Heorot

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Die erste Seite des Beowulfmanuskriptes

Als Heorot oder Herot wird die Met- oder Festhalle des Königs Hrothgar in dem angelsächsischen Heldenepos über Beowulf bezeichnet. Hrothgar war ein legendärer dänischer König, der nach der Überlieferung im 6. Jahrhundert gelebt haben soll.

Hintergrund und Beschreibung[Bearbeiten]

Heorot als Name für die Halle bedeutet übersetzt „Halle des Hirsches“ (Englisch: „Hall of Hart“), diese Bezeichnung findet sich noch in vielen Ortsnamen in Großbritannien.[1] Diese wird von dem unbekannten Verfasser im Beowulf als „die erste Halle unter dem Himmelszelt“ bezeichnet und diente Hrothgar als Königssitz und Versammlungshalle. Diese Halle wird in dem Epos von Beowulf gegen den dämonischen Unhold Grendel verteidigt.

In der Stabreimdichtung des Beowulf wird die Halle in der Übersetzung wie folgt beschrieben:

Englisch Deutsch[2]

Then, as I have heard, the work of constructing a building
Was proclaimed to many a tribe throughout this middle earth.
In time – quickly, as such things happen among men –
It was all ready, the biggest of halls.
He whose word was law
Far and wide gave it the name ‘Heorot’.[3]:Z. 74–79

Dann, wie ich gehörte, ein Werk, es wurde errichtet ein Gebäude
was verkündete zu vielen Stämmen durch ganz Mittelerde.
Im Zeiten – schneller, als geschehen sind Dinge bei Leuten –
All das war getan, die Größte der Hallen.
Er, dessen Wort war Gesetz
weit und breit, gab ihm den Namen ‘Heorot’

The men did not dally; they strode inland in a group
Until they were able to discern the timbered hall,
Splendid and ornamented with gold.
The building in which that powerful man held court
Was the foremost of halls under heaven;
Its radiance shone over many lands.[3]:Z. 306–311

Die Männer trödelten nicht, sie schritten Landeinwärts in einer Gruppe
Bis sie erkennen konnten die hölzerne Halle,
Prachtvoll und verziert mit Gold.
Das Gebäude, in welcher der kraftvolle Mann hielt Hof
War die vorderste (erste) aller Hallen unter dem Himmel;
Ihr Glanz erstrahlte über viele Länder.

Die herrlichen Methalle Heorot König Hrothgars wird seit Jahren des Nachts von dem boshaften Monster Grendel heimgesucht, dass seine Krieger verschlingt und die Halle verwüstet. Da kommt unerwartet der Jüngling Beowulf mit einigen Getreuen zu ihm und bietet ihm an, ihn von Grendel zu befreien. Hrothgar begrüßt Beowulf mit einem Fest in seiner Halle. In der Nacht kommt Grendel aus dem Moor, reißt die schweren Türen auf und verschlingt einen der schlafenden Goten. Beowulf ergreift Grendel und dieser kann sich nicht aus diesem Griff befreien. Er reißt sich los indem er seinen Arm abreißt und entflieht tödlich verwundet. Dieser Sieg wird in der Heorot gebührend gefeiert. Doch in der folgenden Nacht erscheint die Mutter Grendels, um ihren Sohn zu rächen. Beowulf tötet auch sie und wird von Hrothgar daraufhin in der Halle fürstlich mit acht Pferden, die jeweils mit vergoldeten Kopfbedeckungen geschmückt waren entlohnt.[3]:Z. 1035–1037[4] Die Heorot fungierte sowohl als Regierungssitz des Königs als auch als Aufenthalt seiner Thanes (Krieger, Gefolgsleute). Sie symbolisiert die menschliche Zivilisation und Kultur, sowie die Macht des dänischen Königs – im Wesentlichen all die guten Dinge in der Welt des Beowulf.[5] Ihre Helligkeit, Wärme und Freude bildet einen Kontrast zu der Dunkelheit und dem sumpfigen Gewässer welches Grendel bewohnt.[6]

Lokalisation von „Heorot“[Bearbeiten]

Rekonstruktion eines Langhauses aus der Wikingerzeit (28,5 m) in Fyrkat

Die moderne Forschung sieht das Dorf Lejre in der Nähe von Roskilde als den Ort an, wo die Halle Heorot gestanden hat.[7] In skandinavischen Quellen wird Heorot als Entsprechung zu Hleiðargarðr angesehen, der Halle König Hroðulfs (Hrólfr Kraki), von dem in der Hrólfs saga kraka berichtet wird, die sich in Lejre befand. Schon die mittelalterlichen Chronisten Saxo Grammaticus und Sven Aggesen vermuteten, dass Lejre die Hauptresidenz von König Hrothgars Sippe den Skjöldungen war (in dem Gedicht „Scyldinge“ genannt). Die Überreste eines Wikingerhallenkomplexes wurden 1986 bis 1988 südwestlich von Lejre von Tom Christensen, einem Mitarbeiter des Museums Roskilde, freigelegt. Die hölzernen Fundamente wurden mittels der C14-Datierung auf das Jahr 880 datiert. Im Zuge der Grabungen wurde festgestellt, dass dieses Gebäude über einer älteren Halle errichtet wurde, die auf das Jahr 680 datiert wurde. In den Jahren 2004 bis 2005 legte Christensen eine dritte Halle frei, die sich nördlich der anderen befindet. Diese wurde in der Mitte des 6. Jahrhunderts errichtet. Alle drei Hallen hatten eine Länge von rund 50 Metern.[6]

Fred C. Robinson ist ebenfalls dieser Ansicht: „Hrothgar (später Hrothulf) regierte von einer königlichen Siedlung aus, deren Position mit großer Wahrscheinlichkeit in dem modernen dänischen Dorf Lejre als die tatsächliche Lage der Halle Heorot festgemacht werden kann.“[8] Im Jahr 2007 ist eine weitere Veröffentlichung mit Bezug zu dem Dorf Lejre und seiner Rolle im Beowulf von Marijane Osborn und John Niles mit dem Titel Beowulf and Lejre erschienen.[9]

Rezeption[Bearbeiten]

Die Halle oder der Name Heorot wird verwendet:

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. A. D. Mills: A Dictionary of British Place-Names. auf books.google.de
  2. Eigene Übersetzung des englischen Textes, mit kleinerer Korrektur der Schönheit willen
  3. a b c Beowulf.
  4. Beowulf. auf britannica.com, abgerufen am 25. März 2013.
  5. John Halverson: The World of Beowulf. in: English Literary History. Ausgabe 36, Nr. 4. The Johns Hopkins University Press, Dezember 1969, S. 593-608. ISSN 0013-8304, JSTOR, Online-Datenbank, 6. Dezember 2006.
  6. a b John D. Niles: Beowulf’s Great Hall. in: History Today. Oktober 2006, 56 (10), S. 40–44.
  7. Michael Lapidge, Malcolm Godden: The Cambridge companion to Old English literature. Cambridge UP, 1991, ISBN 978-0-521-37794-2, S. 144 (Zugriff am 22 May 2010).
  8. Fred C. Robinson: Teaching the Backgrounds: History, Religion, Culture. In: Jess B. Bessinger, Jr. and Robert F. Yeager (Hrsg.): Approaches to Teaching Beowulf. MLA, New York 1984, S. 109.
  9. Marijane Osborn, John Niles: Beowulf and Lejre. Arizona Center for Medieval and Renaissance Studies, 2007, ISBN 978-0-86698-368-6.
  10. Chi Heorot. auf dartmouth.edu, abgerufen am 25. März 2013.