in Paris), war ein französischer General und Oberbefehlshaber in der Endphase des Indochinakriegs.

Leben[Bearbeiten]

Im Mai 1953 übernahm er den Oberbefehl der französischen Truppen in Indochina von General Raoul Salan.

Die bisher defensive Ausrichtung der französischen Streitkräfte, die sich fortwährend Guerillaangriffen der vietnamesischen Unabhängigkeitsbewegung Việt Minh ausgesetzt sahen, wollte er durch eine offensive Strategie ersetzen.

Aus diesem Grund befahl er den Ausbau der Festung in Điện Biên Phủ, um damit die Việt Minh in einer offenen Feldschlacht stellen zu können. Den Oberbefehl vor Ort übergab er dem Oberst Christian Marie Fernand Comte de La Croix de Castries. Beide schätzten die Việt Minh nicht stark genug ein, um gegen die zum größten Teil aus Elitetruppen wie Fallschirmjägern und Fremdenlegionären bestehende französische Streitmacht standzuhalten, und bauten auf ihre technisch-materielle Überlegenheit.

Schnell jedoch wendete sich das Blatt, als die Việt Minh in einer meisterhaft getarnten Aktion Geschütze, Munition, Medizin und Proviant auf die steilen Dschungelberghänge schafften und nach für die Franzosen überraschendem Artilleriebeschuss mit wiederholten Sturmangriffen die französischen Truppen zurückwarfen. Am Ende der 55-tägigen Schlacht mussten die französischen Truppen kapitulieren. Faktisch endete damit die französische Kolonialherrschaft über Indochina. Nach der Niederlage wurde Navarre seines Postens in Indochina enthoben.

Im Jahr 1956 quittierte er den Militärdienst und veröffentlichte sein Buch Agonie de l'Indochine, in dem er die Schuld für die französische Niederlage in Indochina beim politischen System der Vierten Republik, bei Politikern, Intellektuellen, Journalisten und Kommunisten suchte. Ferner kündigte das Buch schon an, dass die vierte Republik über einen Militärputsch gestürzt werden könne.

Quellen[Bearbeiten]