Hermann Fegelein

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Hermann Fegelein, hier als SS-Standartenführer (1942)

Otto Hermann Fegelein (* 30. Oktober 1906 in Ansbach; † 29. April 1945 in Berlin) war SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Waffen-SS. Er war der Schwager Eva Brauns sowie der ältere Bruder Waldemar Fegeleins und er wird mit zahlreichen Kriegsverbrechen in Verbindung gebracht. Seine Tochter Eva Barbara Fegelein, benannt nach Eva Braun, kam am 5. Mai 1945 zur Welt[1] und starb 1975 durch Suizid.

Leben[Bearbeiten]

Fegelein war ein begeisterter Reiter, der auch mehrfach als Jockey in Erscheinung trat. Nach seiner Ausbildung trat er 1925 in das 17. (Bayerische) Reiter-Regiment ein, das er jedoch 1928 bereits wieder verließ. 1928 wurde Fegelein in die Bayerische Landespolizei München übernommen. Seine Ausbildung absolvierte der Offiziersanwärter erfolgreich, galt bei seinen Vorgesetzten allerdings als einer, dem es nicht immer leichtfiel, seinen Ehrgeiz in gesunde Bahnen zu lenken. Nachdem bekannt geworden war, dass er in das Zimmer eines Vorgesetzten eingedrungen war, um sich in den Besitz von Prüfungsfragen zu setzen, kam im Sommer 1929 das jähe Ende von Fegeleins Polizeikarriere.[2]

In der Folgezeit wandte sich Fegelein völlig dem Nationalsozialismus zu, mit dem er auch in Kontakt kam, da sein Vater, der Oberleutnant Hans Fegelein, der Münchner SA-Standarte I, die nach Januar 1933 den „Ehrennamen“ „SA-Leibstandarte Adolf Hitler“ erhielt, auf dem elterlichen Gut mehrmals Versammlungsräume zur Verfügung stellte. Hermann Fegelein war eine Zeitlang Stallbursche des überzeugten Nationalsozialisten Christian Weber und späteren „Inspekteur der SS-Reitschulen“ und wurde von diesem als Jugendlicher stark beeinflusst.

1931 stellte Hermann Fegelein als SS-Bewerber seinen Antrag zur Aufnahme in die SS. Er wurde schließlich als Staffel-Anwärter bei der damals in München entstehenden berittenen SS-Abteilung eingeschrieben.

Am 1. August 1932 trat Fegelein außerdem der NSDAP (Mitgliedsnr. 1.200.158) und der SA bei, wo er bis zu seiner endgültigen Übernahme in die Reiter-SS bei der Reiter-SA („Münchner Reitersturm 1“) eingesetzt wurde. Nach Ablauf der sechsmonatigen Bewährungszeit als SS-Anwärter wurde Fegelein fest in die SS (SS-Nr. 66.680) übernommen und am 12. Juni 1933 in einer Direktbeförderung zum SS-Sturmführer befördert. Am 20. April 1934 wurde Hermann Fegelein bereits zum SS-Obersturmführer ernannt.

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Nach der Machtübernahme schlossen sich im April 1933 zehn Prozent der Reitervereine und Zuchtanstalten Deutschlands der SS an.[3] Fegelein übernahm dort im Rang eines SS-Hauptsturmführers (seit 9. November 1934) deren Organisation in sogenannten SS-Reiterstandarten – die im Volksmund nur Reiter-SS genannt wurden –, denen sich auch der deutsche Adel anschloss. Fegelein wurde zum Kommandeur der Reiter-SS und das elterliche Gut bei München am 25. Juli 1937 zur SS-Hauptreitschule bestimmt. Im gleichen Jahr gewann er auf „Schorsch“ das Deutsche Spring-Derby in Hamburg. Fegelein wurde von Heinrich Himmler offiziell zum „Führer der SS-Hauptreitschule München“ ernannt und fand sich in der Dienststellung „Stab RFSS“ wieder. Das heißt, dass Fegelein allein dem Reichsführer unterstellt und verantwortlich war. Stellvertreter Fegeleins als „Führer der Hauptreitschule“ wurde sein jüngerer Bruder Waldemar. Im SS-Dienstaltersverzeichnis des Jahres 1938 wurden Hermann und Waldemar Fegelein ebenfalls als Führer der SS-Hauptreitschule aufgeführt. Inspektor aller „SS-Reitschulen“ wurde Fegeleins politischer Mentor Christian Weber.

Als begonnen wurde, aus bewaffneten SS-Verbänden Politische Bereitschaften zu errichten, meldete sich Fegelein am 8. August 1935 freiwillig zum „Wachsturmbann Oberbayern“ des SS-Gruppenführers Theodor Eicke. Fegelein kannte Eicke noch aus seiner Zeit als Kommandeur und „Führer der SS-Brigade Süd“ (1933), dem damals das neu errichtete KZ Dachau unterstand. Fegeleins spätere Reiterstandarte (die SS-Reiterstandarte 15), der er als Kommandeur vorstand, übernahm damals die Außenbewachung des Lagers. Im Stabsgebäude des Wachsturmbanns, das auf dem Gelände des im November 1935 eröffneten Übungslagers Dachau lag und in dem auch ein Schulungsraum untergebracht war, absolvierte Flegelein er seine Ausbildung zum SS-Führer und wurde dort nach erfolgreichem Abschlusslehrgang bzw. -prüfung am 30. Januar 1936 zum SS-Sturmbannführer ernannt. Am 30. Januar 1937 bekam Fegelein die Ernennungsurkunde als SS-Obersturmbannführer und bereits am 25. Juli die Beförderung zum SS-Standartenführer.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges kam 1939 auch der Aufstieg Fegeleins. Am Polenfeldzug nahmen auch berittene SS-Einheiten unter der Führung der Brüder Hermann und Waldemar Fegelein teil. Während der Schlacht um Warschau im September 1939 wurde Hermann Fegelein angeschossen und unter schwerem Feuer von einem Scharfschützen der 31. Infanterie-Division gerettet. Nach der Niederlage Polens am 15. November 1939 wurde in Warschau durch Hermann Fegelein eine Reiterstandarte innerhalb der Totenkopfverbände gebildet. Deren Angehörige entstammten der Reiter-SS und wurden durch berittene Polizeiangehörige unterstützt. Diese Reitereinheit wurde vor allem zur „Bekämpfung von Banden und Partisanen“ eingesetzt, wobei es sich um einen NS-Ausdruck handelt, der zumeist Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung, insbesondere auch die Tötung von Juden, einschloss.[4]

Formal kehrte Hermann Fegelein 1940 nach Berlin zurück, wo er eine Dienststelle im SS-Führungshauptamt übernahm. Dort wurde er als „Inspektor der Kavallerie und des Transportwesens“ eingesetzt. Doch bereits im Frühling 1940 kehrte er offiziell in den Kriegsdienst zurück. Am 21. Mai 1940 wurde die in Warschau aufgestellte SS-Reiterstandarte „Totenkopf“ in zwei Regimenter geteilt, da sie nun auf 12 Schwadronen angewachsen war. Die SS-Totenkopf-Reiterstandarte 1 stand unter dem Kommando Hermann Fegeleins, die SS-Totenkopf-Reiterstandarte 2 unter dem Kommando seines Bruders Waldemar. Doch bereits am 12. November des gleichen Jahres wurden beide Standarten wieder vereinigt und unter der Bezeichnung SS-Kavallerie-Brigade geführt. Diese wurde dem Kommandostab RFSS zugeordnet und unmittelbar Heinrich Himmler „zur besonderen Verwendung“ unterstellt. Die von Hermann Fegelein kommandierte SS-Kavalleriebrigade war mit Beginn des Ostfeldzuges (Juni 1941) in den von der Sowjetunion besetzten ehemals ostpolnischen Gebieten und in der Sowjetunion selbst an sogenannten „Säuberungsaktionen“ beteiligt und zeichnete sich hier durch eine besondere Radikalität ihres Vorgehens aus. Diese durchkämmte vor allem die Pripjetsümpfe nach Juden, deren Ermordung als „Kampf gegen Partisanen“ getarnt wurde. So meldete Hermann Fegelein eine „Erfolgsquote“ von 13.788 Menschen als getötete „Partisanen“; als eigene Verluste führte er zwei Tote und 15 Verwundete an. Von den Ermordeten waren mehr als 90 Prozent Juden. Bis Ende 1941 fielen Fegeleins Kavalleriebrigade rund 40.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder zum Opfer.[5]

Im März 1942 erhielt Fegelein das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Im Mai wechselte er ins Reichssicherheitshauptamt (RSHA); bereits Mitte des Jahres meldete er sich freiwillig zur endgültigen Versetzung in die Waffen-SS zurück. Seine aktiven Dienste innerhalb der Reiter-SS gab Fegelein auf.

Hermann Fegelein wurde im Oktober 1942 offiziell von der Waffen-SS übernommen. Er stellte dort vor allem berittene Einheiten auf, so unter anderem die 8. SS-Kavallerie-Division „Florian Geyer“. Am 21./22. Dezember 1942 wurde Fegelein durch Scharfschützen zweimal schwer verwundet, im Lazarett erhielt er das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes und die Ernennungsurkunde als SS-Oberführer. Am 1. Mai 1943 wurde Fegelein zum SS-Brigadeführer ernannt.

Aufstieg in den engeren Kreis um Hitler und Tod[Bearbeiten]

Bereits am 1. Januar 1944 wurde Hermann Fegelein formal als Verbindungsoffizier der Waffen-SS zum Führerhauptquartier versetzt und der 1. Staffel des OKH/HPA zugeordnet; de facto war er jedoch Kommandant der nach ihm benannten „Kampfgruppe Fegelein“. Nach dem misslungenem Attentat vom 20. Juli, bei dem er nur leicht verletzt wurde, erhielt Fegelein die Schwerter zum Eichenlaub. Im Allgemeinen fiel Fegelein Hitler jedoch mehrfach unangenehm auf – unter anderem durch Alkoholexzesse. Auf Geheiß Hitlers verwarnte ihn Himmler wiederholt und forderte mehr „Loyalität zum Führer“ ein. In den Führungskreisen der Waffen-SS wurde er spöttisch „Flegelein“ genannt. Am 3. Juni 1944 heiratete SS-Gruppenführer Fegelein auf dem Obersalzberg bei Berchtesgaden Margarete „Gretl“ Braun (1915–1987), die jüngere Schwester Eva Brauns, und sicherte sich somit endgültig seinen festen Platz in Hitlers nächster Umgebung. Insbesondere von Hitlers Sekretärinnen Johanna Wolf und Christa Schroeder wurde nach dem Zweiten Weltkrieg behauptet, dass Fegelein und Eva Braun ein Verhältnis hatten.

Fegelein war maßgeblich daran beteiligt, dass Himmler in den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges in völliger Verkennung seiner Position und der politisch-militärischen Lage daran dachte, einen Separatfrieden mit den Westmächten schließen zu können. Mit Himmlers Absetzung Ende April 1945 verlor Fegelein seinen wichtigsten Fürsprecher. Am 27. April verließ er angetrunken in Begleitung zweier Angehöriger der Leibstandarte SS Adolf Hitler die Reichskanzlei. In den frühen Morgenstunden des 29. April wurde er in seiner Berliner Wohnung unter dem Vorwurf der Fahnenflucht verhaftet. Zu diesem Zeitpunkt trug Fegelein Zivil, hatte erhebliche Beträge in Devisen bei sich und war schwer betrunken.

Nach Ian Kershaw hat Fegelein, nachdem er am Abend des 27. April 1945 betrunken, mit einer hohen Summe Bargeld, das in Tüten verpackt war, und in Begleitung einer Geliebten in seiner Wohnung in Charlottenburg angetroffen wurde, noch aus der Wohnung mit Eva Braun telefoniert, damit sie sich für ihn verwende. In diesem Zusammenhang erwähnen Zeitzeugen wiederholt, dass die Bindung zwischen Fegelein und Eva Braun über das zwischen Schwagern übliche Maß hinaus reichte. Fegelein hat in diesem Telefonat auch versucht, Eva Braun zum Verlassen des Bunkers zu bewegen. In die Reichskanzlei zurückgebracht, wurde er degradiert und in einer improvisierten Zelle festgehalten. Während Hitler möglicherweise noch nicht entschieden hatte, was mit Fegelein geschehen solle, wurde bekannt, dass Himmler über Walter Schellenberg und Folke Bernadotte versucht hatte, über Hitler hinweg den westlichen Alliierten die Kapitulation anzubieten. Nachdem Hitler hierüber in Rage geriet und Himmler mitsamt der SS als treulose Verräter bezeichnete, beriet er sich anschließend mit Joseph Goebbels und Martin Bormann. Sofort danach ließ Hitler Fegelein zu sich bringen, beschimpfte ihn, verdächtigte ihn ferner des Versuchs, ihn lebend der Roten Armee zu übergeben, und ließ ihn vor ein hastig aufgestelltes Militärgericht stellen. Im Schnellverfahren, auch als Ersatz für Himmler, der zwar zur Haft ausgeschrieben, aber nicht verhaftet war, wurde Fegelein zum Tod verurteilt und erschossen.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Darstellung im Film[Bearbeiten]

Das Schicksal Fegeleins wird in mehreren Spielfilmen thematisiert: In Der letzte Akt (1955, Regie: Georg Wilhelm Pabst) wurde er von Julius Jonak dargestellt, in Der Untergang (2004, Regie: Oliver Hirschbiegel) von Thomas Kretschmann.

Literatur[Bearbeiten]

  • Volker Riess: Hermann Fegelein – Parvenu ohne Skrupel. in: Ronald Smelser, Enrico Syring (Hrsg): Die SS: Elite unter dem Totenkopf. Paderborn, 2000. ISBN 3-506-78562-1.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ian Kershaw: Hitler. DVA Stuttgart 2000, S. 1049, 1053, mit weiteren Nachweisen. ISBN 3-421-05132-1.
  2. Martin Cüppers: Wegbereiter der Shoah. Die Waffen-SS, der Kommandostab Reichsführer-SS und die Judenvernichtung 1939 – 1945 (Veröffentlichungen der Forschungsstelle Ludwigsburg der Universität Stuttgart, Bd. 4). 2., unveränderte Aufl., Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2011, ISBN 978-3-89678-758-3, S. 28.
  3. Bastian Hein: Elite für Volk und Führer, S. 67
  4. Der Nürnberger Prozeß zeno.org
  5. Vgl. dazu Martin Cüppers (2011), S. 189-214, hier S. 203. Die Angaben beziehen sich ausschließlich auf getötete Juden, zusätzlich noch ermordete russische Kriegsgefangene und nichtjüdische Zivilisten sind darin nicht enthalten.
  6. a b Veit Scherzer: Die Ritterkreuzträger 1939–1945. Scherzers Militär-Verlag, Ranis/Jena 2007, ISBN 978-3-938845-17-2, S. 128.