Herlinde Koelbl

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Herlinde Koelbl (* 31. Oktober 1939 in Lindau, Bodensee) ist eine deutsche Fotografin und Dokumentarfilmerin. Sie lebt und arbeitet in Neuried bei München.

Inhaltsverzeichnis

Leben [Bearbeiten]

Herlinde Koelbl wurde in Lindau am Bodensee als Tochter eines Landwirts geboren und wuchs auf dem elterlichen Bauernhof auf. Nach der Schulzeit in Lindau arbeitete sie zunächst zwei Jahre als Gesellschaftsdame einer wohlhabenden Dame in der Schweiz und in England, bevor sie 1960 ein Modestudium in München aufnahm.[1] Die gelernte Modedesignerin kam erst 1976 als Autodidaktin zur Fotografie und arbeitete unter anderem für renommierte Zeitschriften und Zeitungen wie Stern, Die Zeit und New York Times. In der Fachwelt hat sie sich mit diversen Ausstellungen im In- und Ausland einen Namen gemacht.

Herlinde Koelbl zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass sie an ihre Themen konzeptionell herangeht und diese mit ihrem ganz eigenen Blick realisiert. Dabei arbeitet sie bevorzugt und unabhängig an Projekten, die von unter einem bis zu mehreren Jahre dauern können, und beschäftigt sich dann sehr ausführlich nur mit der gewählten Thematik. Parallel zu ihren Büchern und Ausstellungen veröffentlicht sie häufig auch themengleiche Dokumentarfilme.

Erster großer Erfolg in der breiten Öffentlichkeit war der Bildband Das deutsche Wohnzimmer (1980). Es folgten weitere Bildbände wie Männer (1984) und Starke Frauen (1996), die sehr mutige und ehrliche Aktporträts enthalten – sowohl aus Sicht der Fotografin wie auch aus Sicht der Porträtierten. Sehr bemerkenswert ist Koelbls preisgekröntes Werk Jüdische Porträts (1989), dessen eindringliche Ergebnisse mit großem Erfolg auch im Jüdischen Museum Frankfurt, im Spertus Museum in Chicago und zahlreichen anderen Museen ausgestellt waren. Ihr Werk Haare erschien 2007 parallel zur Ausstellung der Bilder in Hamburg.

Ihr bislang größtes Projekt ist eine Langzeitstudie, für die sie von 1991 bis 1998 jährlich 15 Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft fotografierte und interviewte. Unter dem Titel Spuren der Macht – Die Verwandlung des Menschen durch das Amt erschien 1999 ein Bildband, der u. a. die Veränderung von Joschka Fischer, Gerhard Schröder, Angela Merkel, Arnold Vaatz, Frank Schirrmacher, Renate Schmidt, Monika Hohlmeier und Irmgard Schwaetzer darstellt, sowie ein Dokumentarfilm dazu, der auch im Fernsehen ausgestrahlt wurde. 1999 wurde dieser Fernsehfilm mit dem Deutschen Kritikerpreis ausgezeichnet. Die gleichnamige Ausstellung war in Berlin (Deutsches Historisches Museum), in München (Haus der Kunst), in Bonn (Haus der Geschichte) und auf der Art Frankfurt 2002 zu sehen.

2003 drehte sie über Benjamin von Stuckrad-Barre den Dokumentarfilm Rausch und Ruhm, der dessen Weg durch den Drogenentzug zeigt.

2009 wurde zum ersten Mal eine Werkschau mit Koelbls Gesamtwerk in ihrer bislang größten Ausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau präsentiert. Vom 17. Juli bis zum 1. November wurden unter dem Titel „Herlinde Koelbl Fotografien 1976–2009“ 450 teilweise unveröffentlichte Fotografien aus dreißig Jahren ausgestellt.[2]

Auszeichnungen und Ehrungen [Bearbeiten]

Werke [Bearbeiten]

Fernsehfilme [Bearbeiten]

  • Rausch und Ruhm. (ARD, 2003) Dokumentation über den Drogenentzug des Benjamin von Stuckrad-Barre.
  • Die Meute – Macht und Ohnmacht der Medien. (WDR, 2001)[3]
  • Spuren der Macht – Die Verwandlung des Menschen durch das Amt. (ARD, 1999; 90min)

Ausstellungen (Auswahl) [Bearbeiten]

  • Herlinde Koelbl – Kleider machen Leute Deutsches Hygiene-Museum Dresden, 4. Mai bis 29. Juli 2012.
  • Herlinde Koelbl – Mein Blick. Eine Werkschau 1976–2010. Münchner Stadtmuseum, 9. Dez. 2010 bis 10. April 2011.
  • Herlinde Koelbl – Eine Werkschau – Fotografien 1976–2009. Landesmuseum f. Kunst u. Kulturgeschichte / Schloss, Oldenburg 2010.
  • Herlinde Koelbl – Fotografien. Berliner Festspiele/Martin-Gropius-Bau, Berlin 2009.
  • Die Meute: Macht und Ohnmacht der Medien. Haus der Geschichte, Bonn 2003.
  • Spuren der Macht: Die Verwandlung des Menschen durch das Amt. Haus der Geschichte, Bonn 2000.

Literatur [Bearbeiten]

  • Gero von Boehm: Herlinde Koelbl. 8. Juni 2009. Interview in: Begegnungen. Menschenbilder aus drei Jahrzehnten. Collection Rolf Heyne, München 2012, ISBN 978-3-89910-443-1, S. 671–677

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. http://www.munzinger.de/search/document?index=mol-00&id=00000025491&type=text/html&query.key=jCRGeiwf&template=/publikationen/personen/document.jsp&preview=
  2. Herlinde Koelbl – die Meisterin von Schein und Sein, Welt.de, 16. Juli 2009
  3. Rezension bei 3sat online: Ein Dokumentarfilm über Journalisten auf der Jagd

Weblinks [Bearbeiten]