Heribert Meisel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Heribert Meisel (* 15. Oktober 1920 in Baden bei Wien; † 31. Oktober 1966 in Wien) war ein österreichischer Sportjournalist. Am 14. August 1963 moderierte er die erste Ausgabe der ZDF-Sendung das aktuelle sportstudio.

Leben[Bearbeiten]

Schon als Gymnasiast, so wird berichtet, verfasste er seine ersten Sportberichte für eine Soldatenzeitung. Die journalistische Karriere Meisels begann 1945 bei der Salzkammergut Zeitung. Ab 1946 war er beim US-amerikanisch kontrollierten Radiosender Rot-Weiß-Rot, wo er ursprünglich aushilfsweise von einem Radrennen berichtete und die Gelegenheit nutzte, um auf sich aufmerksam zu machen. Nach der Auflösung des Senders 1955 schloss er sich dem weiland noch als Österreichisches Rundspruchwesen firmierenden Österreichischen Rundfunk als Sportkommentator an. Von 1954 bis zu seinem Tod war er auch Leiter des Sportressorts des Kurier und Sportkommentator beim österreichischen Rundfunk. Zwischen 1952 und 1961 hatte er vier kleinere Rollen in Spielfilmen inne, vor allem als Reporter.

1954 berichtete Meisel, assistiert von Edi Finger, für Österreich von der Fußballweltmeisterschaft in der Schweiz, wo er im selben Hotel wohnte wie der zwei Jahre ältere deutsche Herbert Zimmermann vom NWDR. Nach dem deutschen Halbfinal-6:1 gegen Österreich, aber noch vor dem Finale meinte Zimmermann, dass bald ein ganz besonderes Spiel „Deutschland gegen die übrige Welt“ fällig sei. „Als ich das hörte, konnte ich in dem Hotel nicht länger wohnen bleiben“, berichtete Meisel. „Ich zog aus …“.[1]

Im Oktober 1961 erfand Meisel anlässlich eines 2:1 Sieges bei einem Ländermatch gegen Ungarn in Wien den seither österreich-typischen dreifachen „Tor-Tor-Tooor“-Ruf. Im Fernsehbereich leitete Meisel 1963 mit seiner innovativen Sendung Sportstammtisch am Montagabend eine neue Ära ein und war im selben Jahr auch erster Moderator der Sendung Das aktuelle Sportstudio des deutschen ZDF. Meisels letzte große Reportage war die Berichterstattung vom Match gegen England auf dem weiland als schier heilig angesehenen Rasen des Wembley-Stadions, das Österreich am 20. Oktober 1965 mit 3:2 gewann.

Zuletzt litt Heribert Meisel an Knochenkrebs, schrieb aber vom Spitalsbett aus weiterhin seine Zeitungskolumnen. Nachdem er im Krankheitsverlauf zur Linderung seiner Schmerzen zunehmend unter dem Einfluss schwerer Morphine stand, wurden seine Texte kryptischer und konnten nicht mehr in Druck gehen. Chefredakteur Hugo Portisch wollte vermeiden, dass sein verdienter Mitarbeiter möglicherweise eines Tages die Zeitung aufschlagen würde und die Absenz seiner Kolumne bemerkt. Deshalb ließ er täglich einige Kurier-Exemplare drucken, die nur ins Kaiser-Franz-Josef-Spital geliefert wurden. So konnte der Sportreporter bis zum letzten Tag seines Lebens seine Kommentare lesen. Er starb am 31.Oktober 1966 im Alter von nur 46 Jahren.

Durch den kabarettreifen, aber fachlich durchaus zutreffenden Kommentarstil erreichten Heribert Meisels Hörfunkübertragungen von Fußballspielen in seiner Heimat Kultstatus. Meisels langjähriger Kollege Edi Finger pflegte nach dessen frühen Tod seinen Stil weiter, wiewohl etwas deftiger, und setzte sich selbst mit der legendären Reportage vom Wunder von Cordoba ein Denkmal.

Im Jahr 2006 wurde in Wien im sogenannten Fußballerviertel von Floridsdorf im 21. Bezirk die Heribert-Meisel-Gasse nach ihm benannt.

Bücher von Heribert Meisel[Bearbeiten]

(Auswahl seiner insgesamt 13 Werke)

  • Tor! Toor! Tooor! (1954)
  • Olympia 1960 (1960)
  • Sportkanonen gezaust und gezeichnet (1961)
  • Fussball 1962 (Co-Autor Hans-Jürgen Winkler, Südwest Verlag München, 1962)
  • Olympia 1964 (1964)
  • Fussball 66 (1966)

Filmografie[Bearbeiten]

  • 1952: 1. April 2000
  • 1954: Weg in die Vergangenheit
  • 1958: Menschen, Meter und Sekunden (Dokumentarfilm, Regie)
  • 1959: Menschen in der Spur (Kurzdokumentarfilm, Regie)
  • 1960: Menschen, Hoffnungen, Medaillen (Dokumentarfilm, Regie)
  • 1959: Menschen in der Spur
  • 1961: Ein Stern fällt vom Himmel
  • 1965: Der weiße Rausch – einst und jetzt (Dokumentarfilm, Sprecher)

Tonträger[Bearbeiten]

  • Star-Reporter Heribert Meisel und die Fußball-Fans – Achtung, Schuß und... Tor! (LP)

Zitate[Bearbeiten]

  • „Die Wut im Bauch ist nicht das schlechteste Doping im Sport.“
  • „Der Probst ist ja bei Liebrich so was von aufgehoben, als wäre er ein Wickelkind und der Liebrich seine Mutter.“[2]Radiokommentar zum WM-Halbfinale am 30. Juni 1954 in Basel zwischen Deutschland und Österreich

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Spiegel, 29/1954, S. 26.
  2. [1] Artikel in der Wiener Zeitung

Weblinks[Bearbeiten]