Herkogamie

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Blüte des Kapernstrauchs (Capparis spinosa) mit durch ein Gynophor über die Ebene der Staubgefäße erhobenen Fruchtknoten

Als Herkogamie wird in der Botanik die räumliche Trennung von männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen innerhalb einer Blüte bezeichnet. Diese dient der Vermeidung von Selbstbestäubung und der Förderung der Fremdbestäubung. Die Herkogamie stellt als Mechanismus dabei eine Alternative zur Diklinie, also der Bildung getrenntgeschlechtlicher Blüten dar.

In den meisten Fällen liegt bei Herkogamie die Narbe in der Anflugbahn eines die Blüte besuchenden Insekts, so dass von einer anderen Blüte mitgebrachter Pollen hier abgeladen wird, bevor an den Staubgefäßen neuer Pollen aufgenommen wird. Anatomisch kann dies durch eine starke Verlängerung des Griffels oder durch das Anheben des gesamten Gynoeceums durch ein Gynophor, eine Verlängerung der Blütenachse, erreicht werden. Bei manchen Pflanzenarten wie der Gauklerblume (Mimulus) ist die Herkogamie mit einer durch Berührung ausgelösten Bewegung (Thigmonastie) verbunden, die die Narbe nach dem Besuch eines Insekts verschließt oder aus der Anflugbahn bewegt, so dass eine Bestäubung beim Abflug des Insekts verhindert wird.

Eine andere Form der Herkogamie stellt die Heterostylie dar, bei der innerhalb einer Art verschieden gestaltete Blüten vorkommen, wobei in einem Typ die Positionen der männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane im Vergleich zum anderen jeweils vertauscht sind, so dass in einem Blütentyp am Insekt abgelagerter Pollen nur im anderen Typ in Kontakt mit der Narbe kommt.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Peter Leins, Claudia Erbar: Blüte und Frucht. Aspekte der Morphologie, Entwicklungsgeschichte, Phylogenie, Funktion und Ökologie. Schweizerbart, Stuttgart 2000, ISBN 3-510-65194-4, S. 145–151.