Hering (Otzberg)

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49.8194444444448.9166666666667326Koordinaten: 49° 49′ 10″ N, 8° 55′ 0″ O

Hering
Gemeinde Otzberg
Wappen der früheren Gemeinde Hering
Höhe: 326 m ü. NN
Fläche: 2,88 km²
Einwohner: 1017 (31. Dez. 2005)
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 64853
Vorwahl: 06162
Karte

Lage von Hering in Otzberg

Hering ist ein Ortsteil der Gemeinde Otzberg und hat etwa 1.000 Einwohner.

Der Otzberg mit Hering und der Veste Otzberg
Blick auf Hering, kath. Pfarrkirche
Ehemals freiadliges Haus und Hof am Münchberg des Propstes Graslog vom Kloster Höchst, später Burgmannenhaus der Gans von Otzberg. Am Eingang des Treppenturms ist das Allianzwappen der Gans von Otzberg mit den Herren von Bettendorff angebracht

Bis zur Eingemeindung war Hering die kleinste Stadt Hessens. Sie liegt auf etwa 300 bis 368 Meter Höhe am Otzberg, auf dem die gleichnamige Veste steht. Der Berg ist der übriggebliebene Basaltkegel eines erloschenen Vulkans, dessen Eruptionen einst die geologischen Voraussetzungen für die äußerst fruchtbare Umgebung schufen.

Der Ort Hering besteht aus der Altstadt, die aus der Burgmannensiedlung hervorgegangen ist und dem sich zur Landstraße nach Zipfen/Nauses hinziehenden neueren Ortsteil. Die Altstadt war ehemals ummauert und umschloss den in Serpentinen ansteigenden Weg zum Tor der Burg. Dort gibt es noch einige Burgmannenhöfe, aber auch dichtere Bebauungen. Die Vorstadt ist geprägt von landwirtschaftlich genutzten Höfen und Einfamilienhäusern. Insgesamt weist Hering ein dörfliches Ortsbild auf. Südlich des Luftkurortes wurden einige Ferienhäuser errichtet.

Am 31. Dezember 1971 schloss sich Hering im Zuge der Gebietsreform in Hessen mit fünf weiteren bis dahin selbstständigen Gemeinden zur Gemeinde Otzberg zusammen.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte Herings ist eng mit der Festung auf dem Berg, der Veste Otzberg verknüpft. Dies deutet schon der Name an: Hering lässt sich wohl auf Höhenring zurückführen. Ob dieser Name auf eine eventuelle germanische oder gar keltische Höhenfestung hinweist, lässt sich aufgrund der mangelnden Befunde nur vermuten. Durch den umgreifenden Umbau der Festung im 16. Jahrhundert sind nicht einmal Spuren der mittelalterlichen Burg, vom Bergfried abgesehen, nachzuweisen. Das Schicksal von Berg und Stadt wird somit erst durch Urkunden des Mittelalters greifbar.

Wahrscheinlich gelangte der Berg, wie die gesamte Region, mit dem regionalen Hauptort Groß-Umstadt schon im 8. Jahrhundert zunächst an das Bistum Würzburg, dann an die Abtei Fulda. Diese nutzte wohl schon den Otzberg als Stützpunkt zur Verwaltung ihrer Besitzungen in der Region. Im 12. Jahrhundert erhielten die Pfalzgrafen den Otzberg als Lehen. Spätestens damals begann der massive Ausbau der Burg. Im Bereich der nördlich an diese anschließenden Vorburg entstand eine Burgmannensiedlung, die Hering genannt wurde. In diesem Zusammenhang sollte erwähnt werden, dass man heute zwischen Otzberg als Name der Burg und des Berges und Hering als Name der Siedlung unterscheidet. Im mundartlichen Sprachgebrauch trifft man jedoch auch die Bezeichnung Hering für den Berg und die Burg an. Eine Urkunde aus dem Jahr 1332[2] nennt den zeitweiligen Verkauf der Burg durch die Pfalz an die Herren von Frankenstein, 1374 wurden Burg und Stadt an die Grafen von Hanau verpfändet. In der Zwischenzeit hatte die Burgmannensiedlung offenbar Stadtrechte erhalten. Die eigentliche Verleihung der Stadtrechte ist zwar nicht dokumentiert, aber das erstmals 1322 erwähnte Hering wird in vielen Urkunden als Stadt genannt: 1374 Heringes die stat, 1427 Herynges daz stetlin, 1524 Herings.[3]

Während des Landshuter Erbfolgekrieges (Bayrische Fehde) wurde die Burg 1504 von Hessen, 1522 von Bayern eingenommen. 1526 wurde sie vom Kaiser formal an Hessen übergeben, die Pfalz behielt die Burg jedoch bis nach dem Dreißigjährigen Krieg. 1647 wurde die Veste Otzberg vom französischen Marschall Turenne eingenommen. 1803 wurden Burg und Stadt formal und endgültig hessisch. Verwaltungsmäßig gehört Hering bis 1820 zum Amt Otzberg das ab 1806 zur Provinz Starkenburg des Großherzogtums Hessen gehörte. Bis heute wechselt dann die übergeordnete Verwaltungseinheit mehrfach [3]:

Die zuständige Gerichtsbarkeit war[3]:

In Meyers Konversationslexikon (1888) steht über Hering geschrieben:

Hering, Stadt in der hess. Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg, am Fuß des Otzbergs, auf dem ein festes Bergschloß steht (früher Staatsgefängnis, jetzt unbewohnt), mit (1885) 463 meist evang. Einwohnern.[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen sind[3]:
  • 1633: 82 Einwohner
  • 1784: 223 Einwohner
  • 1829: 478 Einwohner
  • 1939: 461 Einwohner
  • 1961: 579 Einwohner
  • 1970: 750 Einwohner
Hering: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
460
1840
  
537
1846
  
567
1852
  
515
1858
  
505
1864
  
491
1871
  
483
1875
  
470
1885
  
458
1895
  
459
1905
  
460
1910
  
454
1925
  
473
1939
  
461
1946
  
565
1950
  
556
1956
  
536
1961
  
579
1967
  
665
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Musik[Bearbeiten]

  • Herings bekanntester Musikact ist die Band H-Borrm (Heuboden), die auf Odenwälder Mundart das Leben in lustigen „Hausmacher Rock“ verpacken. Bekannte Lieder sind neben dem Hit Brunnebau, in dem in historische Klänge gewandet mit einem Augenzwinkern die Entstehungsgeschichte des Burgbrunnens der Veste Otzberg besungen wird, die Lieder Gisela, Buddekrehm, Rache oder auch Wer wor de Held.
  • Weiterhin wird die Burg vom Odenwälder Shanty-Chor besungen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Naherholungsgebiete[Bearbeiten]

  • Waldspielplatz Hering, der im Volksmund aufgrund der dort aufgestellten hölzernen Spielgeräte und Schutzhütten, auch Indianerspielplatz genannt wird
  • Minigolfplatz am Fuße des Otzbergs


Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Otzberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 238
  2. Baur, Ludwig (Hrsg.): Hessische Urkunden aus dem großherzoglichen Hessischen Haus- und Staatsarchive, Band 1: Die Provinzen Starkenburg und Oberhessen von 1016 - 1399, 1860
  3. a b c d „Hering, Landkreis Darmstadt-Dieburg“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde (HLGL), abgerufen am 1. September 2012.
  4. Meyers Konversationslexikon (1888)