Herisau

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Herisau
Wappen von Herisau
Staat: Schweiz
Kanton: Appenzell Ausserrhoden (AR)
Bezirk: Hinterland
BFS-Nr.: 3001i1f3f4
Postleitzahl: 9100
UN/LOCODE: CH HSA
Koordinaten: 738029 / 24966347.3833299.266671745Koordinaten: 47° 23′ 0″ N, 9° 16′ 0″ O; CH1903: 738029 / 249663
Höhe: 745 m ü. M.
Fläche: 25.17 km²
Einwohner: i15'222 (31. Dezember 2012)[1]
Einwohnerdichte: 605 Einw. pro km²
Gemeindepräsident: Renzo Andreani (SVP)
Website: www.herisau.ch
Blick auf Herisau

Blick auf Herisau

Karte
Kanton Appenzell Innerrhoden Kanton Appenzell Innerrhoden Kanton St. Gallen Kanton St. Gallen Bezirk Mittelland Bezirk Vorderland Herisau Hundwil Schönengrund Schwellbrunn Stein AR Urnäsch WaldstattKarte von Herisau
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Herisau ist eine politische Gemeinde im Bezirk Hinterland des Kantons Appenzell Ausserrhoden in der Schweiz. Herisau ist Sitz des Kantonsparlaments und der Kantonsregierung von Appenzell Ausserrhoden und gilt neben Trogen de facto als Hauptort des Kantons.

Herisau wurde zur Alpenstadt des Jahres 2003 gekürt.

Geographie[Bearbeiten]

Die Hinterländer Gemeinde Herisau liegt etwas südlich von St. Gallen an der Glatt, am Jakobsweg von Rorschach nach Einsiedeln.

Nachbargemeinden von Herisau sind St. Gallen, Stein, Hundwil, Waldstatt, Schwellbrunn, Degersheim, Flawil und Gossau.

Politik[Bearbeiten]

Legislative[Bearbeiten]

Die Legislative in Herisau ist der Einwohnerrat. Er besteht aus 31 Mitgliedern und wird alle vier Jahre durch das Volk neu gewählt (Proporz).

6
5
3
8
9
Von 31 Sitzen entfallen auf:

Exekutive[Bearbeiten]

Die Exekutive in Herisau ist der Gemeinderat. Er besteht aus sieben Mitgliedern und wird alle vier Jahre durch das Volk neu gewählt (Majorz).

Mitglieder des Herisauer Gemeinderates[2] (2011–2015)
Name Partei
Regula Ammann-Höhener (seit 2004) Forum
Renzo Andreani (Gemeindepräsident, seit 2014) SVP
Max Eugster (seit 2006) SP
Annette Joos-Baumberger (seit 2006) FDP
Sandra Nater-Schönenberger (seit 2014) FDP
Ursula Rütsche-Fässler (seit 2006) CVP
Hans Stricker (seit 2002) SVP

Geschichte[Bearbeiten]

Herisau wurde 837 erstmals erwähnt. Die Gegend gehörte zum Kloster Sankt Gallen. Zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert wurden auf dem Gebiet um Herisau drei Burgen (Urstein, Rosenberg und Rosenburg) durch die Herren von Rorschach (Rosenberg) errichtet.[3] Von diesen drei Festungsanlagen existieren heute nur noch Ruinen. Die ehemalige Rosenburg oberhalb vom Ortsteil Ramsen wird heute Ruine Ramsenburg genannt, ihre Überreste wurden 1937 restauriert.

In den Appenzellerkriegen löste sich der Ort 1433 von Sankt Gallen. Während der Reformation wurde Herisau reformiert und deshalb im Rahmen der Landteilung Teil von Appenzell Ausserrhoden. Hauptort war zunächst Trogen. Herisau erhielt Teile dieser Funktion erst 1877.

1648 trennte sich Schwellbrunn und 1719 auch Waldstatt von Herisau.

Das Textilgewerbe war seit dem 16. Jahrhundert wichtigste Quelle des relativen Wohlstandes der Gemeinde. Einzelne im Leinwandhandel tätige Familien machten damit zeitweise ein beträchtliches Vermögen. Daher fanden von 17. bis zum 19. Jahrhundert 17 Goldschmiede in Herisau ihr Auskommen. Von ihren Arbeiten sind nebst verschiedenen Abendmahlskelchen, vor allem Patengeschenke (Löffel) und vereinzelt Hoheitszeichen (Weibelschilde) erhalten geblieben.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungszusammensetzung[Bearbeiten]

Die 15'421 Einwohner von Herisau setzten sich wie folgt zusammen (Stand: 31. Dezember 2013):[4]

Konfessionen:

  • evangelisch-reformiert: 38,6 %
  • römisch-katholisch: 31,1 %
  • andere / ohne: 30,3 %

Geschlechter:

  • weiblich: 49,88 %
  • männlich: 50,12 %

Ausländeranteil: 20,5 %

Altersstruktur (Stand 2011):

  • 0–19 Jahre: 19,8 %
  • 20–64 Jahre: 62,8 %
  • Über 64 Jahre: 17,4 %

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Die Herisauer Bevölkerung hat sich wie folgt entwickelt:[5]

Jahr Einwohner Schweizer  % deutschsprachig  % protestantisch  % römisch-katholisch
1667 3021
1734 4816
1780 5933
1813 6863
1830 7014
1850 8387 8189 97.1% 2.9%
1870 9705 9481 92.9% 6.2%
1888 12’937 12’082 98.9% 87.7% 12.0%
1900 13’497 12’426 98.1% 84.9% 14.7%
1910 15’336 13’550 95.0% 81.4% 18.0%
1930 13’599 12’784 98.4% 82.8% 16.6%
1950 13’407 12’819 97.6% 80.6% 18.6%
1970 14’597 12’128 86.0% 66.3% 31.3%
1990 15’624 12’731 84.6% 55.3% 34.1%
2000 15’882 12’535 87.0% 48.3% 32.1%
2010 15’236 12’353

Kantonsverwaltung[Bearbeiten]

Der Regierungsrat und der Kantonsrat haben ihren Sitz in Herisau. Obwohl der Kanton Appenzell Ausserrhoden laut Kantonsverfassung keinen Kantonshauptort kennt, teilen sich diesen Status de facto Trogen (Sitz der Judikative) und Herisau (Sitz der Legislative, der Exekutive und des Polizeiwesens).

Herisau um 1900

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Dorfkern. Da Herisau ein Marktflecken war, erinnert dieser Ortsteil an eine Altstadt.
  • Reformierte Pfarrkirche St. Laurentius (erbaut 1516–1520, spätgotisch, barocke Glocke aus dem ehemaligen Kloster Salem, Abendmahlskelch von Christoph Laminit, Memmingen
    Abendmahlskelch von Christoph Laminit
    )
  • Das aus einer alten Mühle hervorgegangene und 1778 zur Textildruckerei erweiterte Schwarze Haus ist ein frühes Industriedenkmal. Heute dient es als Wohnhaus.
  • Der Weiler Schwänberg gilt als die älteste Siedlung des Appenzellerlandes. Sehenswert ist beispielsweise das so genannte alte Rathaus - das Wohnhaus eines Söldnerhauptmanns aus dem Dreissigjährigen Krieg.

Einige Gebäude im Ortskern und auf dem übrigen Gemeindegebiet von Herisau (vergl. Weiler Schwänberg) sind auf der Liste der Kulturgüter von nationaler Bedeutung im Kanton Appenzell Ausserrhoden.

Herisau, historisches Zentrum (2011)

Wirtschaft[Bearbeiten]

Wegen der ausreichend vorhandenen Wasserkraft wurde das Appenzellerland schon früh industrialisiert und einige bedeutende Firmen (u. a. die Huber+Suhner AG oder die Metrohm AG) haben ihren Sitz in Herisau.

Eisenbahnbrücke der Südostbahn

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Witschi: Schweizerische Kunstführer GSK, Band 668: Das Schwarze Haus am Glattbach, ein Herisauer Industriedenkmal, Bern 1999, ISBN 3-85782-668-1
  • Angelo Steccanella: Herisauer Goldschmiede[6]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Gemeinderat auf der Website der Gemeinde Herisau, abgerufen am 1. August 2014
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatHerisau; 1 Bis zu den Appenzellerkriegen. HLS, abgerufen am 10. Oktober 2011.
  4. Herisau in Zahlen. Abgerufen am 19. August 2014.
  5. Thomas Fuchs: Herisau im Historischen Lexikon der Schweiz
  6. online: Herisauer Goldschmiede (PDF; 694 kB)