Henry Bender

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Henry Bender (rechts) mit Leopold von Ledebur, 1932

Henry Bender (* 1. Oktober 1867 in Berlin; † 14. Mai 1933 ebenda) war ein deutscher Schauspieler.

Leben[Bearbeiten]

Bender wurde als Harry Bandheimer am 1. Oktober 1867 in Berlin geboren; sein Vater betrieb dort[A 1] eine Gastwirtschaft. Bender begann eine Lehre in einem Geschäft für Tülle und Spitzen. Doch er schrieb schon als junger Mann Couplets auf Lokalereignisse, durfte auch auf der Gartenbühne des Ostend-Theaters in der Großen Frankfurter Straße[A 2] kleinere Rollen übernehmen. Seinem Vater war dies nicht recht. Er schickte ihn zu einem Verwandten nach Amerika, dort sollte er seine Lehre fortsetzen. Bender aber kniff aus und schloss sich einer Wanderbühne an,[A 3] um den Schauspielerberuf zu ergreifen.

Er begann seine Bühnenkarriere 19-jährig in den USA und setzte sie 1891 in Paris am Folies Bergère fort. Dann ging er nach London, bevor er nach Berlin zurückkehrte, wo er ein Engagement am Metropol-Theater übernahm. Dort spielte er an der Seite von Guido Thielscher, Josef Josephi und Fritzi Massary in den großen Jahresrevuen des Hauses mit. Als »Komiker am Metropoltheater« ist er als wohnhaft in der Wilhelmstraße 125[A 4] registriert. Weitere Auftritte hatte Bender im Passage-Theater und im Wintergarten.

Seit 1905 wirkte er als Komiker in hunderten Stummfilmen mit. 1908 hielt die Deutsche Mutoskop & Biograph GmbH. Benders "Schutzmannslied" aus der Revue "Donnerwetter-Tadellos!"[1] im Tonbild[2] fest. Außerdem spielte er 1918/19 noch in zwei Lichtspiel-Operetten[3] der Jakob Beck-Film KG und der Delog Deutsche Lichtspiel-Opern KG (beide Berlin) an der Seite von Molly Wessely und Paul Westermeier mit.[4] Nach 1930 war er auch noch in mehreren Tonfilmen zu sehen, darunter als Kneipenwirt in Richard Oswalds erster tönender Verfilmung von Hans Heinz Ewers’ Schauer-Stoff “Alraune”.[5]

Bender erfreute sich zur Zeit der Weimarer Republik großer Beliebtheit. 1929 eröffnete er in der Bleibtreustraße 33 sein Restaurant Bei Henry Bender, das über seinen Tod hinaus zu einem beliebten berliner Künstlertreffpunkt wurde.

Bender war Urberliner mit Mutterwitz und vielseitig komödiantischem Talent. Er hat bereits in den 1910er Jahren mehrere Schallplatten besprochen, einige davon zusammen mit den Komikerkollegen Georg Barsch, Paul Bendix und Martin Kettner.

Tondokumente (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Nur die Ruhe kann’s machen, 1. u. 2.Teil : Zonophon 17 365 (mx. 12 659 u, 12 660 u), auch Meteor Nr.35 (mx. 1563, 1564) [mit Barsch]
  • Reminiszenzen, 1. u. 2.Teil : Zonophon x-24 395 (mx. 7337 L, 7338 L) [mit Bendix]
  • Der Gerichtsdiener der “Großen Affaire” 1. u. 2.Teil (Musik: Paul Lincke) : Zonophon x-21 179 (mx. 13 617 u) [mit Kettner]
  • Börsen-Duett “Ach Börse, liebe Börse” (Musik: Paul Lincke)  : Grammophon 2-44 421 (mx. 13 591 u) [mit Massary]
  • Schutzmannslied (Musik: Paul Lincke) : Zonophon x-22 892 (mx. 13 613 u)
  • Das Auge des Gesetzes (Musik: Viktor Hollaender) : Grammophon 2-42 615 (mx. 1699)
  • Der Amerikaner (Musik: H.Bender) : Grammophon 2-42 882 (mx. 1898 1/2 L)

Filme (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1926: Im weißen Rössl
  • 1926: Die versunkene Flotte
  • 1927: Der Juxbaron
  • 1927: Feme
  • 1927: Kleinstadtsünder
  • 1928: Panik
  • 1928: Kaczmarek
  • 1928: Unmoral
  • 1929: Aus dem Tagebuch eines Junggesellen
  • 1929: Die Frau ohne Nerven
  • 1930: Der weiße Teufel
  • 1930: Alraune
  • 1930: Nur Du
  • 1930: Drei Tage Mittelarrest
  • 1931: So'n Windhund
  • 1931: Der Schlemihl
  • 1932: Holzapfel weiß alles
  • 1932: Lumpenkavaliere

Abbildungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Berlin und die Berliner. Leute, Dinge, Sitten, Winke. Bielefeld, Karlsruhe 1905 (Nachdruck. Salzwasser-Verlag, Paderborn 2011, ISBN 978-3-8460-0119-6).
  • Edith Krull, Hans Rose: Erinnerungen an das Rosetheater. Henschelverlag, Berlin 1960.
  • Berthold Leimbach (Hrsg.): Tondokumente der Kleinkunst und ihre Interpreten 1895–1945. Selbstverlag, Göttingen 1991.
  • Otto Schneidereit: Berlin, wie es weint und lacht. Spaziergänge durch Berlins Operettengeschichte. VEB Lied der Zeit Musikverlag, Berlin (Ost) 1968.
  • Michael Wedel: Der deutsche Musikfilm. Archäologie eines Genres 1914–1945. edition text + kritik, München 2007, ISBN 978-3-88377-835-8 (Zugleich: Amsterdam, Universität, Dissertation, 2005: Der deutsche Musikfilm.).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schutzmann-Lied, aus: Metropol-Revue 1908, Donnerwetter! – Tadellos! D 1909, Darst.: Henry Bender (digitale Tonbild-Rekonstruktion: Christian Zwarg), anzusehen hier. Vgl. dazu Dirk Foerstner: Die Berliner Po-Po-Polizei schwenkt anmutig denselben im Metropol-Revue-Tonbild Schutzmann-Lied.
  2. ‘Tonbilder’ waren eine frühe Form des Nadeltonfilms, bei dem zum Bildfilm eine Tonaufzeichnung auf Grammophonplatte synchron lief. Vgl. [1] und Abb. [2]
  3. das waren sog. Sing-Filme, zu denen Sänger und Musiker im Kino live auftraten, vgl. Wedel, Abschn. “Filmoper, Filmoperette, Filmsingspiel” S. 69 ff.
  4. "Wer nicht in der Jugend küßt" D 1918, Regie und Musik Karl Otto Krause, Texte von Alfred Berg, und ""Hannemann, ach Hannemann" D 1919, Regie Edmund Edel, Musik Richard Jäger, mit Eugen Rex und Maria Lux. Vgl. Wedel S.111 Anm. 195: Molly Wessely, die temperamentvolle rassige Soubrette des Metropoltheaters, beherrscht mit ihrer Laune jede Szene. Der lustige Henry Bender - wer kennt ihn nicht in Berlin? - übertraf sich selbst (in: Der Film, 3.Jg. Nr.32, 10. August 1918, S. 70) und Anm.198 ...die bekannten Berliner Künstler Molly Wessely...und Henry Bender... Henry Bender ist als Vertreter des behäbigen Humors zu bekannt, als daß man noch Loblieder seiner Kunst singen müßte (vgl. Art. ‘Die erste Lichtspiel-Operette’. In: Der Kinematograph Nr.605 v. 7. August 1918) (Wedel S.180)
  5. vgl. Filmportal.de. Ein Ausschnitt aus dem Film, in dem Bender als Wirt kurz zu sehen ist.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. lt. Leimbach in der Heiligegeiststraße in der Altstadt Berlins
  2. heute Karl-Marx-Allee, vgl. luise-berlin.de
  3. so Leimbach
  4. im Bezirk Spandau, vgl. S. 140 in “Berlin und die Berliner”