Hermann Drechsler

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Hermann Drechsler (* 4. August 1876 in Göttendorf; † 16. August 1951 in Gera) war ein deutscher Redakteur einer Arbeiterzeitung, USPD-Funktionär, Häftling im KZ Buchenwald und Landrat (SPD/KPD).

Leben[Bearbeiten]

Drechsler wurde in einer Arbeiterfamilie als Sohn eines Webermeisters geboren. Nach dem Besuch der Volksschule erlernte er den Beruf des Webers. Danach begab er sich auf Wanderung und verdiente seinen Unterhalt von 1895 bis 1900 in der Schweiz. Dort begründete er den Schweizer Textilarbeiterverband mit. 1900 kam er nach Thüringen zurück, ging nach Gera und wurde dort Arbeitersekretär beim Deutschen Textilarbeiterverband.[1] Von 1907 bis 1919 arbeitete er als Redakteur für die „Reußische Tribüne[2] und war von 1919 bis 1920 Mitglied des Reußischen Landtags. In Gera gab er Arbeiterbildungskurse und wirkte darauf hin, dass die Masse der Geraer Sozialdemokraten sich der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) anschlossen. Im November 1918 war er Mitglied eines Arbeiter- und Soldatenrates in Gera und beteiligte sich im März 1920 an der Niederschlagung des Kapp-Putsches, wobei die antirepublikanischen Militärs die Schlappe bei Zickra hinnehmen mussten. Von 1922 bis 1924 war Drechsler Landrat mit dem Mandat der USPD und befand sich danach im Wartestand. In dieser Funktion ließ er im November 1923 Personen auf dem Weg nach München festnehmen, die sich am Hitlerputsch beteiligen wollten. 1929 wurde er Beigeordneter der Stadt Gera.[1]

Bereits in der Thüringer „NS-Ära Frick“ wurde er 1932 seines Amtes enthoben und 1933 in „Schutzhaft“ genommen und unter Polizeiaufsicht gestellt. Bei der „Aktion Gitter“ im August 1944 wurde er erneut inhaftiert und wurde bis zur „Selbstbefreiung“ Häftling im KZ Buchenwald. Hier wurde er in die KPD aufgenommen und war von 1945 bis 1946 wieder Landrat mit dem Mandat der KPD.

Drechsler war verheiratet. Sein Sohn Erich Drechsler wurde ein Maler, Nervenarzt und Direktor der Psychiatrischen Klinik von Stadtroda.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Die Hypothekarverschuldung von 400 bäuerlichen Anerbengütern im Amtsgerichtsbezirk Schleiz, Schleiz 1931
  • Der deutsche Bauernkrieg : Zeitbilder, Hrsg. Bildungsgenossenschaft Tinz, 1924
  • Aus der Werkstatt der Natur. Gemeinverst. Einf. in die Naturwissenschaften, Berlin : Büchergilde Gutenberg, 1930
  • Aktenstaub : Aus d. Tageb. e. Wohlfahrtsdezernenten, Berlin : Verl. Anst. "Courier", 1932
  • Nickelmann : Heitere Tierfabeln, Jena : Thüringer Verlagsanst. u. Druckerei, [1925][3]

Ehrungen[Bearbeiten]

  • In Gera wurde zu DDR-Zeit eine Straße nach Hermann Drechsler benannt. Heute vielen bekannt durch den Sitz das Finanzamtes.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Röll: Sozialdemokraten im Konzentrationslager Buchenwald 1937–1945, Wallstein-Verlag, 2000, ISBN 3-89244-417-X.
  • Steffen Kachel: Ein rot-roter Sonderweg? Sozialdemokraten und Kommunisten in Thüringen 1919 bis 1949, = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Thüringen, Kleine Reihe Band 29, S. 544

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Wolfgang Röll: Sozialdemokraten im Konzentrationslager Buchenwald 1937–1945, Wallstein-Verlag, 2000, S. 279
  2. http://www.archive-in-thueringen.de/index.php?major=archiv&action=detail&object=bestand&id=21997 Abgefragt 18. Mai 2011
  3. DNB 574686495