Hercules (Fahrzeughersteller)

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Hercules ist eine zur Accell Group gehörende deutsche Fahrradmarke mit Sitz in Schweinfurt, die derzeit (Anfang 2014) von der ZEG übernommen wird nach Zustimmung der Kartellbehörden. Sie geht auf einen ursprünglich in Nürnberg ansässigen Fahrrad- und Kraftfahrzeughersteller zurück. Die zur ehemaligen Nürnberger Motorradindustrie gehörenden Produktionsstätten wurden 1995 von der Sachs Fahrzeug- und Motorentechnik GmbH übernommen, aber 2004 aufgegeben.

Fahrräder der Marke „Hercules“ werden seit 2003 im ungarischen Tószeg (Kleingebiet Szolnok) gebaut.

Geschichte[Bearbeiten]

Logo der Marke Hercules in den 1960er Jahren
Fahrrad der Marke Hercules aus den 70er Jahren

Das Unternehmen wurde von Carl Marschütz (*1863 in Burghaslach, †19. April 1957 in Los Angeles) am 5. April 1886 als Velozipedfabrik Carl Marschütz & Co. in der Nürnberger Bleichstraße gegründet. Nachdem der Bruder des Gründers, Heinrich Marschütz, als kaufmännischer Leiter in das Geschäft eingetreten war, firmierte es ab 1887 als Nürnberger Velozipedfabrik Hercules. Das Unternehmen wuchs schnell. Schon 1888 musste die Produktion aus Platzgründen in die Fürther Straße 61 umziehen. 1890 beschäftigte man 75 Mitarbeiter, die 1000 Fahrräder herstellten; vier Jahre später waren es bereits doppelt so viele, die 4700 Fahrräder produzierten. 1895 konnte man ein neu errichtetes Firmengelände in der Fürther Straße 191–193 beziehen. 1896 beschäftigte man ca. 250 Arbeiter und produzierte 6500 Fahrräder. 1897 wurde die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

Von 1905 bis 1907 stellte Hercules kurzzeitig auch Motorräder her. Erst ab 1928 lohnte es sich jedoch wieder, Motorräder zu bauen, da im Deutschen Reich für Motorräder unter 200 cm³ Hubraum die Führerschein- und Steuerpflicht entfiel. Hercules hatte schon immer Fremdmotoren verbaut. Als man 1930 bei Fichtel & Sachs (F & S) in Schweinfurt begann, Motoren zu fertigen, wurden diese sofort bei Hercules verwendet. Die Zusammenarbeit mit Fichtel & Sachs war im Fahrradsegment schon seit Anfang des Jahrhunderts u. a. wegen der Torpedo-Freilaufnabe sehr eng gewesen. Hercules etablierte sich im Marktsegment der leichten Motorräder bis 200 cm³ und der Fahrräder mit Hilfsmotor.

Die Nationalsozialisten beendeten die Karriere des Carl Marschütz. Er war Jude und musste nach Kalifornien emigrieren – die Hercules-Werke wurden „arisiert“. Die Gebrüder Marschütz mussten ihre Aktien weit unter Wert abgeben.[1]

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Hercules-Werk durch die Luftangriffe auf Nürnberg zu 75 Prozent zerstört. Die verbliebenen Werkzeuge und Maschinen wurden von den Amerikanern der Demontage unterstellt und ins Ausland verkauft. Die Fahrradproduktion konnte erst 1946 in bescheidenem Umfang wieder aufgenommen werden. Seit 1949 wurden auch wieder Motorräder hergestellt. Neuer Eigentümer des Werkes wurde die Dresdner Bank. Im Jahre 1956 wurden die Hercules-Werke vom Fürther Grundig-Konzern übernommen, zwei Jahre später aber über Strohmänner von der Fichtel & Sachs AG erworben. Da die F & S-Motoren auch von Konkurrenzfirmen verwendet wurden, blieb die Eingliederung in den Sachs-Konzern bis 1962/63 geheim. 1965 erwarb F & S auch die Zweirad-Union (DKW, Express und Victoria). Die Mofaproduktion von Hercules wurde zunächst in das ehemalige Werk der Zweirad-Union in der Nürnberger Nopitschstraße 70 verlegt; später wurde dies der Firmensitz der Nürnberger Hercules Werke GmbH. Seit dieser Zeit verwendete man im Ausland, wenn der Markenname „Hercules“ nicht verwendet werden durfte, die Verkaufsbezeichnungen „Sachs“ oder „DKW“. Von 1993 bis 1996 verkaufte Hercules von Peugeot hergestellte Motorroller unter eigenem Namen.

Von 1987 bis 1991 übernahm Mannesmann den Fichtel & Sachs-Konzern. Die Fahrrad-Sparte von Hercules wurde zusammen mit der Marke „Hercules“ 1995/96 an die niederländische ATAG Cycle Group verkauft. Die Produktion von Fahrrädern in Nürnberg fand damit ihr Ende, die Marke wird heute von der Accell Germany GmbH verwendet.[2] 1997/98 stellte Fichtel & Sachs die Produktion von Motoren ein. Die ehemalige Motorrad-Produktion von Hercules wurde in „Sachs Fahrzeug- und Motorentechnik“ umbenannt und 1998 an die niederländische Whinning Wheels Group (Koch-Kleeberg-Gruppe) verkauft. 2001 erwarb eine Gruppe von Hercules-Managern die Reste der Firma, die seither die Markenbezeichnung „Sachs Bikes“ benutzt. 2004 wurde der Produktionsstandort in der Nopitschstraße geräumt, produziert wird seither überwiegend in China unter Verwendung von Honda-Motoren. In Nürnberg befinden sich nur noch Entwicklung und Vertrieb. Im Oktober 2008 änderte man die Firma in „SFM GmbH“.[3]

2014 hat ZEG das Recht an der Marke Hercules von der Accell Group gekauft.[4]

LKW-Produktion[Bearbeiten]

Hercules baute ab 1898 Lastkraftwagen mit Elektromotoren und ab 1905 mit Verbrennungsmotoren. Angeboten wurden Modelle von 1,5 bis 3 t Nutzlast mit selbst entwickelten Motoren. Ab 1912 stellte man auch LKW mit Ketten- und Kardanantrieb her. Nach dem Ersten Weltkrieg hatte die LKW-Produktion wenig Erfolg und musste mit dem Beginn der Wirtschaftskrise 1928 eingestellt werden.[5]

PKW-Produktion[Bearbeiten]

Zwischen 1932 und 1937 wurde in geringer Stückzahl ein Dreirad-Zweisitzer mit einem Einbaumotor von ILO von 200 cm³ Hubraum produziert. Das Fahrzeug durfte ohne Führerschein und Kraftfahrzeugsteuer gefahren werden.

Ära der Mopeds, Mokicks und Kleinkrafträder[Bearbeiten]

In den 1950er, 1960er und 1970er Jahren war Hercules im deutschen Markt der leichten Krafträder sehr bekannt und erfolgreich. Das Modellprogramm begann bei 50-cm³-Mopeds und -Mofas, ging über zweisitzige Mokicks und Kleinkrafträder bis hin zu leichten Motorrädern mit 100 cm³ und 125 cm³.

1963 wurden die Hercules-Werke vom Konzern Fichtel und Sachs übernommen. 1965 übernahm Hercules die Zweirad Union und produzierte identische oder nur in winzigen Details modifizierte Parallel-Angebote zum eigenen Programm unter den Zweirad-Union-Marken DKW, Express und Victoria.

Das bei Hercules praktizierte Baukasten-Prinzip bedeutete die Produktion nur weniger Grundtypen unter Verwendung von Motoren des Mutterkonzerns Fichtel & Sachs. Klassisch gab es zunächst gebläsegekühlte Mopedmotoren mit Tretkurbeln oder Kickstarter, die mit Zweigang- und Dreigang-Ziehkeilgetrieben für den Antrieb von Mopeds und Mokicks dienten, und leistungsgesteigerte Drei- und Viergangmotoren zum Antrieb der Kleinkrafträder ohne Geschwindigkeitsbeschränkung.

Mit einem neuen fahrtwindgekühlten Grundmotor von 2,9 PS Höchstleistung und Drei-Gang- und Vier-Gang-Getriebe mit Kickstarter wurden Mokicks ausgerüstet; der optisch gleiche Motor diente mit verbreitertem Fünf-Gang-Getriebe und anfangs 5,3 PS den Kleinkrafträdern als Antrieb. Einzig sichtbarer Unterschied war der Vergaserquerschnitt. Zuletzt wurde der Motor mit großen Fächerrippen-Kühlflächen und 6,25 PS angeboten. In jener Zeit wurden Modellvarianten bei den Spitzen-Kleinkrafträdern zwischen Hercules und DKW so aufgeteilt, dass die Hercules-Modelle die bequeme, weich federnde vordere Gabel mit Langschwinge bekamen, die DKW-Typen hingegen die härtere, aber in der Optik modernere Teleskopgabel. Bis auf die Abzeichen waren ansonsten die Kleinkrafträder absolut identisch. Mit diesem Hercules-Modell endete auch das Alleinstellungsmerkmal der Earles-Langschwingengabel; diese aufwendige, aber sehr komfortable Konstruktion war später nicht mehr zu bekommen.

Die Hercules Ultra 50 war das erste Kleinkraftrad auf dem Markt mit Doppelscheibenbremse am Vorderrad. Die letzte Ausführung wurde auch mit Wasserkühlung und 6-Gang-Getriebe hergestellt; sie diente als Ausgangsbasis der nachfolgenden 80-cm³-Leichtkraftradmotoren, die aufgrund gesetzlicher Beschränkungen mit 5 Gängen auskommen mussten.

Leistungslimitierungen für die auf 40 km/h Höchstgeschwindigkeit beschränkten Mopeds und Mokicks wurden in der Serienfertigung vornehmlich mit kleinen Vergaser-Querschnitten erzielt; ein illegaler Vergaser-Umbau eröffnete teils Drehzahlerweiterungen um über 60 % und eine entsprechende Höchstgeschwindigkeit nahe der von Kleinkrafträdern. Solche ungesetzlichen Umbauten führen bei Kontrollen und nach Unfällen zum Wegfall des Versicherungsschutzes, Regressansprüchen und ggf. zu weiteren Problemen z. B. wegen Fahrens ohne Führerschein bzw. ohne Zulassung.

Parallel wurden im unteren Segment neue Motoren mit waagerechtem Zylinder und Tretkurbeln eingeführt, die die alten Gebläsemotoren ersetzten. Diese Motoren mit Eingang-Fliehkraftautomatik- oder handgeschaltetem Zwei-Gang-Getriebe wurden in Mofas (25 km/h) und Mopeds (40 km/h) verbaut.

Anfang der 1970er Jahre brachte man sogar ein Mofa (E 1 Accu bike) mit Elektroantrieb (750 W bei 3600/min.) heraus, dem aber so gut wie kein Erfolg beschieden war.

Im Jahr 2004, als die deutsche Produktion bei Hercules auslief, wurden noch die Mofas Hercules Prima 4/5/ SACHS Prima und das Hercules Optima 50 / SACHS Optima 50 verkauft.

Name Typ Bauzeitraum Zylinder Getriebe Hubraum Leistung Höchst-
geschwindigkeit
MF3 Mofa 1972-1974 1 2-Gang-Handschaltung 47 cm³ 1 kW (1,5 PS) 25 km/h
M5 Mofa 1 2-Gang-Handschaltung 50 cm³ 1 kW (1,36 PS) 25 km/h
Prima 2 Mofa 1 1-Gang-Automatik 50 cm³ 1 kW (1,36 PS) 25 km/h
Prima 3 Mofa 1 2-Gang-Handschaltung 50 cm³ 1 kW (1,36 PS) 25 km/h
Prima 4 Mofa 1 1-Gang-Automatik 50 cm³ 1 kW (1,36 PS) 25 km/h
Prima 5 s Mofa 1 2-Gang-Handschaltung 50 cm³ 1 kW (1,36 PS) 25 km/h
Prima GT Mofa 1 3-Gang-Handschaltung 50 cm³ 1,15 kW (1,6 PS) 25 km/h
Optima 3 Moped 1 2-Gang-Handschaltung 50 cm³ 2 kW (3,32 PS) 50 km/h
MK1/MK2 Mokick 1974–1979 1 3- bzw. 4-Gang-Fußschaltung 50 cm³ 1,47 kW (2,9 PS) 40 km/h
Supra 4 GP Mokick 1981–1983 1 4-Gang-Fußschaltung 50 cm³ 2,2 kW (3 PS) 40 km/h
K50 SE / RE Kleinkraftrad 1973–1974 1 5-Gang-Fußschaltung 50 cm³ 4,6 kW (6,25 PS) 85 km/h
K50 Ultra LC Kleinkraftrad 1977–1978 1 5-Gang-Fußschaltung 50 cm³ 4,6 kW (6,25 PS) 85 km/h
K50 Ultra II LC Kleinkraftrad 1979–1980 1 5-Gang-Fußschaltung 50 cm³ 4,6 kW (6,25 PS) 85 km/h
Ultra 80 AC Leichtkraftrad 1982–1983 1 5-Gang-Fußschaltung 80 cm³ 6,0 kW (8,1 PS) 80 km/h
Ultra 80 LC Leichtkraftrad 1981–1983 1 5-Gang-Fußschaltung 80 cm³ 6,3 kW (8,5 PS) 80 km/h
RX 9 Leichtkraftrad 1982–1989 1 5-Gang-Fußschaltung 80 cm³ 6,6 kW (9,0 PS) 80 km/h
XE 9 Enduro 1984–1989 1 5-Gang-Fußschaltung 80 cm³ 6,3 kW (8,3 PS) 80 km/h
K 125 Military Kraftrad 1969–1991 1 5-Gang-Fußschaltung 125 cm³ 8,83 kW (12,5 PS) 100 km/h
K 180 Military Kraftrad 1991– 1 5-Gang-Fußschaltung 180 cm³ 13 kW (17 PS) 110 km/h
Hercules luxe CH Mofa 1985– 1 2-Gang-Automatik 45 cm³ 30 km/h

Motorräder[Bearbeiten]

Hercules Wankel 2000

Auch in größeren Hubräumen wurden Hercules- und DKW-Motorräder für Inhaber des Motorrad-Führerscheins angeboten: den zunächst gebauten Motoren mit Vier-Gang-Getriebe und 8,5 bis 10 PS bei 100 cm³ Hubraum im Modell 'K 100' folgte ein Fünfgangmotor mit zunächst 12,5 und dann 17 PS (6-Gangvariante) aus einem Hubraum von 125 cm³. Einige „Hobbytuner“ bauten diesen großen Motor in Mokick-Rahmen (bauartbestimmte Höchstgeschwindigkeit 40 km/h) ein bei Höchstgeschwindigkeiten bis zu 140 km/h. Die wegen des strikt eingehaltenen Baukastenprinzips gleichen Anschlussmaße der Motoren und Fahrwerke ermöglichen dies ohne Montageprobleme. Solche Fahrzeuge sind nach amtlichen Beschlagnahmungen in diversen Polizeimuseen ausgestellt worden, u. a. in Düsseldorf.

Die Bundeswehr kaufte ab 1970 Kradmeldermaschinen bei Hercules: das Modell K 125 Bw „Military“ mit 125 cm3 Hubraum und von 1991 bis 1996 die K 180 Bw. Eine technische Besonderheit war das erste serienmäßig ab 1974 gebaute Wankel-Motorrad, die Hercules W 2000, die unter Verwendung eines modifizierten Schneemobilmotors entstand.

GS Modelle GS 125, GS 175, GS 250 und GS 350

Kleinkrafträder[Bearbeiten]

Durch steigende Unfallzahlen wurden die 50-cm³-Kleinkrafträder (KKR) in den Versicherungsprämien extrem teuer. Der Gesetzgeber verbot ab 1. April 1982 die Neuzulassung von KKRs und schuf die Klasse der 80-cm³-Leichtkrafträder. In den 1980er-Jahren aber ging dieser besondere deutsche Markt der Leichtmotorfahrzeuge stark zurück, da auch hier die Versicherungsprämien extrem anstiegen. Umbauten in die 10-PS-Klasse durften nur mit Führerschein Klasse 1 ab 18 Jahren gefahren werden. Hercules hatte nach dem wirtschaftlichen Ausfall der Leichtkrafträder keine entsprechenden Angebote bei größeren Motorrädern, die Produktion des wirtschaftlich nicht erfolgreichen Wankel-Motorrades war bereits Ende der 1970er Jahre eingestellt. Ein weiteres Problem war für Hercules die Konkurrenz aus Fernost.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Reinwald, Norbert Daum: Hercules Motorräder. Johann Kleine Vennekate-Verlag, Lemgo 2005, ISBN 3-935517-18-1.
  • Ulrich Kubisch: Deutsche Automarken von A–Z. VF Verlags-Gesellschaft, Mainz 1993, ISBN 3-926917-09-1.
  • Ernst Leverkus: Die Motorräder der 50er, 60er und 70er Jahre, Spezialausgabe 1. Auflage, Motorbuch Verlag, Stuttgart 2003, ISBN 3-613-02366-0.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.nuernberginfos.de/bedeutende-nuernberger/carl-marschuetz-hercules.html
  2. Hercules – Fahrräder heute. Accell Germany GmbH. Abgerufen am 5. Oktober 2012.
  3. http://www.sfm-bikes.de/de/unternehmen_history.php
  4. ZEG übernimmt „Hercules“. Schweinfurter Fahrradmarke verkauft. Main-Post GmbH & Co. KG, 31. Januar 2014, abgerufen am 18. Februar 2014.
  5. Die Geschichte des deutschen LKW-Baus, B 1 Seite 89-90. Weltbild Verlag 1994 ISBN 3-89350-811-2

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hercules Motorräder – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien