Herbert Tichy

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Herbert Tichy (* 1. Juni 1912 in Wien; † 26. September 1987 ebenda) war ein österreichischer Reiseschriftsteller, Geologe, Journalist und Bergsteiger. Neben den in viele Sprachen übersetzten Reiseberichten veröffentlichte er auch Sachbücher und einige Abenteuerromane für Jugendliche.

Leben[Bearbeiten]

Tichy war bereits 1932 NSDAP-Mitglied.[1] Die Recherchen anlässlich einer Diplomarbeit über Tichys Korrespondententätigkeit während seines China-Aufenthaltes zeigen jedoch, dass diese Mitgliedschaft von Tichys Vater erst 1938, als Herbert Tichy einige Monate in Alaska verbrachte, beantragt und auf 1932 rückdatiert wurde, um die geplanten Artikel in Deutschland veröffentlichen zu dürfen.[2]

1933 unternahm Tichy gemeinsam mit Max Reisch eine Reise auf einem Puch-Motorrad nach Indien. In der Folge einer zweiten Indienreise 1935 umrundete er als Pilger verkleidet den heiligen Berg Kailash in Tibet. Während dieser Reise versuchte er mit zwei Begleitern die Erstbesteigung des Gurla Mandhata im Alpinstil, musste aber auf ca. 7200 m umkehren. Er veröffentlichte einige seiner Reiseberichte als Artikel in Zeitschriften.

So schrieb er auch für die bürgerliche Zeitschrift Die Woche; dort erschien 1935 sein Bildbericht: Achmed liest Goethe – Deutsche Lehrer in Afghanistan.[3] Nach seiner Promotion zum Doktor der Geologie bereiste Tichy im Jahr 1938 Alaska.

1941–1948, also während des Zweiten Weltkriegs und danach, war Tichy zunächst in Siam und Indochina, aber zum Großteil im japanisch besetzten China, wo er als Korrespondent Deutscher Zeitungen und Zeitschriften fast siebenhundert Artikel verfasste, darunter für die Deutsche Allgemeine Zeitung, die Berliner Volkszeitung und die Wochenzeitschrift Das Reich, deren Leitartikel regelmäßig Joseph Goebbels schrieb.[4]

1953 unternahm er mit drei Sherpas die erste Durchquerung Westnepals.

Am 19. Oktober 1954 bestieg Herbert Tichy mit dem Tiroler Sepp Jöchler und dem Sherpa Pasang Dawa Lama, als erster den 8188 m hohen Cho Oyu. Einige Tage vor dem Gipfelsieg erlitt Tichy schwere Erfrierungen an den Händen, in deren Folge er einen Finger verlor. Diesen Finger begrub Fritz Moravec 1987 nördlich des Kailash.

Im Jahr 1993 wurde in Wien-Währing (18. Bezirk) der Tichyweg nach ihm benannt.

Forschungsreisen[Bearbeiten]

  • 1953 Durchquerung Westnepals
  • 1954 Erstbesteigung des Cho Oyu
  • 1957 Kenia
  • 1959 Hindukusch-Himalaya
  • 1961 Hongkong/Indien
  • 1963 Süd- und Ostafrika
  • 1968–69 Ostasien
  • 1971–72 Ostasien
  • 1980 KeniaTurkanasee (Rudolfsee)
  • 1981–82 und 1985 Nepal und Indien

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Kinder- und Jugendbücher
  • Flucht durch Hindustan. Eine Erzählung für die Jugend. Ueberreuter Verlag, Wien 1953.
  • Drei Buben im Himalaja (Frische Saat; Bd. 34). St.-Gabriel-Verlag, Wien 1954.
  • Unterwegs. Verlag für Jugend & Volk, Wien 1962.
  • Keine Zeit für Götter. Hoch-Verlag, Düsseldorf 1980, ISBN 3-7779-0318-3 (Nachdr. d. Ausg. Wien 1967).
  • Das verbotene Tal. Auf den Spuren einer Riesenechse in den Dschungelwäldern Assams. Arena-Verlag, Würzburg 1974, ISBN 3-401-01228-2.
Reiseberichte
  • Zum heiligsten Berg der Welt. Auf Landstrassen und Pilgerpfaden in Afghanistan, Indien und Tibet. Edition Sonnenaufgang, Wien 2007, ISBN 978-3-9501591-2-7 (Nachdr. d. Ausg. Wien 1937).
  • Weiße Wolken über gelber Erde. Meine Zeit in China in den vierziger Jahren Verlag Frederking & Thaler, München 2001, ISBN 3-89405-144-2 (Nachdr. d. Ausg. Wien 1948).
  • Auf einem Hügel der Ewigen Stadt. Erlebter Vatikan. Ullstein, Wien 1948.
  • Die Wandlung des Lotos. Ein Indienbericht. Ullstein, Wien 1951.
  • Land der namenlosen Berge. Erste Durchquerung Westnepals. Edition Sonnenaufgang, Wien 2009, ISBN 978-3-9501591-3-4 (Nachdr. d. Ausg. Wien 1954).
  • Cho Oyu. Gnade der Götter. Jubiläumsausgabe 50 Jahre Erstbesteigung. Edition Sonnenaufgang, Wien 2001, ISBN 3-9501591-1-8 (Nachdr. d. Ausg. Wien 1955).
  • Menschenwege, Götterberge. Bilder meiner Reisen. Wollzeilen-Verlag, Wien 1960.
  • Hongkong. Die Laune des Drachen. Wollzeilen-Verlag, Wien 1961.
  • Heiße Erde, schwarze Hoffnung. Afrika vom Kap zum Äquator. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1964.
  • Honig vom Binungabaum. Ein Jahr bei primitiven Stämmen. Verlag Ueberreuter, Wien 1971, ISBN 3-8000-3118-3.
  • Tau-Tau. Bei Göttern und Nomaden des Sulu-See. Molden, Wien 1973, ISBN 3-217-00535-X.
  • Auf fernen Gipfeln. Abenteuer auf dem Dach der Welt. Molden, Wien 1976, ISBN 3-217-00659-3.
  • Traumland Kenia. Pinguin-Verlag, Innsbruck 1978, ISBN 3-524-76008-2 (Bildband).
Romane
  • Die Flut der tausend Ernten. Roman. Ullstein, Wien 1956.
  • Safari am Kamanga. Eine Erzählung aus Ost-Afrika. Roman. Verlag Ueberreuter, Wien 1958.
  • Großalarm. Den Kidnappern auf der Spur. Engelbert-Verlag, Balve 1977, ISBN 3-536-01347-3 (früherer Titel: Zweifach gejagt! Der Fall Mellebeck).
Sachbücher
  • Alaska. Ein Paradies des Nordens. Goldmann, München 1951 (Nachdr. d. Ausg. Leipzig 1939).
  • Afghanistan, das Tor nach Indien. Edition Sonnenaufgang, Wien 2010, ISBN 978-3-9501591-4-1 (Nachdr. d. Ausg. Wien 1937).
  • Indien. Kampf und Schicksal eines Fünftels der Menschheit. Goldmann, Leipzig 1942.
  • China ohne Mauer. Seidel-Verlag, Wien 1948.
  • See an der Sonne. Auf den Spuren der frühen Menschen. Edition Orac, Wien 1980, ISBN 3-85368-871-3.
  • Auf der Suche nach Weisheit. Was ich von Asien gelernt habe. Lübbe-Verlag, Bergisch Gladbach 1989, ISBN 3-404-60239-7 (formal falsche ISBN) (früherer Titel: Was ich von Asien gelernt habe).

Literatur[Bearbeiten]

  • Irene Hondt: Herbert Tichy – Leben und Werk. Dissertation, Universität Wien 2003.
  • Hilde und Willi Senft: Herbert Tichy. Das abenteuerliche Leben des großen Österreichers. Weishaupt, Gnas 2003, ISBN 3-7059-0183-4.
  • Ulrich Wörz u. a.: Herbert Tichy. Das Leben als Reise. Begegnungen mit dem großen Abenteurer, Bergsteiger und Lebenskünstler. Tyrolia, Innsbruck 2012, ISBN 978-3-7022-3172-9.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lehner 2014.
  2. Stanik 2009.
  3. Zeitschrift Die Woche, Heft 40/1935, S. 20ff.
  4. Lehner 2014.
  5. Wiener Rathauskorrespondenz, 13. Dezember 1954, Blatt 2165
    Wiener Rathauskorrespondenz, 15. Jänner 1955, Blatt 56

Weblinks[Bearbeiten]