Hermandad

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Als Hermandad (spanisch für „Bruderschaft“; Mehrzahl Hermandades) bezeichnen sich im Spanischen Vereinigungen, die sich gemeinnützigen oder religiösen Zielen widmen. Im Unterschied dazu waren Cofradías („Mitbrüder“) Vereinigungen, deren Mitglieder einer bestimmten Berufsgruppe, einem sozialen Stand oder ethnischer Herkunft angehörten.[1] Da heutige Cofradías diese Einschränkungen nicht mehr machen, werden die Bezeichnungen Hermandad und Cofradía nahezu gleichbedeutend verwendet.

Bis zum Jahr 1835 bestanden in vielen Städten Spaniens örtliche Polizeitruppen, die auch Hermandad genannt wurden.[2] Sie sollten die Sicherheit in ländlichen Gebieten garantieren. In der Zeit von 1476 bis 1498 waren diese Institutionen in Kastilien unter dem Namen Santa Hermandad oder Hermandad general zentral organisiert.

Hermandades und Cofradías als gemeinnützige Vereinigungen[Bearbeiten]

Mitglieder der Cofradía de la Entrada de Jesús en Jerusalén tragen ihren Paso bei der Prozession in Astorga

Im 11. Jahrhundert entstanden in Spanien die ersten Cofradías als Berufsvereinigungen zur Verteidigung der gemeinsamen Interessen ihrer Mitglieder. Damit verbunden war die gemeinsame Durchführung von Gottesdiensten in Kapellen oder an Altaren in den Gemeindekirchen unter dem Patronat der Cofradías.[3]

Die gemeinnützigen Aufgaben der Hermandades und Cofradías waren vor allem:

  • sich um eine angemessene Bestattung von Verstorbenen zu kümmern
  • Krankenhäuser zu betreiben
  • Witwen und Waisen zu unterstützen (nicht nur der eigenen Mitglieder)
  • die Mitgift aufzubringen, um jungen Mädchen eine Heirat zu ermöglichen
  • Gefangene frei zu kaufen
  • in Notzeiten Korn zu verteilen

Diese Tätigkeiten waren immer verbunden mit der Verbreitung des christlichen Glaubens.

Militärische Cofradías widmeten sich – wie die militärischen Orden – der Verteidigung von Landstrichen, die durch die Reconquista erobert worden waren gegenüber Rückeroberungsversuchen durch muslemische Truppen.[4]

Hermandades und Cofradías als religiöse Vereinigungen[Bearbeiten]

Büßer der Cofradía del Lignum Crucis in La Laguna

Ab dem 16. Jahrhundert findet sich die Abhaltung regelmäßiger Prozessionen als Ziel in den Satzungen. Es entstanden die Cofradías Penitenciales („Bußbruderschaften“), deren Hauptanliegen darin bestand, Bußübungen ihrer Mitglieder zu organisieren. Diese bestanden aus einer öffentlichen Beichte, häufig fanden Selbstgeißelung statt.[5] Die Geißelungen wurden im Jahr 1777 durch eine Königliche Verfügung verboten.[6]

Durch Beiträge und Spenden entstanden in den folgende Jahrhunderten Stiftungen zur Finanzierung der Aktivitäten der Hermandades. Im Jahr 1773 wurden in Kastilien 19.024 und in Aragonien 6.557 Cofradías gezählt. Unter der Regierung des Königs Karl III. wurden große Teile der Vermögen der Cofradías eingezogen und der öffentlichen Armenfürsorge und der öffentlichen Witwenversorgung zugeführt.[6]

Im 19. Jahrhundert wurden die Mittel der Toten Hand, zu denen auch die Cofradías zählten, durch die Desamortisation in Spanien eingezogen. Das führte dazu, dass sich viele Hermandades auflösten. Eine Anzahl von Vereinigungen wurden nach dem Regierungsantritt des Königs Alfons XII. im Jahr 1874 neu- oder wiedergegründet. Die Politik während der Zweiten Spanischen Republik führte ab 1931 erneut zur Auflösung von Hermandades.

In den 1950er-Jahren wurden viele Hermandades neu oder erneut gegründet. Die Cofradías waren und sind auch heute noch Vereinigungen von Laien mit dem Ziel gemeinsamer Glaubensausübung.[4] Ihr Tätigkeit besteht heute in der Förderung der Verehrung ihrer Andachtsfigur, die den Schutzpatron, Fürsprecher und Verteidiger der Mitglieder darstellt. Das geschieht durch die Finanzierung neuer Figuren,[7] die Pflege und der Ausstattung der Figuren, ihrer Kapellen und Altare. Nach außen treten die Hermandades und Cofradías durch ihre Prozessionen in Erscheinung, die meist während der Semana Santa stattfinden. Alle Hermandades entwickeln darüber hinaus auch heute noch gemeinnützige Aktivitäten.[4]

Eine Beschränkung auf eine bestimmte Berufsgruppe soziale Schicht, ethnische oder örtliche Herkunft besteht bei den heutigen Hermandades und Cofradías nicht mehr. Sie stehen grundsätzlich allen gläubigen Katholiken und meist auch Katholikinnen offen die nicht von den Sakramenten ausgeschossen sind.

Hermandad del Santísimo de la Santa Iglesia Catedral in La Laguna

Im 17. Jahrhundert kam die heute noch verwendete Bekleidung der Mitglieder auf. Sie besteht meist aus einem spitzen Papierhut (Coroza), dessen Samtbezug in ein Tuch übergeht, das den Kopf, die Schultern und Brust bedeckt. Dieses Tuch hat Augenschlitze und trägt häufig das Wappen der Hermandad. Die Tunika hat farbige Knöpfe. Um sie wird ein geflochtenes farbiges Zingulum als Bauchbinde getragen, gelegentlich auch eine Schärpe.[8] Der Umhang wird im vorderen Bereich des Körpers weit offen getragen damit die Arme frei sind.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • José Antonio Gómez Maldonado: Siglo XIX: Guardia Civil Senior. Universität Jaime I, Castellón de la Plana 2005 (spanisch; PDF-Datei; 960 kB; 272 Seiten auf mayores.uji.es).
  • Braulio Díaz Sampedro: La investigación histórica y jurídica de las cofradías y hermandades de pasión en Andalucía. In: Foro. Nueva época. Nr. 14, 2011, S. 195–222 (spanisch;online auf revistas.ucm.es).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Daniel Jesús Carmona Gutiérrez: Breve exposición sobre las diferencias entre Cofradía, Hermandad y Archicofradía. In: costaleroscalvariocordoba.blogspot.com.es. 18. Mai 2012, abgerufen am 9. November 2014 (spanisch).
  2.  José Antonio Gómez Maldonado: Siglo XIX: Guardia Civil Senior. Universität Jaime I, Castellón de la Plana 2005, S. 81 (spanisch, PDF-Datei; 960 kB; 272 Seiten).
  3. Braulio Díaz Sampedro: La investigación histórica y jurídica de las cofradías y hermandades de pasión en Andalucía. In: Foro. Nueva época. Nr. 14, 2011, S. 195–222, hier S. 198 (spanisch; online auf revistas.ucm.es).
  4. a b c Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatJosé Sánchez Herrero: Orígenes y evuloción de las Hermandades y Cofradías. La Evolución de las Hermandades y Cofradías desde sus momentos fundacionales a nuestros días. Consejo General de HH. y CC. de la Ciudad de Sevilla, vermutlich 1999, abgerufen am 9. November 2014 (spanisch).
  5. Braulio Díaz Sampedro: La investigación histórica y jurídica de las cofradías y hermandades de pasión en Andalucía. In: Foro. Nueva época. Nr. 14, 2011, S. 195–222, hier S. 200 (spanisch; online auf revistas.ucm.es).
  6. a b Braulio Díaz Sampedro: La investigación histórica y jurídica de las cofradías y hermandades de pasión en Andalucía. In: Foro. Nueva época. Nr. 14, 2011, S. 195–222, hier S. 203 (spanisch; online auf revistas.ucm.es).
  7. Joaquín Julio Flores Peña: Antonio Giménez Martínez: De su vida y obra. 2009, abgerufen am 9. November 2014 (PDF-Datei; 85 kB; 10 Seiten, spanisch).
  8. Semana Santa de LaLaguna: Hermandades y cofradías. Junta de Hermandades y Confradías San Cristóbal de La Laguna, abgerufen am 9. November 2014 (spanisch).