Henry George (Ökonom)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Henry George (1865)

Henry George (* 2. September 1839 in Philadelphia, Pennsylvania[1]; † 29. Oktober 1897 in New York City) war ein US-amerikanischer politischer Ökonom und der einflussreichste Befürworter einer Einheitssteuer auf Land. Er ist der Autor des 1879 erschienenen Bestsellers Progress and Poverty (Fortschritt und Armut).

Leben[Bearbeiten]

Nach einer Reise nach New York City stellte George fest, dass, obwohl New York wirtschaftlich deutlich entwickelter als Kalifornien war, sich die Armen in New York in einer noch wesentlich schlimmeren Situation befanden. 1879 verarbeitete er diese Erkenntnis im Buch Progress and Poverty, das sich mehr als drei Millionen Mal verkaufte. Als Grund für die hohe Armut in New York betrachtete er die ungleiche Landverteilung (Vorhandensein von Großgrundbesitzern) und Monopole.

1880 zog er nach New York City. Dort kandidierte er, nominiert von der Independent Labor Party, 1886 als Bürgermeister. Seine Plattform gab als Ziele unter anderem bei gleicher Arbeit die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern, das Aufheben der Eigentumsvorschriften um Mitglied einer Jury zu werden und die Einführung öffentlicher Verkehrsmittel (Straßenbahnen). Er erzielte in der von Fälschungsvorwürfen überschatteten Wahl 31 Prozent der Stimmen und somit mehr als der Kandidat der Republikaner, Theodore Roosevelt, mit 27 Prozent. Der aus dem Umfeld der Tammany Hall stammende demokratische Kandidat Abram Hewitt gewann mit 41 Prozent der Stimmen.[2]

George inspirierte die nach ihm benannte Philosophie des Georgism, nach der jeder das besitzen sollte, was er selbst kreiert hat, und die in der Natur aufgefundenen Güter (insbesondere Land) allen Menschen zum gleichen Teil gehören sollten. Er war außerdem ein Gegner des Protektionismus und ein Kritiker der Bodenrente.

Einfluss[Bearbeiten]

In Leo Tolstois Roman Die Auferstehung handelt der aristokratische Protagonist Nechliudow im Sinne Henry Georges, indem er sein Land an die Bauern abgibt und eine entsprechende Einheitssteuer einführt. Auf die Ideen von George bezogen bzw. beziehen sich in einigen Aspekten unter anderem Martin Luther King[3], Ralph Nader und Dennis Kucinich. Teils wird sich auf George aufgrund seiner Befürwortung des Freihandels auch positiv aus dem rechtsliberalen Lager bezogen, so etwa von William F. Buckley, Jr..

Werke[Bearbeiten]

  • The American republic. Its dangers and its possibilities. San Francisco 1877.
  • The condition of labour. New York 1891.
(Deutsche Übersetzung von Bernhard Eulenstein: Zur Erlösung aus socialer Noth. Berlin 1893).
  • The Irish land question. What it involves, and how alone it can be settled. New York 1881.
  • The land question. New York 1884.
  • Our land and land policy, national and state. San Francisco 1871
  • A perplexed philosopher: being an examination of Mr. Herbert Spencer’s various utterances on the land question, with some incidental reference to his synthetic philosophy. New York 1892.
  • Progress and poverty; an inquiry into the cause of industrial depressions, and of increase of want with increase of wealth–The remedy. San Francisco 1879.
(Deutsche Übersetzung von C.D.F. Gütschow: Fortschritt und Armuth. Eine Untersuchung über die Ursache der industriellen Krisen und der Zunahme der Armuth bein zunehmendem Reichthum. Berlin 1881.)
  • Protection or free trade. New York 1886.
(Deutsche Übersetzung von F. Stöpel: Untersuchung der Zollfrage mit besonderer Rücksicht auf die Interessen der Arbeit. Berlin 1887.)
  • The science of political economy. New York und London 1897.
  • Social problems. Chicago, New York und Belford 1883.
(Deutsche Übersetzung von F. Stöpel: Sociale Probleme. Berlin 1885.)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Henry George Jr.: The Life Of Henry George. 1904 (Text als HTML).
  2. Howard Zinn: A People’s History of the United States. Harper Perennial, New York 2005, ISBN 0-06-083865-5, S. 272-273
  3. Martin Luther King, Jr: Final Words of Advice

Weblinks[Bearbeiten]