Hermann Gunkel

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Hermann Gunkel

Hermann Gunkel (* 23. Mai 1862 in Springe, Königreich Hannover; † 11. März 1932 in Halle) war ein deutscher protestantischer Theologe (Alttestamentler).

Leben[Bearbeiten]

Hermann Gunkel wurde als Sohn des Ersten Pfarrers in Springe geboren. Karl Gunkel war sein Bruder. Nach dem Schulabschluss studierte er Theologie in Göttingen, dann Gießen und schließlich wieder Göttingen. In Göttingen belegte er Vorlesungen bei Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff und Seminare vor allem bei Albrecht Ritschl,[1] gegen den sich abgrenzend dann ein Kreis um Albert Eichhorn (1856–1926) entstand, aus dem später die so genannte Religionsgeschichtliche Schule hervorgehen sollte.

Gunkel wurde promoviert und habilitierte sich gleichzeitig 1888 in Göttingen für Biblische Theologie und Exegese und arbeitete dann dort als Privatdozent für Neues Testament. 1889 ließ er sich als Dozent für Exegese des Alten Testamentes nach Halle umhabilitieren, wohin ihn der preußische Ministerialdirektor Friedrich Althoff (ohne dass dessen Motive heute noch erkennbar wären) empfohlen hatte.

1895 wurde Gunkel außerordentlicher Professor für das Alte Testament in Berlin, unternahm aber einige Vortragsreisen und hielt Ferienkurse, um seine finanzielle Situation zu verbessern. Im selben Jahr wurde auch Schöpfung und Chaos veröffentlicht. Eine Bewerbung auf die Stelle eines Volksschullehrers schlug fehl. Es scheint, als habe die Kaiserin gegen Gunkel opponiert. 1901 kam die erste Auflage des Genesis-Kommentars auf den Markt. „Dieser Kommentar, 1910 bereits in dritter Auflage erschienen, gilt bis heute als Klassiker – als der vielleicht beste Kommentar des 20. Jahrhunderts zu einer alttestamentlichen Schrift.“[2]

Erst 1907 wurde Gunkel dann zum ordentlichen Professor nach Gießen berufen. 1913 verlieh ihm die Universität Oslo die Ehrendoktorwürde - als Dank widmete er dem Collegium Academicum seine Anthologie Reden und Aufsätze. 1920 ging er auf Initiative des Unterstaatssekretärs im Kultusministerium Preußens Carl Heinrich Becker, der auch für die Berufung Hugo Gressmanns nach Berlin verantwortlich war, erneut nach Halle. Hier schrieb er seinen Psalmen-Kommentar. Aus gesundheitlichen Gründen wurde Gunkel 1927 dort emeritiert, nahm aber noch einen Lehrauftrag für Alttestamentliche Literaturgeschichte wahr. Die Einleitung in die Psalmen war sein letztes großes Projekt, das von Joachim Begrich zu Ende geführt werden sollte.

Bis dahin war Gunkel zu einem herausragenden Vertreter der religionsgeschichtlichen Schule geworden. Neben seinen wissenschaftlichen Arbeiten zum Alten und Neuen Testament hatte er die Form- und Gattungsgeschichtliche Methode in der Theologie in Abgrenzung und Erweiterung zur Literargeschichtlichen Methode entwickelt, hatte, beeinflusst durch Wilhelm Wundt, die Bedeutung von Sagen und Legenden (vor allem im Alten Testament) erforscht und das Märchen als alttestamentliche Gattung entdeckt.

Dennoch war ein großer Teil seiner literarischen Produktion in aufklärerischer Bemühung für ein breiteres Publikum verfasst. Als Herausgeber begleitete Gunkel die Reihe Forschungen zur Religion und Literatur des Alten und Neuen Testaments (FRLANT) und die beiden ersten Auflagen des Lexikons Die Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG). Hermann Gunkel verstarb am 11. März 1932 in Halle.

Literatur[Bearbeiten]

  • Walter Baumgartner: Hermann Gunkel. In: Neue Zürcher Zeitung, Jg. 1932, Nr. 489/499; wiederabgedruckt in: Ders.: Zum Alten Testament und seiner Umwelt. Brill, Leiden 1959, S. 371–378.
  • Walter Baumgartner: Zum 100. Geburtstag von Hermann Gunkel. In: Vetus Testamantum 9 (1962), S. 1–18.
  • Konrad Hammann: Hermann Gunkel. Eine Biographie. Mohr Siebeck, Tübingen 2014. ISBN 978-3-16-150446-4.
  • Gerhard Wolfgang Ittel: Urchristentum und Fremdreligionen im Urteil der religionsgeschichtlichen Schule. Inaugural-Dissertation, Erlangen 1956, S. 29–33.
  • Werner Klatt: Hermann Gunkel. Zu seiner Theologie der Religionsgeschichte und zur Entstehung der formgeschichtlichen Methode. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1969.
  • Hans-Joachim Kraus: Geschichte der historisch-kritischen Erforschung des Alten Testaments. Verlag der Buchhandlung des Erziehungsvereins, Neukirchen 1956, S. 309 ff.
  • Hans-Peter Müller: Hermann Gunkel. In: Martin Greschat (Hg.): Theologen des Protestantismus im 19. und 20. Jahrhundert. Kohlhammer, Stuttgart 1978, Bd. 2, S. 241–255.
  • Konrad von Rabenau: Hermann Gunkel auf rauhen Pfaden nach Halle. In: Evangelische Theologie 30 (1970), S. 433–444.
  • Konrad von Rabenau: Gunkel, Hermann. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 7, Duncker & Humblot, Berlin 1966, ISBN 3-428-00188-5, S. 322 f. (Digitalisat).
  • Hans Rollmann: Zwei Briefe Hermann Gunkels an Adolf Jülicher zur religionsgeschichtlichen und formgeschichtlichen Methode. In: Zeitschrift für Theologie und Kirche 78 (1981), S. 276–288.
  • Hans Schmidt: In Memoriam Hermann Gunkel. In: Theologische Blätter 11 (1932), S. 97–103.
  • Rudolf Smend: Deutsche Alttestamentler in drei Jahrhunderten. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1989. ISBN 3-525-53584-8. S. 160–172.
  • Ernst-Joachim Waschke: Hermann Gunkel, der Begründer der religionsgeschichtlichen Schule und der gattungsgeschichtlichen Forschung. In: Arno Sames (Hg.): 500 Jahre Theologie in Wittenberg und Halle – 1502 bis 2002. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2003. ISBN 3-374-02115-8. S. 129–142.
  • Ernst-Joachim Waschke (Hrsg.): Hermann Gunkel (1862–1932). (= Biblisch-Theologische Studien 141). Neukirchener, Neukirchen-Vluyn 2013. ISBN 978-3-7887-2719-2
Bibliographie
  • Johannes Hempel in: Eucharisterion. Studien zur Religion und Literatur des Alten und Neuen Testaments. Festgabe für Hermann Gunkel zum 60. Geburtstage, dem 23. Mai 1922, dargebracht von seinen Schülern und Freunden. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1923, Bd. 2, 214–225 (bis 1922).
  • Werner Klatt, a.a.O., S. 272 ff. (1922–1969).
Fachlexika

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Reinhard Wonneberger: Gunkel, Hermann. In: Theologische Realenzyklopädie (TRE). Bd. 14, S. 297–300, hier S. 297.
  2. Bernhard Lang: «Reform der Exegese vom Impressionismus her». In: Neue Zürcher Zeitung, 17. Juni 2014, S. 67.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Hermann Gunkel – Quellen und Volltexte