Herleshausen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Herleshausen
Herleshausen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Herleshausen hervorgehoben
51.00611111111110.165263Koordinaten: 51° 0′ N, 10° 10′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Kassel
Landkreis: Werra-Meißner-Kreis
Höhe: 263 m ü. NHN
Fläche: 59,52 km²
Einwohner: 2828 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 48 Einwohner je km²
Postleitzahl: 37293
Vorwahl: 05654
Kfz-Kennzeichen: ESW, WIZ
Gemeindeschlüssel: 06 6 36 005
Gemeindegliederung: 11 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Bahnhofstraße 15
37293 Herleshausen
Webpräsenz: www.herleshausen.de
Bürgermeister: Burkhard Scheld (Parteilos)
Lage der Gemeinde Herleshausen im Werra-Meißner-Kreis
Werra-Meißner-Kreis Hessen Sontra Waldkappel Hessisch Lichtenau Gutsbezirk Kaufunger Wald Großalmerode Berkatal Meißner Neu-Eichenberg Witzenhausen Herleshausen Ringgau Wehretal Weißenborn Eschwege Wanfried Meinhard Bad Sooden-Allendorf Niedersachsen Thüringen Landkreis Hersfeld-Rotenburg Schwalm-Eder-Kreis Landkreis KasselKarte
Über dieses Bild

Herleshausen ist eine Gemeinde im Werra-Meißner-Kreis in Hessen (Deutschland).

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Herleshausen liegt nördlich eines Abschnitts der Grenze zu Thüringen in dem waldreichen Gebiet zwischen Ringgau im Nordwesten und Thüringer Wald mit dem Naturpark Thüringer Wald im Südosten. Nach Süden wird das Gemeindegebiet durch den Flusslauf der Werra begrenzt. In der Gemarkung von Herleshausen liegt etwa einen Kilometer nordöstlich der Ortslage auf dem Hochplateau des Kielforst der Siegelshof.

Herleshausen grenzt an das Gebiet der kreisfreien thüringischen Stadt Eisenach, deren Kernstadt etwa 10 km ost-südöstlich liegt. Bis zur Kreisstadt Eschwege sind es in Richtung Nord-Nordwesten rund 22 km und bis nach Kassel (nächste Großstadt) nach Nordwesten zirka 60 km (Entfernungen jeweils Luftlinie).

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Herleshausen grenzt im Norden an die Gemeinden Ringgau (Werra-Meißner-Kreis) und Ifta (Wartburgkreis in Thüringen), im Osten an die Stadt Creuzburg und die Gemeinde Krauthausen (beide im Wartburgkreis), im Südosten an die Stadtteile Wartha und Göringen der Stadt Eisenach, im Süden an die Gemeinde Gerstungen (Wartburgkreis) sowie im Westen an die Stadt Sontra (Werra-Meißner-Kreis).

Gliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde besteht aus den elf Ortsteilen Altefeld, Archfeld, Breitzbach, Frauenborn, Herleshausen, Holzhausen, Markershausen, Nesselröden, Unhausen, Willershausen und Wommen.

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bei der Bürgermeisterwahl am 17. Juni 2012 wurde Burkhard Scheld (parteilos für die SPD) mit 54,3 % der Stimmen zum Nachfolger des langjährig amtierenden Bürgermeisters Helmut Schmidt (SPD) gewählt.[2]

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis: [3]

Kommunalwahl 2011
 %
50
40
30
20
10
0
40,7 %
34,7 %
24,6 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-8,4 %p
+2,3 %p
+6,1 %p
Parteien und Wählergemeinschaften  %
2011
Sitze
2011
 %
2006
Sitze
2006
 %
2001
Sitze
2001
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 40,7 6 49,1 9 53,3 10
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 34,7 5 32,4 6 30,7 6
WSRG Wählergemeinschaft Südringgau 24,6 4 18,5 4 16,0 3
Gesamt 100,0 15 100,0 19 100,0 19
Wahlbeteiligung in % 60,0 65,0 66,9

Interkommunale Zusammenarbeit[Bearbeiten]

Zusammen mit den Nachbargemeinden Sontra (Werra-Meißner-Kreis) und Nentershausen (Kreis Hersfeld-Rotenburg) wurde am 14. Oktober 2006 der Zweckverband Interkommunale Zusammenarbeit gegründet. Hieraus entwickelt sich eine enge Kooperation dieser drei Gemeinden mit teilweise bereits übergeordneter Erledigung in Eigenverantwortung von gemeinsamen Aufgaben aus den Bereichen Wirtschaft, Kultur (Bildung), Freizeitgestaltung (Tourismus) und Landwirtschaft.

Partnerschaften[Bearbeiten]

Herleshausen unterhält partnerschaftliche Beziehungen zur französischen Gemeinde Cléder in der Bretagne und zum unmittelbar angrenzenden thüringischen Ort Lauchröden, einem Ortsteil von Gerstungen.

Geschichte[Bearbeiten]

Autobahngrenzübergangsstelle Herleshausen (1980er Jahre)

Herleshausen wurde im Jahre 1019 erstmals als Herleicheshuson in einer Schenkungsurkunde erwähnt, spätere Erwähnungen sind Herlecheshusin (1229), Herleshusen (1268) und Herlshusin (1423).[4] In der Schenkungsurkunde wurde der Ort dem Kloster Kaufungen übereignet, unter dessen Verwaltung das Dorf bis zur Säkularisation der hessischen Klöster im Jahre 1527 verblieb. Dann kam es an die Landgrafen von Hessen-Kassel, die es als Lehensgut an die Familie Reckeroth und nach ihnen an die Familie Wersebe gaben.

Rudolf von Reckeroth errichtete ein kleines Schloss; ihm folgte die Familie von Wersebe. Ende des 17. Jahrhunderts übernahm Landgraf Philipp von Hessen-Philippsthal Schloss und Gut und erhielt beides später von seinem Bruder, Landgraf Karl, als Schenkung.

Beim Novemberpogrom vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die 1846 erbaute und 1928 grundlegend sanierte Synagoge des Ortes völlig zerstört. Die Ruine wurde 1939 beseitigt.[5] Seit 2008 erinnert eine Gedenktafel an das einstige Gotteshaus.

Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde Herleshausen nach dem Zweiten Weltkrieg, als hier mit dem Grenzübergang Wartha/Herleshausen einer der wenigen mit Auto zu passierenden Grenzübergänge in die DDR eingerichtet wurde. Am 16. Januar 1956 traf im Bahnhof Herleshausen der letzte Eisenbahntransport mit 602 Spätheimkehrern aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft ein.

Frauenborn gehört seit dem 1. April 1969 zu Herleshausen.[6] Am 1. Dezember 1970 erfolgte der freiwillige Zusammenschluss der Gemeinden Altefeld, Archfeld, Breitzbach, Herleshausen (mit Frauenborn), Holzhausen, Markershausen, Nesselröden, Unhausen, Willershausen und Wommen zur Großgemeinde Herleshausen mit damals 3696 Einwohnern.[7] 40 Jahre später ist die Einwohnerzahl auf weniger als 3.000 gesunken.

Am 4. November 2013 wurden in der Gemeinde neunzehn Stolpersteine zum Gedenken an die in der Zeit des Nationalsozialismus ermordeten jüdischen Bewohner des Ortes verlegt.[8]

Panorama von Herleshausen – Aufgenommen von der Ruine Brandenburg

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen zeigt im roten Schild eine silberne, zu beiden Seiten in spitzbedachten silbernen Rundtürmen endende Zinnenmauer mit goldenem geschlossenem Tor, die von einem Turm mit doppelter welscher Haube überragt wird (Burgkirche).

Die Zinnen symbolisieren die ehemalige Wehrmauer um den Herleshäuser Kirchhof, der überragt wird vom Chorturm der um 1300 ursprünglich erbauten Wehrkirche, der heutigen Pfarrkirche. Die Farben Rot und Weiß sind die hessischen Landesfarben. Genehmigt wurde das Wappen 1984 vom Hessischen Innenministerium.

Bauwerke[Bearbeiten]

Schloss Augustenau[Bearbeiten]

Gut Hohenhaus in Holzhausen

Nach der Einführung der Reformation und der Säkularisation der Klöster in Hessen gab Landgraf Philipp der Großmütige das Gut Herleshausen seinem Truppenführer Georg von Reckrodt zum Lehen, der sich dort im Jahr 1539 das Schloss „Steinstock“ baute. Nach Reckrodts Tod 1558 folgten ihm als Lehnsmannen die von Wersabe, welche die Anlage durch den Anbau von zwei Flügeln vergrößerten. Als die Wersabes 1678 im Mannesstamm ausstarben, fielen Schloss und Gut Herleshausen als erledigtes Lehen an Landgraf Karl von Hessen-Kassel zurück, der es seinem Bruder Philipp zunächst als Lehen und später zum Eigentum übertrug. Seitdem sind Schloss und Gut im Besitz der Familie Hessen-Philippsthal-Barchfeld. 1821 erhielt das Schloss den Namen „Augustenau“, nach der früh verstorbenen Gemahlin des Landgrafen Carl, Auguste von Hohenlohe-Ingelfingen.

Kriegsgräberstätte Herleshausen[Bearbeiten]

In der Herleshausener Kriegsgräberstätte liegen 1.593 meist sowjetische Kriegsgefangene begraben, die vor allem im ehemaligen Stalag IX B an der Straße nach Frauenborn verstarben.[9]

Verkehr[Bearbeiten]

Haltepunkt Herleshausen, 1983

Herleshausen besitzt einen Haltepunkt an der Bahnstrecke Halle–Bebra zwischen Eisenach und Bebra. Dort wurden nach dem Besuch von Konrad Adenauer in Moskau am 16. Januar 1956 die letzten Kriegsgefangenen entlassen. 1962 bis 1991 wurde Herleshausen umfahren, um Gerstungen von der DDR aus ohne Grenzüberschreitung zu erreichen. Der nächstgelegene Anschluss an das IC- und ICE-Netz der Deutschen Bahn besteht am Bahnhof Eisenach.

Durch das Gemeindegebiet führt die A 4 mit den Anschlussstellen Herleshausen und Wommen (die nur in eine Richtung von und nach Osten befahren werden kann). Die Raststätte Herleshausen wurde 2005 im Zuge des 6-streifigen Ausbaus abgerissen. An ihrer Stelle wurde im Jahr 2010 der Parkplatz Burgberg errichtet, in Fahrtrichtung Dresden ist seit 2013 die Autobahnraststätte Werratal-Süd in Bau. Bei Wommen soll zukünftig die A 44 von der A 4 abzweigen.

An der Autobahnanschlussstelle Wommen mündet die Bundesstraße 400.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. http://www.statistik-hessen.de/themenauswahl/wahlen/daten/direktwahlen/herleshausen/1848/index.html aufgerufen am 18. Juni 2012
  3. Wahlergebnisse auf hsl.de
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format„Herleshausen, Werra-Meißner-Kreis“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde (HLGL), Stand: 26. Februar 2014, abgerufen am 11. Juli 2014.
  5. Synagoge Herleshausen auf alemannia-judaica.de, aufgerufen am 6. November 2013
  6.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 388.
  7. http://www.herleshausen.de, abgerufen am 20. Januar 2011
  8. In Herleshausen wird mit den ersten Stolpersteinen der jüdischen Opfer gedacht, Thüringische Landeszeitung vom 5. November 2013, aufgerufen am 6. November 2013,
  9. Text der Gemeinde zum Lager (PDF; 2,9 MB)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Herleshausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien