Henry Hobson Richardson

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
H.H. Richardson (Porträt von Hubert von Herkomer, 1886)

Henry Hobson Richardson (* 29. September 1838 in St. James Parish, Louisiana; † 27. April 1886 in Brookline, Massachusetts) war ein US-amerikanischer Architekt.

Biographie[Bearbeiten]

Henry Hobson Richardson wurde in Louisiana geboren. Er war ein Urenkel des Erfinders und Philosophen Joseph Priestley.

Von Senator Judah P. Benjamin erhielt er ein Empfehlungsschreiben für Westpoint. Er bestand auch die Aufnahmeprüfung, mußte dann aber nach Harvard wechseln, weil sein Vater verstorben war und Harvard die preiswertere Lösung war. Richardson studierte zwischen 1856 und 1859 am Harvard College. Anfangs zeigte er Interesse für das Bauingenieurwesen, wechselte aber später zur Architektur, woraufhin er 1860 nach Paris ging und die École des Beaux-Arts besuchte. Nach Richard Morris Hunt war er der zweite US-Bürger, der die École besuchte. Mit dem Druck der Armut im Nacken, da ihn seine Familie während des amerikanischen Bürgerkriegs nicht mehr unterstützen konnte, arbeitete er bei einem französischen Archtiketen, für den er Zeichnungen für einige öffentliche Gebäude erstellte. So verdiente er sein Brot neben seinem Studium. Er kehrte nach Amerika zurück und machte am 1. Januar 1866 sein eigenes Architekturbüro in New York auf.

Im Februar 1859 lernte er Julia Hayden, die Schwester eines Kommilitonen, kennen, die er im Januar 1867 in Springfield, Massachusetts heiratete. 1876 zog das Paar nach Brookline, einem Vorort Boston, wo Richardson bis zu seinem Tode lebte und auch seine Büros hatte.

In seinen Arbeiten der nächsten Jahre bevorzugte Richardson allerdings nicht den klassischen Stil der École des Beaux-Arts, sondern ließ sich eher von der mittelalterlichen Architektur Europas inspirieren, die er während seiner Zeit in Frankreich kennenlernte. Besonders favorisierte er dabei die Romanik, die er zu einem eigenen Stil erweiterte, dem sogenannten Richardson Romanesque.

Unter seinen Mitarbeitern waren Charles F. McKim und Stanford White, die ebenfalls namhafte Architekten wurden.

Richardson starb 1886 im Alter von 47 Jahren an einer Fehlfunktion der Nieren und wurde auf dem Walnut Hills Cemetery in Brookline, Massachusetts begraben.

Werk[Bearbeiten]

Ames Memorial Library, North Easton, Massachusetts

Sein erster Auftrag war 1869 die Church of the Unity in Springfield, der Stadt, in der er auch heiratete. Die mittlerweile abgerissene Kirche zeigte schon seine Orientierung an mittelalterlicher Architektur, war aber im Gegensatz zu seinem späteren Werk eher von der Gotik als der Romanik beeinflusst. 1870 bekam er mit dem Bau des Buffalo State Asylum for the Insane, das später in H. H. Richardson Complex umbenannt wurde, seinen ersten Großauftrag. Dieser Komplex gilt auch als Geburtsort des Richardson Romanesque, einer Form der Neoromanik, die sich durch besonders massig wirkende Gebäude auszeichnet. Sein bekanntestes Werk aber ist die Trinity Church in Boston. Nachdem die alte Kirche das Great Boston Fire von 1872 nicht überstanden hatte, wurde Richardson für den Neubau verpflichtet, den er 1877 vollendete. In seiner relativ kurzen Laufbahn entwarf er eine Reihe von wichtigen Gebäuden, besonders für öffentliche und institutionelle Zwecke. Neben der Trinity in Boston (1874), der Witherspoon Hall in Princeton (1877) Sever und Austin Halls für die Harvard Universität (1880 und 1884), Steinbrücken in den Back Bay Fens (1880) und zahlreichen Büchereien sowie Eisenbahndepots im Gebiet um Boston. Unter seinen anderen wichtigen Aufträgen waren das Rathaus von Albany (1880), die Allegheny County Building in Pittsburgh (1883-8), das Glessner-Haus in Chicago (1885-97) und das herausragende Warenhaus von Marshall Field in Chicago (1886).

Anfang der 1970er Jahre wurde das Haines Haus als sein Entwurf entdeckt, ebenfalls ein Warenhaus in Boston. Das war insofern interessant, als es mit der Familie seiner Frau, Julia Gorham Haines, die er am 3. Januar 1867 geheiratet hatte, in Verbindung stand.

In den nächsten Jahren baute er in den Neuengland-Staaten einige Bibliotheken, die sich alle stilistisch ähneln. Außerdem entwarf er für die Boston & Albany Railroad sechs Bahnhöfe, die zwar nicht ganz so massig wirken wie seine übrigen Gebäude, aber dennoch unverkennbar seine Handschrift tragen. Des Weiteren gehörte er zwischen 1875 und 1883 dem Architektenteam an, welches das New York State Capitol in Albany baute. Die Great Western Treppe in diesem Gebäude, die auch als Million-Dollar-Treppe bekannt ist, wurde von ihm gestaltet.

Ein weiteres Werk von ihm steht in Chicago auf der South Prairie Avenue auf Nummer 1800. Hierbei handelt es sich um das John J. Glessner House. [1] Das Haus wurde am 17. April 1970 als historisches Denkmal vom NRHP mit der Nummer 70000233 aufgenommen. [2]

Quellen[Bearbeiten]

  1. John J. Glessner und Familie
  2. NRIS

Weiterführende Literatur[Bearbeiten]

  • Robert Schmitt: The Architecture of H.H. Richardson and His Times. Publisher: The MIT Press; second edition 1966. ISBN 978-0-2625-8005-2
  • Jeffrey Karl Ochsner: H. H. Richardson: Complete Architectural Works. Cambridge, MA: MIT Press, 1982.; Reprint edition . ISBN 978-0-2626-5015-1
  • James F. O'gorman (Author), Cervin Robinson (Photographer): Living Architecture. Publisher: Simon & Schuster; First Edition edition, 1997. ISBN 978-0-6848-3618-8
  • Margaret H. Floyd: Henry Hobson Richardson. A genius for architecture. Photographs by Paul Rocheleau. Publisher: The Monacelli Press; First Edition edition, 1997. ISBN 978-1-8852-5470-2

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: H. H. Richardson – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien