Hermann Lietz
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Hermann Lietz (* 28. April 1868 in Dumgenevitz auf Rügen; † 12. Juni 1919 in Haubinda) war ein deutscher Reformpädagoge und Gründer der deutschen Landerziehungsheime für Jungen.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Leben
Hermann Lietz war das Kind eines Landwirtes, der Umgang mit den Tieren und der Natur haben ihn nachhaltig geprägt. Zur Schule ging er auf Gymnasien in den Hansestädten Greifswald und Stralsund. Alkohol und Nikotin lehnte er konsequent ab, was auf seine Abneigung gegen "Unsitten der Klassenkneipen" in Greifswald zurückgeführt wird.
1888 nahm Lietz das Studium der Theologie, Philosophie, Geschichte und Germanistik in Halle auf und führte dieses 1891/1892 in Jena zu Ende. Anschließend promovierte er zum Dr. phil.. Während seines Studiums setzte er sich mit Paul de Lagarde auseinander, der lebenslang sein Vorbild blieb.
Seit 1892 als Lehrer tätig, befasste er sich zunehmend mit Reformfragen der Pädagogik, die durch einen Aufenthalt bei Cecil Reddie in Abbotsholme 1896/97 reiften. Daraus folgte 1898 die Gründung des Landerziehungsheims in Ilsenburg (Harz), 1901 die Hermann-Lietz-Schule Haubinda in Thüringen und 1904 die Hermann-Lietz-Schule Bieberstein in Hessen.
Weil seine Landerziehungsheime vorzugsweise von Kindern aus reichem Elternhaus besucht wurden, entschloss er sich 1914 zur Gründung eines Landwaisenheimes in Veckenstedt. Weitere Schulen wurden von seinen Nachfolgern im Schloss Buchenau (1924) sowie in der Hermann-Lietz-Schule Schloß Hohenwehrda (1941) errichtet.
Lietz ist der Begründer der deutschen Landerziehungsheime; weitere wurden später von Gustav Wyneken, Paul Geheeb, Bertha von Petersenn (LEH für Mädchen) und Kurt Hahn gegründet. Der Ausgangspunkt der Landerziehungsheime ist die Kritik an der bürgerlichen Gesellschaft. Besondere Beachtung fand der Ansatz der Landerziehungsheime zwischen 1933 und 1945, als diese Erziehungsform und ihr völkisch-elitärer Ansatz zu einer bevorzugten und speziell geförderten Erziehungsform der Nationalsozialisten wurde.
1919 starb Hermann Lietz in Haubinda.
Lietz war ein Verfechter der getrennt-geschlechtlichen Erziehung, jedoch wurden die von ihm gegründeten Heime später koedukativ. Seine Reformpädagogik lebt bis heute in etlichen Hermann-Lietz-Schulen fort.
[Bearbeiten] Veröffentlichungen
- Reform der Schule durch Reformschulen. Kleine Schriften. Hg. von R. Koerrenz. Jena 2005 (Pädagogische Reform in Quellen Bd. 1)
- Des Vaterlandes Not und Hoffnung. Veckenstedt 1919
- Lebenserinnerungen. Weimar 1935
- Freseni. Veckenstedt (Harz) o.J.
- Emlohstobba. Roman oder Wirklichkeit? Bilder aus dem deutschen Schulleben der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft? Berlin 1897
[Bearbeiten] Literatur
- Ralf Koerrenz: Hermann Lietz : Grenzgänger zwischen Theologie und Pädagogik. Frankfurt am Main 1989
- Ralf Koerrenz: Hermann Lietz. Lüneburg 1994 (Ed. Erlebnispädagogik)
- Elisabeth Kutzer (Hrsg): Hermann Lietz. Zeugnisse seiner Zeitgenossen. Stuttgart 1968
- Frank Wild: Askese und asketische Erziehung als pädagogisches Problem. Zur Theorie und Praxis der frühen Landerziehungsheimbewegung zwischen 1898 und 1933. Frankfurt 1997
[Bearbeiten] Weblinks
- Literatur von und über Hermann Lietz im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Hermann-Lietz-Schulen
- Hermann-Lietz-Schule Haubinda
- Vereinigung Deutscher Landerziehungsheime e.V.
- Frankfurter Rundschau (2000) "Der verengte Blick der Nachkriegszeit"
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Lietz, Hermann |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Reformpädagoge |
| GEBURTSDATUM | 28. April 1868 |
| GEBURTSORT | Putbus auf Rügen |
| STERBEDATUM | 12. Juni 1919 |
| STERBEORT | Haubinda, Thüringen |

