Henry Jaglom

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Henry Jaglom (* 26. Januar 1938[1] in London) ist ein englischer Filmregisseur, Drehbuchautor. und Schauspieler. Er gilt als einer der profiliertesten Independent-Filmemacher Hollywoods.

Leben[Bearbeiten]

Der Sohn eines infolge der Oktoberrevolution nach England geflohenen russischen Juden kam 1942 mit seinen Eltern nach New York City. Dort absolvierte er eine Schauspielausbildung in The Actors Studio von Lee Strasberg und trat in kleineren Theatern und Kabaretts auf. Ende der 60er Jahre zog er nach Hollywood und kam mit der Filmindustrie in Kontakt. Nach einigen kleineren Rollen verhalf ihm die Mitarbeit beim Schnitt von Easy Rider 1971 zu seinem Einstieg als Filmemacher. Sein erster Spielfilm Ein Zauberer an meiner Seite mit Tuesday Weld, Orson Welles und Jack Nicholson brachte ihm zwar eine Freundschaft mit Welles sowie eine begeisterte Kritik von Anaïs Nin ein,[2] doch kommerziell ging es ihm wie bei vielen seiner frühen Filme: sie waren in Europa deutlich erfolgreicher als in den USA.

Dennoch ermöglichte Jaglom sein privates Vermögen die Unabhängigkeit von den großen Hollywood-Studios und den Gesetzen des amerikanischen Filmmarktes.[3] So war er in der Lage, seine Filme stets in seinem eigenen, unverwechselbaren Stil zu gestalten. Zumeist spielen sie in seinem persönlichen Umfeld, Familie und Freunde treten auf, seien es seine jeweiligen Partnerinnen oder sein Bruder Michael Emil, der selbst Schauspieler ist. Auf die Spitze treibt die filmische Thematisierung Jagloms Privatlebens der 1985 entstandene Spielfilm Für immer und ewig, in dessen Mittelpunkt die Scheidung von seiner ersten Ehefrau Patrice Townsend steht.

Jagloms Filme sind sehr dialoglastig und auf die Schauspieler fokussiert. Oft sprechen diese direkt in eine von Jaglom dirigierte Videokamera. Dadurch wirken die Szenen wie improvisiert. Allerdings wehrt sich Jaglom gegen dieses Etikett und betont, seine Filme entstünden durchaus nach einem umfangreichen Skript. Der Unterschied zu anderen Regisseuren sei, dass er sein Skript nur als Ausgangspunkt für den Film betrachte und seine Schauspieler ermuntere, darüber hinauszugehen und sich selbst in die Szenen einzubringen.[4] Sein Stil wird oft mit Woody Allen verglichen und brachte ihm den Spitznamen „Woody Allen der Westküste“ ein, doch Jaglom differenziert, dass Allen sich zumeist über seine Figuren lustig mache, während Jaglom selbst seine Charaktere nur möglichst authentisch vor dem Publikum zur Schau stelle.[5]

In seinen letzten Filmen zieht Jaglom sich als Darsteller wieder stärker aus seinen Filmen zurück. In Eating, Babyfever und Going Shopping hat er in seiner so genannten Women's Trilogy Frauen in den alleinigen Mittelpunkt der Filme gestellt. Venice, Venice und Festival in Cannes sind Hommagen an die europäischen Filmfestivals in Venedig und Cannes. Hollywood Dreams handelt von den Filmträumen einer jungen Schauspielerin.

Jaglom sagt von sich, er sei der glücklichste Mensch in Hollywood, weil er es geschafft habe, in dieser Stadt 15 Filme zu erstellen, die Bild für Bild nur von ihm selbst stammten, ohne dass ihm je ein Studio in seine Filme hereingeredet habe.[4]

Filme[Bearbeiten]

Legende: B – Buch, D – Darsteller, R – Regie

  • 1968: Psych-Out (D) – Regie: Richard Rush
  • 1969: Ten Thousand Plane Raid (deutsch: Alarmstart für Geschwader Braddock) (D) – Regie: Boris Sagal
  • 1970: The Last Movie (D) – Regie: Dennis Hopper
  • 1971: A Safe Place (deutsch: Ein Zauberer an meiner Seite) (B, R)
  • 1972: Drive, He Said (D) – Regie: Jack Nicholson
  • 1973: The Other Side of the Wind (D) – Regie: Orson Welles (unveröffentlicht)
  • 1975: Lily, aime-moi (deutsch: Lily, hab mich lieb) (D) – Regie: Maurice Dugowson
  • 1976: Tracks (B, R)
  • 1980: Sitting Ducks (deutsch: Leichte Beute) (B, D, R)
  • 1982: The Municipallians (Episode aus National Lampoon's Movie Madness) (R)
  • 1983: Can She Bake a Cherry Pie? (deutsch: Weiß sie, wie man Kuchen backt?) (B, R)
  • 1985: Always (But Not Forever) (deutsch: Für immer und ewig) (B, D, R)
  • 1987: Someone to Love (deutsch: Ein Tag für die Liebe) (B, D, R)
  • 1989: New Years Day (deutsch: Neujahr in New York) (B, D, R)
  • 1990: Eating: A Very Serious Comedy about Women and Food (B, R)
  • 1991: Venice/Venice (deutsch: Venice, Venice) (B, D, R)
  • 1994: Babyfever (B, R)
  • 1996: Last Summer in the Hamptons (B, D, R)
  • 1998: Déjà vu (B, R)
  • 2002: Festival in Cannes (B, R)
  • 2005: Going Shopping (B, R)
  • 2006: Hollywood Dreams (B, D, R)
  • 2008: Irene in Time (B, R)
  • 2012: Tim Sander goes to Hollywood (D)

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • Werkschauen bei den Internationalen Hofer Filmtagen 1989 sowie beim Los Angeles Filmfest 1993 und beim Avignon/New York Film Festival 1996
  • Auszeichnung für sein Lebenswerk beim Method Fest Independent Film Festival 1999

Filmdokumentationen[Bearbeiten]

  • Who Is Henry Jaglom? Dokumentarfilm von Henry Alex Rubin und Jeremy Workman, 1997, 52 Minuten.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. lt. Filmarchiv Kay Weniger, bestätigt durch das Londoner Geburtenregister und U.S. Public Records Index
  2. Anaïs Nin: Henry Jaglom: Magician of the Film. Auszug aus In Favor of the Sensitive Man (1976) auf der Webseite von Henry Jaglom.
  3. Caveh Zahedi: The Unflappable Henry Jaglom. In: Green Cine, 5. September 2004.
  4. a b Jennifer M. Wood: Henry Jaglom’s Moment of Truth. In MovieMaker, 3. Februar 2007.
  5. Marianne Cotter: Regarding Henry. In MovieMaker, 6. Mai 1994.