Hermann Kirchner

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Hermann Kirchner

Hermann Kirchner (* 23. Januar 1861 in Wölfis; † 29. Dezember 1929 in Breslau) war ein deutscher Musiker und Komponist von Volksliedern.

Leben[Bearbeiten]

Kirchner besuchte das Gymnasium in Ohrdruf und lernte durch Anregung anderer Musiker viele Orchesterinstrumente kennen, unter anderem Violine und Klavier. Anschließend studierte er an der Berliner Akademie für Musik.[1] Er wurde Sänger und ging nach seiner Heirat als Musikdirektor nach Mediasch im damals ungarischen Siebenbürgen. Er komponierte zahlreiche Lieder und Opern. Schließlich wurde er Professor am rumänischen Staatskonservatorium in Bukarest.[2] Im Jahre 1910 kehrte er nach Deutschland zurück und wurde in den höheren Schuldienst übernommen. Unter anderem war er Lehrer am Gymnasium in Ohrdruf. Gleichzeitig setzte er seine Tätigkeit als Komponist fort.

Einen Großteil seiner Kompositionen waren Lieder, besonderen Erfolg und Widerhall hatte er mit dem Lied Im Holderstrauch zu verzeichnen. Text und Melodie fanden schnell ungewöhnliche Verbreitung. Es war 1896 von Kirchner nach einem Text seines Freundes Carl Römer (Pfarrer in Agnetheln, Meschen und Mediasch) in Siebenbürgen vertont worden. Das Lied wird noch heute zu besonderen Anlässen in seinem Heimatort gesungen. Hermann Kirchner gilt zusammen mit Georg Meyndt als Begründer der Singbewegung unter den Siebenbürger Sachsen. Sie waren die ersten, die volksnahe Lieder in Mundart verfassten.

Im Alter war seine Tochter Elisabeth eine besondere Hilfe für ihn. Als ausgebildete Pianistin begleitete sie seine Lieder, spielte die Klavierstücke des Vaters und wirkte in vielen Konzerten mit. Als sie starb, brach für Hermann Kirchner eine Welt zusammen. Er brauchte lange Zeit, bis er seine künstlerische Tätigkeit wieder aufnehmen konnte. Kurz vor seinem Tode reiste Hermann Kirchner noch einmal nach Siebenbürgen, um dort eigene Werke und seine Volksoper Der Herr der Hann zu dirigieren.

„Nach so vielen Jahren wurde mir von allen Seiten eine unglaublich rührende Anhänglichkeit bewahrt und die lieben Leute wussten gar nicht, was sie mir alles zugute tun sollten“

, schrieb er in einem letzten Brief an seine Verwandten in Wölfis. Am 29. Dezember 1929 starb Professor Hermann Kirchner in Breslau kurz vor Vollendung seines 69. Lebensjahres. Auf seinem Schreibtisch fand man noch Stöße von Entwürfen und unvollendeten Werken. Die meisten seiner Werke sind durch die Ereignisse und Wirren des Krieges verloren gegangen.

Werke[Bearbeiten]

(Opern, Musikdramen und Märchenspiele)

  • Der Herr der Hann (Volksoper in drei Akten, 1897/98)
  • Stephania (Musikdrama in drei Akten)
  • Viola (komische Oper 1903/04, nach Shakespeare Lustspiel " Was Ihr wollt")
  • Prinzessin Li-tu-se
  • Austernprinzeßchen (Operette)
  • Türkenjoch (Märchenspiel, 19/14)
  • Ein Sonnemärchen (heiter-romantische Oper 1913/14)
  • großes Ballet (1913/14:" In einem kühlen Grunde", kompositorischer Bearbeitung Eichendorferscher Gedichte)
  • Osternacht (Singspiel 1925/26)
  • Liederalbum I (Lieder: Rumänisches Wiegenliedchen, die Nachtigall, der Dompfaff)
  • In einem kühlen Grunde, Singspiel, 1925-1926
  • Erinnerungen, Beobachtungen und Ratschläge eines alten Landlehrers, 1927

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ohrdruf.de: Chronik der Gemeinde Wölfis (gesehen am 15. Juni 2010)
  2. Joseph Trausch, Friedrich Schuller, Hermann Adolf Hienz: Schriftstellerlexikon der Siebenbürgerdeutschen. Böhlau Verlag, Köln/Weimar 2001, ISBN 3-412-15200-5, S. 67. (Digitalisat)