Hermann Göring

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Hermann Göring während des Nürnberger Kriegsverbrecherprozesses
Unterschrift von Hermann Göring
Hermann Göring kurz nach seiner Festnahme am 9. Mai 1945 vor einer texanischen Flagge. Orden und Ehrenzeichen hatte man ihm für diese Aufnahme zurückgegeben.

Hermann Wilhelm Göring (* 12. Januar 1893 in Rosenheim; † 15. Oktober 1946 in Nürnberg) war ein führender nationalsozialistischer Politiker. Ab Mai 1935 war er Oberbefehlshaber der deutschen Luftwaffe. Göring erlangte im Ersten Weltkrieg einige Bekanntheit und Ansehen als Jagdflieger.

Er nahm am Hitlerputsch (November 1923 in München) teil und trug maßgeblich zum Aufstieg der NSDAP bei. Im August 1932 wurde er zum Reichstagspräsidenten gewählt. Am Tag der Machtübernahme ernannte Hitler ihn zum Reichsminister ohne Geschäftsbereich, Reichskommissar für Luftfahrt und Reichskommissar für das preußische Innenministerium. Am 11. April 1933 wurde Göring auch Ministerpräsident Preußens. In den beiden letzteren Positionen war Göring maßgeblich an der Gleichschaltung und der Verfolgung der Opposition beteiligt, die er mit äußerster Brutalität betreiben ließ. Er war für die Gründung der Gestapo sowie die Einrichtung der ersten Konzentrationslager ab 1933 verantwortlich. Ab Oktober 1936 betrieb er als Beauftragter für den Vierjahresplan die weitere Aufrüstung der Wehrmacht und bereitete so den Krieg vor. Im Juli 1940 – nach dem sehr schnellen Ende des Westfeldzuges – ernannte Hitler Göring zum Reichsmarschall.

In der Öffentlichkeit des In- und Auslands galt Göring bis zum Kriegsende als einer der einflussreichsten NS-Politiker. Tatsächlich verlor er, wie die spätere Erforschung des Innenlebens der NS-Diktatur zeigte, vor und während des Krieges trotz einer Anhäufung von Ämtern und Titeln Schlüsselbefugnisse an konkurrierende NS-Funktionäre wie Heinrich Himmler und Joseph Goebbels. Als Chef der Luftwaffe fiel Göring wegen der Niederlage bei der Luftschlacht um England (Mitte 1940 bis Anfang 1941), der beginnenden verheerenden Bombardierung des Reichsgebiets durch die Alliierten und das Scheitern einer Luftbrücke bei der Schlacht von Stalingrad (Ende 1942) in Misskredit. Am 31. Juli 1941 beauftragte er Reinhard Heydrich mit der Organisation der sogenannten „Endlösung der Judenfrage“.

Ab 1942/43 (Zeit der Kriegswende) zog sich Göring – sowohl auf parteiinternen Druck hin als auch aus eigenem Antrieb – zunehmend ins Privatleben zurück, wo er einen dekadent-luxuriösen Lebensstil pflegte. Viele Ämter führte er ab dann – wenn überhaupt – nur noch repräsentativer Art aus.

Göring war einer der 24 im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof Angeklagten. Er wurde am 1. Oktober 1946 in allen vier Anklagepunkten schuldig gesprochen und zum Tod durch den Strang verurteilt. Durch Suizid entzog er sich der Vollstreckung des Urteils.

Leben[Bearbeiten]

Familie und Herkunft[Bearbeiten]

Göring wurde als Sohn von Ernst Heinrich Göring und Franziska Göring (geb. Tiefenbrunn) in Rosenheim geboren. Die Familie war hier nicht ansässig, der Geburtsort kam durch einen Besuchsaufenthalt der Mutter zustande. Vater Ernst Heinrich war promovierter Jurist und diente unter Otto von Bismarck zwischen 1885 und 1888 als erster Reichskommissar für Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia).

Hermann Göring hatte vier Geschwister: einen älteren Bruder Karl Ernst Göring (* 3. August 1885; † 4. Oktober 1932), zwei Schwestern (Olga Therese Sophie und Paula Elisabeth Rosa), die in Österreich mit Juristen verheiratet waren, und einen jüngeren Bruder, Albert Göring, der die nationalsozialistische Ideologie ablehnte.

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Hermann Göring, 1907

Seine Mutter gab ihn die ersten drei Jahre zur Pflege bei der Familie Graf in Fürth, während sie mit ihrem Mann in Haiti war. 1896 kehrten die Görings nach Deutschland zurück. Die Familie wohnte in den folgenden Jahren in dem Haus Fregestraße 19 in Berlin-Friedenau, das Hermanns Patenonkel, Hermann von Epenstein, gehörte.[1] Danach lebte die Familie Göring auf den Ländereien von Epensteins, eines Arztes jüdischer Herkunft, mit dem sich Görings Vater in Deutsch-Südwestafrika angefreundet hatte. Epenstein stellte der Familie Göring die Burg Veldenstein (ca. 50 Kilometer nordöstlich von Nürnberg) als Wohnsitz zur Verfügung.[2] Hin und wieder besuchte der junge Hermann Göring die Familie Epenstein auf Burg Mauterndorf im Land Salzburg, die er später „die Burg seiner Jugend“ nannte.

Seine Mutter pflegte offen ein Verhältnis mit Epenstein. Bei Besuchen wohnte sie bei ihm, während der Vater abseits untergebracht wurde.[3]

Hermann Göring besuchte von 1898 bis 1903 die Volksschule in Fürth und mit mäßigem Erfolg die Gymnasien in Fürth und Ansbach. Von 1903 bis 1905 lebte er in Ansbach in einem Internat. In „seinen Kinderspielen ging es ständig um Krieg“.[4]

Mit zwölf Jahren schickte ihn sein Vater, der 1913 starb, in das Kadettenhaus in Karlsruhe. 1909 wechselte Hermann Göring an die Hauptkadettenanstalt (Oberstufe) in Lichterfelde bei Berlin. 1911 absolvierte er das Fähnrichsexamen mit Auszeichnung und dem Prädikat „vorzüglich“. Seit März 1912 war er Fähnrich im Infanterieregiment. Im Januar 1913 bestand er das Abitur. Anschließend absolvierte er einen achtmonatigen Kriegsschulkurs, den er mit dem Offiziersexamen abschloss.[5]

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Hermann Göring um 1917 auf einer Fotografie von Nicola Perscheid

Am 10. Januar 1914 wurde er Zugführer beim 4. Badischen Infanterie-Regiment Nr. 112 „Prinz Wilhelm“ in Mülhausen, seit dem 20. Januar 1914 im Range eines Leutnants. Im Ersten Weltkrieg nahm er an einigen der ersten Gefechte im Elsass teil und wurde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. Wegen seines Gelenkrheumatismus wurde er am 23. September 1914 in ein Krankenhaus in Metz, anschließend in Freiburg im Breisgau eingeliefert, wo er von seinem Freund und Regimentskameraden Bruno Loerzer, einem Kampfflieger, überzeugt wurde, der Fliegertruppe beizutreten. Göring verließ ohne Genehmigung das Krankenhaus, wurde am 16. Oktober zur Ausbildung als Beobachter zur Fliegerersatzabteilung 3 in Darmstadt abkommandiert und am 28. Oktober zur Feldfliegerabteilung 25 versetzt.

Er diente kurz darauf als Beobachter in einer Fliegertruppe. Am 25. März 1915 erhielt er das Eiserne Kreuz I. Klasse. Von Juni bis September 1915 wurde er in Freiburg zum Piloten ausgebildet, u. a. von Ludwig Weber. Er wurde im September zur 5. Armee abkommandiert. Am 16. November 1915 errang er seinen ersten Luftsieg. Anfangs eskortierte er Bomberverbände, später wurde er Jagdflieger.

Video von Hermann Göring im Cockpit
Göring, 1932

Am 14. März 1916 schoss er den ersten feindlichen Bomber ab. Nach einer Bruchlandung am 28. September 1916 verbrachte Göring die Zeit vom 2. November 1916 bis zum Februar 1917 in verschiedenen Lazaretten.

Am 17. Mai 1917 wurde ihm die Führung der Jagdstaffel 27 übertragen. Er stieg am 18. August 1917 zum Oberleutnant auf. Nach seinem 19. Abschuss wurde ihm am 2. Juni 1918 der Orden Pour le Mérite verliehen.

Als der Kommandeur des Jagdgeschwaders Nr. 1, Hauptmann Wilhelm Reinhard, im Juli 1918 bei einem Testflug tödlich verunglückte, wurde Göring am 6. Juli 1918 Kommandeur dieses als Richthofens „Fliegender Zirkus“ bekannten Geschwaders. Er flog u. a. eine weiße Fokker D.VII. In seiner neuen Position errang er schließlich seinen 22. und letzten Luftsieg.

Zeit der Weimarer Republik[Bearbeiten]

Nach dem Waffenstillstand 1918 verlegte er sein Geschwader noch nach Deutschland zurück. Bei einer öffentlichen Versammlung in Berlin fiel er durch heftige Kritik am preußischen Kriegsminister Walther Reinhardt wegen dessen Eintretens für die Republik auf. Er ging als Militärberater nach Dänemark und später nach Schweden. Dort führte er die Maschinen von Anthony Fokker vor. Am 2. August 1919 erwarb er eine schwedische Fluglizenz und übernahm Aufträge für die Svenska Lufttrafik AB.

Am 13. Februar 1920 reichte er von Stockholm aus seinen Abschied bei der Reichswehr ein, die nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages keine Luftstreitkräfte besitzen durfte. Dabei beantragte er seine nachträgliche Beförderung zum Hauptmann und verzichtete auf etwaige Versorgungsansprüche. Im Juni 1920 wurde seinem Antrag stattgegeben.

Am 20. Februar 1920 beförderte er Eric von Rosen auf dessen Gut Rockelstad und lernte dort seine erste Frau, die verheiratete Carin Freifrau von Kantzow geb. Freiin von Fock, kennen. Sie verließ ihren Mann und lebte mit Göring an verschiedenen Orten in Schweden und ab 1921 in Hochkreuth bei Bayrischzell. Am 13. Dezember willigte Carins Ehemann Nils von Kantzow in die Scheidung ein. Am 25. Januar 1923 heiratete Göring die vier Jahre ältere Carin in Stockholm. Die Trauung wurde am 3. Februar 1923 am neuen Wohnort der Görings in München-Obermenzing wiederholt.

Göring immatrikulierte sich 1921 an der Universität München, um Geschichte, Volkswirtschaft und Staatswissenschaften zu studieren. Vermutlich besuchte er mehrere Veranstaltungen der NSDAP, bevor er am 12. Oktober 1922 erstmals Adolf Hitler um eine Unterredung bat. Dieser ernannte ihn im Dezember 1922 zum Führer der SA.

In dieser Funktion nahm Göring am 9. November 1923 am Hitlerputsch teil, der von einer Einheit der bayerischen Landespolizei beendet wurde. Göring wurde durch einen Schuss in den Oberschenkel verletzt und von Mitputschisten in den Hof des Hauses Residenzstraße 25 getragen. Der jüdische Eigentümer des Anwesens, Robert Ballin, nahm den stark blutenden Göring bei sich auf. Ballin und seine Frau wurden auf Betreiben Görings nach dem Novemberpogrom 1938 aus dem KZ Dachau freigelassen.[6]

Göring gelang die Flucht nach Österreich. Wegen seiner Schmerzen erhielt er in einem Innsbrucker Krankenhaus Morphin – der Beginn von Görings Morphinismus, der bis zu seiner Gefangennahme durch die US-Streitkräfte 1945 andauerte. Als in München der Hitler-Prozess stattfand, hielt Göring sich nach wie vor in Österreich auf. Ende April 1924 wurde er zum Verlassen Österreichs aufgefordert. Er ging nach Italien und hielt sich als Bevollmächtigter Hitlers in Venedig und Rom auf, während seine Frau nach Deutschland zurückgekehrt war.

Im Frühjahr 1925 zog er mit Carin in eine Wohnung in Stockholm und verfiel hier erstmals der Drogensucht. Im August 1925 wurde er in eine Klinik eingewiesen, und nach einer Entziehungskur erlitt er im Oktober einen Rückfall, weshalb er in die Nervenheilanstalt Långbro im Stockholmer Stadtteil Älvsjö eingeliefert wurde. Schon nach wenigen Wochen konnte er die Klinik als geheilt wieder verlassen und erhielt eine ärztliche Bescheinigung, dass er während der Behandlung nie Anzeichen einer Geisteskrankheit gezeigt habe.

Die Generalamnestie des neuen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg 1925 (es war die erste von vier Hindenburg-Amnestien; weitere gab es 1928, 1932 und 1934) erlaubte ihm die Rückkehr nach Deutschland. Er nahm am 3. und 4. Juli 1926 am NSDAP-Parteitag in Weimar teil, wo sich herausstellte, dass man ihn aus der Liste der Parteimitglieder gestrichen hatte. Göring kehrte nach Schweden zurück, wo er wegen Morphiummissbrauchs erneut in die Klinik von Långbro eingeliefert wurde. Nach 19 Tagen Aufenthalt konnte er die Klinik am 26. September 1927 wieder verlassen.

Er kehrte Ende 1927 endgültig nach Deutschland zurück und trat erneut in die NSDAP und SA ein. Göring knüpfte Kontakte zu alten Fliegerkameraden wie Bruno Loerzer, Ernst Udet und Paul Körner. Der zu Geld gekommene Loerzer stellte ihn dem Vorstandsmitglied der Lufthansa Erhard Milch vor und führte ihn in die „besseren Kreise“ ein. Mit Carin wohnte er nun in Berlin-Schöneberg und zog nach den Reichstagswahlen vom 20. Mai 1928 in den Reichstag ein. Später wurde er von Hitler zum SA-Gruppenführer ernannt. Bei seinen Besuchen in Berlin war Hitler ein häufiger Gast bei den Görings. Nach der Reichstagswahl vom 14. September 1930, die der NSDAP beträchtliche Stimmengewinne brachte, ernannte ihn Hitler, der weiter in München blieb, formell zu seinem „politischen Beauftragten in der Reichshauptstadt“. Göring versuchte, die nationalsozialistische Bewegung in der besseren Gesellschaft hoffähig zu machen. So veranstaltete er 1931 in seiner Wohnung ein Treffen zwischen Fritz Thyssen, Hjalmar Schacht und Adolf Hitler. Nach diesem Treffen verteilte Thyssen einige Spenden an nationalsozialistische Zeitungen. Vor allem aber unterstützte er seinen Freund Hermann Göring, um ihm einen adäquaten Lebens- und Wohnstil zu ermöglichen.[7]

Im Sommer 1931 reisten die Görings nach Schweden, wo Carins Mutter am 25. September unerwartet starb. Carin Göring erholte sich von diesem Schock nicht und starb wenige Wochen später am 17. Oktober 1931 an Tuberkulose.

Göring nannte später in Andenken an sie sein pompöses Anwesen in der Schorfheide bei Groß SchönebeckCarinhall“.

1935 heiratete er die Schauspielerin Emmy Sonnemann. Hitler war bei dieser Hochzeit Trauzeuge. Mit Emmy hatte er eine Tochter, Edda Göring, die am 2. Juni 1938 geboren wurde.

Reichstagspräsident 1932[Bearbeiten]

Reichstagspräsident Hermann Göring (rechts oben) ignoriert in der Sitzung vom 12. September 1932 Reichskanzler Franz von Papen

Nachdem in der Reichstagswahl Juli 1932 die NSDAP erstmals zur stärksten Partei geworden war, konnte sich Göring in der ersten Sitzung des Reichstags am 30. August 1932 bei der Wahl zum Reichstagspräsidenten mit Unterstützung der bürgerlichen Parteien gegen die Kandidaten Paul Löbe (SPD) und Ernst Torgler (KPD) durchsetzen.[8] Damit hatte die NSDAP zunächst das dritthöchste Amt in der Weimarer Republik besetzt.

In der Reichstagssitzung vom 12. September 1932 erreichte Göring durch einen Verfahrenstrick, dass trotz einer bereits erlassenen Verfügung des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg zur Auflösung des Reichstags noch über ein Misstrauensvotum gegen das Kabinett Papen abgestimmt werden konnte: Vor Beginn der Abstimmung, als von Papen die wenige Minuten zuvor erlassene und von ihm gegengezeichnete Auflösungsverfügung Hindenburgs bekanntgeben wollte, übersah Göring absichtlich den sich stehend zu Wort meldenden Reichskanzler (dem er zu diesem Zeitpunkt nach der Geschäftsordnung des Reichstags sofort das Wort hätte erteilen müssen) und erklärte die Abstimmung für eröffnet. Anschließend verwies er auf die Geschäftsordnung, wonach während einer Abstimmung keinerlei Wortmeldungen mehr zulässig seien. Mit 513 zu 42 Stimmen sprach der Reichstag dem Kabinett Papen daraufhin das Misstrauen aus. Erst jetzt nahm Göring die Auflösungsverfügung zu Kenntnis, tat sie aber mit der Bemerkung ab, sie sei von Männern gegengezeichnet, denen der Reichstag gerade das Misstrauen ausgesprochen habe.[9] Da Papen allerdings die Mappe mit der Auflösungsverfügung noch vor dem Ende der Abstimmung auf Görings Pult gelegt hatte, waren der Reichstag dennoch rechtskräftig aufgelöst und das Misstrauensvotum formal ungültig;[10] das für Papen blamable Ergebnis der Abstimmung aber war öffentlich.

Bei den daraufhin für den 4. November 1932 ausgeschriebenen Neuwahlen zum Reichstag musste die NSDAP zwar Stimmenverluste hinnehmen, blieb aber stärkste Fraktion. Göring wurde erneut mit bürgerlicher Mehrheit zum Reichstagspräsidenten gewählt. In den folgenden Monaten hatte er entscheidenden Anteil an der Zerschlagung der Weimarer Republik.

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Görings Rolle bei der Festigung der NS-Diktatur[Bearbeiten]

Auftritt Hermann Görings (mit dem Rücken zum Betrachter stehend, die Fäuste in die Taille gedrückt) beim Reichstagsbrandprozess; Fotografie von Robert Sennecke
Richtfest des Reichsluftfahrtministeriums mit Ernst Sagebiel, Hermann Göring und Erhard Milch
Hermann Göring mit Adolf Hitler, 1939
Ausfahrt von Göring mit dem polnischen Außenminister Józef Beck, Juli 1935

Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Dieser holte Göring und Wilhelm Frick als einzige nationalsozialistische Minister in sein Kabinett. Göring wurde Reichsminister ohne Geschäftsbereich, Reichskommissar für das preußische Innenministerium und Reichskommissar für Luftfahrt. Als kommissarischer Innenminister war er Dienstherr der gesamten preußischen Polizei. Damit spielte er bei der Machtübernahme und dem Aufbau des NS-Regimes eine entscheidende Rolle, da man sich nur mittels der Kontrolle über die Ordnungsorgane der politischen Gegner entledigen konnte (siehe auch Hilfspolizei). Den ihm vorgesetzten kommissarischen Preußischen Ministerpräsidenten Franz von Papen überging er. Nach dem Rücktritt von Papens in dieser Funktion wurde Göring am 10. April 1933 zum Ministerpräsidenten von Preußen ernannt.

Auf seine Initiative hin wurden die ersten, zunächst noch gefängnisähnlichen Konzentrationslager gebaut (teils als „wilde KZs“ bezeichnet), in denen Polizei und SA festgenommene Oppositionelle inhaftierten. Die Gründung der Geheimen Staatspolizei (Gestapo), aus der später das Reichssicherheitshauptamt (RSHA) hervorging, wurde von Göring veranlasst. Der erste Chef der Gestapo, Rudolf Diels, war mit Göring familiär verbunden. Im Juni 1934 übernahm die Gestapo eine Schlüsselrolle bei der auch von Göring veranlassten Ermordung von Ernst Röhm und etwa 200 weiterer Personen.[11]Hitler, Göring und andere Spitzen des Regimes einigten sich zuvor auf eine „Reichsliste“ der zu Ermordenden und Festzunehmenden.

Göring war in der Zeit des Nationalsozialismus – zumindest in den Augen der Öffentlichkeit – nach Hitler zweiter Mann im NS-Staat. 1934 wurde er per Gesetz zum Nachfolger Hitlers im Falle dessen Todes bestimmt. Indiz für Görings Popularität (vor dem Bombenkrieg) mag sein, dass er – anders als Hitler – zur stehenden Hauptfigur zahlreicher und nicht nur regimekritischer Witze wurde. Seine Yacht Carin II nutzte er ab 1937 intensiv als Propagandainstrument, um sich volksnah zu inszenieren. Sein Hang zu Pompösem und zu prunkvollen Uniformen brachte ihm den SpitznamenLametta-Heini“ ein; ihn und andere prunkvoll Uniformierte nannte man auch „Goldfasan“(e).

Aufbau der Luftwaffe und Leiter des Vierjahresplans[Bearbeiten]

1933 wurde er Reichskommissar für die Luftfahrt, kurz darauf Reichsminister der Luftfahrt. Am 30. August 1933 wurde Göring zum General der Infanterie befördert, was ein Überspringen von fünf Rängen bedeutete, da er als Hauptmann aus der Reichswehr ausgetreten war. Dies sollte ihm in militärischen Kreisen eine gewisse Autorität beim Aufbau der Luftwaffe verschaffen. Im Mai 1935 wurde ihm unter gleichzeitiger Umernennung zum General der Flieger der Oberbefehl über die neu gegründete Luftwaffe übertragen. Zu Hitlers Geburtstag am 20. April 1936 wurde er zum Generaloberst befördert.

1934 wurde Göring Reichsforstmeister, Reichsjägermeister und Oberster Beauftragter für den Naturschutz. In dieser Funktion setzte er das Reichsjagdgesetz vom 3. Juli 1934 durch (es gilt im Wesentlichen bis heute). Göring war passionierter Jäger; auf vielen Fotos ist er mit einer Anstecknadel an der Oberbekleidung (z. B. an Revers oder Krawattenknoten), der „Reichsjägermeisternadel“, zu sehen (einer goldenen, mit Edelsteinen bestückten Nadel).[12]

Am 18. Oktober 1936 wurde Göring zum Beauftragten für den Vierjahresplan ernannt. Damit war er faktisch Wirtschaftsdiktator in Deutschland. Den Wirtschaftsminister Hjalmar Schacht verdrängte er schnell. Sein Auftrag war es, die deutsche Wirtschaft kriegsbereit zu machen (siehe auch Aufrüstung der Wehrmacht). Letztlich scheiterte er an dieser Aufgabe. Diese Funktion übernahm ab 17. März 1940 Fritz Todt, als Reichsminister für Bewaffnung und Munition, und letztlich 1942 Albert Speer.

Während der Blomberg-Fritsch-Krise im Januar 1938 intrigierte Göring gegen Werner von Blomberg und nötigte diesen zum Rücktritt, offenbar in der Hoffnung, dessen Nachfolger als Oberbefehlshaber der Wehrmacht werden zu können. Hitler entschloss sich jedoch dazu, selbst den Oberbefehl über die Wehrmacht zu übernehmen. Göring wurde am 4. Februar 1938 zum Generalfeldmarschall befördert. Nach Blombergs Rücktritt war Göring bis 1939 der einzige Träger dieses Dienstgrades und wurde somit zum ranghöchsten Offizier der Wehrmacht.

Reichspogromnacht[Bearbeiten]

Am 12. November 1938, im Anschluss an die auch als „Kristallnacht“ bekannten Novemberpogrome, berief Göring eine Sitzung im Reichsluftfahrtministerium ein, um Maßnahmen zu beschließen, die reichsdeutschen Juden zu enteignen und zur Auswanderung zu zwingen. So schlug er vor, den deutschen Juden eine Geldbuße von einer Milliarde Reichsmark aufzuerlegen. Des Weiteren forderte er, eine Uniform für die Juden einzuführen, um sie für die Öffentlichkeit zu kennzeichnen. Am 1. September 1941 wurde dieses, durch Tragen des Judensterns, im Rahmen der Nürnberger Gesetze im Deutschen Reich umgesetzt. Die Ausschreitungen, bei denen zahlreiche Synagogen abgebrannt und Geschäfts- und Wohnungseinrichtungen jüdischer Bürger zerstört worden waren, kommentierte er mit den Worten:[13]

„Mir wäre lieber gewesen, ihr hättet 200 Juden erschlagen und hättet nicht solche Werte vernichtet.“

Sudetenkrise und Münchner Konferenz[Bearbeiten]

Münchener Abkommen, Hitler, Göring, Mussolini

Hitlers Kriegsplänen stand Göring intern skeptisch gegenüber, da er deren Erfolgsaussichten bezweifelte. Hingegen äußerte er auf einer Besprechung mit Luftfahrtindustriellen in Carinhall am 8. Juli 1938:

„Wir müssen uns ganz klar darauf einstellen. Ich glaube, so wie die Lage ist, ist es zu 10, zu 15 % so, daß sich irgendwie die Sache verhältnismäßig noch in kleineren Aktionen lösen kann. Aber zu 80, 85, 90 % bin ich überzeugt, daß es doch einmal einen größeren Kladderadatsch geben wird und daß wir dann einmal den großen Kampf machen müssen, den ich nicht scheue. Es kommt nur darauf an, daß nicht wieder schlapp gemacht wird. […] Dann ist Deutschland die erste Macht der Welt, dann gehört Deutschland der Markt der Welt, dann kommt die Stunde, wo Deutschland reich ist. Aber man muß was riskieren, man muß was einsetzen.“[14]

1938, in der Tschechoslowakeikrise, arrangierte er hinter dem Rücken des Außenministers Joachim von Ribbentrop gemeinsam mit Mussolini die Münchner Konferenz, in der die Westalliierten zur Enttäuschung Hitlers nachgaben, um einen Krieg zu verhindern. Im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges wurde Göring deswegen außenpolitisch kaltgestellt, um nicht noch einmal Hitlers Pläne zu stören.

Frankreichfeldzug, gescheiterte Luftschlacht um England und Luftbrücke nach Stalingrad[Bearbeiten]

Hitler ernannte am 19. Juli 1940 (also kurz nach Ende des Westfeldzuges) gleichzeitig zwölf Generäle (neun Heer, drei Luftwaffe) zum Generalfeldmarschall. Göring wurde im selben Monat von diesem Rang zum Reichsmarschall des Großdeutschen Reiches befördert, ein eigens für ihn geschaffener, höchster Dienstgrad. Ein Jahr später übertrug ihm Hitler per Erlass vom 29. Juni 1941 die Führernachfolge mit allen Vollmachten für den Fall, dass er, Hitler, „seiner Handlungsfähigkeit beraubt“ sei.[15] In diese Zeit fällt auch seine Freundschaft zu seinem italienischen Amtskollegen Italo Balbo.

Bis zum Frankreichfeldzug im Mai und Juni 1940 wurde Göring als Held der Luftwaffe gefeiert. Wegen seiner katastrophalen Luftkriegsstrategie gegen England (siehe Luftschlacht um England) fiel er mehr und mehr in Ungnade. Er war auch mitverantwortlich für das Debakel von Stalingrad, weil er Hitler wider besseres Wissen zusagte, die eingekesselte Armee aus der Luft versorgen zu können.

Ausbeutung besetzter Gebiete und Beteiligung am Holocaust[Bearbeiten]

Göring beauftragt Reinhard Heydrich mit einem Gesamtentwurf zur „Endlösung der Judenfrage“ (letzte Zeile in diesem Schreiben)

In seiner Funktion als Beauftragter für den Vierjahresplan organisierte er die wirtschaftliche Ausbeutung der besetzten Gebiete. Dass dem von ihm mitverantworteten Hungerplan Millionen von Menschen zum Opfer fallen würden, bezeichnete er als notwendig und erwünscht. So sagte er am 25. November dem italienischen Außenminister Graf Ciano:

„In diesem Jahr werden 20 bis 30 Millionen Menschen in Russland verhungern. Vielleicht ist es gut so, da bestimmte Völker dezimiert werden müssen.“[16]

Im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher bestätigte er, sich in einer Anordnung gegenüber den Reichskommissaren für die besetzten Gebiete im August 1942 unter anderem wie folgt geäußert zu haben:

„Früher schien mir die Sache doch verhältnismäßig einfacher zu sein. Da nannte man das plündern. Das stand dem Betreffenden zu, das wegzunehmen, was man eroberte. Nun, die Formen sind humaner geworden. Ich gedenke trotzdem zu plündern, und zwar ausgiebig.“[17]

Seine Beteiligung an der Vorbereitung und Durchführung des Holocaust ist durch einen Befehl vom 31. Juli 1941 belegt, dessen Echtheit er auch in den Nürnberger Prozessen bestätigte.[18] In diesem beauftragt er Reinhard Heydrich, alle notwendigen Vorbereitungen zur „Endlösung der Judenfrage“ zu treffen und einen „Gesamtentwurf“ hierfür zu erarbeiten. In den Nürnberger Prozessen stritt er jede Verantwortung und Kenntnis über den Holocaust ab. Nachdem ihm ein Film über ein Konzentrationslager gezeigt worden war, sagte er, er habe die genauen Zustände in den Lagern nicht gekannt; die Darstellungen im Film halte er für übertrieben.

Kunstraub[Bearbeiten]

Hermann Göring war als Sammler von Kunstwerken bekannt und berüchtigt.[19] Es gab einen maßgeblich durch Spenden deutscher Großindustrieller gespeisten "Kunstfond".[20] Er häufte so viele Kunstobjekte an wie wohl kein anderer NS-Funktionär. Seine Sammlung bestand unter anderem aus rund 1800 Gemälden.[21] Zu diesen kamen noch zahlreiche Wandteppiche, Skulpturen und andere kunsthandwerkliche Objekte. Göring war beim Aufbau seiner Sammlung äußerst rücksichtslos. Er arbeitete mit dem für Kunstraub bekannten Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg (ERR) zusammen und setzte auch eine eigene Organisation, die „Devisenschutzkommandos“ ein, die in seinem Auftrag in besetzten Gebieten Kunst beschlagnahmte. Seiner Bau- und Sammelleidenschaft kam eine ihm 1943 von Hitler gewährte Dotation in Höhe von 6 Millionen Reichsmark sehr zustatten.[22] Göring wurde 1942 während der deutschen Besatzung der Niederlande eine Jan Vermeer-Fälschung Christus und die Ehebrecherin verkauft, obwohl dieses Bild leicht als Fälschung hätte erkannt werden können, da das Bild mit Kobaltblau eine Farbe enthielt, die es zu Vermeers Zeit noch gar nicht gab.[23] Im Frühjahr 1945 wurde die Sammlung von Carinhall (60 km nördlich von Berlin) nach Bayern transportiert; dort fanden vorrückende Truppen der US Army (101st Airborne Division) sie.[20]

Allmählicher Bedeutungsverlust[Bearbeiten]

Seit 1942 ließ sich Göring bei den Lagebesprechungen häufig vertreten. Er reiste viel umher und widmete sich seiner Sammel- und Jagdleidenschaft, während er an der Entwicklung des Krieges nur noch wenig Anteil nahm.

Entmachtung[Bearbeiten]

Am 20. April 1945 verließ Göring nach dem offiziellen Geburtstagsempfang für Adolf Hitler Berlin in Richtung Berchtesgaden. Er verabschiedete sich von Hitler mit der Begründung, dass in Süddeutschland wichtige Aufgaben auf ihn warteten.[24]

Am 23. April 1945 telegrafierte Göring aus Berchtesgaden an Hitler, er (der Reichsmarschall) betrachte sich für den Fall, dass Hitler weiterhin in Berlin ausharre und bis 22 Uhr keine anderslautende Mitteilung einginge, gemäß der im Juni 1941 per Erlass getroffenen Regelung ab sofort als Nachfolger des Führers mit allen Vollmachten. Hitler interpretierte dies als versuchten Staatsstreich und unterzeichnete einen von Martin Bormann aufgesetzten Funkspruch, wonach der Reichsmarschall seiner Ämter enthoben und sofort wegen Hochverrats zu verhaften sei.[25] Göring wurde daraufhin auf dem Obersalzberg von der dortigen SS-Kommandantur festgesetzt. Am 25. April meldete der Großdeutsche Rundfunk, Göring sei aufgrund von Herzproblemen von all seinen Ämtern zurückgetreten.[26] In seinem politischen Testament vom 29. April 1945 stieß Hitler ihn aus der NSDAP aus und entzog ihm alle aus dem Erlass von 1941 resultierenden Rechte.[27]

Gefangennahme, Prozess und Tod[Bearbeiten]

Videoaufnahme von Hermann Göring im Augsburger Stadtteil Bärenkeller (nach der Gefangennahme)
Acht der Angeklagten in Nürnberg. Vorne v. l. n. r.: Göring, Heß, von Ribbentrop, Keitel; dahinter: Dönitz, Raeder, von Schirach, Sauckel

Nach Hitlers Selbstmord am 30. April 1945 wurde Göring aus der Haft entlassen. Auf seine Frage, wohin er nun wolle, antwortete er: „Auf die Burg meiner Jugend.“ Er begab sich am 7. Mai 1945 auf die Fahrt zur Burg Mauterndorf (Österreich), und da es unsicher war, ob es den sowjetischen Streitkräften nicht doch noch gelingen würde, ins Murtal, also bis in den Salzburger Lungau vorzustoßen, entschied er sich, nach Schloss Fischhorn im Salzburger Pinzgau zu fliehen und sich in die Hände der 7. US-Armee zu begeben.

Am 21. Mai 1945 wurde Göring in Begleitung seiner Frau Emmy und seiner Tochter Edda in das geheime US-Lager Camp Ashcan im luxemburgischen Bad Mondorf gebracht, in dem zwischen Mai und September 1945 ein Großteil der bis dahin gefangenen NS-Funktionäre und hochrangige Militärs festgehalten und verhört wurden. Ab November 1945 war er dann als ranghöchster Nationalsozialist in Nürnberg angeklagt. Nach seinem Morphinentzug wirkte er auf viele Protagonisten der Nürnberger Prozesse lebendiger und schlagfertiger als in all den Jahren des Dritten Reiches zuvor.

Er wurde in allen vier Anklagepunkten (Verschwörung gegen den Weltfrieden; Planung, Entfesselung und Durchführung eines Angriffskrieges; Verbrechen gegen das Kriegsrecht; Verbrechen gegen die Menschlichkeit) schuldig gesprochen und zum Tod durch Erhängen verurteilt. Göring stellte beim Gericht den Antrag, erschossen zu werden, was aber abgelehnt wurde. Der Vollstreckung des Urteils entzog er sich dann am 15. Oktober 1946, in der Nacht vor dem Hinrichtungstermin, durch Selbsttötung mit einer Zyankali-Giftkapsel.

Woher Göring das Gift hatte, wurde bald Gegenstand zahlreicher Spekulationen. Erich von dem Bach-Zelewski, ein ehemaliger Obergruppenführer der Waffen-SS, behauptete in Untersuchungshaft, es sei von ihm. Er habe schon vor Beginn des Prozesses den Kontakt zum ehemaligen Reichsmarschall gesucht und ihm im Korridor das Gift in einem Stück Seife zukommen lassen. Diese Behauptung belegte Bach-Zelewski damit, dass er den Amerikanern 1951 eine weitere Ampulle lieferte, deren Glas aus derselben Herstellungsserie stammte wie die Splitter, die in Görings Mundhöhle gefunden worden waren.[28] Nach einer anderen Version soll Jack G. Wheelis, ein Leutnant der US Army, mit dem sich Göring angefreundet hatte, ihm das Gift zugesteckt haben.[29] Anfang 2005 meldete sich schließlich der ehemalige Wachsoldat Herbert Lee Stivers, der bei den Nürnbergern Prozessen seinen Dienst getan hatte, und behauptete, dass er damals von einer Frau („Mona“) und einem Mann gebeten worden sei, Göring Notizen und eine in einem Füllfederhalter versteckte Kapsel zuzustecken. Die Männer hätten ihm gesagt, dass Göring ein sehr kranker Mann sei und Medizin benötige. Herbert Lee Stivers sei seit dem Bekanntwerden von Görings Suizid davon überzeugt, dass es sich bei der „Medizin“ um das Zyankali für den Selbstmord gehandelt habe; aus Furcht vor Strafverfolgung aber habe er bis dahin geschwiegen.[30]

Göring selbst legte die Planung seiner Selbsttötung in einem Abschiedsbrief an den Gefängniskommandanten dar. Demnach hatte er von Anfang an drei Zyankalikapseln bei sich. Eine versteckte er so, dass sie gefunden werden konnte, eine weitere so gründlich, dass sie nicht gefunden wurde; während des Nürnberger Prozesses hatte Göring diese Kapsel bei sich im Stiefel. Die dritte Kapsel befand sich in einer Dose mit Hautcreme in Görings Gepäck, auf die Göring durch den amerikanischen Offizier Jack Wheelis Zugriff hatte.

Görings Leichnam wurde eingeäschert und die Asche in einen Seitenarm der Isar gestreut.

Ämtervielfalt[Bearbeiten]

Hermann Göring bei der Begutachtung von Hirschgeweihen
Görings Villa auf Sylt

Göring bekleidete zahlreiche Posten, die er sich alle hoch bezahlen ließ. Seine wichtigsten Ämter waren:

  • politischer Beauftragter des Führers in der Reichshauptstadt (1932–1933)
  • Preußischer Minister des Innern (1933–1934)
  • Preußischer Ministerpräsident (1933–1945)
  • stellvertretender Reichsstatthalter von Preußen (1933–1945)
  • Präsident des Preußischen Staatsrates (1933–1945)
  • Präsident des Reichstags (1932–1945)
  • Reichsminister ohne Geschäftsbereich (1933)
  • Reichsforstmeister (1934–1945)
  • Reichsjägermeister (1934–1945)
  • Reichsbeauftragter für Rohstoff- und Devisenfragen (6. Juli 1936)[31]
  • Mitglied des Geheimen Kabinettsrats (1938–1945)
  • Vorsitzender des Ministerrats für Reichsverteidigung (1939–1945)
  • designierter Nachfolger des Führers (1933–1945)
  • Präsident des Reichsforschungsrats (1943–1945)
  • Reichskommissar für die Luftfahrt (1933)
  • Reichsluftfahrtminister (1933–1945)
  • Präsident des Reichsluftschutzverbandes (1933)
  • Oberbefehlshaber der Luftwaffe (1935–1945)
  • Reichskommissar für Rohstoffe und Devisen (1936)
  • Beauftragter für den Vierjahresplan (1936–1945)
  • Vorsitzender des Zentralen Planungsamts (1943–1945)
  • Hauptleiter der Reichswerke Hermann Göring (1937–1945)

Sonstiges[Bearbeiten]

2003: Uniform von Hermann Göring als Teil einer Sonderausstellung zur Geschichte des Eisernen Kreuzes im Luftwaffenmuseum Berlin-Gatow.
  • Im Volksmund wurde Göring wegen seiner auffälligen, oft aus Uniform und vielen Orden bestehenden Garderobe „Goldfasan“ oder „Lametta-Heini“ genannt.
  • in einer populären Parodie auf ein ursprünglich von Claire Waldoff gesungenes Couplet hieß es:
„Rechts Lametta, links Lametta,
Und der Bauch wird imma fetta,
In den Lüften ist er Meesta –
Hermann heeßt er!“[32]
  • Er war für sein Streben nach Auszeichnungen, seine Sammelleidenschaft und seine Vorliebe für Prunk bekannt und ließ Gemälde, die ihm gefielen, konfiszieren. Trotz der angespannten Lage der deutschen Streitkräfte in der Sowjetunion feierte Göring seinen 50. Geburtstag 1943 mit enormem Aufwand und forderte vom Finanzminister weitere zwei Millionen Reichsmark zur Vergrößerung von „Carinhall“. Hitler kannte und duldete diese Forderungen.
  • Er eignete sich 1938 durch „arisierenden Kauf“ die Fromms-Gummiwerke an und wurde dadurch Monopolist in der Herstellung von Kondomen, insbesondere durch Belieferung der Wehrmacht.
  • Wie Hitler und Himmler unterstanden auch Hermann Göring bewaffnete „Elite-Einheiten“: Die SA-Standarte „Feldherrnhalle“, deren „Ehren-Standartenführer“ er wurde, und das Polizeiregiment „General Göring“, das später in die Luftwaffe überführt und während des Krieges zum Fallschirm-Panzerkorps „Hermann Göring“ ausgebaut wurde.
  • Besonders bekannt wurde er in seiner Eigenschaft als Reichsforst- und -jägermeister. Das unter Federführung von Ulrich Scherping[33] entstandene neue Reichsjagdgesetz wurde von ihm eingeführt. In der Schorfheide bei Berlin und in der Rominter Heide in Ostpreußen hielt er große Jagden ab. Er ließ zu diesem Zwecke in der Schorfheide das Jagdschloss Carinhall errichten, benannt nach seiner ersten Frau. Der ehemalige Leiter der Forstverwaltung Rominten, Oberforstmeister Walter Frevert, berichtete in seinen Büchern über Görings Jagdneid, wenn einer seiner Gäste einen zu starken Hirsch geschossen hatte.
  • Teile von Görings Weinsammlung sind seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges in der moldawischen Kellerei Cricova gelagert.[34]
  • Hermann Göring hielt bis 1940 nacheinander sieben junge Löwen als zahme Haustiere. Die Löwenjungen kamen aus dem Berliner Zoo, wohin sie vor dem Auswachsen auch jeweils wieder abgegeben, teils von Zoodirektor Lutz Heck, später auch Referent für die „Führung der Naturschutzarbeit“ im Reichsforstamt, persönlich abgeholt wurden.[35][36]
  • Bei dem IQ-Test im Nürnberger Prozess wurde bei Göring ein IQ von 138 festgestellt.[37]
  • 2002 wurde von der Bundesagentur für Arbeit und dem Land Brandenburg die Instandsetzung eines steinernen Wegweisers für das frühere Anwesen Görings „Carinhall“ bei Klein Dölln in der Schorfheide finanziell gefördert, wie die Landesregierung bestätigte.[38]
  • 1974 ließ der Freistaat Bayern den Nachlass Görings versteigern. Dieser Vorgang wurde von den ostdeutschen Dokumentarfilmern Walter Heynowski und Gerhard Scheumann in ihrem Kurzfilm „Meiers Nachlaß“ problematisiert.[39]

Siehe auch[Bearbeiten]

Verfilmungen[Bearbeiten]

  • Jörg Müllner (Buch und Regie): Göring – Eine Karriere. D, ZDF, Dreiteilige Dokumentation, Untertitel und Erstsendung: „Der Komplize“ (14.), „Der zweite Mann“ (21.), „Nazi Nummer eins“ (28. März 2006)
  • Michael Kloft: Görings letzte Schlacht. Das Tribunal von Nürnberg. Zweiteilige TV-Dokumentation. D, 2 x 45 min.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hermann Göring – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Volker Knopf, Stefan Martens: Görings Reich. Berlin 1999, S. 167
  2. Guido Knopp: Göring – eine Karriere. Gütersloh 2006, S. 15 ff.
  3. Arno Gruen: Der Fremde in uns. dtv, München 2002, S. 164.
  4. Arno Gruen: Der Fremde in uns. dtv, München 2002, S. 168.
  5. Volker Knopf, Stefan Martens: Görings Reich. Selbstinszenierungen in Carinhall. Links Verlag, Berlin, 1999, ISBN 3-86153-176-3, S. 13.
  6. Ben Barkow; Raphael Gross; Michael Lenarz, Hrsg., Novemberpogrom 1938 : Die Augenzeugenberichte der Wiener Library, London, Frankfurt 2008, S. 482.
  7. Günter Brakelman, Zwischen Mitschuld und Widerstand : Fritz Thyssen und der Nationalsozialismus. Essen 2010, ISBN 978-3-8375-0344-9, S. 31.
  8. Sitzungsprotokoll des Reichstags vom 30. August 1932
  9. Zum Gang der Ereignisse vgl.Sitzungsprotokoll des Reichstags vom 12. September 1932; dazu z. B. Heinrich August Winkler: Der lange Weg nach Westen. Deutsche Geschichte 1806–1933, Bonn 2002, S. 511–522.
  10. Christoph Gusy: Die Weimarer Reichsverfassung. Tübingen 1997, S. 133.
  11. s. Peter Longerich: Die braunen Bataillone. Geschichte der SA. Beck, München 2003; ISBN 3-406-49482-X; S. 219
  12. unter anderem auf einem Titelbild des „Time“-Magazins vom 1. April 1940; siehe spiegel.de vom 4. September 1940
  13. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes: Novemberpogrom 1938 (Teil 1). Stand: 7. Januar 2007.
  14. Wolfgang Michalka: Deutsche Geschichte 1939–1945. Frankfurt am Main 1999, S. 116.
  15. Vgl. Joachim C. Fest: Der Untergang. Hitler und das Ende des Dritten Reiches. Rowohlt, Reinbek 2004, hier S. 101.
  16. Les Archives Secrètes du Comte Ciano 1936–1942. Paris 1948; S. 478; zit. nach: Götz Aly, Susanne Heim: Vordenker der Vernichtung. Auschwitz und die deutschen Pläne für eine neue europäische Ordnung. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1993, S. 365.
  17. BR online, College-Radio: [1], PDF.
  18. Topographie des Terrors: Internationales Militär Tribunal – Vernehmung Hermann Görings durch Robert H. Jackson. Stand: 7. Januar 2007
  19. Hanns Christian Löhr: Der eiserne Sammler: Die Kollektion Hermann Göring - Kunst und Korruption im "Dritten Reich". Gbr. Mann Verlag 2009, ISBN 978-3786126010. Das Buch listet im Anhang etwa 150 Bilder, Teppiche und Statuen auf, die seit 1945 als verloren gelten.
  20. a b Günther Haase: Die Kunstsammlung des Reichsmarschalls Hermann Göring. Quintessenz Verlag (2000), ISBN 978-3861245209
  21. Nancy H. Yeide (2009): Beyond the Dreams of Avarice. The Hermann Goering Collection; Laurel Publishing, ISBN 978-0977434916
  22. Gerd R. Ueberschär, Winfried Vogel: Dienen und Verdienen. Hitlers Geschenke an seine Eliten. Frankfurt 1999, ISBN 3-10-086002-0
  23. der Fälscher hieß Han van Meegeren; er war der wohl berühmteste Kunstfälscher der Zeit und gestand 1945 in Haft die Fälschung. Verkäufer des Bildes war der Bankier und Kunsthändler Alois Miedl. Bailey S. 255.
  24. Rochus Misch: Der letzte Zeuge, Zürich und München 2008 (3. Auflage), S. 195 f.
  25. Vgl. Joachim C. Fest: Der Untergang. Hitler und das Ende des Dritten Reiches. Rowohlt, Reinbek 2004, hier S. 101–103.
  26. Görings Reich: Selbstinszenierungen in Carinhall, Volker Knopf ,Stefan Martens, 2012, S.179
  27. 1000dokumente.de: Adolf Hitler, Politisches Testament, 29. April 1945. S. 7.
  28. Joe Heydecker und Johannes Leeb, Der Nürnberger Prozeß. Bilanz der Tausend Jahre, Köln und Berlin 1958 S. 486 f.
  29. Telford Taylor, The Anatomy of the Nuremberg Trials, New York 1992.
  30. US-Gefreiter: Ich übergab Göring die Zyankali-Pille, Süddeutsche Zeitung, 8. Februar 2005
    Man says he was duped into helping Nazi commit suicide, USA Today, 7. Februar 2005.
  31. Alfred Kube: Pour le mérite und Hakenkreuz: Hermann Göring im Dritten Reich. 2. Auflage, Oldenbourg, München, 1987, ISBN 3-486-53122-0, S. 147
  32. Gordon A. Craig: Deutsche Geschichte 1866–1945. Vom Norddeutschen Bund bis zum Ende des Dritten Reiches. C.H. Beck, München 1980, S. 664.
  33. http://www.deutsches-jagd-lexikon.de/index.php/Scherping,_Ulrich
  34. Spiegel Online, 2006
  35. Volker Knopf, Stefan Martens: Görings Reich. Selbstinszenierungen in Carinhall. 4. Aufl., Christoph Links, Berlin 2007.
  36. Uwe Neumärker, Volker Knopf: Görings Revier. Jagd und Politik in der Rominter Heide. 2. Aufl., Christoph Links, Berlin 2008.
  37. Gustave M. Gilbert: Nürnberger Tagebuch. Fischer Taschenbuch Verlag, 1962, ISBN 978-3-596-21885-1.
  38. Märkische Oderzeitung: Irrtümlich Gedenkstein für früheres Anwesen Görings gefördert. 12. November 2006, Stand: 7. Januar 2007
  39. MEIERS NACHLASS. D: Heynowski [DD, 1975]