Hermann Ebbinghaus

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Hermann Ebbinghaus

Hermann Ebbinghaus (* 24. Januar 1850 in Barmen; † 26. Februar 1909 in Halle/Saale) war ein deutscher Psychologe. Er gilt als Pionier der kognitiv-psychologischen Forschung. Ebbinghaus begründete die experimentelle Gedächtnisforschung mit seinen Arbeiten zur Lern- und Vergessenskurve und bereitete den Weg für die empirische Lehr-, Lern- und Bildungsforschung. Sein Sohn war der Philosoph Julius Ebbinghaus, sein Enkel war der Philologe Ernst Albrecht Ebbinghaus.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Ebbinghaus wurde 1850 in Barmen (heute ein Teil Wuppertals) als Sohn einer Unternehmerfamilie geboren. Bereits im Alter von 17 Jahren begann er das Studium der Geschichte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn. 1868 wurde er Mitglied des Corps Guestphalia Bonn.[1] Er wandte sich der Philosophie zu. Im Jahr 1870 wurde sein Studium unterbrochen, als er mit der preußischen Armee in den Deutsch-Französischen Krieg zog. Nach diesem kurzen Ausflug in das Militär, beendete Ebbinghaus seine Dissertation über Eduard von Hartmanns Philosophie des Unbewussten und promovierte am 16. August 1873, als er 23 Jahre alt war. In London, in einem Antiquariat, stieß er auf Gustav Fechners Buch Elemente der Psychophysik was ihn dazu bewog, seine berühmte „Gedächtnis-Experimente“ durchzuführen. Nach seiner Promotion besuchte Ebbinghaus England und Frankreich, und gab Nachhilfe für Studenten, um so für seinen Lebensunterhalt aufzukommen.. Er habilitierte sich an der Friedrich-Wilhelms-Universität und wurde dort 1886 Professor.[2]

An der Universität Berlin gründete er das 3. psychologische Testlabor in Deutschland (nach Wilhelm Wundt und Georg Elias Müller). Er begann seine Gedächtnis-Studien hier 1879. Im Jahr 1885 veröffentlichte sein monumentales Werk, Memory: Ein Beitrag zur Psychologie, wobei er als Professor an der Universität von Berlin, am ehesten die Anerkennung dieser Veröffentlichung erhielt.

Im Jahre 1890 gründete er zusammen mit Arthur König die psychologische Zeitschrift für Physiologie und Psychologie der Sinnesorgane (Die Psychologie und Physiologie der Sinnesorgane).

In seinem berühmten Disput mit Wilhelm Dilthey verteidigte er die experimentelle Psychologie gegenüber der verstehenden Psychologie.

1894 wurde er bei der Beförderung zum Leiter der Philosophischen Abteilung übergangen - vermutlich aufgrund von fehlenden Veröffentlichungen. An seiner Stelle wurde Carl Stumpf berufen. Als Resultat verließ Ebbinghaus Berlin und ging an die Universität Breslau (heute Wrocław, Polen), wo Theodor Lipps Lehrstuhl frei geworden war. Während seiner Zeit in Breslau arbeitete in einer Kommission, welche die abnehmende Aufmerksamkeit während eines Schultages beobachtete. Die Einzelheiten, wie dieser metalen Fähigkeiten gemessen wurden, sind leider verloren gegangen. Jedoch dienten die erzielten Ergebnisse der Kommission als Grundlage für zukünftige Intelligenztests. In Breslau gründete Ebbinghaus ein weiteres psychologische Testlabor.

1896 führte er eine Art Satzergänzungstest mit Schulkindern durch, um die Wirkung von Ermüdung auf die Leistungsfähigkeit zu untersuchen. Er ließ die Lehrer die Begabung der Kinder einschätzen um danach die Ergebnisse einem unteren, mittleren und oberen Drittel zuzuordnen. Dabei stellte er eine bedeutende Beziehung zwischen den Testergebnissen und dem Lehrerurteil fest, ohne mit den damaligen Mitteln eine Korrelation ermitteln zu können. Dies dürfte der erste Test verbaler Intelligenz in einer Gruppe gewesen sein.

1902 publizierte Ebbinhaus sein Werk Die Grundzuge der Psychologie, das ein sofortiger Erfolg war und auch lange nach seinem Tod so blieb. 1904 zog er nach Halle, wo er die letzten Jahre seines Lebens verbrachte. Seine letzte Veröffentlichung Abriss der Psychologie wurde 1908 gedruckt. Auch dieses Buch war ein Best-seller, der in acht unterschiedlichen Editionen erschien.

1905 zog er nach Halle, wo er am 26. Februar 1909 im Alter von 59 Jahren an Lungenentzündung verstarb.[3] Sein Grab befindet sich dort auf dem St. Laurentius-Friedhof.

Ebbinghaus war Begründer der experimentellen Erforschung des Gedächtnisses und Entdecker der Lernkurve und der Vergessenskurve. Ebbinghaus war auch der Erfinder der drei heute noch gültigen psychologischen Messmethoden der Gedächtnisleistung: Wiedererkennungsmethode, Reproduktionsmethode und Ersparnismethode. Neu war sein experimenteller Ansatz, mit dem Lernen von sinnfreien Silben zu operieren, um die Fehler, die sich aus Erfahrungen und Inhalten ergeben, zu minimieren.

Ebbinghaus war der erste der KVK-Trigramme benutzte, um Gedächtnisexperimente unabhängig vom Wortschatz der Versuchsperson durchzuführen.

Die Ebbinghaus Illusion[Bearbeiten]

Die Ebbinghaus Illusion

In der bekanntesten Version dieser Illusion werden zwei Kreise von identischer Größe in der Nähe zueinander angeordnet und einer ist von großen Kreisen umgeben, während der andere von kleineren Kreisen umgeben ist; der erste Zentralkreis erscheint kleiner als der zweite Mittelkreis. Diese Illusion wurde ausführlich in der Forschung in der kognitiven Psychologie verwendet, um mehr über die verschiedenen Wahrnehmungswege in unserem Gehirn zu erfahren.

In der Englisch-sprachigen Welt wurden die Kreise von Edward Bradford Titchener 1901 in einem Buch über experimentelle Psychologie veröffentlicht, daher ihr Alternativ-Name "Titchener circles".

Ebbinghaus und die Geschichte der Psychologie[Bearbeiten]

„Die Psychologie hat eine lange Vergangenheit, doch nur eine kurze Geschichte“, schrieb 1907 der Pionier der Gedächtnisforschung.[4] Dieser Satz mag erstaunen, hat sich doch die Menschheit bereits seit Urzeiten mit psychologischen Fragen befasst. Ebbinghaus spielt jedoch mit seiner Formulierung auf die kurze Zeit an, seit der Psychologie mit naturwissenschaftlichen Methoden betrieben wird.

Trivia[Bearbeiten]

Hans Jürgen Eysenck zitiert in seinem Buch Sigmund Freud – Niedergang und Ende der Psychoanalyse auf Seite 36 – aber ohne Quellenangabe! – einen Ausspruch, den Ebbinghaus in Zusammenhang mit Sigmund Freuds Vorstellungen vom Unbewussten gemacht haben soll:

„Was an diesen Theorien neu ist, ist nicht wahr, und was wahr ist, ist nicht neu.“

Allerdings irrte sich Eysenck in seiner Polemik. Der Satz stammt zum einen aus der Dissertation von Hermann Ebbinghaus[5] Über die Hartmannsche Philosophie des Unbewußten, zum anderen ist der Philosoph Eduard von Hartmann gemeint.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kösener Korps-Listen 1910, 21, 558
  2. Habilitationsschrift: Über das Gedächtnis
  3. Helmut Lück: Geschichte der Psychologie. Strömungen, Schulen, Entwicklungen. Band 1, 4. Auflage. Stuttgart 2009, S. 51
  4. Hermann Ebbinghaus: Psychologie; in: Systematische Philosophie, Berlin/Leipzig 1907, S. 173. Als Separatdruck erschien diese Darstellung erneut 1908 unter dem Titel Abriss der Psychologie im Verlag von Veit & Comp.
  5. Bonn 1873, Seite 67

Weblinks[Bearbeiten]