Hermann Duncker

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Dieser Artikel beschreibt den 1874 geborenen Politiker Hermann Duncker. Ein 1817 geborener Berliner Kommunalpolitiker gleichen Namens ist unter Hermann Carl Rudolf Duncker zu finden.
20 Pf-Sondermarke der DDR-Post 1974 mit Hermann Duncker-Porträt

Hermann Ludwig Rudolph Duncker (* 24. Mai 1874 in Hamburg; † 22. Juni 1960 in Bernau) war ein deutscher Politiker und Gewerkschaftsfunktionär.

Inhaltsverzeichnis

Leben [Bearbeiten]

Der Sohn eines Kaufmanns besuchte von 1883 bis 1891 das Gymnasium in Göttingen. Ab 1893 studierte er Musikwissenschaften in Leipzig und wurde Mitglied der SPD. Im gleichen Jahr brach er das Musikstudium ab und begann ein Studium von Nationalökonomie, Geschichte und Philosophie, das er mit einer Promotion abschloss. Danach war er in der Redaktion der Leipziger Volkszeitung tätig. 1898 heiratete er Käte Döll. Seit 1903 war er hauptamtlicher Funktionär der SPD und 1906 ihr erster Wanderlehrer. 1911 war er an der Zentralschule der Partei tätig.

Hermann Duncker war Mitbegründer des Spartakusbundes. 1918 gehörte er zu den Gründern der KPD. Er war Gründer und Leiter der Berliner Marxistischen Arbeiterschule und hat zahlreiche Schriften verfasst. 1927 bis 1928 war er Leiter der Bildungsabteilung des ZK der KPD.

Die Grabplatte für Hermann Duncker in Berlin

Im Nationalsozialismus leistete er in der Illegalität Widerstand, wurde verhaftet und in Spandau und im Zuchthaus Brandenburg eingesperrt. Nach seiner Haftentlassung emigrierte er 1936 nach Dänemark, 1937 nach Großbritannien und 1938 nach Frankreich. Von dort aus wurde er von 1938 bis 1941 in Marokko interniert, anschließend ging er in die USA und gehörte dort zu den Unterzeichnern des Council for a Democratic Germany.

1947 kehrte Duncker nach Deutschland zurück. Dort trat er in die SED ein. Zunächst war er Professor und Dekan der Gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock. Von 1949 bis zu seinem Tode 1960 war Hermann Duncker Direktor der Gewerkschaftshochschule „Fritz Heckert“ in Bernau bei Berlin.

Seine Urne erhielt an der Ringmauer der Gedenkstätte der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde einen Platz.

Sein Sohn Wolfgang Duncker (* 5. Februar 1909) wurde ein Opfer der Stalinschen Säuberungen (1938 verhaftet, 1942 hingerichtet); dessen Frau Erika überlebte mit dem Sohn Boris (geb. 1937 in Moskau) als Arbeiterin in einer Panzerfabrik. Sie kehrte mit ihrer neuen Familie Ende 1945 nach Deutschland, in die SBZ, zurück. Sein älterer Sohn Karl Duncker wurde Psychologe und einer der namhaftesten Vertreter der Gestalttheorie; er nahm sich 1940 im amerikanischen Exil das Leben.

Am 14. September 1953 wurde Hermann Duncker von Wilhelm Pieck als einer der ersten Personen der Karl-Marx-Orden verliehen.

Ehrungen durch Namensverleihung [Bearbeiten]

Orden und Medaillen [Bearbeiten]

Nach Dunckers Tod wurden Mitarbeiter in wissenschaftlichen oder Einrichtungen des FDGB für „herausragende gewerkschaftliche Leistungen“ mit der Hermann-Duncker-Medaille geehrt.

Straßenbenennungen [Bearbeiten]

Hermann Duncker-Denkmal in Rostock

Im Ortsteil Berlin-Karlshorst war zur DDR-Zeit (ab 1961) eine Straße nach ihm benannt, die jedoch nach dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik im Jahr 1992 wieder in Treskowallee zurückbenannt wurde.

In Leipzig-Neulindenau gibt es die Doktor-Hermann-Duncker-Straße.[1]Das umgebende Gebiet wird „Duncker-Viertel“ genannt.

In der Lutherstadt Wittenberg gibt es ebenfalls eine Hermann-Duncker-Straße.[2]

Schließlich findet sich auch in Bernau bei Berlin eine Hermann-Duncker-Straße.[3]

In Bad Saarow gibt es ebenfalls eine Hermann-Duncker-Straße.[4]

Ebenfalls gab es bis zur Wende in Tangerhütte eine Hermann-Duncker-Str. die aber nach dem Mauerfall in Schulstraße umbenannt wurde.

Schul- oder Betriebsnamen [Bearbeiten]

Die jetzige evangelische Grundschule Berlin-Lichtenberg hieß zu DDR-Zeiten Hermann-Duncker-Oberschule. In Schierke im Harz gab es das FDGB-Erholungsheim Hermann Duncker. Auch im Gothaer Stadtteil Siebleben, zu DDR-Zeiten Gotha IV, trug die 1982 eröffnete Polytechnische Oberschule den Namen POS Hermann Duncker. Nach der Wende wurde sie nach dem Gothaer Verleger in Justus-Perthes-Oberschule umbenannt. Heute ist sie die Grundschule Gotha-Siebleben.[5]

Von den 1970ern bis 1990 hieß ein optischer Betrieb in Rathenow VEB Augenoptik ‚Hermann Duncker‘ .[6]

Denkmale [Bearbeiten]

In Berlin-Karlshorst befindet sich in einer kleinen Grünanlage in der Nähe des Bahnhofs Karlshorst ein von dem Bildhauer Walter Howard angefertigtes und 1976 aufgestelltes Denkmal, das unter Schutz steht.[7] In Rostock erinnert ebenfalls ein Denkmal an Hermann Duncker auf dem nach ihm benannten Platz an der Langen Straße. Auch dieses Bronzemonument wurde nach Vorlagen von Walter Howard angefertigt.

Veröffentlichungen [Bearbeiten]

  • Das Recht auf das Leben. 1896
  • Gewerkschaft und Klassenkampf. 1898
  • Utopisten. 1909
  • Was heißt Sozialismus? 1909
  • Eine soziale Dichtung aus dem Altertum. 1910
  • Das Programm der betrogenen Betrüger. 1923
  • Das Abc des kapitalistischen Profits. 1925
  • Über den Kampf Rosa Luxemburgs gegen den Reformismus. 1925/26

Literatur [Bearbeiten]

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Hermann Duncker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Lage der Dr.-Duncker-Straße auf dem online-Pharus-Plan von Leipzig
  2. H.-Duncker-Straße im Straßenkatalog Wittenberg
  3. H.-Duncker-Straße auf dem online-Pharus-Plan in Bernau
  4. Hermann-Duncker-Straße in Bad Saarow auf google.maps
  5. Website der Schule in Gotha
  6. Information zum VEB Optik in Rathenow, abgerufen am 11. Oktober 2011
  7. Landesdenkmalliste Berlin: Hermann-Duncker-Denkmal