Hermann Gumpel

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Hermann Gumpel (* 4. Februar 1862 in Lindhorst; † 7. Januar 1935 in Assuan, Ägypten) war ein deutscher jüdischer Bankier und Industrieller im Bergbau.

Leben[Bearbeiten]

Familie (unvollständig)[Bearbeiten]

Hermann Gumpel entstammte einer jüdischen Familie.[1] Seine Ehefrau Sophie Franck starb in jungen Jahren am 27. September 1907. Sie wurde auf dem Jüdischen Friedhof An der Strangriede bestattet.[2]

Hermann Gumpel war der Bruder des Bankiers Julius Gumpel, der 1942 im Vernichtungslager Treblinka ermordet wurde.[3]

Werdegang[Bearbeiten]

Geboren in Lindhorst, besuchte Hermann Gumpel das Gymnasium in Bückeburg. Nach seiner kaufmännischen Ausbildung und Tätigkeit im durch seinen Vater begründeten Handelsgeschäft „Z. H. Gumpel“ wurde er 1886 Teilhaber des Unternehmens.[1]

1894 wurde der Betrieb nach Hannover verlegt und als Bankhaus Z. H. Gumpel[4] zu einem modernen Bankhaus ausgebaut. Nachdem auch sein Bruder Julius in die Leitung der Bank eingestiegen war, engagierte sich das Haus in der Kaliindustrie der Region. Anfänglich beteiligte sich das Bankhaus durch die beiden Brüder an Gesellschaften für Tiefbohrungen, dann gründeten und übernahmen sie Bergwerke zur Kaliförderung,[1] etwa 1906 das Kaliwerk Siegfried-Giesen,[1], 1909 Rössing-Barnten,[1], 1918 die Asse, und 1921 die Heldburg AG.[1]

Inzwischen war Hermann Gumpel noch im Kaiserreich 1911 der Titel des Kommerzienrates verliehen worden. Er wurde Mitglied des Aufsichtsrates, später des Verwaltungsrates des Kalisyndikates,[1] stritt für eine Verständigung mit der französischen Kaliindustrie (1925/26) und „unterstützte die Auslandsanleihe der deutschen Kaliindustrie“ 1926.[4]

In der noch jungen Weimarer Republik vermittelte Hermann Gumpel 1920 den Erwerb der Aktien-Mehrheit der hannoverschen Straßenbahn an den preußischen Staat.[4]

1926 verkauften die Brüder ihre Kaliwerke an den Burbach-Konzern, da sich eine fortschreitende und wirtschaftlich immer mächtigere Kartellbildung in der Kaliwirtschaft gebildet hatte.[1]

Vorbereitetes Grabmal für Hermann Gumpel auf dem Jüdischen Friedhof An der Strangriede

Zeitweilig war Hermann Gumpel Mitglied im „Landeseisenbahnrat“.[4]

Im Jahr 1927 hinterließ Hermann Gumpel „Umzugsgut“ im schweizerischen Kreuzlingen (Kanton Thurgau).[5] Am 6. Januar 1930 erwarb er rund 5.000 Quadratmeter „Wiesland an der Säntis- und der Bahnhofstrasse und 240 Quadratmeter Fahrweg“ in Kreuzlingen.[6]

Noch im Jahr der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 entschied sich Hermann Gumpel für die Emigration in die Schweiz. Er starb 1935 in Assuan in Ägypten.[4] In dem auch für ihn vorbereiteten Grab auf dem Jüdischen Friedhof An der Strangriede wurde lediglich seine bereits 1907 verstorbene Ehefrau Sophie Franck bestattet. Die Grabplatte in hebräischer und deutscher Schrift enthält auf der rechten Seite Informationen zu Sophie - die linke Seite ist bisher unbeschriftet geblieben.[2] Der tatsächliche Ort seiner Bestattung konnte bis heute (Stand: August 2012) in Hannover nicht ermittelt werden.[7]

Literatur[Bearbeiten]

  • Kommerzienrat Hermann Gumpel. 50jähriges Berufsjubiläum am 1. April 1928, Hannover 1928 (nicht im Handel erschienen).
  • August Heitmüller (Zeichner), Wilhelm Meztig (Konzept): Hannoversche Köpfe aus Verwaltung, Wirtschaft, Kunst und Literatur, 2 Bände, Druckerei und Verlag Heinrich Osterwald, Hannover [ohne Jahr: 1929], S. ?.
  • Siegmund Kaznelson (Hrsg.): Juden im deutschen Kulturbereich. Ein Sammelwerk, 2., stark erweiterte Ausgabe, Jüdischer Verlag, Berlin 1959, S. 754–755.
  • Leben und Schicksal. Zur Einweihung der Synagoge in Hannover, hrsg. von der Landeshauptstadt Hannover, Presseamt, in Zusammenarbeit mit der Jüdischen Gemeinde Hannover e.V., mit Fotos von Hermann Friedrich u.a., Beeck, Hannover [ohne Jahr, 1963], S. 110–115.
  • John F. Oppenheimer (Chefred.), Emanuel BinGorion (Mithrsg.): Lexikon des Judentums, Bertelsmann, Gütersloh 1967, Sp. 263.
  • Ernst G. Lowenthal: Juden in Preussen. Biographisches Verzeichnis. Ein repräsentativer Querschnitt, hrsg. vom Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz, mit einem Vorwort von Roland Klemig, Bildarchiv Preuss. Kulturbesitz, Berlin 1981, S. 81
  • Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933, Bd. II, 1 A – K, The Arts, Sciences and Literature, hrsg. vom Institut für Zeitgeschichte, München, und von der Research Foundation for Jewish Immigration, Inc., New York unter der Gesamtleitung von Werner Röder und Herbert A. Strauss, Saur, München/New York/Paris/London 1983, ISBN 3-598-10089-2, S. 253-254.
  • Walther Killy, Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie, Bd. 4, München 1996, S. 254–255.
  • Joseph Walk: Kurzbiographien zur Geschichte der Juden 1918–1945, hrsg. vom Leo Baeck Institute, Saur, Jerusalem, München/New York/London/Paris 1988, ISBN 3-598-10477-4, S. 131.
  • Peter Schulze: Gumpel, (1) Hermann, in: Hannoversches Biographisches Lexikon, 2002, S. 141 online über Google-Bücher.
  • Ingo Köhler: Die »Arisierung« der Privatbanken im Dritten Reich. Verdrängung, Ausschaltung und die Frage der Wiedergutmachung (= Schriftenreihe zur Zeitschrift für Unternehmensgeschichte, Bd. 14), München 2005: Verlag C. H. Beck, München 2005, 2. Auflage 2008, ISBN 978-3-406-53200-9, passim online über Google-Bücher.
  • Peter Schulze: Gumpel, (1) Hermann, in: Stadtlexikon Hannover, 2009, S. 242.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hermann Gumpel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h Peter Schulze: Gumpel, (1) Hermann (siehe Literatur)
  2. a b siehe Foto der Grabtafel.
  3. Peter Schulze: Gumpel, (2) Julius, in: Hannoversches Biographisches Lexikon, S. 141.
  4. a b c d e Peter Schulze: Gumpel, (1) Hermann (siehe Literatur)
  5. E6351E#1000/1043#5955* Hermann Gumpel, Kreuzlingen: Umzugsgut, 1927, Online Archivdatenbank des Schweizerischen Bundesarchivs, zuletzt abgerufen am 7. Mai 2014
  6. 3'25'41, 4/568 Kaufvertrag: Der Kanton verkauft an Hermann Gumpel, Kommerzienrat in D-Hannover, 4'976 Quadratmeter Wiesland an der Säntis- und der Bahnhofstrasse und 240 Quadratmeter Fahrweg, 1930.01.06, Seite des Staatsarchiv des Kantons Thurgau, zuletzt abgerufen am 11. August 2012
  7. Auskunft von und mit Dank an Peter Schulze.