Henri Robert Ferdinand Marie Louis Philippe d’Orléans

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Henri Robert Ferdinand Marie Louis Philippe d’Orleans

Henri Robert Ferdinand Marie Louis Philippe d’Orleans (* 5. Juli 1908 Château Le Nouvion-en-Thiérache, Département Aisne; † 19. Juni 1999 in Cherisy, Eure-et-Loir) war seit 1940 Chef des Hauses Orléans und dessen Prätendent auf den französischen Thron. Als solcher beanspruchte er den Titel „Graf von Paris“ (Comte de Paris).

Leben[Bearbeiten]

Henri war der einzige Sohn von Jean Pierre Clément Marie d’Orléans, duc de Guise, und Isabelle d’Orléans, duchesse de Guise. Nachdem sein Vater ab 1926 orleanistischer Thronprätendent geworden war, galt Henri als orleanistischer Dauphin.

Er heiratete am 8. April 1931 in Palermo Isabelle d’Orléans-Bragance, mit der er elf Kinder hatte. Im Jahr 1986 trennten sie sich.

Im Jahr 1939 trat er, nachdem ihm die Aufnahme in die französische und die britische Armee verwehrt worden war, in die französische Fremdenlegion ein. Mit ihr kämpfte er bis zur Kapitulation im August 1940 gegen die Wehrmacht Nazideutschlands und unterstützte im Anschluss die Vichy-Regierung des Marschalls Philippe Pétain. Mit diesem und dessen Premierminister Pierre Laval traf er sich am 7. August 1942 zu einer Unterredung auf Schloss Charmeil bei Vichy zusammen. Aber noch im selben Jahr brach er mit Pétain und suchte die Nähe des freien Frankreich unter der Führung des General Charles de Gaulle, vom welchen er nach der Befreiung 1944 mit kritischen Untertönen bedacht wurde.

Am 24. Juni 1950 hob die Nationalversammlung das Exilgesetz von 1886 auf, was dem Haus Orléans die Rückkehr in die französische Heimat ermöglichte. Henri d’Orléans bezog ein Stadtpalais in Paris, das ihm ein Banker vermacht hatte, und suchte im ganzen Land möglichst viele Anhänger der Monarchie hinter sich zu sammeln. Familiäre Festivitäten wurden seither mit großer Aufmerksamkeit von den französischen Medien verfolgt. Bis in die 1960er Jahre hing er der Illusion an, de Gaulle werde ihn als Nachfolger für das Amt des Staatspräsidenten vorschlagen. Nach seiner Scheidung gründete er 1975 die Stiftung Saint-Louis zur Verwaltung des Restvermögens des Hauses Orléans, und verwaltete die Fondation Condé, ein Altenzentrum in Chantilly. Mit seinen Söhnen geriet er wiederholt in Streit wegen seines verschwenderischen Umgangs mit dem Familienvermögen, wogegen sich die Söhne erfolgreich auf dem Rechtsweg zur Wehr setzten.

Im Jahr 1984 schloss Henri d’Orléans seinen ältesten Sohn Henri Philippe von der Nachfolge als Thronprätendent aus, da dieser sich ohne seine Zustimmung von seiner Frau hatte scheiden lassen und eine außerkirchliche zweite Ehe einging. Er sprach ihm den Titel des Comte de Clermont ab und verlieh ihm den rangniedrigeren Titel des Comte de Mortain. Als Nachfolger präsentierte er dessen 22-jährigen Sohn Jean. Einige Jahre später setzte er seinen Sohn wieder in dessen alte Rechte ein und verlieh seiner Frau Micaela Cousiño Quinones de Leon den Titel der Prinzessin de Joinville. Seine Söhne Michel und Thibaut schloss er von der Thronfolge aus, da sie bürgerliche Frauen heirateten. Seine Entscheidung wurde später von Henri Philippe rückgängig gemacht. Diese unterschiedlichen Entscheidungen wurden von den französischen Royalisten sehr unterschiedlich aufgenommen und beurteilt.

Nach seinem Tod wurde Henri d’Orléans am 19. Juni 1999 in der Familiengrablege in der Chapelle royale Saint-Louis in Dreux bestattet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus Malettke: Die Bourbonen (W. Kohlhammer Verlag, 2009), Bd. 3, S. 214–215
  • Bruno Goyet: Henri d’Orléans, comte de Paris (1908-1999): le prince impossible (2001)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Henri d’Orléans – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


Vorgänger Amt Nachfolger
Jean Pierre Clément Marie d’Orléans Blason duche fr Orleans (moderne).svg
Chef des Hauses Orléans
orléanistischer Thronprätendent Frankreichs
1940–1999
Henri Philippe Pierre Marie d’Orléans