Hermansky-Pudlak-Syndrom

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Klassifikation nach ICD-10
E70.3 Albinismus
Hermansky-Pudlak-Syndrom
ICD-10 online (WHO-Version 2006)

Das Hermansky-Pudlak-Syndrom (PBS) ist eine seltene Erbkrankheit, bei der es zur Ablagerung von Ceroid in den Lysosomen, den Melanocyten und den Serotoningranula (δ-Granula) der Thrombozyten kommt. Die Erkrankung ist charakterisiert durch einen Albinismus der Haut und Bindehaut, durch eine erhöhte Blutungsneigung aufgrund einer Störung der Thrombozytenaggregation sowie durch das Auftreten einer Lungenfibrose (interstitielle Lungenerkrankung).

Die Erkrankung wurde erstmals von F. Hermansky und P. Pudlak im Jahr 1959 beschrieben und nach diesen Erstautoren benannt. [1]

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Epidemiologie

Es handelt sich beim Hermansky-Pudlak-Syndrom um eine sehr seltene Erkrankung. Daher mangelt es insgesamt an epidemiologischen Daten. Die Erkrankung kommt weltweit sporadisch vor. Eine geographische Häufung ungeklärter Ursache gibt es im Nordwesten von Puerto Rico. Hier wurde über etwa 400 Erkrankte (Prävalenz 1:1800) berichtet. [2] Genaue Zahlen für den deutschsprachigen Raum sind nicht bekannt.

[Bearbeiten] Ätiologie und Pathogenese

Die Ätiologie (Ursache) und die Pathogenese der Erkrankung ist nicht vollständig geklärt. Es handelt sich um eine Erbkrankheit, die autosomal-rezessiv vererbt wird. Prädisponierend ist eine Mutation im HPS1-Gen. Aus diesem Gen entsteht das sogenannte HSP1-Protein, einem Strukturprotein, dessen Funktion noch weitgehend unbekannt ist. Bisher ist ein Fall bekannt, bei dem ein Hermansky-Pudlak-Syndrom diagnostiziert wurde, ohne dass Mutationen in diesem Gen gefunden werden konnten.[3]

Ein Gen, das für die Entstehung des Syndroms verantwortlich sein kann, codiert die Untereinheit AP-3ßA des AP-3-Proteins. Es spielt eine Rolle beim Transport von Lysosomen und Melanosomen in der Zelle. Bei der Maus hat das homologe Gen zwei Mutationen (mocha und pearl), die mit aufgehellter Fellfarbe verbunden sind, bei Drosophila sind die Mutationen garnet und carmine bekannt, die zu aufgehellter Augenfarbe führen. [4]

[Bearbeiten] Therapie

Es gibt derzeit keine kausale Therapie. Glukokortikoide haben nach bisheriger Studienlage keinen Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung. Das Hermansky-Pudlak-Syndrom kann daher nur symptomatisch behandelt werden. Der Verlauf der Erkrankung, insbesondere das Fortschreiten der Lungenfibrose kann durch den Einfluss pulmonaler Risikofaktoren, z.B. durch Rauchen, negativ beeinflusst werden. Die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen, wie das Auftreten einer Lungenentzündung, kann durch prophylaktische Impfungen verringert werden. Hierzu gehören vor allem die Pneumokokken- und Influenza-Impfung (Grippe-Impfung). Aufgrund der eingeschränkten Thrombozytenfunktion stellen Thrombozytenaggregationshemmer eine relative Kontraindikation dar.

[Bearbeiten] Quellen

  • Poletti V et al.:Rare infiltrative lung diseases: a challenge for clinicians. Respiration. 2004 Sep-Oct;71(5):431-43 PMID 15467318
  • Burkhardt H et al.: Ungewöhnliche Ursache einer Lungenfibrose bei einer 71-jährigen Patientin. Medizinische Klinik 2002;97:165–9 (Nr. 3). Abstract
  • Harrisons Innere Medizin. - Dt. Ausgabe der 15. Auflage - ABW Wissenschaftsverlag Berlin 2003, ISBN 3-936072-10-8

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Hermansky F, Pudlak P: Albinism associated with hemorrhagic diathesis and unusual pigmented reticular cells in the bone marrow. Blood 14: 162–169, 1959.
  2. Shotelersuk V et al.: Hermansky-Pudlak syndrome: models for intracellular vesicle formation. Mol Genet Metab 1998;65:85–96.
  3. Kobashi Y et al.: Hermansky-Pudlak syndrome with interstitial pneumonia without mutation of HSP1 gene. Intern Med. 2005 Jun;44(6):616-21. PMID 16020891
  4. Doris Kretzschmar, Burkhard Poeck, Helmut Roth, Roman Ernst, Andreas Keller, Matthias Porsch, Roland Strauss, and Gert O. Pflugfelder: Defective Pigment Granule Biogenesis and Aberrant Behavior Caused by Mutations in the Drosophila AP-3ß Adaptin Gene ruby. Genetics, Vol. 155, 213-223, May 2000, Copyright © 2000
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