Henriette Sontag

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Henriette Sontag, Radierung von Franz Xaver Stöber, 1827
Henriette Sontag um 1825
Henriette Sontag und Niccolò Paganini 1822, Ausschnitt eines Bildes von Franz Krüger

Henriette Sontag, eigentlich Gertrude Walpurgis Sontag, (* 3. Januar 1806 in Koblenz; † 17. Juni 1854 in Mexiko-Stadt) war eine deutsche Opernsängerin.

Leben[Bearbeiten]

Henriette Sontag war die Tochter der Schauspieler Franz Sontag und Franziska Martloff, welche in Koblenz engagiert waren. Die Schauspielerin und Nonne Nina Sontag war ihre Schwester, der Schauspieler Karl Sontag ihr Halbbruder. Mit fünf Jahren trat sie in Begleitung ihrer Mutter zum ersten Mal auf; 1814 sang sie zum ersten Mal auf der Bühne. Mit 15 Jahren sang Sontag die "Clara" in François-Adrien Boïeldieus Oper Johann von Paris. Mit 16 Jahren wurde Sontag auf das Konservatorium Prag geschickt; dort wurde sie u. a. Schülerin von François Delsarte.

Dort wurde sie von Carl Maria von Weber entdeckt und er ließ sie mit 17 Jahren die Titelrolle in seiner Oper Euryanthe singen. Noch im selben Jahr nahm sie zusammen mit ihrer Mutter ein Engagement an der Deutschen Oper in Wien an. 1824 sang sie die Sopran-Partie in der Uraufführung von Ludwig van Beethovens Symphonie Nr. 9 im Kärntnertortheater in Wien. Nach Beendigung der Sinfonie drehte sie zusammen mit der Sängerin Caroline Unger den tauben Beethoven zu dem Beifall klatschenden Publikum um.[1][2][3] Im gleichen Jahr wurde sie nach Berlin an das neu eröffnete Königsstädtische Theater engagiert und dort bald darauf zur Hof- und Kammersängerin ernannt.

In den Jahren 1826 bis 1827 gastierte Sontag in Paris und sorgte bei jedem Auftritt für ein überfülltes Haus. Bei diesem, wie auch bei ihrem Gastspiel in London war die Schriftstellerin Henriette von Montenglaut als eine Art Gesellschaftsdame und Sekretärin ihre Begleiterin. Nach ihrer Hochzeit mit dem Conte Carlo Rossi, Botschafter des Königreichs Sardinien-Piemont in Den Haag, zog sie sich völlig von der Bühne zurück. Nur bestehende Verpflichtungen zu Gastspielen in Petersburg, Moskau und Hamburg absolvierte sie noch.

Bis 1848 fungierte Sontag nur noch als Ehefrau und Mutter (sieben Kinder) an der Seite ihres Ehemannes. Als die Familie durch die politischen Umstände der Revolution von 1848 ihr gesamtes Vermögen verlor, versuchte Sontag ein künstlerisches Comeback. Trotz dieser sehr langen Abwesenheit von der Bühne konnte Sontag mühelos an ihre alten Erfolge anknüpfen. 1851 unternahm sie mit sensationellem Erfolg eine Tournee durch die USA; begleitet wurde sie dabei vom Pianisten Karl Anton Eckert. Am 16. Dezember 1851 trat Sontag im Theater Koblenz auf. Es war der erste und einzige Auftritt in ihrer Heimatstadt.[4]

Während einer weiteren Gastspielreise starb Henriette Sontag 1854 in Mexiko an der Cholera. Auf ihren eigenem Wunsch fand sie ihre letzte Ruhestätte im Kloster Marienthal bei Ostritz, Lausitz. Sie liegt in der Gruft der Kreuz- und Michaeliskirche neben ihrem Ehemann.

Henriette Sontag besaß eine unübertreffliche Leichtigkeit und Anmut, ihre Stimme glänzte durch äußerste Reinheit und Klarheit. Johann Wolfgang von Goethe nannte sie seine flatternde Nachtigall, Ludwig van Beethoven war nach eigenem Bekunden sprachlos und August Heinrich Hoffmann von Fallersleben dichtete für sie. Von einem pietistischen Prediger wurden folgende Zeilen kolportiert:

Wie preist man sie als der Oper Zierde
und sie vergöttert mancher gute Christ!
O, daß DER Sonntag so gefeiert würde
wie es DIE Sontag ist!

Rollen (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Henriette Sontag – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. nach Friedrich Herzfeld: Henriette Sontag. In: Ullstein-Lexikon der Musik. 6. Auflage. Frankfurt, Berlin, Wien, S. 513.
  2. Nach Anton Schindler hatte die Altistin Caroline Unger Beethoven zum Publikum umgedreht.
  3. nach anderen Quellen drehten beide Sängerinnen gemeinsam den tauben Komponisten zum applaudierendem Publikum.
  4. Der 16. Dezember 1851. Einziger Auftritt der Sängerin Henriette Sontag in Koblenz. in: Landeshauptarchiv Koblenz