Herdecke

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Herdecke
Herdecke
Deutschlandkarte, Position der Stadt Herdecke hervorgehoben
51.47.4333333333333150Koordinaten: 51° 24′ N, 7° 26′ O
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Arnsberg
Kreis: Ennepe-Ruhr-Kreis
Höhe: 150 m ü. NHN
Fläche: 22,4 km²
Einwohner: 22.572 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 1008 Einwohner je km²
Postleitzahl: 58313
Vorwahl: 02330
Kfz-Kennzeichen: EN, WIT
Gemeindeschlüssel: 05 9 54 020
Stadtgliederung: 2 Stadtteile: Herdecke und Ende
Adresse der
Stadtverwaltung:
Kirchplatz 3
58313 Herdecke
Webpräsenz: www.herdecke.de
Bürgermeisterin: Katja Strauss-Köster (parteilos)
Lage der Stadt Herdecke im Ennepe-Ruhr-Kreis
Bochum Dortmund Essen Gelsenkirchen Hagen Herne Kreis Mettmann Kreis Unna Märkischer Kreis Oberbergischer Kreis Remscheid Wuppertal Breckerfeld Ennepetal Gevelsberg Hattingen Herdecke Schwelm Sprockhövel Wetter (Ruhr) WittenKarte
Über dieses Bild

Herdecke [ˈhɛʁdəkə] („Die Stadt zwischen den Ruhrseen“) ist eine Stadt an der Ruhr im nördlichen Ennepe-Ruhr-Kreis in Nordrhein-Westfalen.

Touristisch bedeutend sind neben dem hohen Freizeit- und Erholungswert der beiden Ruhrseen Hengsteysee und Harkortsee sowie der bewaldeten Ardeyhöhen unter anderem das Bachviertel als historische Altstadt mit vielen Fachwerkhäusern und der talüberspannende, gut 30 m hohe Ruhr-Viadukt.

Geografie[Bearbeiten]

Der Hengsteysee mit dem bewaldeten Herdecker Ruhr-Abhang
Erbbegräbnis von Haus Mallinckrodt in Ende

Herdecke liegt direkt an der Ruhr mit ihren beiden Stauseen Hengsteysee und Harkortsee, dem Ruhrtal und der Ardeypforte. Landschaftlich gehört Herdecke zu den nordwestlichen Ausläufern des Sauerlands und wird konkret dem niederbergisch-märkischen Hügelland zugerechnet. Herdecke liegt auf einer Höhe von 80 bis 274 m ü. NN.

Unabhängig von naturräumlichen Gegebenheiten wird Herdecke als Bestandteil des Ruhrgebietes wahrgenommen. Von der grundsätzlich auf Steinkohle und Großindustrie basierenden Wirtschaftsgeschichte des Ruhrgebietes wurde die Stadt jedoch nur indirekt beeinflusst. Im Stadtgebiet kommen nur gering mächtige Steinkohlenflöze vor, die zwar teilweise abgebaut, aber insgesamt als nicht abbauwürdig eingestuft wurden.

Direkt angrenzende Städte sind im Uhrzeigersinn (beginnend im Norden) die kreisfreien Städte Dortmund und Hagen sowie Wetter und Witten (beide Ennepe-Ruhr-Kreis).

Geologie[Bearbeiten]

Die Stadt liegt mitten im Ardeygebirge, einem Teil des Rechtsrheinischen Schiefergebirges. Die oberflächennah anstehenden Gesteine stammen aus dem Oberkarbon. Es handelt sich dabei vorwiegend um Ton- und Schluffstein sowie Sandstein. Der Abbau des hier vorkommenden so genannten Ruhrsandsteins in zahlreichen Steinbrüchen hat die Stadt sehr geprägt. Ein großer Steinbruch ist heute noch in Betrieb, in ihm werden Bruch- und Werksteine gewonnen.

Klima[Bearbeiten]

Herdecke gehört zum maritim beeinflussten nordwestdeutschen Klimabereich und weist mittlere Jahresniederschläge zwischen 850 und 900 mm sowie ein Jahresmittel der Temperatur von etwa 10,6 °C auf.[2]

Stadtgebiet und -gliederung[Bearbeiten]

Herdecke liegt mit Ausnahme eines kleinen Zipfels an der Ruhrbrücke ausschließlich nördlich der Ruhr. Das Stadtgebiet dehnt sich in maximaler Länge etwa acht Kilometer in Nord-Ost/Süd-West-Richtung und etwa fünf Kilometer in Nord-West/Süd-Ost-Richtung aus.

Die Stadt Herdecke hat zwei Siedlungskerne: Herdecke und Ende; letzteres umfasst das ehemalige Amt Ende beziehungsweise die Gemeinde Ende mit den Bauernschaften Kirchende, Ostende, Westende und Gedern sowie dem „Villenvorort“ Ahlenberg.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Bachviertel am Herdecker Bach
Le Coq, Karte von Westfalen, 1805

Vermutlich 819 wurde eine karolingische Basilika als Kirche eines adeligen Frauenstifts erbaut, das zur Keimzelle des Ortes wurde. Heute steht an diesem Platz die Stiftskirche.

1324 fiel Herdecke aus Kölnischem Besitz an die Grafschaft Mark. Als neuer Landesherr übernahm der Graf von der Stiftsäbtissin die Gerichtsbarkeit und errichtete am Stift einen Pranger, der bis 1700 existierte.

1355 bekam das dorp herricke von Graf Engelbert III. von der Mark die Marktrechte verliehen. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich aufgrund der verkehrstechnisch günstigen Lage am Ruhrübergang und am Schnittpunkt der großen Handelsstraßen zwischen Köln und Weserraum sowie Siegerland und Münsterland der regional bedeutsame Herdecker Kornmarkt, der bis Ende des 19. Jahrhunderts bestand.

1594 erlosch die Veme- und Freigerichtsbarkeit im Ort.

1615 wurde die Ortschaft zur Freiheit erhoben und 1739 verlieh Friedrich Wilhelm I. Herdecke die Stadtrechte.

Im Winter 1624/1625 diente die junge Freiheit Herdecke einer Garnison „hispanischer Kriegsleute“ als Quartier und Lager.

Die 4. Auflage von Meyers Konversations-Lexikon notierte 1888: „Herdecke, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Arnsberg, Kreis Hagen, 104 m ü. NN., an der hier schiffbaren Ruhr und den Linien Hagen-Witten, H.-Dahlhausen und Schwelm-Dortmund der Preußischen Staatsbahn, hat eine alte evangelische und eine kath. Kirche, große Sandsteinbrüche, Fabriken für Tuch, Tabak, Leder, Papier und Eisenwaren, Färberei, Bierbrauerei und (1885) 4124 meist evang. Einwohner. Über der Stadt liegt der Kaisberg mit einem Turm zur Erinnerung an den Freiherrn vom Stein; entfernter die Trümmer der Hohensyburg; der neue Aussichtsturm daselbst wurde dem Oberpräsidenten v. Vincke zu Ehren errichtet. Unterhalb H. liegt der Sonnenstein, ein 200 m hohes Plateau, auf welchem alljährlich im Juni der Rheinisch-Westfälische Turngauverband das bekannte Sonnensteinfest feiert. H. gegenüber liegt die Gemeinde Vorhalle mit Eisen- und Messingwarenfabrik.“[3]

1939 wurde Ende eingemeindet. Im Zweiten Weltkrieg hatte die Stadt die Patenschaft über das U-Boot U 751 übernommen, das am 17. Juli 1942 von britischen Flugzeugen im Atlantik versenkt wurde.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 13. März 1939 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Ende eingegliedert.[4]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1739 ¹ 1885 ¹ 1939 ² 1961 1970 1987 1990 1993 2002 2006 2008 2010 2012
Einwohner 896 4.124 10.713 17.218 20.157 25.238 26.184 26.488 25.982 25.374 25.048 24.428 22.754
¹ ohne Herdecke-Ende     ² davon 3766 in Ende

Herdecke entwickelte sich im Laufe von zwei Jahrhunderten zwischen 1739 und 1939 von einem bäuerlich geprägten mittelalterlichen Marktort zu einer florierenden Kleinstadt. Die Bevölkerungszahl stieg in dieser Zeit fast auf das Achtfache.

Seit der Eingemeindung von Ende im Jahr 1939 verzeichnete die Stadt bis 1993 erneut eine deutliche Zunahme der Bevölkerung um 147,25 %. Dieses Wachstum ist insbesondere der günstigen Ruhrgebiets-Randlage (Stichwort: Wohnen im Grünen) sowie seit der Diskussion um die Gemeindereform 1975 dem Wunsch geschuldet, durch über 25.000 Einwohner den städtischen Status zu behalten.

In den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts erreichte die Einwohnerzahl mit rund 26.500 ihren Höhepunkt. Nach einer Stagnation zur Jahrtausendwende ist die Bevölkerungszahl rückläufig. Im Zuge der allgemeinen Bevölkerungsentwicklung ist mit einem weiteren Rückgang zu rechnen.

Aufgrund der städtischen Siedlungsplanung und der damit verbundenen Bevölkerungsentwicklung gehört Herdecke zu den Spitzenreitern bei der Flächenversiegelung im gesamten Regierungsbezirk Arnsberg, mehr als ein Drittel der Stadtfläche ist überbaut und es sind fast 300 m² Boden/Person versiegelt.[2]

Wappen[Bearbeiten]

Auf dem Herdecker Wappen ist eine silberne, auf einem Hügel stehende Eiche mit goldgelben Früchten auf rotem Schild abgebildet. Die örtlich so genannte „Herta-Eiche“ ist schon lange das Zeichen der Stadt, schon ein Stadtsiegel von 1784 zeigt einen Baum. Seit der Wappenverleihung 1902 durch das preußische Heroldsamt ist das offizielle Stadtwappen mit einer dreitürmigen Mauerkrone als Oberwappen versehen.

Politik[Bearbeiten]

Rat der Stadt[Bearbeiten]

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Das Herdecker Rathaus

Seit der Kommunalwahl am 30. August 2009 gehören dem Rat der Stadt 38 Mitglieder an. Die Wahl führte bei einer Wahlbeteiligung von 63,4 % (+1,6 %p) zu dem folgenden Ergebnis:[5]

Partei/Liste Stimmenanteil +/– Sitze +/–
SPD 37,0 % –8,1 %p 14 –4
CDU 30,6 % –2,7 %p 11 –2
GRÜNE 15,6 % +1,4 %p 6 ±0
FDP 12,4 % +5,0 %p 5 +2
LINKE 4,4 % + 4,4 %p 2 +2

Es regiert ein Jamaika-Bündnis aus CDU, FDP und den Grünen.[6] Im Laufe der Legislaturperiode ist ein Ratsmitglied aus der SPD ausgetreten.

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bei der Bürgermeisterwahl am 30. August 2009 konnte sich Katja Strauss-Köster mit 70,9 Prozent gegen die ehemalige Landtagsabgeordnete Renate Drewke (SPD; 29,1 Prozent) durchsetzen. Strauss-Köster wurde als unabhängige Kandidatin von CDU, FDP und den Grünen unterstützt. Bei der Kommunalwahl 2004 war Bürgermeister Hans-Werner Koch von der SPD im ersten Wahlgang mit 51 % der Stimmen bestätigt worden.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Es besteht eine Städtepartnerschaft mit Blankenburg (Harz). Die Partnerstadt ist jedes Jahr auf der Herdecker Maiwoche vertreten, wo neben typischen Speisen und Getränken aus dem Harz auch touristische Angebote vorgestellt werden.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der imposante Ruhr-Viadukt markiert den Beginn des Harkortsees
Altes Fachwerkhaus am Ortseingang Hauptstraße 1

Bedeutende Bauwerke[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Herdecke

Allgemeine Baudenkmale:

Industriekultur:

Kirchen:

Freizeit und Sport[Bearbeiten]

Minigolf-Anlage am Harkortsee

Neben den sich in der Natur anbietenden Sport- und Erholungsmöglichkeiten im Wald (Wandern, Jogging) sowie auf und an den Stauseen (Rudern, Kanufahren, Segeln, Radfahren, Inlineskaten etc.) verfügt Herdecke insbesondere mit dem weitgehend frei zugänglichen Freizeitzentrum Bleichstein mit öffentlichen Sportplätzen, Kletterwand, Halfpipe, Wiesenflächen und einem größeren Spielplatz über einen großen Anziehungspunkt für viele Besucher. Im Sommerhalbjahr ist das dort gelegene Freibad Freizeitbad Bleichstein mit Rutsche, Wildwasserkanal und Tauchturm ein beliebter Treffpunkt. Benachbart ist das Hallenbad Bleichstein.

Neben der Sportanlage Am Bleichstein besteht im Ortsteil Kirchende eine weitere Sportanlage Am Kalkheck. Die Stadt verfügt damit und mit mehreren Reitsport- und Tennisanlagen, einem Volks-Golfplatz sowie sieben Sporthallen über ein sportliches Potenzial, das von den ansässigen Vereinen und ihren Mitgliedern intensiv genutzt wird. Die Liste der in Herdecke ansässigen Vereine ist lang, die größten Sportvereine sind der TuS Ende e. V. und der TSV 1860 Herdecke e. V. Des Weiteren existieren noch andere kleine Sport- und Freizeitmöglichkeiten wie zum Beispiel Minigolf- und Kegelanlagen.

Die Erfolge Herdecker Sportlerinnen und Sportler sind teilweise von internationaler Qualität und haben die Herdecker Vereine über die Stadtgrenzen hinaus bekannt gemacht. Einige Weltmeister und Olympiasieger kommen aus der Stadt (siehe Persönlichkeiten).

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Die Stadt Herdecke hat zwar keinen eigentlichen Stadtsaal, aber es gibt zwei größere Veranstaltungssäle: 1984 wurde gemeinsam mit dem Hotel Zweibrücker Hof der Ruhrfestsaal als kommunaler Bürgersaal mit städtischen Nutzungsrechten in privater Trägerschaft für bis zu 350 Besucher errichtet und 2005 erweitert. Seit 2001 gibt es zusätzlich als privaten Kammermusiksaal den Werner-Richard-Saal, geeignet ebenfalls für bis zu 350 Besucher.

Die vom Herdecker Heimat- und Verkehrsvereins e. V. betreute Heimatstube ist das einzige Museum der Stadt. Es existiert seit 1993 in einem historischen Gebäude am Stiftsplatz 3 in direkter Nähe zum Rathaus. Im Rahmen einer Dauerausstellung wird über verschiedene Aspekte der Stadtgeschichte informiert.

Über Herdecke hinaus bekannt ist das ausschließlich ehrenamtlich getragene Theater am Stiftsplatz. Die Theatergruppe Theater 'ne ah der Ev. Kirchengemeinde Herdecke bereichert seit 1992 mit abendfüllenden Theaterstücken (bei freiem Eintritt) das kulturelle Leben Herdeckes.

Seit 1978 gibt es in Herdecke ein Programmkino, das Onikon, welches von einem ehrenamtlich arbeitenden Verein getragen wird. Der Name des im städtischen Kulturhaus angesiedelten Programmkinos leitet sich ab von „No Kino“, rückwärts gelesen. Daneben besteht im Kulturhaus noch die städtische Ruhrgalerie mit unregelmäßigen, wechselnden Kunstausstellungen sowie über das Stadtgebiet verteilt einige private Künstlergalerien oder -ateliers.

Regelmäßige Veranstaltungen
Der Viehmarktbrunnen in der Fußgängerzone
  • Maiwoche: Jedes Jahr wird von der Stadtverwaltung in der Christi-Himmelfahrt-Woche eine viertägige Veranstaltung mit historischem Kunst- und Töpfermarkt mit mittelalterlichen Elementen sowie Musik, Tanz und Sport in der Innenstadt organisiert. Ergänzt wird das Programm durch Stadtführungen, den „Sackträgerlauf“ und die „Kreative Straße“. Viele Vereine und Organisationen tragen zur Gestaltung bei. Den Abschluss bildet stets ein Höhenfeuerwerk.
  • Kram-Markt: im Mai und Oktober findet jedes Jahr ein bunter Krammarkt in der Fußgängerzone statt
  • Wochenmarkt: jeden Donnerstagvormittag in der Fußgängerzone
  • Herdecker Citylauf: im Juni Volkslauf in der Innenstadt, veranstaltet vom TSV Herdecke
  • Ender Citylauf: im September Volkslauf in Ende, veranstaltet vom TuS Ende
  • Nikolauslauf: Volkslauf zum Jahresabschluss, veranstaltet vom RC Westfalen Herdecke
  • Schützenfeste: Schützenverein Herdecke 1842 e. V. und Schützenverein Ende-Schnee

Infrastruktur und Wirtschaft[Bearbeiten]

Das Bachviertel in Herdecke

In Herdecke leben relativ viele einkommensstarke Menschen. Die Stadt steht in Bezug auf ihre Einwohnerzahl landesweit an fünfter Stelle. 2001 lebten in Herdecke 39 „Einkommensmillionäre“ mit einem Jahreseinkommen von mehr als 500.000 Euro.[7] Bei den vergangenen Gebietsreformdebatten wurde Herdecke vor allem wegen des hohen Einkommensteueraufkommens seitens der Stadt Hagen mehrfach als Eingemeindungskandidat gehandelt. Besonders der gebürtige Hagener Innenminister Willi Weyer setzte sich in den siebziger Jahren dafür ein.

Verkehr[Bearbeiten]

Schienen- und Busverkehr[Bearbeiten]

Herdecke ist im Schienenpersonennahverkehr über zwei Stationen, den Bahnhof Herdecke und den Haltepunkt Wittbräucke, entlang der Bahnstrecke Düsseldorf-Derendorf–Dortmund Süd erschlossen, an denen stündlich die Volmetal-Bahn (RB 52) von Dortmund Hbf über Hagen nach Lüdenscheid verkehrt. Außerdem hieß der heutige Bahnhof Hagen-Vorhalle früher Herdecke, Herdecke Süd bzw. Herdecke Vorhalle.[8]

Es bestanden Planungen, die Volmetalbahn von Dortmund über Hagen nach Lüdenscheid als Stadtbahn umzusetzen. Die Stadtbahn sollte direkt vom Dortmunder Stadtzentrum über das Hagener Stadtzentrum bis in die Innenstadt von Lüdenscheid geführt werden. 1997 wurde dazu ein Konzept zur Regionalstadtbahn Hagen vorgestellt, was trotz des verkehrlichen Nutzens aus Kostengründen abgelehnt wurde.

Der Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Bahnhof Herdecke wurde im Zweiten Weltkrieg am 23. März 1945 bei einem Luftangriff auf Herdecke zerstört und konnte erst 1960 wiederhergestellt werden. An den alten Bahnhof erinnert noch ein Schlussstein mit der Jahreszahl 1878, der in die Fassade des neuen Bahnhofes eingemauert wurde.

Es gibt sechs Buslinien, die den Ort zum Teil zugleich mit benachbarten Städten verbinden, mit Witten (zum Teil durchlaufend bis zur Ruhr-Universität in Bochum), von Hagen über Herdecke zur Dortmunder Stadtgrenze mit Weiterfahrt nach Dortmund, Linien nach Wetter und innerörtlichen Herdecker Erschließungen (und Optimierungen, z.B. neuen Anschlüssen an den Bahnverkehr in Hagen-Vorhalle). Umgekehrt haben die Sparzwänge der öffentlichen Hand bereits zu erheblichen Ausdünnungen und teilweisen Taktbrüchen mit der Folge von Anschlussverlusten geführt.

Für den gesamten öffentlichen Personennahverkehr gilt der Tarif des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr, teilweise auch der Verkehrsgemeinschaft Ruhr-Lippe und tarifraumüberschreitend der NRW-Tarif.

Ein Bürgerbusverein betreibt unter Einsatz ehrenamtlicher Fahrer (mit einem über das Land finanzierten behindertengerecht ausgestatteten Kleinbus)tagsüber ergänzend in mehreren Linien Buslinienverkehr gerade dort, wo die großen Linienbusse nicht hinfahren können. Zudem fährt ein Ast des Bürgerbusverkehrs aus der Nachbarstadt Wetter (Ruhr) zum Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke-Westende.

Linien
Hagen Hauptbahnhof
Lüdenscheid
Regional RB 52
KBS 434
Wittbräucke
Dortmund Hbf.

Straßen[Bearbeiten]

Durch das Herdecker Stadtgebiet führt keine Autobahn. Die Anbindung an das Fernstraßennetz erfolgt über die Anschlussstelle 88 Hagen-West der A 1 (E 37) und die Anschlussstelle 8 Dortmund-Süd der A 45 (E 41). Durch das Stadtgebiet verläuft die Bundesstraße 54.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Das GKH in Westende

In der Stadt ist das erste deutsche anthroposophisch geprägte Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke (größter örtlicher Arbeitgeber) ansässig. Im Haus Ende bestand bis zum Ende des Zivildienstes in Deutschland eine Zivildienstschule.

Bildung[Bearbeiten]

Herdecke verfügt über fünf Grundschulen (GS im Dorf, GS Kirchende, GS Robert-Bonnermann, GS Schraberg, GS Vinkenberg), eine Förderschule (Albert-Schweitzer-Schule), eine Hauptschule (HS Am Sonnenstein), eine Realschule (RS Am Bleichstein) sowie ein Gymnasium (Friedrich-Harkort-Schule). Des Weiteren gibt es die Städtische Musikschule und die Volkshochschule Witten-Wetter-Herdecke.

Vom GKH Herdecke ging die Gründung der in der Nachbarstadt Witten angesiedelten privaten Universität Witten/Herdecke aus, deren Namensgebung die nach wie vor enge Beziehung verdeutlicht und Herdecke sehr bekannt gemacht hat. Allerdings führt diese Bezeichnung des Öfteren dazu, dass Herdecke irrtümlich als Stadtteil von Witten angesehen wird.

Hilfsorganisationen[Bearbeiten]

Medien[Bearbeiten]

Über Herdecke werden Lokalausgaben der zur WAZ-Mediengruppe gehörenden Tageszeitungen Westfälische Rundschau und Westfalenpost produziert. Außerdem erscheinen wöchentlich die beiden kostenlosen Zeitungen Wochenkurier und Stadtanzeiger. Als Lokalradio informiert der kreisweite Sender Radio Ennepe Ruhr über die Geschehnisse in der Stadt. Im Fernsehen berichtet der WDR als Drittes Fernsehprogramm im Rahmen der Lokalzeit im Revier aus dem Studio Dortmund auch über Herdecke.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Das Cuno-Kraftwerk der mark-E

Größter Arbeitgeber der Stadt ist mit über 1.000 Arbeitsplätzen das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke. Herdecke ist außerdem Standort mehrerer bundesweit bekannter Unternehmen. Die Firma Dörken stellt Bauverbundfolien und Lacke unter den Markennamen Delta und CD-Color her sowie Dörken MKS-Systeme Mikrokorrosionsschutz-Systeme. Idealspaten ist eine Schaufel- und Spatenfabrik, die bereits zur NS-Zeit als Großlieferant des Reichsarbeitsdienstes bekannt war. Die Pharma-Zentrale/Dr. Poehlmann, Medizintechnik und Arzneimittel stellt unter anderem die Produkte Tai Ginseng und Voltax her. Im Steinbruch der Firma Grandi wird Ruhrsandstein gewonnen. Des Weiteren unterhält das Unternehmen Mark-E aus der Nachbarstadt Hagen das Cuno-Kraftwerk und die Essener RWE AG das Koepchenwerk in Herdecke. 2005 aufgegeben wurde der Standort Herdecke nach 30 Jahren von WestfaliaSurge, vormals Westfalia Separator beziehungsweise Westfalia Landtechnik, die als einer der weltweit größten Melkanlagen-Hersteller gilt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Historischer Hohlweg am Piepensack in Herdecke-Ende
  • Roy Black; der in der Nähe von Augsburg geborene Schlagermusiker lebte längere Zeit in Herdecke.
  • Antônio da Silva, in Herdecke lebender Fußballspieler
  • Carl Dörken (1861–1931), Unternehmer, Gründer und Mäzen
  • Emil Eckardt (+1928), Fabrikant und Gründer (Idealspaten)
  • Giovanni Federico, in Herdecke lebender Fußballspieler
  • Walter Freitag, lange in Herdecke lebender und dort 1958 gestorbener Landrat des EN-Kreises, MdL, DGB-Vorsitzender
  • Hugo Güldner, 1866 in Herdecke geborener Motorenbauer und Technikpionier
  • Heinrich Habig, lange in Herdecke lebender und 1963 gestorbener Druckereiunternehmer (Heinrich Habig AG)
  • Inge Habig, in Herdecke lebende deutsche Kunsthistorikerin und emeritierte Professorin, Frau des Druckereiunternehmers Heinrich Habig
  • Elke Haltaufderheide, 1940 in Herdecke geborene Filmproduzentin und Schauspielerin
  • Friedrich Harkort, in Herdecke beim Harkortschen Besitz Gut Schede beerdigter Unternehmer und Politiker des 19. Jahrhunderts
  • Jörg Hartmann, 1969 in Herdecke geborener Theater- und Fernsehschauspieler
  • Pablo Held, 1986 in Herdecke geborener Jazzmusiker
  • Annette Humpe, 1950 in einem Hagener Krankenhaus geborene, in Herdecke aufgewachsene Pop-Musikerin (Ideal, Ich + Ich)
  • Inga Humpe, 1956 in einem Hagener Krankenhaus geborene, in Herdecke aufgewachsene Pop-Musikerin (DÖF, 2raumwohnung)
  • Antje Jackelén, 1955 in Herdecke geborene Erzbischöfin von Uppsala in Schweden
  • Hans Jordan, Bankier und ehemaliger Besitzer von Haus Mallinckrodt
  • Marina Kielmann, lange in Herdecke lebende Eiskunstläuferin
  • Gerhard Kienle, 1983 in Herdecke gestorbener Mediziner und Gründer des Gemeinschaftskrankenhauses
  • Jürgen Klopp, in Herdecke lebender Fußballtrainer
  • Hugo Knauer, Alt-Bürgermeister von Herdecke
  • Michael Kohlmann, aus Herdecke stammender Profi-Tennisspieler
  • Stephan Letter, in Herdecke geborener Serienmörder
  • Roswitha Lüder, in Herdecke lebende deutsche Malerin des Informel
  • Marian Meder, 1980 in Herdecke geborener Schauspieler
  • Matthias Mellinghaus, 1965 in Herdecke geborener Ruderer
  • Meinrad Miltenberger, 1924 in Herdecke geborener Kanute
  • Robert Müser, Industrieller, Erbauer und Erstbesitzer von Haus Ende
  • Philipp Nicolai, ev. Pfarrer in Herdecke im 16. Jahrhundert
  • Otti Pfeiffer, in Wesel geborene, aber lange in Herdecke lebende und dort 2001 gestorbene (Kinderbuch-)Autorin
  • Theodor Henrich Rahlenbeck, 1864 in Herdecke gestorbener „Fienenpastor von Herdecke“
  • Reinhard Rauball, in Herdecke lebender Vereinspräsident von Borussia Dortmund
  • Werner Richard (1916-1987), Unternehmer, Gründer und Mäzen (Dörken)
  • Lars Ricken, in Herdecke lebender ehemaliger Fußballspieler von Borussia Dortmund
  • Irmingard Schewe-Gerigk, in Herdecke lebende Politikerin, von 1994 bis 2009 Bundestagsabgeordnete
  • Sina Schielke, 1981 in Herdecke geborene Leichtathletin
  • Konrad Schily, in Bochum geborener Arzt und Politiker, Gründer und Präsident der Universität Witten/Herdecke (1982-1999 sowie 2002-2004)
  • Julia Schlecht, 1980 in Herdecke geborene Volleyball-Nationalspielerin
  • Karl Wilhelm Specht, 1894 in Herdecke geborener Wehrmachtsgeneral
  • Albert Vögler, 1945 in Herdecke verstorbener Industrieller und ehemaliger Besitzer von Haus Ende
  • Wilhelm Volkhart, 1815 in Herdecke geborener Maler
  • Rudolf Vombek, lange in Herdecke lebender und dort 2008 gestorbener Maler des Informel und des Op-Art ähnlichen Konstruktivismus
  • Friedelind Wagner, 1991 in Herdecke gestorbene Präsidentin der Internationalen Siegfried-Wagner-Gesellschaft
  • Mark Warnecke, in Herdecke lebender Schwimm-Weltrekordler
  • Johannes Zirner, 1979 in Herdecke geborener Schauspieler

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfram Mellinghaus: Herdecke um 1800. Winterdruck, Herdecke 1999.
  • Bernd Behrendt, Wolfram Mellinghaus, Olaf Rose: 250 Jahre Stadt Herdecke 1739–1989. Klartext Verlag, Essen 1989, ISBN 3-88474-337-6.
  • Walter Klisch: Herdecke, eine Stadt auf der Suche nach Kohle. (Herdecker Hefte Nr. 5). Hagen. v.d. Linnepe Verlag, 1989, ISBN 3-89431-001-4.
  • Willi Creutzenberg: Herdecke 1930–1950. Bilder aus dem Alltag, Hagen 1994, ISBN 3-930217-07-4.
  • Willi Creutzenberg: Die Steinhauer in Herdecke. Eigenverlag, Herdecke 1995.
  • Willi Creutzenberg (Hrsg.): Bewegte Jahre - Stadtdirektor Oehms Notizen zu Nachkriegszeit und Wiederaufbau in Herdecke. ardenkuverlag, Herdecke 2013, ISBN 978-3-942184-32-8.
  • Olaf Rose, Karl Egon Siepmann: Herdecke und Ende. Ein Album mit Postkarten aus der Kaiserzeit. Beiträge zur Geschichte aus dem alten Kirchspiel Ende. Klartext-Verlag, Essen 1990, ISBN 3-88474-351-1.
  • Wolfram Mellinghaus: Vom Siedlungsplatz zur Stadt. (Herdecker Hefte Nr. 1). Herdecke 1977.
  • Klaus Lange: Die ehemalige Stiftskirche zu Herdecke – Baugeschichte und Bauschichten. Eigenverlag, Herdecke 1997.
  • Gerhard E. Sollbach: Die 200 Jahrfeier der Stadt Herdecke – Heimatfest in nationalsozialistischer Zeit. Eigenverlag, Herdecke 1981.
  • Otto Schnettler: Herdecke an der Ruhr im Wandel der Zeiten. Zur Zweihundertjahrfeier der Stadterhebung 1739–1939. Verlag Wilh. Ruhfus, Dortmund 1939.
  • Herdecker Heimat- und Verkehrsverein: Herdecker Blätter. Geschichte, Informationen, Geschichten. Winterdruck. Herdecke. (regelmäßig erscheinende Zeitschrift, 1992 bis heute)
  • B. Brecker, B. Conjaerts, F. Krusenbaum, G. Niermann, K. Zittinger: Ende: Kirchspiel, Gemeinde, Herdecker Ortsteil. hrsg. von der Evang. Kirchengemeinde Ende. Eigenverlag, Herdecke 2002.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Herdecke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Herdecke – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 3. September 2014. (Hilfe dazu)
  2. a b Stadt Herdecke: Umweltbericht Herdecke, 2004
  3. Herdecke. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 8, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien 1885–1892, S. 413.
  4.  Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster Westfalen 1977, ISBN 3-402-05875-8, S. 244.
  5. Die Landeswahlleiterin des Landes Nordrhein-Westfalen
  6. CDU-herdecke.de
  7. LDS NRW. Mai 2005.
  8. NRW-Bahnarchiv