Hermann Gröhe

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Hermann Gröhe (2010)

Hermann Gröhe (* 25. Februar 1961 in Uedem) ist ein deutscher Politiker (CDU) und seit dem 17. Dezember 2013 Bundesminister für Gesundheit im Kabinett Merkel III.

Gröhe war von 1989 bis 1994 Bundesvorsitzender der Jungen Union, ist seit 1994 Mitglied des Deutschen Bundestages und war von Oktober 2008 bis Oktober 2009 Staatsminister bei Bundeskanzlerin Angela Merkel. Am 28. Oktober 2009 wurde er vom CDU-Bundesvorstand zum Generalsekretär der CDU Deutschlands gewählt.[1] Diesen Posten bekleidete er bis zu seiner Ernennung zum Bundesminister im Dezember 2013.

Leben[Bearbeiten]

Ausbildung[Bearbeiten]

Nach dem Abitur 1980 am Quirinus-Gymnasium in Neuss absolvierte Gröhe ein Studium der Rechtswissenschaft an der Universität zu Köln, welches er 1987 mit dem Ersten juristischen Staatsexamen beendete. Anschließend war er bis 1993 als wissenschaftlicher Mitarbeiter bzw. wissenschaftliche Hilfskraft bei Martin Kriele am Seminar für Staatsphilosophie und Rechtspolitik der Universität zu Köln tätig. Nach Ableistung des Referendariats bestand er 1993 auch das Zweite juristische Staatsexamen. Seit 1994 ist er als Rechtsanwalt zugelassen. Seine Anwaltstätigkeit ruht, seit er in den Deutschen Bundestag eingezogen ist.

Parteilaufbahn[Bearbeiten]

Hermann Gröhe

Gröhe trat schon als Schüler 1975 der Jungen Union und 1977 auch der CDU bei. Zunächst war er von 1983 bis 1989 Vorsitzender des JU-Kreisverbandes Neuss. Von 1989 bis 1994 war er dann Bundesvorsitzender der Jungen Union. Von 2001 bis 2009 war er Vorsitzender der CDU im Rhein-Kreis Neuss.

Seit 1999 ist Gröhe Vorsitzender des CDU-Bundesarbeitskreises Menschenrechte. Er gehört dem CDU-Landesvorstand in Nordrhein-Westfalen an.

Am 24. Oktober 2009 nominierte der CDU-Bundesvorstand Gröhe einstimmig als kommissarischen CDU-Generalsekretär,[2] was am 21. März 2010 vom Bundesausschuss bestätigt wurde.[3] Er trat damit die Nachfolge von Ronald Pofalla an, der als Kanzleramtsminister in die schwarz-gelbe Regierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel wechselte.

Abgeordnetentätigkeit[Bearbeiten]

Hermann Gröhe 2014 als Hauptredner beim 13. Politischen Aschermittwoch der CDU in Recke.

Gröhe gehörte von 1984 bis 1989 und erneut von 1993 bis 1994 dem Kreistag des Rhein-Kreises Neuss an.

Seit 1994 ist er Mitglied des Deutschen Bundestages. Hier war er von 1994 bis 1998 Sprecher der Jungen Gruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Anschließend war er bis 2005 Vorsitzender der Fraktionsarbeitsgruppe Menschenrechte und humanitäre Hilfe. Von 2005 bis 2008 war er Justiziar der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Im Frühjahr 2006 wurde er zum Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Untersuchungsausschuss zu den Vorgängen der Geheimdienste im Irak bestimmt. Hermann Gröhe ist 1994 und 2002 über die Landesliste Nordrhein-Westfalen und sonst stets als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Neuss I in den Bundestag eingezogen. Bei der Bundestagswahl 2009 erreichte er hier 47,8 % der Erststimmen (2005: 47,7 %).[4] Bei der Bundestagswahl 2013 konnte Gröhe den Wahlkreis erneut direkt gewinnen und verbesserte sein Ergebnis auf 51,6 % der Erststimmen.[5]

Öffentliche Ämter[Bearbeiten]

Am 1. Oktober 2008 übernahm Gröhe die Nachfolge Hildegard Müllers als Staatsminister bei der Bundeskanzlerin (Kabinett Merkel I).[6] Nach der Wahl zum CDU-Generalsekretär legte er im Oktober 2009 das Amt nieder.

Am 17. Dezember 2013 wurde Gröhe durch den Bundespräsidenten Joachim Gauck zum Bundesminister für Gesundheit im Kabinett Merkel III ernannt.

Positionen und Kritik[Bearbeiten]

In einem FAZ-Interview (veröffentlicht 20. Januar 2014) sprach sich Gröhe für ein Verbot jeder Form der organisierten Selbsttötungshilfe aus.[7]

Gröhe hat angekündigt, die Wartezeit für Facharzttermine für gesetzlich Versicherte zu verkürzen und ein neues Qualitätsinstitut zu gründen, mit dem der Behandlungserfolg von Kliniken und Praxen besser verglichen werden soll.[8]

Gröhe lehnte 2014 eine rezeptfreie Abgabe der „Pille danach“ ab, obwohl ein Expertenausschuss des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte und die Weltgesundheitsorganisation sich dafür ausgesprochen hatten. Dies brachte ihm selbst Kritik vom eigenen Koalitionspartner ein. Karl Lauterbach warf Gröhe eine „Bevormundung von Frauen“ vor, denen „in einer Notlage die Ausübung ihrer Rechte vorenthalten wird“.[9][10]

Sonstiges Engagement[Bearbeiten]

Gröhe ist seit 1997 Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und war von 1997 bis 2009 Mitglied des Rates der EKD. In den Jahren 2000 bis 2009 war er Mitherausgeber des Magazins Chrismon. Seit 2001 ist Gröhe Mitglied im Vorstand der Konrad-Adenauer-Stiftung[11] Außerdem fungierte er seit April 2013 als Schirmherr des MoveForwardProjects, das bis Dezember 2013 dauerte, und setzte sich dort für die Unterstützung von nachhaltiger Bildung in Afrika ein. Seit 2014 ist er Schirmherr von Verrückt? Na und!, einem Projekt zur Unterstützung der psychischen Gesundheit Heranwachsender.[12]

Privates[Bearbeiten]

Hermann Gröhe ist evangelisch[13], verheiratet und Vater von vier Kindern.[14]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zur Person auf der Webseite von Hermann Gröhe, abgerufen am 14. September 2011
  2. CDU: Hermann Gröhe wird neuer CDU-Generalsekretär, 24. Oktober 2009
  3. CDU-Pressemeldung Gröhe mit großer Mehrheit zum CDU-Generalsekretär gewählt
  4. Wahlergebnis des Wahlkreises Neuss bei der Bundestagswahl 2009[1]
  5. Wahlergebnis des Wahlkreises Neuss bei der Bundestagswahl 2013[2]
  6. Evangelische Nachrichtenagentur idea e. V.: EKD-Ratsmitglied im Kanzleramt, 22. September 2008
  7. Gesundheitsminister Gröhe: „Jede Form der organisierten Selbsttötungshilfe muss verboten werden“. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. Januar 2014, abgerufen am 10. September 2014.
  8. Neue Aufgaben für Gröhe, 7. Februar 2014.
  9. http://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/pille-danach-groehe-lehnt-freigabe-des-verhuetungsmittels-ab-a-952230.html
  10. http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Politik/d/4258586/spd-kritisiert-gesundheitsminister--hermann-groehe.html
  11. Konrad-Adenauer-Stiftung e.V., Mitglieder des Vorstandes, Stand März 2011. http://www.kas.de/wf/de/71.4892/
  12. Website Irrsinnig Menschlich e.V.
  13. Homepage Hermann Gröhe
  14. Mariam Lau: „Angela Merkel hat einen neuen StrippenzieherWelt vom 23. September 2008

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hermann Gröhe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien